Dienstag, 26. Oktober 2010

Ist Essen denn wirklich so kompliziert ?

Zur Diskussion über gesundes Essen, die derzeit im Rahmen der ARD-Themenwoche stattfindet, fällt mir unter anderem auf, wie simpel die Medienlandschaft doch wieder mal funktioniert; nämlich über Sündenböcke.

In diesem Fall ist der sich anbietende Sündenbock "die Lebensmittelindustrie". Es scheint ein sehr willkommener Sündenbock zu sein, denn sind "Industrien" nicht immer irgendwie anrüchig?

Schließlich, so der Verwurf der linken Nanny-Politiker um Renate Künast, herrsche bei der Lebensmittelindustrie weitgehende Intransparenz, will heißen, sie schreiben entweder nicht drauf, was drin ist, sie täuschen den Verbraucher bewusst, oder aber sie benutzen Inhaltsstoffe, die schädlich sind.

Was ich in den letzten Tagen auch schon oft gehört habe: Der Verbraucher weiß überhaupt nicht, was er kauft, denn er versteht nicht, was auf der Verpackung draufsteht.


Aus meiner eigenen "Erfahrung mit Lebensmitteln" halte ich diese Vorwürfe größtenteils für gequirlte Scheiße.


Denn erstens stehen auf jedem Produkt sowohl Inhaltsstoffe als auch Nährwerte. Wer sich ein bißchen über Nährwerte informiert hat, der weiß, ab welchem Zucker- und ab welchem Fettgehalt man besser die Finger von Produkten lassen sollte. Man braucht kein Lebensmittelchemiker zu sein, um hier eine Entscheidung zu treffen. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass "Otto-Normalverbraucher" einfach zu faul ist, sich zu informieren. Tja, dann muss eben "die Lebensmittelindustrie" herhalten, die es mal wieder falsch gemacht hat.


Dass der Kunde oft nicht versteht, was er da eigentlich isst, kann ich nachvollziehen. Gestern habe ich eine Pepsi Light getrunken. Darin enthalten sind unter anderem folgende Inhaltsstoffe: 

  - Zuckerkulör E150d
  - Aspartam und Acesulfam-K 
  - Natriumbenzoat u.v.a. 

Ich habe keine Ahnung, woraus diese Stoffe bestehen und warum sie in der Pepsi sind. Na und? Erstens interessiert es mich herzlich wenig. Ich weiß bei einem Vollkornbrot ja auch nicht, von welchem Feld das Korn kommt. 

Doch "der Verbraucher" kann sich ja einfach mal Folgendes klarmachen: Würden diese Stoffe nicht in seiner Mahlzeit enthalten sein, würde sie wohl auch nicht so schmecken, wie sie schmeckt. Und somit würde er sie auch nicht mehr essen wollen.

Wenn er nun jedes Element einzeln überprüfen will oder sich von der Vielzahl an Inhaltsstoffen überfordert fühlt, dann muss er das Produkt auch nicht mehr kaufen. Zwingen wird ihn wohl niemand dazu.



Nahrungsmittel sind nun mal komplex. Wenn die EU oder die linke Bürokratiepolitik nun Transparenz schaffen will, frage ich mich, was genau sie damit meint. Eine Pepsidose zumindest ist ziemlich sicher zu klein, um auf ihr den gesamten Herstellungsprozess dieses Getränks inklusive einer ausführlichen Erläuterung der Inhaltsstoffe abzudrucken. Denn das zu tun, wäre doch konsequentermaßen der nächste Schritt.


Oder will die EU, dass Nahrungsmitteln künftig Beipackzettel beiligen wie bei Medikamenten? So absurd diese Vorstellung im ersten Moment erscheint, so ist sie auf den zweiten Blick im Angesicht der Verordnungswut der Brüsseler Schreibtischtäter gar nicht mal so unwahrscheinlich.


Das Problem ist, dass "der Verbraucher" beides will: Er will das 2-Minuten-Gericht aus der Mikrowelle, das auch noch saumäßig gut schmeckt. Gleichzeitig will er aber die volle Transparenz und alles verstehen. Beides geht aber nun mal nicht.


Entweder man akzeptiert, dass das "gute" Fertigessen nun mal ein Industrieprodukt ist und nur aufgrund der zahlreichen Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe so schmeckt, wie es schmeckt. Oder man bleibt bei Brot, Milch und Eiern vom Bio-Bauernhof, isst asketisch und weiß, was man auf dem Teller hat. Beides zu wollen aber ist unmöglich.













Keine Kommentare: