Montag, 6. Dezember 2010

Empörung, Ignoranz und Heuchelei - ein schmaler Grat

Ein Aufschrei geht durchs Land! Und eine Frage: "Machen die im Fernsehen denn mittlerweile (sic) alles der Quote zuliebe?"

Eine interessante Frage ist das, wenn auch eine rhetorische. Oder ernst gemeint? Zumindest habe ich sie seit vorgestern abend des öfteren gehört, seit ein 23-Jähriger bei "Wetten,dass..." schwer verungückte beim aberwitzigen Versuch, mit High-Tech-Stelzen über Autos zu springen und dabei noch einen Salto zu schlagen.


Also zur Ausgangsfrage, die doch recht empört daherkommt: Dazu ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben als aktiver Fernsehzuschauer:

Vor etwa drei Wochen lief die Sendung "Das Supertalent" auf RTL. Dabei stand ein braungebrannter, durchtrainierter Deutscher in einer enganliegenden Jeansshorts auf der Bühne und schüttete Buttermilch über seinen Körper. Vielleicht hat er dazu noch gesungen, ich weiß es nicht mehr genau, doch es spielt in diesem Zusammenhang auch keine Rolle.

Ja, das Fernsehen tut alles der Quote zuliebe. Und es wird auch weiter so sein. Ich weiß nicht ob es gut der schlecht ist. Doch es ist klar, dass alle, die jetzt empört aufschreien entweder Heuchler sind, die es eigentlich besser wissen oder aber Ignoranten, die wirklich nur einmal im Vierteljahr den Fernseher einschalten. Dann nämlich, wenn "Wetten, dass..." läuft.


Doch auch dann kann man eigentlich kaum überrascht sein, dass ein solches Unglück passiert. Denn welche Sendung, wenn nicht "Wetten,dass..." bezieht ihre Existenzberechtigung daraus, dass verrückte Menschen verrückte Dinge tun? Das war schon immer das Prinzip der Sendung: alles für die Unterhaltung, alles für die Quote. Würde also jetzt ernsthaft darüber diskutiert, ob man solche Stunts künftig nicht durchführen sollte, würde man unweigerlich gleichzeitig über die Existenzberechtigung dieser Sendung diskutieren. Und genau aus diesem Grunde wird alles beim alten bleiben, denn "the show must go on". Niemand beim ZDF würde auch nur ernsthaft erwägen, das Grundprinzip der erfolgreichsten TV-Show Europas zu erschüttern.


Der Vorfall am Samstag war also ein tragischer Zwischenfall. Aber auch nur dass. Man muss kein Zyniker sein um zu wissen, dass der junge Mann in einer Woche von den wenigsten Medien noch erwähnt wird, dass die Sicherheitsvorkehrungen (vielleicht nicht einmal zu unrecht) die selben bleiben und dass uns die barocke Goldmähne bereits in wenigen Wochen wieder aus einer anderen Mehrzweckhalle begrüßen wird.



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