Dienstag, 30. November 2010

Politik und Ästhetik

Hannes Rockenbauch hat eine auffallend große Zahnlücke in der unteren Zahnreihe.

Es ist mir vorher aufgefallen, als ich ihn im Interview im SWR sah, nachdem der Schlichterspruch Heiner Geißlers zu S21 gefallen war. Rockenbauch sagte naturgemäß, die Proteste würden weitergehen, trotz Geißlers recht deutlichem Votum. 

Doch wieder weg von der Substanz, hin zur Oberfläche: Die Zahnlücke ist unschön. Leider passt sie ins Bild dieses ungepflegten Rotschopfs.

In den sechs Wochen der Schlichtung ist mir die Zahnlücke nie aufgefallen. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass seine Stimme noch von einer anderen negativen Eigenschaft überlagert werden könnte, doch ich wurde überrascht.

Rockenbauchs Stimme ist quälend. Es ist, als beschwere sich ein 13-Jähriger Schwabe im Stimmbruch bei seiner Mutter, dass sie ihn nicht bis spät mit seinen Kumpels spielen lässt. Es ist eine vorwurfsvolle Stimme, aber auch eine anmaßende. Eine Stimme die klingt, wie die Stimme vieler Jugendlicher eben klingt in der Pubertät: streitlustig.

Doch Rockenbauch ist ja nicht mehr in der Pubertät. Er ist um die 30, würde ich schätzen. Ich weiß nicht viel über ihn: er geht weder zum Zahnarzt, noch zum Frisör und ist bei einer ökologisch-linken Partei engagiert.

Doch all das interessiert eigentlich nicht mehr, wenn man die Stimme gehört hat. Und plötzlich denke ich anders über Migräne, über Tumore im Gehirn, über Hörstürze und über die psychischen Schäden von Lärmbelästigung. Wenn man diese Stimme kennt, wenn man unter ihr gelitten hat, dann hat man seine Unschuld verloren. Dann ist man nicht mehr der, der man vorher war. 

Ästhetik und Politik, hier sind sie gescheitert. 1:0 für Volker Kefer, der einen dichten Bartwuchs mit ein paar gezielten Botox-Spritzern in der Stirn und schönen dritten Zähnen kombiniert. Sowieso war die Pro-S21-Fraktion in Punkto Ästhetik besser aufgestellt, was aber vor allem am schwachen Gegner lag. 

Während Gangolf Stocker das Zähneputzen in den letzten 30 Jahren wohl völlig eingestellt hat, fiel Tübingen-OB Palmer durch eine unzeitgemäße 80er-Tolle und ein spitz zulaufendes Mäuserichgesicht auf. Architekt Conradi blamierte sich regelmäßig mit schlecht sitzender Fliege. 

Wäre wohl ein Kantersieg geworden, hätten die Pro-Leute nicht mit Tanja Gönner eine faulen Apfel am Baum hängen. Fräulein Silberblick jedoch kompensierte ihren Dreher in der Optik mit sehenswerter und angemessener Garderobe. Dies konnte man von eingangs erwähntem Rockenbauch allerdings nicht erwähnen. Es bleibt zu hoffen, dass er sich nach dem Pinkeln wenigstens die Hände wäscht, bei den vielen Leuten, die per Handschlag gegrüßt werden müssen.


Danach aussehen tut er allerdings nicht.