Montag, 19. Dezember 2011

Cockburn zum Thema "globale Erwärmung"

Alexander Cockburn, "Counterpunch"-Autor, hält globale Erwärmung für Hype:


"I think it is one of the great cases of hysteria in world history. And they're very frightening, because people get very hysterical."

"Ein Zombie-Staat" - Hanns Maull über Nordkorea

Vögel, so lautet die Sage, sangen auf nordkoreanisch, als der große Kim Il Sung die Macht ergriff. Als er zum ersten Mal Golf spielte, soll er neun (!) Hole-in-Ones gehabt haben.


Wenn das mal keine Staatsreligion ist. Heute hat der Enkel die Macht übernommen, nachdem Kim Jong Il gestorben war. Ein Interview zur Zukunft Nordkoreas (und den Einfluss Chinas) gab Prof. Hanns Maull heute im Deutschlandfunk.

Die RightMinds, die Daily Mail und was die Engländer von der EU denken

Wer sich in den letzten Tagen nach dem britischen Veto auf dem EU-Gipfel (oder schon viel länger) gefragt hat, warum die Engländer so vehement auf ihrer Souveränität und Unabhängigkeit von der EU beharren (in der sie paradoxerweise ja trotzdem Mitglied sind), der findet in der RightMinds-Sparte der Daily Mail etliche Antworten.

Diese Abteilung der in Deutschland oft als das Blatt der Kleinbürger verspotteten Tageszeitung ist ein Sammelsurium von Bloggern und Kolumnisten, die der Hass auf das europäische Projekt, das Mißtrauen gegenüber allen EU-Politikern und der unterschwellige (manchmal auch offen ausgesprochene) Verdacht, Deutschland wolle wieder eine Führungsmacht in Europa werden, eint. Hinzu kommt die offenkundige Sehnsucht nach einem längst vergangenen Empire, dem die RightMinds hinterhertrauern oder das sie versuchen, wieder heraufzubeschwören.

Dabei schwankt das Niveau in der Berichterstattung erheblich. Peter Hitchens z.B., der Leitartikler der Mail on Sunday, der ebenfalls den RightMinds angehört, argumentiert noch relativ vernünftig gegen eine Übermacht der Technokraten aus Brüssel und für eine Stärkung britischer Unabhängigkeit.


Bei Peter McKay hingegen sieht die Sache schon ein wenig anders aus


"The Germans express contempt for what they see as their soft, workshy southern Mediterranean neighbours, who, in turn, rage against Germany’s seeming determination to micro-manage their economies."


Schon im dritten Abschnitt fängt eine subtile Hetze an. Hauptaussage seines Stückes ist seine verquere Meinung (basierend hauptsächlich auf weitgehend unbegründeten Annahmen), dass die Franzosen in Wirklichkeit gar nichts gegen die Engländer haben, sondern eigentlich die Deutschen nicht ausstehen können:


 
"Plus’s top-rated satire show regularly opens with a spoof address to the people of France ‘from your president, Angela Merkel’.
‘There are lots of learned articles in papers and magazines recapping Franco-German history for younger readers,’ reports my source there.
‘I have counted six pictures of Prussian spike helmets this week alone.’"


McKays "Quelle in Frankreich", wer auch immer das sein mag, hat also sechs Bilder von preußischen Pickelhauben in einer Woche im französischen Fernsehen beobachtet. Daher, so sein Schluss, müssen die Franzosen die Deutschen natürlich hassen. Dieses Argumentationsniveau zieht sich durch seinen gesamten Artikel.


Natürlich kommt McKay auch nicht umhin, die SS zu erwähnen, die im Zweiten Weltkrieg in griechischen Distomo ein Massaker an der Zivilbevölkerung verübte. Außerdem, so McKay, müsste die Bundesregierung die Schulden der Griechen zumindest zum Teil zurückzahlen. Denn ein "Kriegskredit", der damals von der griechischen Nationalbank erpresst worden war, sei immer noch nicht zurückgezahlt worden:


 
"On March 14, 1942, a team of German and Italian lawyers, in the absence of any Greeks, signed an agreement obliging the Bank of Greece to provide Germany with a ‘war loan’ of 476 million Reichsmarks (a currency which preceded the Deutschmark).
Seventy years later, not one penny of it has been repaid.
Economists (German, as it happens) have calculated that, allowing purely for inflation, Greece’s 1942 loan to Germany would today be worth £9 billion. But if one adds even a modest rate of interest of 3 per cent, then that debt increases to a staggering £60 billion."

So schnell kommt man im Universum von Peter McKay also von der aktuellen europäischen Schuldenkrise zu SS-Truppen in Griechenland und nicht zurückbezahlten Kriegskosten. So sieht also Populismus in Reinform aus. Wie gesagt: Die RightMinds weisen sehr große Unterschiede auf, was Sachlichkeit angeht. Sie sind zwar alle euroskeptisch, aber nicht jeder Kolumnist argumentiert so hanebüchen und schamlos wie McKay.


Trotzdem sollte man sich eher an Gestalten wie McKay orientieren, wenn man an der britischen Volksseele interessiert ist und nicht an den Meinungen des Establishments. Das ist in England leider nicht anders wie hier. Wenn Nikolaus Blome in der Bild-Zeitung über die Pleite-Griechen hetzt, weiß man (leider), was einige schon bald als Wahrheit über die griechische Gesamtbevölkerung akzeptieren werden. 


Einer der RightMinds, der die Dinge wenigstens ein bißchen differenzierter betrachtet, ist Simon Heffer. Er feiert Camerons Veto beim EU-Gipfel regelrecht:
 
"Mr Cameron’s decision to ‘isolate’ Britain looks more and more sensible, as the Sarkozy/Merkel deal has done nothing to change the fundamentals of the broken European economy.
And the distance he has put between us and the EU provides a wonderful opportunity for us to strike out in a different direction.
It becomes ever more clear, too, just what a massive opportunity there is for Britain, in developing trade and shaping our own foreign policy, as a result of our disenchantment with the European superstate.
We must urgently exploit our new-found sense of independence and not fret about finding a way to compromise with an EU that, through a series of self-inflicted wounds, is injured beyond healing."


Die neu entdeckte Eigenständigkeit der Briten könnte tatsächlich bald schon ein Vorteil für sie sein. Die EU scheint im Moment viel zu behäbig zu sein, um drastische, einschneidende (aber notwendige) Entscheidungen voranzubringen. Den Vorwurf, die Briten würden sich "isolieren", habe ich nie wirklich verstanden. Sie sind nach dem Veto nicht isolierter als vorher. Sie sind immer noch EU-Mitglied, haben nun aber ihren Standpunkt deutlich gemacht. Außerdem haben die Briten den immensen Vorteil, über ihre eigene Währung verfügen zu können. Es ist für mich mehr als verwunderlich, wie unkritisch die führenden Politiker in Deutschland den Euro immer noch beurteilen. Einerseits verbietet es sich zwar, über eine mögliche Währungsreform zu spekulieren. Andererseits stellt sich die Frage, ob man nicht doch einen radikalen Schnitt machen muss, um zu verhindern, dass die Euro-Krise zu einer jahre- oder jahrzehntelangen Hängepartie wird.


"We must reject the backward-looking, over-regulated, anti-democratic and corrupt Franco-German hegemony that has obsessed our political leaders since the early Seventies.
The EU is by its nature intensely introspective. While it has been busy navel-gazing, Europe has neglected to recognise, until it was too late, the effect the rise of new economic powers must have on its own cosy and over-priced cartel.
These powers — notably China, Brazil and India — are the engines of such growth as there is at present in the global economy. China also seeks to exploit the considerable mineral wealth of Africa, something that with our historic links to that continent we, too, should do."


Die europäische "Introspektion" ist tatsächlich ein wunder Punkt der EU. Das ist kein Geheimnis. Und trotzdem tritt diese Schwachstelle gerade in der Krise so offen zu Tage wie nie zuvor. Die Diagnose der EU - Behäbigkeit, Strukturprobleme, offene Zielfrage - ist seit langem klar. Die Lösung, der Weg, der eingeschlagen werden soll, ist jedoch so unsicher wie nie.


Die Briten stehen aus meiner Sicht trotzdem vor fast genau so vielen Problemen wie die EU: sie sind sich uneins, was den Verbleib in der EU und die internationale Ausrichtung per se angeht, ihre Produktionsbetriebe sind nicht mehr konkurrenzfähig, die Jugendarbeitslosigkeit ist auf einem Rekordhoch. Und wenn Heffer über neue Allianzen mit Brasilien, Indien und die Nutzung von natürlichen Rohstoffen in Afrika sinniert, fragt man sich, was genau diese Länder eigentlich von einer intensivierten Zusammenarbeit mit Großbritannien hätten. 


Fazit: Die Unsicherheit ist groß - in der EU sowie in Großbritannien. Als Schaufenster in die britische Seele sind die RightMinds für mich unentbehrlich. Man sollte sie aber gerade deshalb mit großer Vorsicht genießen - Beleidigungen sind (siehe oben) nicht nur möglich, sondern praktisch an der Tagesordnung.















Samstag, 17. Dezember 2011

Christopher Hitchens gestorben

Der Journalist und Autor Christopher Hitchens ist gestorben. Seine Kolumnen auf Slate und Vanity Fair habe ich immer gern gelesen, seine Auftritte in amerikanischen Talkshows und seine Debattenbeiträge waren interessanter und aufregender als alles, was ich vorher in diesem Bereich gesehen und gelesen hatte. 
Sein Bruder Peter Hitchens, dessen Kolumnen in der Mail on Sunday ich ausdrücklich empfehlen will, erinnert hier an ihn. Hier der Nachruf von David Frum auf Huffington Post. Zuletzt noch eine Erinnerung auf deutsch.
 

Wulff revisited

Upps...Christian Wulff scheint also doch gelogen zu haben.


Ich habe ihm also Unrecht getan: Im letzten Eintrag über Wulff hatte ich noch behauptet, der alte Sesselfurzer wäre selbst für einen Skandal zu langweilig.

Nun stellt sich heraus: Wulff ist nicht nur rückgrat- und profillos, sondern auch noch ein Lügner. Das Geld aus seinem Privatkredit scheint nämlich doch direkt von seinem Millionärsfreund Geerkens gekommen zu sein und nicht, wie anfänglich behauptet, von dessen Frau. Laut "Spiegel" wurde das Geld nur durch das Konto von Frau Geerkens geschleust, um die Abwicklung so unauffällig wie möglich erscheinen zu lassen.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Hans-Ulrich Jörges ist...

...ein Proll.

In der verlinkten Folge von "Hart aber Fair" von diesem Montag ist mir neben der allgemeinen Hohlheit und Opportunismus Jörges' Äußerungen erstmals aufgefallen, wie rüpel- und proletenhaft er diese oft vorträgt.

Er ist meist deutlich lauter als die anderen Diskutanten, fühlt sich fast immer angegriffen oder befindet sich selbst in der Attacke auf jemanden, meist auf eine ziemlich diffus definierte Gruppierung, und an fast jeden seiner Sätze hängte ich in Gedanken ein lautes: "Das ist doch so! Das kann man doch nicht ernsthaft bestreiten!" Und immer passte es perfekt zur gerade von Jörges geäußerten Phrase. Natürlich ist es nicht gerade ein Ausdruck der Qualität des eigenen vorgetragenen Arguments, wenn man diese zwei Bekräftigungssätze anhängen muß. Genau deshalb aber redet Jörges so. Seine Argumente sind keine, allenfalls lahme Allgemeinplätze, die er nur wiederkäut. Darum muss er sie als universale, neuartige und einzig wahre Erkenntnisse darstellen. 

Stefan Gärtner beschrieb einen Teilaspekt des Phänomens Hans-Ulrich Jörges einmal so:



"So nämlich formt und rundet sich's gleich aufs beweiskräftigste: hier der Opinion Leader, der sein Hausblatt jede Woche u.a. mit einer 'Zwischenruf' genannten Kolumne bestückt, da zwei Millionen 'Stern'-Leser, die den prima Schleim genau so regelmäßig wegschlucken und dann eine 1a Politikverdrossenheit entwickeln, über die Hans-Ulrich Jörges sich dann wieder beklagen kann; 'Autopoiesis' (Prof. Luhmann) wie aus dem Lehrbuch.
 Die Meinungen, die Jörges so unters Lesevolk rührt, bestehen dabei aus einer Mischung aus Anstandsbeschwörungen ans Politikervolk, dem Wunsch nach weniger Staat und mehr Bürgerverantwortung und dem Hohelied grundsätzlicher Vereinfachung in grundsätzlich allem, was sich in Jörges' stets vom 'gesunden Menschenverstand' durchwehten Ideen auch sehr schön niederschlägt [...]."

Man muss nur eine einzige Talksendung mit Jörges' Beteiligung der letzten Zeit ansehen, um festzustellen, dass Gärtners Analyse aus dem Jahr 2006 heute immernoch und mehr denn je gültig ist. Gärtner seziert in seinem Buch Man schreibt Deutsh: Hausputz für genervte Leser einige Eigenarten in Jörges' Schreiben und Charakter. Vor allem zeigt er darin auf, wie inhaltlos und rein auf Phrasen und Allgemeinplätzen basierend das Werk des Dampfplauderers aus Bad Salzungen eigentlich wirklich ist (nicht, dass man es nicht schon gewusst hätte, aber Gärtners Analyse ist ausführlich und witzig).

Hans-Ulrich Jörges ist ein Kollaborateur, ein Opportunist, verlangt verdächtigerweise immer wieder "Führung" von Politikern (nett auch Jutta Ditfurths halb entrüstete, halb ironische Frage in Hart aber fair: "Herr Jörges, sie wollen geführt werden?", bei der man sich des  Eindrucks nicht erwehren konnte, dass Jörges sich hier zumindest für einen Moment ertappt fühlte.) Kurzum: Journalistische Distanz, die, so man hört, zu den Grundpfeilern eines Qualitätsjournalisten gehört, ist für "Uli" Jörges ein Fremdwort. Er sehnt sich nach Führung, nach Mut und vermutlich auch nach einem Ruck, der durch die Republik geht.


Der doofe Spruch über die Sehnsucht der Deutschen nach Untertanentum und Servilität: manchmal hat man das Gefühl, er sei wirklich war.

















Mittwoch, 14. Dezember 2011

Christian Wulff: Angepasst, orientierungslos, nichtssagend

Christian Wulff ist und bleibt ein Rätsel. Leider kein besonders spannendes.

Der aalglatte, stromlinienförmige Parteisoldat aus Osnabrück hat spätestens seit dem Jahr 2010 eine der unglaublichsten Politikerkarrieren hingelegt, die es in der BRD bis dato gegeben hat. Als Nominierter für den Preis der langweiligsten Person des 21.Jahrhunderts hat er es in ein Amt geschafft, für das bis dahin Rückgrat, Charakter, Ausstrahlung und Lebenserfahrung als elementar gegolten hatten.

Wulff ist ohne all diese Eigenschaften ins Schluss Bellevue eingezogen. Dem opportunistischen Parteiklüngel der CDU sei Dank, setzte er sich im peinlichen dritten Wahlgang gegen Joachim Gauck durch, der ihm in Sachen Beliebtheit beim Volk, Lebenserfahrung und Ausstrahlung überlegener nicht hätte sein können.

Politische Positionen sucht man bei Wulff vergeblich. Als opportunistischer Schreibtischtäter scheint er eher einer zu sein, der Ämter bekleidet anstatt sich mühevoll Meinungen zu bilden. Wulff ist ein Parvenue, doch ich frage mich, wie er in der Politik gelandet ist. Ein BWL-Studium und ein stromlinienförmiger Aufstieg bei einem Konzern hätte ihm besser zu Gesicht gestanden. Oder ein Job im Rathaus. Irgendein Ort zumindest, an dem man Leitz-Ordner von A nach B schieben und hölzern formulierte Anträge unterschreiben kann.

Ich denke, Christian Wulff ist ein Mensch, der alles korrekt machen will.
Gleichzeitig will Wulff aber ein schönes Leben. Deshalb klüngelt er ja auch mit Maschmeyer und den anderen Millionären, hängt in deren Villen rum und lässt sich Privatdarlehen zuschanzen.
 

Es ist irgendwie auch typisch für Wulff, dass er in der Sache Geerkens sich juristisch hat nichts zu Schulden kommen lassen. Dumm ist sie ja nicht, unsere Christen-Attrape aus Niedersachsen. Vorher wird er sich schon abgesichert haben, ob das auch alles so ok ist, was er da mit den Krediten macht. Die Perfidie eines zu Guttenberg, zu betrügen und anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, hätte Wulff auch nicht. Dafür ist er einerseits zu korrekt. Andererseits auch zu ängstlich, zu verdruckst. 

Vor einiger Zeit regierte Bismarck de facto das Reich, und repräsentiert wurden wir von Kaiser Wilhelm I. Heute regiert Merkel die Bundesrepublik, und repräsentiert werden wir von einem, der Sachbearbeiter, Schalterbeamter oder Versicherungsvertreter hätte werden sollen, auf immer und ewig im marineblauen Anzug umherwandelt, mit Millionären in Villen sitzt, als seinen größten Verdients den kindgerechten Umbau der Bundespräsidenten-Residenz vorzuweisen hat und sich von idiotischen Journalisten bestätigen lässt, das Tattoo seiner Frau spreche für seine angebliche Modernität.

Ich halte wenig vom Ruf nach charismatischen Persönlichkeiten und finde allein den Begriff charismatisch verdächtig. Christian Wulff ist allerdings ein mindestens genau so gefährlicher Gegenentwurf. Noch nie war das Amt des Bundespräsidenten so egal wie heute. Nicht mal einen Skandal bekommt dieser Trockenfurzer auf die Reihe. Das ist weniger als armselig.





Mittwoch, 7. Dezember 2011

"Teammanager" Bierhoff: Was MACHT der eigentlich?

Was macht eigentlich Oliver Bierhoff genau?
Er bezeichnet sich ja als "Teammanager der Fußball-Nationalmannschaft". Wie man weiß, gab es diese Position vorher nicht. Bierhoff hat sie selbst geschaffen. 
Die deutsche Nationalmannschaft wurde 1954, 1974 und 1990 Weltmeister. Ohne Teammanager. Auch die Euro 1996 in England, an deren Gewinn Bierhoff als Stürmer ja maßgeblich beteiligt war, wurde ohne Teammanager gewonnen.
Da das Jahr 365 Tage hat und der Teammanager durch Schaffung und Ausfüllung dieses Postens mittlerweile mehrere Millionen Euro angehäuft haben dürfte, frage ich mich also, was Oliver Bierhoff den ganzen Tag lang so macht. 
Trainingslager und Mannschaftsquartiere buchen? Könnte ja auch der Trainer machen. Außerdem ist so etwas ja innerhalb weniger Tage abgewickelt.
Werbeverträge für die Nationalmannschaft an Land ziehen, so z.B. mit nutella? Möglich. Doch Werbeverträge hatte die Nationalelf auch vorher schon. Es dürfte wohl auch ein nicht besonders kompliziertes Unterfangen darstellen, für die besten Spieler der populärsten Mannschaftssportart in Deutschland Werbeverträge an Land zu ziehen. Ist ja nicht so, als müsste man dafür Klingeln putzen und hausieren gehen. Eher ist anzunehmen, dass potenzielle Werbepartner für Kooperationen mit dem DFB im Allgemeinen und der Nationalmannschaft im Besonderen Schlange stehen.
Was, also, macht Bierhoff? 
Er selbst würde vermutlich sagen, er habe das "Produkt Nationalmannschaft" populär gemacht. Das mag auf eine bestimmte Art und Weise sogar stimmen: vorher nämlich hat man diese nie als Produkt betrachtet. Warum auch? Populär war die Nationalelf jedoch unbestreitbar auch schon vor Bierhoffs Antritt als Manager.
Was also macht Oliver Bierhoff? Wofür genau überweist ihm der DFB mehrere Millionen Euro jährlich? Ich bitte um Mithilfe!

Obama, der Teleprompter-Präsident

Barack (zu deutsch: Bärräck, zumindest wenn man den uninformierten Nachrichtensprechern glaubt) Obama hat eine Rede gehalten in einer Kleinstadt in Kansas.
Eine "Alles-oder-Nichts"-Rede soll es laut Zeit Online gewesen sein. Die wievielte dieser Art war das?, frage ich mich. Ist sich Obama darüber im Klaren, dass seine "Alles-oder-nichts-Reden" bei den Republikanern nichts bewirken?
Warum sollten sie auch? Die Republikaner haben schließlich die Unterhauswahl vor einem Jahr gewonnen und die Mehrheit im Repräsentantenhaus inne. Was stellt sich Obama also genau vor? "Mr.Obama, wir haben Ihre 'Alles-Oder-Nichts-Rede' in Kansas gehört. Sie war diesmal wirklich überzeugend. Deshalb haben wir Republikaner beschlossen, unsere Mehrheit nicht zur Blockade zu mißbrauchen und Ihrem Steuerkonzept zuzustimmen, obwohl dies komplett gegen unsere Grundprinzipien sowie unser Stammklientel, die Reichen, verstößt"?
Doch vermutlich agiert Obama aus reiner Alternativlosigkeit. Dabei war auch ich von Obama begeistert und finde ihn noch immer hochsympathisch. Nach bald drei erfolglosen Jahren im Amt allerdings müssen auch die hartgesottensten Obama-Fans langsam eingestehen, dass ihr Held nicht nur allzu menschlich ist, sondern ein allem Anschein nach eher ungeschickter Politiker.
Obamas Problem ist, es allen Recht machen zu wollen. Zwei Jahre hatte er die absolute Mehrheit im Kongress (2008-2010). Doch statt durchzuregieren und schnell seine Projekte zu verwirklichen, wollte er immer wieder die Republikaner in seine Entscheidungen mit einbeziehen, sie mit ins Boot holen, to reach across the aisle, wie die Amerikaner sagen.
Das kam gar nicht gut an. Weder bei den Republikanern, die die samariterhafte Kollegialität als herablassend empfanden und den ideologischen Graben zwischen ihnen und den Demokraten für schlicht unüberbrückbar hielten. Noch bei den Linksprogressiven, die all ihre Hoffnungen nach der Ära Bush auf den Rechtsanwalt aus Chicago projeziert hatten.
Obama hat sie in den drei Jahren alle vergrätzt. Seine Gegner sowieso. Vor allem aber seine Anhänger. Er umgibt sich mit Wall-Street-Insidern à la Timothy Geither (Finanzminister), schleimt sich bei der Rechten ein und redet von der Mittelklasse, ohne etwas für diese zu tun. Obama ist bis jetzt der Teleprompter-Präsident geblieben. Leider hat es momentan nicht den Anschein, als würde sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern.

Freitag, 2. Dezember 2011

Besoffener Til Schweiger erhält "Querdenkerpreis"

Til Schweiger hat einen "Querdenkerpreis" bekommen. Das ist kein Witz.
Vom "Querdenker-Club", einer Wirtschaftsvereinigung. Kein Witz ist scheinbar auch die Begründung: um den Preis zu bekommen, so der Laudator, gäbe es zwei Kriterien: man müsse Schweiger mit Nach- und Til mit Vornamen heißen. "Logisch, oder?"
Nein, eigentlich ist das nicht logisch.
Schon viel logischer scheint der Auftritt Schweigers bei der Entgegennahme des Preises zu sein. Hackedicht war er. Weil's so schön war, nochmal Schweiger im Wortlaut (auf die Frage, ob er Multikulti befürworte, da in seinen Filmen "Farbige" mitspielten - die Frage lasse ich jetzt mal unkommentiert stehen:
"Ich bin total für Multi-Kulti. ABER...ich bin nicht für Islamismus. Ich bin auch nicht für Faschismus. Also...ich bin vor allem gegen die FDP, die sagt: 'Wir brauchen keine Vorrats...speicherung. Also Datenspeicherung.' Ich bin dafür, dass wir unsere Demokratie und unsere Freiheit verteidigen gegen Islamisten und gegen FUCKING NAZIS. Und deswegen sage ich: HEY! LET'S STAY TOGETHER AND LET'S NOT VOTE FOR THE FDP." 
Das war ein beeindruckender, geradezu genialer Auftritt von unser aller Lieblings-Werbefilm-Komödien-Quatschkopfregisseur, der sich, wie hier im Blog bereits besprochen, "für einen Intellektuellen beachtet".
Doch auch Intellektuelle sind halt mal besoffen, kann ja mal passieren. Wissen wir doch alle. 
 

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Di Lorenzos Erklärungsversuch ist vorerst gescheitert

Giovanni di Lorenzo hat in "Zeit Online" eine Stellungnahme zum Interview mit zu Guttenberg veröffentlicht. Sie ist nichtssagend, wie zu erwarten war. Kein Urteil, keine Erklärung, nichts. Alles, was ich zu den beiden zu sagen habe und was auch nach der Stellungnahme noch gilt, ist hier, hier und hier zu lesen.

Incroyable! Kristina Schröder, Bundesministerin


Da ich gerade dieses herrliche Video auf dem Blog von Jacob Jung entdeckt habe, sollte ich es niemandem vorenthalten, der noch Zweifel an der äußersten Inkompetenz, Beeinflussbarkeit und gestörten Wahrnehmung der Familienministerin Kristina Schröder hat.
Voilà!

Müller-Vogg ist geil auf junge Ministerin

Hoffentlich werde ich nie so dick und schnauzbärtig wie Hugo Müller-Vogg von der "Bild". Denn als dicker Schnauzbartträger leidet man offensichtlich an Samenstau und Dauererektion.
"Schlaflose Nächte wegen eines Kleinkindes, Doppelbelastung durch Beruf und Familie, Polit-Zoff um die Frauenquote: Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sieht man von alldem nichts an."
Das ist das Präludium zu Müller-Voggs einmaliger Anbiederung an "unsere" rechtskonservative, geistig unbewegliche Ministerinnenattrappe und neuerdings nebenberufliche Mama. 

" Im Gegenteil. 15 Wochen nach der Geburt von Töchterchen Lotte Marie wirkte Kristina Schröder (34) Montag beim Treffen mit den Personalvorständen der Dax-Unternehmen, als käme sie direkt aus dem Urlaub: strahlendes Lächeln, frische Hautfarbe und eine Figur, als wäre sie nie schwanger gewesen. Was sie durch ein figurbetontes, sehr kurzes rotes Kleid noch unterstrich. Die Herren Vorstände waren sichtlich angetan ..."
Frische Hautfarbe? Wenn man über 80 ist und aschfahl, könnte man's so sehen. Aber auch nur dann. Dann begibt sich Müller-Vogg in die Welt der femininen Figur. In gleich zwei hintereinanderfolgenden Sätzen kann er gar nicht mehr an sich halten: "...Figur, als sei sie nie schwanger gewesen", "...figurbetontes, sehr kurzes (sic!) Kleid noch unterstrich." Hoppla, Müller-Vogg. Man wird doch nicht frühzeitig ejakuliert haben? Sicher bin ich mir da keineswegs...

"Noch ein „Geheimnis“ von Schröders strahlendem Auftritt: Die Dax-Konzerne ziehen bei der Frauenförderung mit – auch ohne Quoten-Keule. Kein Wunder, dass sie wie eine Siegerin aussieht und auftritt."

Ich muss Müller-Vogg in Schutz nehmen: seine Altersgeilheit ist nicht der einzige Grund für seine überbordende Liebe zu Kristina Schröder. Es ist auch ihre rechtskonservative, reaktionäre, unwissenschaftliche, vollkommen servile und masochistische Politik, die ihm Freudentränen in die Augen treibt. Denn die Dax-Konzerne, die bei der "Frauenförderung mitziehen" (haha) tun dies dank Schröder nur durch eine freiwillige Selbstverpflichtung, die bereits vor zehn Jahren im Sand verlief und zum Scheitern verurteilt ist. Die Quote als sinnvolles Instrument, wie sie zum Beispiel Ursula von der Leyen einführen würde, ist sowohl dem bärtigen Schweinshaxenliebhaber als auch der überforderten Hobby-Mutter natürlich ein Dorn im Auge: es könnte sich ja auch etwas zum Guten ändern in deutschen DAX-Konzernen: Gott, bewahre!














Wolfgang Heims Interviews: dröge, uninformiert, sexistisch?

Wolfgang Heim war gestern wieder Wolfgang Heim. In "Bestform".

In seinem "SWR1 Leute"-Interview mit Katrin Müller-Hohenstein schlug er wieder mal eine Tonlage an, die irgendwo zwischen depressiv und mies gelaunt zu verorten ist. So sicher bin ich mir bei Heim da nie. Manchmal dachte ich schon, dass er einfach keine Lust mehr hat auf seine eigene Sendung und dass er's halt noch macht, weil ihm nichts anderes mehr einfällt und beim SWR sowieso niemand nachfragt. Offensichtlich ist jedoch sein komplettes Desinteresse an seinen Gästen. Darin erinnert er mich stark an Larry King, den CNN-Talkmaster, vor allem in den letzten Jahren. Mechanisch klopft Heim seine Fragen ab (die eigentlich keine Fragen sind, sondern Aussagen), spielt zwischendurch zum 947.Mal einen Stones-Titel ein - und nach der Musik beginnt das Theater von Neuem.

Gestern, im Gespräch mit Journalisten-Kollegin Kathrin Müller-Hohenstein, Moderatorin des Aktuellen Sportstudio im ZDF, hatte Heim sich, wie so oft, im Vorfeld scheinbar einen Stichpunkt überlegt, anhand dessen er die 30 Minuten Gesprächszeit zu füllen gedachte: "Frauen in der Männerdomäne Fußball - wird man angefeindet, kann das gutgehen?"

Nun ist Kathrin Müller-Hohenstein ja beileibe nicht die erste und einzige Frau in Deutschland, die eine Sport- oder Fußballsendung moderiert. Die allseits beliebte Monika Lierhaus stand für Fachkompetenz wie nur wenige männliche Kollegen. Ran wurde früher auch von Gaby Papenburg moderiert. Sky hat mit Andrea Kaiser eine Moderatorin im Team, und im ZDF gibt es neben KMH auch zahlreiche andere Frauen (Jessy Wellmer z.B.).

Dies ignorierte Heim, denn sonst hätte er ja keine Gesprächsgrundlage gehabt. Stattdessen - man mochte es kaum glauben - packte er gaaanz alte Kamellen aus: Die angebliche Männerdomäne Fußball (was sie schon lange nicht mehr ist) und die "Standardfrage" (wie Heim selbst anmerkte) Carmen Thomas - "Schalke 05" - was eigentlich auch keine Frage war. Heim wollte es halt einfach mal ansprechen, mal in den Raum stellen.

Erfrischend war dann nur die Antwort: es langweile sie, Kathrin Müller-Hohenstein, langsam, diese Frage, die eigentlich immer nur von Medienvertretern und nie von Trainern gestellt werde, zu beantworten.

Richtig. Es langweilt auch Radiohörer, die ewig alten Stories und Geschichten und "Fragen" von Wolfgang Heim zu hören, die dann nur noch vom Nervensägen-Stones-Hit Mother's Little Helper getoppt werden (als hätten sie Stones nicht bessere Musik zu bieten).

Was wollte er denn auf die Frage hören? "Ja, das war peinlich, und ich bin auch eine Frau, deshalb bin ich ja irgendwie genauso, hihihi!"?

Das Problem, dessen sich Heim wohl nicht so ganz bewußt ist, ist, dass durch das permanente Herumreiten von Journalisten auf diesen alten Geschichten das Thema nie vom Tisch kommen wird. Wann hatte Carmen Thomas ihren "Schalke 05"-Versprecher? 1970? 1980? Für Heim scheint es wie gestern gewesen zu sein. 

Doch wie Müller-Hohenstein richtig anmerkt: während Spieler, Trainer und Sportfans das schon längst nicht mehr zur Kenntnis nehmen und weibliche Reporterinnen zum Fußball gehören wie Schiedsrichter und Eckfahnen, scheinen Journalisten wie Wolfgang Heim dies nicht wahrhaben zu wollen.

Ich fragte mich außerdem, ob es für KMH und Kolleginnen nicht unglaublich anstrengend sein muss, immer auf ihr Geschlecht reduziert zu werden, à la: ist es nicht für sie als Frau unglaublich anstrengend in dieser Macho-Männerdomäne? Dahinter steckt auch eine gehörige Portion Sexismus seitens Heims, auch wenn dieser sich wohl eher als aufgeklärten, modernen Mann sieht.

Kathrin-Müller Hohenstein: "So lange die Frage immer gestellt werden wird von der Frau in der Männerdomäne, so lange hat sich das Thema auch nicht erledigt, und das finde ich so schade." Wo sie recht hat, hat sie recht. Doch auch nach dieser Replik hatte Heim noch nicht genug (bzw. keine Alternativ-Fragen mehr).

Bei 11:35 min. folgte dann ein weiterer, beispielhafter 
 Heim-Auftritt: 
"Wobei ich es mir schon schwierig vorstelle als Moderatorin in so eine Sendung zu gehen mit diesem Ruf, dieser Vergangenheit und dieser Tradition und Vorgängern wie Harry Valérien, Dieter Kürten..."
KMH: "Ja, ist es. [...]"
 Da war er wieder, der eingesprungene Heim mit dreifachem "Männerdomäne"-Rittberger und doppeltem "Du bist Frau, die anderen sind Männer, wie fühlst du dich dabei?"-Axel.

Heim stellt es sich schwierig vor. Aha. Kann ich mir vorstellen.
Wie ich es mir generell schwierig vorstelle, Wolfgang Heim zu sein. Er scheint nicht besonders glücklich zu sein. Das mag an der Art liegen, wie er seine Sendung macht. Ein bißchen weniger Grübeln, ein bißchen mehr Schwung würde der Sendung jedenfalls guttun, und vor allem ein bißchen mehr Information, ein kleines Briefing im Vorhinein.

Kathrin Müller-Hohenstein ist nämlich vor allem Sportjournalistin von Beruf, nicht Frauenzimmer. Schiedsrichter-Steueraffären, die Bundesliga, der Europapokal, die Bayern, die Gladbacher, Babak Rafati (wurde kurz angesprochen), Ralf Rangnick, Sepp Blatter und die Bestechungsskandale: es hätte so viele Themen gegeben, die man interessant hätte besprechen können. Aber nein: Carmen Thomas, Männerdomäne

Es war mal wieder absehbar deprimierend mit Wolfgang Heim. Leider ist sein Kollege Siller vom gleichen Kaliber. Dann eben doch wieder Deutschlandfunk.

Eine Anmerkung zum Schluss: Ich mag Kathrin Müller-Hohenstein nicht besonders. Ich halte sie für wenig kompetent, anmaßend und altklug. Dass sie in diesem Interview den aufgeweckten, informierten, seriösen Part innehatte, sagt deshalb weniger über sie als vielmehr über ihr Pendant auf der anderen Seite des Tisches aus. Kathrin Müller-Hohenstein ist eine ziemlich durchschnittliche Sportmoderatorin. Was für eine Frau sie ist, ist mir egal.























Sonntag, 27. November 2011

Stuttgart 21: Endlich ein Ende in Sicht

Heute wird Deutschland endlich sehen, auf welchem Planeten die Stuttgart 21-Gegner in den letzten Jahren gelebt haben. Wie sich bereits jetzt abzeichnet, liegt die Wahlbeteiligung bei der heutigen Volksabstimmung bei weniger als 50% (in Stuttgart) und damit unter der bei der Landtagswahl. In anderen Städten lag die Wahlbeteiligung gar bei unter 15%.
Zwei Dinge sind entscheidend: es wird keine klare Mehrheit geben (das ist meine Prognose gut eine Stunde vor Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses). Und vor allem: das Quorum wird nicht erreicht werden, und zwar bei weitem nicht. Wenn überhaupt 1/3 aller Baden-Württemberger zur Abstimmung gegangen sind (auch daran ist zu zweifeln), haben davon vielleicht die Hälfte mit "ja" und die Hälfte mit "nein" gestimmt, also jeweils 1,25 Millionen. Damit wäre das Quorum klar verfehlt, nachdem ja 2,5 Mio. Wahlberechtigte mit "ja" stimmen müssten.