Dienstag, 15. Februar 2011

Was ist eigentlich "das Volk"? Mubarak wird man noch nachtrauern!

Schon interessant, wie sämtliche Medien in den letzten Wochen auf den Zug der Freiheitslüge aufgesprungen sind, weil ein relativ kleiner Teil der Bevölkerungen in Tunesien und Ägypten plötzlich nicht mehr mit ihren Führern zufrieden waren.

Vor allem die USA kann man eigentlich nur als heuchlerisch ansehen. Nachdem sie Ben Ali und Mubarak jahrzehntelang toleriert hatten, stellten sie sich ganz plötzlich auf die Seite des „Volks“, wer auch immer damit gemeint war.

Das Problem ist nämlich, dass das „Volk“ eine undefinierbare Masse ist. Eine Masse sehr wohl, eine Million Menschen in Kairo ist eine ganze Menge.

Andererseits sollte man schon einmal fragen, ab wann man denn davon sprechen kann, dass „das Volk“ sich gegen Machthaber auflehnt. Ägypten z.B. hat laut Wikipedia 83 Millionen Einwohner. In Kairo gingen gut eine Million Menschen an verschiedenen Tagen auf die Straße. Da sich scheinbar auch in Alexandria und in anderen Städten Protestbewegungen gründeten, kann man die Zahl wohlwollend auf 2 Millionen aufstocken.

Nun sind 2 von 83 Millionen Menschen immernoch nicht besonders viel. Man könnte jetzt annehmen, dass diese 2 Millionen die anderen 81 Millionen repräsentieren. Das mag auch sein. Es ist aber nur eine Vermutung. Ich finde es gelinde gesagt seltsam, wie offenherzig der Westen die 2 Millionen unterstützt hat. Das passierte nämlich einzig auf der Grundlage der Annahme, dass diese 2 Millionen für die gesamte Bevölkerung stehen.

Könnte es nicht sein, dass es eine beträchtliche Anzahl von Ägyptern gibt, die Mubarak nicht liebten, ihn aber als Führer akzeptierten und ihn als das kleinere von vielen möglichen Übeln betrachteten? Auch das ist eine Annahme, aber ich halte sie für mindestens genau so plausibel wie die vorher dargestellte.
Mubarak regierte 30 Jahre – wo waren die Aufstände vorher? Hat dieser Mann denn keine Verdienste?

Die Freiheitslüge, der viele Ägypter nun auf den Leim gehen, ist für mich eine ganz ausgemachte Sache. In Ägypten wird es genauso wenig Demokratie geben wie in Tunesien.

Schon in der Stuttgart-21-Debatte war es immer wieder traurig mit anzusehen, wie fast alle Medien den aufgebrachten Mob von Arbeitslosen und linksradikalen Lehrern als Querschnitt der Gesellschaft darstellten. „Die gewöhnlichen Bürger gehen jetzt auf die Straße“ war der Tenor, der meinen Erfahrungen völlig entgegenlief. In Stuttgart habe ich Birkenstock tragende Wollpulli-Fetischisten, langhaarige Parkastudenten und Müsli essende Waldorfschüler gesehen, aber kein Bürgertum aus der Mitte der Gesellschaft, schon gar keine aus dem rechten Lager. Genau die hätte es aber gebraucht, um die Aussage von der gesellschaftlichen Mitte zu rechtfertigen. Doch das war ein weiterer Beweis dafür, dass Mainstream-Medien ob ihrer eigenen politischen Agenda Linksradikale mit der wahren Mitte der Gesellschaft verwechseln.

Doch abgesehen von der politischen Ausrichtung war auch in Stuttgart nur ein Bruchteil der Bevölkerung auf der Straße. Genau wie in Ägypten wurde hier geschlussfolgert, dass ein paar Tausend Menschen alle anderen repräsentieren. Hier wie dort ist dies immer ein fataler Irrtum.

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