Donnerstag, 17. Februar 2011

Die Würde der Täter ist in Deutschland unantastbar



Es ist abzusehen, mit welcher Art von Strafe die Jugendlichen zwischen 14 und 17 davonkommen werden, die am vergangenen Freitag einen dreißigjährigen Maler in einer Berliner S-Bahn-Station ins Koma prügelten.

Sie werden relativ harmlose Jugendstrafen erhalten. Es wird keine gerechte Strafe sein. Es wird keine Todesspritze sein, es wird kein Arbeitslager sein, nicht mal einen Deutschkurs werden die Verbrecher antreten müssen. Vermutlich finden die Richter sogar einen Grund, die Täter als unzurechnungsfähig einzustufen.

So weit hat uns der Humanismus gebracht. So weit hat uns der Mythos der Menschenrechte gebracht und die Lüge der „unantastbaren Würde des Menschen“, die scheinbar auch nach den verstörendsten Akten von Grausamkeit nicht aufgebraucht ist. So zumindest muss man sich das Verständnis erklären, das in dieser Gesellschaft Tätern entgegengebracht wird, die ihren Opfern unermessliches Leid zufügen.

Dienstag, 15. Februar 2011

Was ist eigentlich "das Volk"? Mubarak wird man noch nachtrauern!

Schon interessant, wie sämtliche Medien in den letzten Wochen auf den Zug der Freiheitslüge aufgesprungen sind, weil ein relativ kleiner Teil der Bevölkerungen in Tunesien und Ägypten plötzlich nicht mehr mit ihren Führern zufrieden waren.

Vor allem die USA kann man eigentlich nur als heuchlerisch ansehen. Nachdem sie Ben Ali und Mubarak jahrzehntelang toleriert hatten, stellten sie sich ganz plötzlich auf die Seite des „Volks“, wer auch immer damit gemeint war.

Das Problem ist nämlich, dass das „Volk“ eine undefinierbare Masse ist. Eine Masse sehr wohl, eine Million Menschen in Kairo ist eine ganze Menge.

Andererseits sollte man schon einmal fragen, ab wann man denn davon sprechen kann, dass „das Volk“ sich gegen Machthaber auflehnt. Ägypten z.B. hat laut Wikipedia 83 Millionen Einwohner. In Kairo gingen gut eine Million Menschen an verschiedenen Tagen auf die Straße. Da sich scheinbar auch in Alexandria und in anderen Städten Protestbewegungen gründeten, kann man die Zahl wohlwollend auf 2 Millionen aufstocken.

Nun sind 2 von 83 Millionen Menschen immernoch nicht besonders viel. Man könnte jetzt annehmen, dass diese 2 Millionen die anderen 81 Millionen repräsentieren. Das mag auch sein. Es ist aber nur eine Vermutung. Ich finde es gelinde gesagt seltsam, wie offenherzig der Westen die 2 Millionen unterstützt hat. Das passierte nämlich einzig auf der Grundlage der Annahme, dass diese 2 Millionen für die gesamte Bevölkerung stehen.

Könnte es nicht sein, dass es eine beträchtliche Anzahl von Ägyptern gibt, die Mubarak nicht liebten, ihn aber als Führer akzeptierten und ihn als das kleinere von vielen möglichen Übeln betrachteten? Auch das ist eine Annahme, aber ich halte sie für mindestens genau so plausibel wie die vorher dargestellte.
Mubarak regierte 30 Jahre – wo waren die Aufstände vorher? Hat dieser Mann denn keine Verdienste?

Die Freiheitslüge, der viele Ägypter nun auf den Leim gehen, ist für mich eine ganz ausgemachte Sache. In Ägypten wird es genauso wenig Demokratie geben wie in Tunesien.

Schon in der Stuttgart-21-Debatte war es immer wieder traurig mit anzusehen, wie fast alle Medien den aufgebrachten Mob von Arbeitslosen und linksradikalen Lehrern als Querschnitt der Gesellschaft darstellten. „Die gewöhnlichen Bürger gehen jetzt auf die Straße“ war der Tenor, der meinen Erfahrungen völlig entgegenlief. In Stuttgart habe ich Birkenstock tragende Wollpulli-Fetischisten, langhaarige Parkastudenten und Müsli essende Waldorfschüler gesehen, aber kein Bürgertum aus der Mitte der Gesellschaft, schon gar keine aus dem rechten Lager. Genau die hätte es aber gebraucht, um die Aussage von der gesellschaftlichen Mitte zu rechtfertigen. Doch das war ein weiterer Beweis dafür, dass Mainstream-Medien ob ihrer eigenen politischen Agenda Linksradikale mit der wahren Mitte der Gesellschaft verwechseln.

Doch abgesehen von der politischen Ausrichtung war auch in Stuttgart nur ein Bruchteil der Bevölkerung auf der Straße. Genau wie in Ägypten wurde hier geschlussfolgert, dass ein paar Tausend Menschen alle anderen repräsentieren. Hier wie dort ist dies immer ein fataler Irrtum.

Montag, 14. Februar 2011

Der dicke Maurice, Manuela Schwesig und die falschen Fragen

Anne Will bediente sich gestern abend eines ganz schön beknackten Tricks: sie schob einen dicken 13-jährigen vor, um den beiden rumdrucksenden Politikerinnen Schwesig und von der Leyen klare Statements zum Thema Regelsätze bei Hartz IV abzuringen.
Der dicke Junge namens Maurice wurde gezeigt, wie er in einem Jugendzentrum mit gleichaltrigen Tischtennis spielt. Sein Vater arbeitet als Leiharbeiter auf dem Bau und kann seine 8 Kinder scheinbar nur schwer über die Runden bringen.

Maurice, mit ARD-Mikrofon ausgestattet, wurde also angeleitet, folgenden Satz in die Kamera zu plärren: „Frau von der Leyen, Frau Schwesig. Eine will 11 Euro mehr, eine will 5 Euro mehr. Könnt Ihr aufhören euch zu streiten und euch einfach in der Mitte treffen bei 8 Euro?“
Logischerweise taten die beiden Damen ganz gerührt, und fanden Maurice ach so anrührend. Ich fragte mich allerdings, warum Maurice denn so dick ist, wenn er doch scheinbar so wenig Geld hat und gar noch sieben Geschwister. Müsste er nicht dünn sein, wenn er wenig zu essen hat? Und wenn Maurice dick ist, sind dann etwa seine Geschwister spindeldürr, weil Maurice ihnen alles wegisst?

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass auch die Brüder und Schwestern von Maurice fettleibig sind. Und dafür können sie natürlich nichts, denn sie sind ja Kinder. „Kinder“ war bei Anne Will sowieso das Zauberwort, vor allem für die genannten Damen. Denn klingt nicht jeder fade und trockene Politikersatz nicht gleich ganz geschmeidig, wenn man dabei an die Kinder denkt? Anwalt der Kinder ist doch jeder Politikern gern.

Schade nur, dass dabei die Ehrlichkeit auf der Strecke bleibt. Anstatt sich bei Maurice einzuschleimen, hätte man doch mal seinen Vater fragen können: warum genau wolltest du doch gleich acht Kinder zeugen? Und wenn du es nicht wolltest, warum ist es dann passiert? Wenn du nicht hochqualifiziert bist und deine Frau nicht arbeitet, wäre es dann denkbar, erstmal nur zwei Kinder zu zeugen?

Aber diese Fragen sind natürlich nicht zu erwarten, nicht mal von den Herren Spreng und Augstein, die ihre Chance verpassten, den Finger einfach mal in die Wunde zu legen. Vor allem Augstein machte sich zum Anwalt der Kinderproduktionsschicht, ohne ein kritisches Wort, ohne eine Silbe zum Sinn und Unsinn von acht Kindern.

Der Erkenntnisgewinn war wie zu erwarten also gleich null bei Anne Will. Obwohl: die SPD scheint wirklich vollkommen vor die Hunde zu gehen. Waren früher noch halbwegs seriöse Gestalten in Talkrunden zu sehen (Steinbrück, Struck, Müntefering), so präsentiert sich das Personal heuer geradezu gespenstisch inhaltslos.

Manuela Schwesig könnte ich mir gut in einer Eckkneipe vorstellen, mit einer Kippe im Mundwinkel und einer Flasche Jever in der Hand, wie sie mit ein paar Arbeitslosen über das böse Establishment lästert. Aber hat die SPD ernsthaft nichts besseres zu bieten als diese Rosa Luxemburg für Arme? Ich mache mir langsam ernsthaft Sorgen um diese Partei.

Zum Glück gibt es die Mediathek, wo man Äußerungen mehrmals anhören kann. Ohne diese hätte ich meinen Ohren nicht getraut, als Schwesig Herbert Grönemeyer mit seinem Lied „Kinder an die Macht“ zitierte und sagte, Maurice und die Kinder hätten die Probleme mit Hartz IV schon längst gelöst. Ja, richtig. Auf so einem Niveau bewegen sich deutsche Politiker im Jahr 2011.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Til Schweiger "beachtet" sich als Intellektuellen

Eigentlich schade, dass sich Til Schweiger das wieder verbaut hat. Zum ersten Mal seit langem war ich nämlich mit ihm einer Meinung, als er gestern bei Markus Lanz eine Meldepflicht für Sexualstraftäter forderte, wie sie in den USA üblich ist.

Es schien ihm sogar ganz wichtig zu sein, er redete sich richtig in Wallung. Ganz im Gegensatz zu seinen emotionslosen und berechenbaren Kinofilmen, deren Trailer kaum von der letzten Danone-Werbung zu unterscheiden sind, so aalglatt und werbeagenturmäßig sie gestaltet sind. 

 
Doch hier sprach er einen Punkt an, der vielen auf dem Herzen liegt: die Tatsache (ich halte es für eine Tatsache), dass der Täterschutz in Deutschland in keinem Verhältnis zum Opferschutz steht. Dass, wenn von Menschenwürde in diesem Zusammenhang die Rede ist, meist nicht von der Menschenwürde des Opfers gesprochen wird, sondern von der Würde des Täters und seinem Anspruch, nicht an den Pranger gestellt zu werden.

Später dann ließ sich Schweiger noch über sogenannte „Gutmenschen aus“, und hier wurde es dann wieder mal dämlich:
Diese Leute, die sind dumm und naiv und haben keine Fantasie. Das sind intellektuelle Menschen – und ich verurteile jetzt nicht alle Intellektuelle (sic!), ich beachte (sic!) mich selber als intellektuell...“.

Dabei hatte es doch vielversprechend angefangen! Aber, nein, Til Schweiger ist sicher kein Intellektueller. Da liegt er nun mal gründlich falsch. Zwar wäre es anmaßend, allein seine Filme als Maßstab der Bewertung heranzuziehen. Vielleicht denkt er auch viel nach und liest Bücher. Trotzdem: Ein Intellektueller ist in der Lage, deutsche Sätze grammatikalisch korrekt zu bilden. Schweiger ist dazu nicht in der Lage, das hat er oft genug unter Beweis gestellt. Aber Irren ist menschlich.