Montag, 25. Juli 2011

NORMAN G. FINKELSTEIN

Was war es für eine Freude, vor einigen Tagen die "Bekanntschaft" von Norman G.Finkelstein zu machen, Autor des Buches "Die Holocaust-Industrie" aus dem Jahr 2000. Neben einigen im Internet zugänglichen Artikel des New Yorker Professors gibt es auch viele Lesungen, Vorträge und - vor allem - Interviews und Debatten mit seiner Beteiligung. Finkelstein ist amerikanischer Jude, seine Eltern überlebten den Holocaust, seine Vorfahren väterlicherseits kamen alle in Konzentrationslagern ums Leben. Gerade dies verleiht der Kritik an der Politik Israels, die Finkelstein so fulminant vorträgt, so viel Brisanz und so viel Glaubwürdigkeit.
Was beeindruckt mich an Finkelstein:
seine Art vorzutragen. Sie ist ruhig, gleichzeitig präzise, konzentriert, kraftvoll und voller Überzeugung vorgetragen. Finkelstein ist unglaublich belesen, redet aber nicht wie ein verstaubter Akademiker, sondern mit der Kraft eines Predigers, ohne dabei fanatisch zu wirken. Finkelstein besitzt ein merkwürdiges Charisma.

Schwer beeindruckend ist zudem selbstredend sein Mut. Die Israel-Lobby ist (neben der Finanzlobby) vermutlich die größte und einflussreichste Interessengruppe in den Vereinigten Staaten. Finkelstein musste bereits große Opfer bringen in seinem intellektuellen Kampf gegen den Mißbrauch des Holocaust für politische Zwecke: sein Lehrstuhl an der Chicagoer DePaul University wurde ihm nach einer Hetzkampagne des einflussreichen jüdischen Harvard-Professors Alan M.Dershowitz entzogen, momentan ist Finkelstein ohne Professur. 
Vor allem in Deutschland macht man um die Person Finkelstein lieber einen großen Bogen, wenn man politisch etwas zu sagen hat. Seine letzte Vortragsreise wurde vorzeitig abgesagt, da die Rosa-Luxemburg-Stiftung kalte Füße bekam, sich der Brisanz der Person Finkelstein bewusst wurde und vorher für den Vortrag zugesagte Räumlichkeiten kurzfristig doch nicht zur Verfügung stellte.
Der Film "American Radical" (Bild oben rechts) gibt einen ersten Eindruck des Intellektuellen, der mir von Anfang an sympathisch war, gerade weil er sich nicht anbiedert und eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist. Seine klaren und schonungslosen Worte zur Politik des "lunatic state" (Finkelstein) Israel tun ihr Übriges.
Eine legendär gewordene Auseinandersetzung hatte Finkelstein vor einigen Jahren mit oben erwähntem Zionisten Dershowitz (der übrigens auch schon mit Noam Chomsky aneinandergeriet), den Finkelstein des Plagiats bezichtigte. Das Video der Sendung "Democracy Now" mit Finkelstein und Dershowitz ist auf YouTube zu sehen. Es ist die eindrucksvolle Demontage eines aufgeblasenen Pseudo-Intellektuellen Apologeten durch einen bescheidenen, scharfzüngigen und sachlich herausragenden Gelehrten. Jeder sollte diese Auseinandersetzung gesehen haben.

ANDERS BEHRING BREIVIK

Nach dem Massaker, das am Wochenende in Norwegen passiert ist, stellen sich viele Fragen.
Für mich eindeutig die interessanteste ist die nach dem 'warum?' 
Ich finde, die Frage wird in den Medien zwar hundert Mal am Tag gestellt, aber kaum erschöpfend beantwortet.
Es gibt im Allgemeinen zwei Standardantworten, die jedoch mehr Verwirrung stiften, als sie aufklären.
Antwort A: "So etwas ist unbegreiflich, unerklärlich." Die Tat wird als so grausam dargestellt, dass man sie weder erklären noch mit anderen Taten vergleichen kann. Damit macht man es sich natürlich einerseits sehr leicht. Andererseits vergisst man leicht die Tatsache, dass es sehr wohl vergleichbare Fälle gibt, Amokläufe an Schulen zum Beispiel. Man könnte also Winnenden als Vergleich heranziehen und sich fragen, welche Gemeinsamkeiten zwischen Tim K. und Anders Behring Breivik bestehen.
Antwort B: "Er war halt verrückt."
Auch mit dieser Antwort machen es sich viele sehr einfach. Jemanden als "verrückt" einzustufen, ihn in die Kategorie der Psychopathologie abzuschieben, befreit einen von der Pflicht, wirkliche Erklärungen für ein Verhalten finden zu müssen. Denn wenn jemand "verrückt" ist, kann man mit normalem menschlichen Verstand sowieso nicht nachvollziehen, wie jemand getickt hat. Also muss man es garnicht erst versuchen.
Diese beiden Standardantworten sind mir auch jetzt wieder begegnet bei der Lektüre der Ereignisse in Norwegen. Ich meine sehr wohl, dass man das Verhalten Breiviks erklären kann.
Man muss zunächst die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass er sich ausführlich in einem sogenannten "Manifest" geäußert hat. Brevik scheint durchaus in der Lage zu sein, halbwegs rational über Dinge nachdenken zu können. Obwohl Begriffe wie "Kulturmarxisten" wenig Klarheit schaffen kann man auf jeden Fall feststellen, dass der "blonde Teufel" (Bild) eine klare Vorstellung seiner "Gegner" hatte: linke Multi-Kulti-Apologeten, die seiner Ansicht nach sein Vaterland und Westeuropa bedrohten, dass er "retten" wollte und dies seiner Meinung nach auch geschafft hat.
Es gab also ein klares Motiv für Breiviks Tat (die Rettung Europas), einen mehr oder weniger klaren Gegner ("Kulturmarxisten"). Hinzu kamen eine gezielte Vorbereitung über Monate und Jahre. 
Fest steht auch, dass Breivik offensichtlich ein größenwahnsinniger Eigenbrödler war. Interessant ist hier die Parallele zu Hitler, der kaum Freunde hatte und in seinem Wiener Studienzimmer vor sich hinfantasierte, gleichzeitig jedoch durchaus zu scharfsinnigen, rationalen Überlegungen imstande war (vgl.Erich Fromm, "Anatomie der menschlichen Destruktivität", Rowohlt Verlag). Auch Hitler versucht man bis zum heutigen Tage immer wieder als verrückten Psychopathen zu zeichnen. Diese Darstellung ist jedoch längst widerlegt. Hitlers Wutausbrüche gab es zwar, oft setzte er diese jedoch strategisch ein, um in Verhandlungen bestimmte Ziele zu erreichen und seine Verhandlungspartner einzuschüchtern. Hitler war zwar ein größenwahnsinniger, insgesamt jedoch ein sehr beherrschter, oftmals gar schüchterner und verlegener Mensch.
Zurück zu Breivik: es gibt ja, wie man weiß, überall auf der Welt, und vor allem in Deutschland, Menschen, die Breiviks Ansichten über eine Multi-Kulti-Gesellschaft teilen. Konservative, Nationalisten, Katholiken gibt es in jeder Gesellschaft. Sarrazin, Geert Wilders, Pim Fortuyn, Jörg Haider, die Liste kann man endlos fortsetzen. All diese Personen sind umstritten, bewegen sich aber durchaus im Rahmen der Legalität, denn die Dinge, die sie sagen, sind vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt.
Nun kann man endlose Pamphlete im Internet schreiben und es wird niemanden stören. Breivik ging nun aber einen Schritt weiter: er tötete kühl Dutzende Menschen. Dies unterscheidet ihn natürlich vom Großteil der anderen Menschen, die denken wie er, und macht ihn zum Radikalen, zum Terroristen. Es macht ihn aber noch lange nicht zu Verrückten, zum Psychopathen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Breivik sich selbst nicht richtete und gar eine öffentliche Anhörung zur Proklamation seiner Beweggründe forderte. Breivik ist von seiner Tat selbst nach dieser noch überzeugt. Er scheint also radikale Ansichten mit radikalen Taten zu vermischen. Ebenso aber scheint er bei klarem Verstand zu sein.
Waren Andreas Baader, Ulrike Meinhof oder Christian Klar Psychopathen? Ich denke nicht. Trotzdem vertraten sie radikale Ansichten und nahmen den Tod von Unschuldigen in Kauf. 
Der Reflex, Anders Breivik zum Psychopathen zu erklären, ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, die immer mehr vom Prinzip abkommt, dass Menschen Verantwortung für ihre Taten tragen. In masochistischer Weise wird nun hier sogar geleugnet, dass ein Massenmörder verantwortlich für seine Taten ist, indem man ihn zum "Verrückten" erklärt: ein Verrückter ist unzurechnungsfähig, er hat wohl Stimmen gehört, er hat dies nicht freiwillig getan.
Vielleicht ist dies zum Teil nur ein Schutzmechanismus, weil man sich nicht eingestehen will, dass manchen Menschen eben doch so sind, dass sie sich freiwillig für solche Taten entscheiden und den Tod vieler Menschen für ihre Ideen in Kauf nehmen, seien sie auch noch so wirr.
Gespannt bin ich auch auf den üblichen medialen Zirkus nach dem Motto: "wie kann man solche Täter erkennen, was können wir tun". Breivik selbst gibt für diese redundanten Debatten natürlich die Steilvorlage, da er sich dazu bekennt, "World of Warcraft" zu spielen und auch generell ein Einzelgänger war, der stundenlang im Internet surfte.
Ganz dezent wird dabei wie immer übergangen werden, dass Abermillionen (Milliarden?) anderer Menschen dieses Spiel spielen, stundenlang im Internet aktiv sind und dabei friedlich bleiben.
Man kann solche Menschen nicht vorher erkennen. Am Beispiel Hitlers hat Erich Fromm in "Anatomie der menschlichen Destruktivität" eindrucksvoll belegt, dass kein Mensch ohne psychoanalytische Schulung auch nur ansatzweise die seelische Verkrüppelung, die Empathieunfähigkeit Hitlers hätte bemerken können. 
Man muss damit klarkommen, dass solche Menschen in jeder Gesellschaft unter uns leben und immer leben werden. Wenn man ehrlich über dieses Thema reden will, muss man dies anerkennen. Breivik war ein normaler Loser, wie jeder einen kennt.



Donnerstag, 21. Juli 2011

Sabine Heinrich: Wieder ein Personaldesaster bei der ARD

Sabine Heinrich ist der neue Tiefpunkt bei der ARD. Unverschämt, ungebildet, desinteressiert - so könnte man ihre Auftritte der letzten Tage zusammenfassen, bei denen sie die Besatzung eines unter deutscher Flagge fahrenden Schiffes als "Außenreporterin" interviewt. 

Nebenbei: Die Außenreporter sind sowieso die mit Abstand dümmste und überflüssigste Kategorie in diesem degenerierten Format, das eigentlich informieren sollte, sich dabei aber in dümmlich-narzisstischer Selbstbespiegelung verliert.

Zurück zu Heinrich: offenbar legt man bei den ÖR großen Wert darauf, "kecke" Moderatorinnen zu engagieren, die "nicht auf den Mund gefallen sind". So stellt man sie sich zumindest vor. Schade nur, dass man "keck" mit "unverschämt" verwechselt. Die Göre Heinrich unterscheidet sich keinen Deut von einer pubertierenden Zehntklässlerin, die ihrem Lehrer mal eins reinwürgen will und für ein paar Lacher ihrer Klassenkameraden alles tut. 

Interessant dabei auch die pikiert-verstörten Blicke der Schiffsbesatzung, die sich offensichtlich nicht ernstgenommen fühlen und wohl schon längst bereuen, die seltsame ARD-Zicke überhaupt mit an Bord genommen zu haben.

Quo vadis, ARD? Es wird immer schlimmer.