Montag, 24. Oktober 2011

Jauch, Schmidt, Steinbrück: Die Runde der Selbstgefälligen

Zum Glück habe ich gestern nicht Günter Jauchs Talk-Atrappe gesehen. Ein Bild dieses Ereignisses auf "sueddeutsche.de" gerade eben hat mich nochmal in dieser Entscheidung bestätigt.
Rechts außen sitzt da Jauch, den Kopf nach vorne gereckt, in seiner typischen, ungelenken Haltung, die sogar Mr.Burns von den "Simpsons" halbwegs elegant erscheinen lässt. Jauch in seiner ganz und gar anbiedernden, auf Otto-Normal-Mensch getrimmten Höflichkeit.
Links dann Steinbrück. Selbstgerecht, wie immer. In seinem Gesicht lässt sich ein Satz ablesen: "Ich kann's besser". Schützenhilfe hat er sich diesmal von ganz hoher Stelle geholt, vom Vorzeige-Opa der SPD, von Helmut Schmidt, seineszeichens Altkanzler, beschämend 1983 durch Mißtrauensvotum abgewählt.
Ausdruckslos sitzt Schmidt da auf seinem Stuhl in der Mitte, gestützt auf seinen Stock. Dem Vernehmen nach hat er wieder die ganze Sendung über gequarzt, trotz Rauchverbot. Aber was ist schon ein Rauchverbot, dass für Normalbürger gilt, für einen elder statesman, einen vornehmen Hanseaten wie unseren Helmut Schmidt? Das wird man ja wohl verstehen, dass so ein altgedienter Staatsmann sich nicht an solch profane Regeln halten muss.
Was wäre eigentlich passiert, wenn sich jemand im Publikum eine Kippe angesteckt hätte? Man kann es sich denken. Hausverbot. "Wir müssen sie leider des Saals verweisen." Aber unser netter Altkanzler-Brummbär darf Kette rauchen, ist ja klar.
Dieses Trio bezieht seine ganze Selbstgerechtigkeit daraus, dass es sich wohlwissentlich auf seine getreuen Schulterklopfer verlassen kann. Jauch? Beliebtester Deutscher, ganz klar. Eine popelige Umfrage (wahrscheinlich gefälscht) hat es mal ergeben, also muss es stimmen. Jauch ist sich dessen bewusst. Wahrscheinlich kneift er sich alle paar Tage mal und fragt sich, warum er eigentlich so viel Glück hat. Mit seinem Aussehen, seinem durchschnittlichen Talent, ausgestattet mit keiner Expertise. Normalerweise müsste er in irgendeinem Versicherungsbüro sitzen und sich von einer Stromberg-Kopie anblöken lassen. Diese nackte Durchschnittlichkeit - ist es wirklich das, was Deutsche an ihm lieben? Ich will es nicht glauben.
Steinbrück, ein Mann, ein Gesicht. Seine schneidende Arroganz, seine rethorischen Manöver sind immer gleich. Er ist, ganz im Gegensatz zu seinem Ruf, mehr Verpackung als Inhalt, so wie die meisten Sozialdemokraten, so wie Helmut Schmidt eben auch. 
Schmidt selbst ist reine Verpackung. Er hat das Glück, das Guttenberg anfangs hatte. Die Leute sehen seinen Anzug, seinen Scheitel, seine angeblich understatement vermittelnde Art (die in Wahrheit Anmaßung ist). Sein Gerauche finden viele wahrscheinlich auch noch toll. Dabei fällt den wenigsten (wie bei Guttenberg) auf, dass Schmidt keine Prinzipien hat, dass er ein reiner Effekthascher ist. Im Gegensatz zum Betrüger Kohl hatte Schmidt nie eine Vision. 
Mein Gott, muss das eine aufgeblasene, inhaltsleere Runde gewesen sein. Aber wie gesagt: zum Glück habe ich mir das erspart.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Die "Sueddeutsche" biedert sich bei Kerner an - Medienjournalismus at its worst

Unter dem selten arschkriecherischen Titel "Johannes B.Kerner: Er ist einfach viel zu gut", sinkt die Online-Redaktion der "Sueddeutschen Zeitung" auf ein Niveau, das alles bisher dagewesene unterbietet.
Dem Titel folgend, ging ich von einer ironischen Auseinandersetzung mit dem blonden "Alleskönner" aus, bei der seine offenkundigen Schwächen abgearbeitet werden (wie zum Beispiel sein ausbaufähiges Urteilsvermögen im Fall Eva Herman, sein Interessenkonflikt als selbsternannter "Journalist" und Werbefigur für "Air Berlin" oder sein weit abstehendes rechtes Ohr). Doch ich war schief gewickelt.
Die "Sueddeutsche" setzt dich in ihrer Medien-Rubrik nicht etwa kritisch mit der Person JBK auseinander. Ganz im Gegenteil: Auf einer achtseitigen Bildstrecke wird dem vermeintlichen Genie Kerners (ja, es darf herzlich gelacht werden) gehuldigt. 
Sein Leben war perfekt, jedenfalls vermittelte er diesen Eindruck. Vielleicht war er, den Eindruck könnte man haben, als Sportreporter Mitte 20 beruflich zum letzten Mal so richtig zufrieden.
Natürlich versucht Kerner, diesen Eindruck zu vermitteln. Er ist schließlich ein ekelhafter Streber. Aber dass "Journalisten" einer bekannten, überregionalen Zeitung das schlucken? Das war mir neu. Weiter geht's mit Bildunterschrift 2:
Seither machte Kerner das, was man eine große Karriere nennt. Er wurde einer der bekanntesten Sport-Moderatoren und Talkshowmaster. Er kann sich vor einer Kamera so natürlich wie nur wenige bewegen und ist bei Live-Sendungen auch in schwierigen Momenten ebenso geschickt wie geistesgegenwärtig. Doch keines seiner Talente, die er für das Unterhaltungsfernsehen mitbringt, charakterisiert ihn so wie eine andere, ganz wesentliche Eigenschaft: brennender Ehrgeiz.
Kerner? Reden wir vom selben Mann? Kerner war mir eher dafür bekannt, Interviews so statisch zu führen wie kein Zweiter. In seiner "JBK" betitelten Boulevard-Show beim ZDF las er jede Frage von Karteikarten ab und versteckte sich hinter seinem riesigen Pult. Gegenfragen lächelte er verlegen weg - Souveränität sieht anders aus. Wer hat den "Sueddeutsche"-Redakteur bezahlt, solche Schleimspuren zu ziehen? War es Kerner selbst? Fakt ist, dass kein Mensch Kerner je so wahrgenommen hat. Jeder, den ich kenne, findet Kerner wenn nicht menschlich ekelhaft, dann zumindest fachlich inkompetent und als Moderator - geschweige denn als Showmaster - ungeeignet. 

JBK, wie man ihn auch nennt, will nicht nur gut sein, sondern der Beste - und wie der Beste bezahlt werden. Insofern ist die jüngste Nachricht eine Besonderheit: Johannes B. Kerner wird im Dezember mit seiner Show bei Sat 1 aufhören. Seit Ende 2009 lief die Sendung ohne Resonanz und Erfolg an Donnerstagabenden als "Magazin" mit Nutzwertthemen.
"Man" nennt "JBK" nicht "JBK", sondern er selbst tut dies. Und wenn jemand, der sich angeblich vor der Kamera so natürlich wie nur wenige bewegt, seine Sendung "ohne Resonanz" einstellen muss: sollten sich da manche Redakteure vielleicht mal die Frage stellen, ob sie mit ihrer Einschätzung nicht von vorneherein auch ziemlich resonanzlos dastanden?
Tausendsassa Johannes "B." Kerner



Kerner, 46, ist erstmals an einem Punkt, von dem aus er nicht mehr weiter aufsteigen kann.
Die Schleimspur wird länger und länger. Kritischer Journalismus? Wo bist Du?

Seine Auftritte wurden, auch mit Einzelshows, immer flächendeckender, er füllte sogar die Werbepausen, in denen er für den Börsengang einer Fluglinie oder für Lebensmittel warb. Jetzt steht er, bildlich gesprochen, wieder hinter dem Tor. Theoretisch weiß er, wie man ins Spiel zurückfindet. Doch mit welchem Team?
Hm, mit welchem Team? Und eine viel wichtigere Frage: Ist der Redakteur Kerners strategischer Berater, sein Agent, oder einfach nur ein unbezahlter Praktikant, der immer mal so wie Kerner sein wollte?
Diese Werbeveranstaltung für Kerner war beispiellos. Ist die Online-Redaktion der "Sueddeutschen" wirklich so dünn besetzt? Kontrolliert niemand, was der andere schreibt?
Wer verfasst so einen Mist (kein Autor wurde genannt).
Es ist beunruhigend, dass eine Zeitung mit einem so beträchtlichen Renommee so etwas freigibt. 
Beruhigend ist, dass Kerner - trotz medialer Schulterklopferei - angeblich langsam keinen Fuß mehr auf den Fernsehboden bekommt.
Die Leute haben sich sattgesehen am devoten Pseudo-Katholiken. Soll er doch mit Matussek über dessen "katholisches" Abenteuer reden oder seine Brut aufziehen. Niemand wird ihn vermissen, alle werden erleichtert sein, wenn der übergewichtige Schleimer seinen Hut für immer nimmt. Das TV-Niveau ist sowieso schon mies genug. Ohne Kerner kann es nur besser werden.