Freitag, 13. Januar 2012

Mitt Romneys 'Bain Capital' - Reichtum durch Vernichtung von Arbeitsplätzen?

Über Andrew Sullivans Dish bin ich auf eine Dokumentation über Mitt Romneys Investmentfirma Bain Capital gestoßen.

Die "Dokumentation" wurde von Mitarbeitern des Wahlkampfteams von Newt Gingrich erstellt. Sie ist mit großer Vorsicht zu genießen, sehr einseitig, sehr emotional (sehr amerikanisch, in gewissem Sinn) und sehr ad hominem orientiert.

Trotzdem hat sie einen wahren Kern: Mitt Romney verdankt seinen Reichtum einem Geschäftsmodell, dessen Firmen von Franz Müntefering vor einigen Jahren bekanntlich als Heuschrecken bezeichnet wurden. Bain Capital verstand sich darauf, suboptimal operierende Unternehmen zu kaufen, zu restrukturieren, was ein Codewort für Entlassungen ist, um sie dann gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Mitt Romney - überspitzt formuliert - verdankt seinen Wohlstand also den Entlassungen tausender working class people.

Das ist gleichzeitig polemisch und wahr. 

Polemisch, weil man ja nicht weiß, was mit den Firmen passiert wäre, hätte Bain Capital sie nicht aufgekauft. Manche wären bankrott gegangen, wurden also gerettet. Einige Mitarbeiter waren weiter in Arbeit, einige mussten gehen. Das ist besser als die komplette Schließung.

Andere hätten vielleicht aber auch ohne den Einsatz von Romneys Heuschrecke überlebt. Vielleicht sogar ohne weitere Entlassungen. Das ist alles Spekulation.

Für einen aber, der bei jeder Wahlkampfveranstaltung damit angibt, über business experience zu verfügen, wirkt Romneys Vergangenheit umso schäbiger. Er scheint nicht demütig zu sein. Er scheint seine Wirtschaftserfahrung nicht mit dem nötigen Anstand gemacht zu haben, nicht in dem dankbaren, schuldbewussten Gewissen, dass sein Erfolg große Opfer gefordert hat. Nein, Romney ist nur allzu stolz auf sein Geschäft. 

Ist Romney die Verkörperung des oft zitierten Raubtierkapitalismus? Oder ist er einfach ein normaler amerikanischer Kapitalist?
 
Viele Amerikaner sind bekennende Kapitalisten. Sie lehnen das Modell des europäischen Wohlfahrtsstaates und eine gesetzliche Krankenversicherung ab. Die meisten aber verehren job creators, Leute wie Bill Gates oder Steve Jobs, die innovative Ideen haben, Arbeitsplätze schaffen und den Mythos der Unschlagbarkeit Amerikas bestärken. Diesen Menschen gönnen die Amerikaner jede zusätzliche Million.

Bei Romney, den die Vernichtung von Arbeitsplätzen zu einem reichen Mann gemacht hat, könnte das anders aussehen. Die Propaganda seiner Gegner jedenfalls läuft jetzt auf Hochtouren, und die dritte Vorwahl in South Carolina steht vor der Tür. 


Wenn Romney tatsächlich der republikanische Präsidentschaftskandidat wird, hat er in jedem Fall bereits ein schweres Päckchen zu tragen. Obama wird keine Gelegenheit auslassen, ihn auf seinen Reichtum anzusprechen - und vor allem darauf, wie er diesen erworben hat.

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