Dienstag, 31. Januar 2012

Sarkozys zweifelhafte neue Liebe für Deutschland

Die vor Kurzem ins Leben gerufene französische Ausgabe der Huffington Post geht heute dem Phänomen auf den Grund, das man als neue "Deutschenliebe" der Franzosen, oder genauer gesagt des französischen Staatspräsidenten bezeichnen könnte.

Immer öfter nämlich preist Nicolas Sarkozy in TV-Interviews und anderen öffentlichen Auftritten das "deutsche Modell" als Vorbild seiner künftigen Wirtschaftspolitik. Dabei hat er vor allem die Agenda von Gerhard Schröder im Kopf, die seiner Meinung nach für die momentane ökonomische Stärke Deutschlands verantwortlich zeichnet und deutschen Banken dauerhaft niedrige Zinssätze beschert.

Sarkozys Euphorie ist jedoch, wie man hierzulande längst weiß, auf Sand gebaut. Billiglöhne, Minijobs ohne Sozialversicherung und eine gefährliche Exportabhängigkeit bei generell kläglicher Binnennachfrage, geringes Investitionsvolumen bei einer gleichzeitig rapide alternden Gesellschaft sind als leuchtendes Wirtschaftsmodell eher zweifelhaft.

Deutschland ist für die Schuldenkrise der EU hauptverantwortlich: seine starke Wirtschaft beruht auf Exporten unter anderem ins EU-Ausland, ohne dessen Zahlkraft (die wiederum auf Verschuldung basiert) Deutschland längst kein so starkes Wachstum verzeichnen könnte. Unsere Exporte wiederum basieren auf Dumpinglöhnen. Eigentlich ist es ein Hohn, dass "Frau" Merkel den anderen Euro-Ländern Sparmaßnahmen aufzwingt und wie der neue Zampano in Europa auftritt. Das deutsche Modell (sich selbst kaputtsparen, während andere unsere Produkte kaufen sollen) ist weder gesund noch zukunftsfähig. Eigentlich ist es nicht mal mehr gegenwartsfähig.

Deutschland ist in Europa zu recht unbeliebt. Das liegt auch an unserer ausbeuterischen Wirtschaftspolitik. Sarkozys neue Herzenswärme für Deutschland sollte also niemandem schmeicheln. Die Franzosen sollte es eher an seiner Wirtschaftskompetenz zweifeln lassen.



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