Mittwoch, 4. Januar 2012

Wulff sollte Lammert Platz machen

Nicht schon wieder ein Rücktritt!
Man hat doch sowieso keinen Kandidaten!
Das Amt wird beschädigt, wenn die Bundespräsidenten so schnell verschlissen werden!

Solche oder ähnliche Einwände gegen einen sofortigen Rücktritt unseres rückgratlosen Osnabrücker Fähnchens im Wind hört man oft dieser Tage.

Dabei liegt das Gute oft so nah. Das Gute nennt sich Norbert Lammert und sitzt im Bundestag. Dort und in zahlreichen Hörfunk- und Fernsehinterviews schwingt er seit Amtsantritt regelmäßig moralisierende Reden zum Status quo Deutschlands, der politischen Kultur, der Medienberichterstattung, und so weiter, und so fort!

Tja, was fällt auf? Genau: diese Dinge sollte eigentlich ja der Bundespräsident tun, nicht aber (zumindest nicht um so viel auffälliger als Ersterer) der Bundestagspräsident.

Lammert wäre also als Bundespräsident ideal: er verfügt über Standing in der Partei sowie über parteiübergreifende Akzeptanz, Autorität und Erfahrung in öffentlichen Auftritten. Er scheint (darüber geben seine Reden Auskunft) im Gegensatz zum ollen Niedersachsen über einen gefestigten moralischen Kompass zu verfügen und ist bislang (wieder im Gegensatz zum Christenmenschen Wulff) weder durch Korruptions-Eskapaden noch durch Drohanrufe auf Anrufbeantworter von schleimigen "Springer"-Journalisten aufgefallen (dies alles kann natürlich alles noch auf uns zukommen).

Wulff wird binnen einer Woche zurücktreten, sein Doppelinterview heute abend hin oder her. Der Karren ist schon im Dreck und kann auch nicht mehr rausgezogen werden. Der Hauskredit ist abbezahlt, der politische Kredit aber verspielt. Ende Januar wird ein neuer Präses gewählt: es sollte Norbert Lammert werden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lammert finde ich gleich langweilig wie Wulff? Warum nicht noch mal Joachim Gauck als Kandidat?

Dreyfus hat gesagt…

Er hat immerhin eine größere moralische Autorität, meine ich.

sebastianwessling hat gesagt…

Vor Lammert hat Merkel zu viel Angst. Der hat ihr schon als Bundestagspräsident zu viele Widerworte gegeben, der könnte sie dann als Bundespräsident noch viel wirkungsmächtiger kritisieren. Der ist ihr schlicht zu unabhängig.

Dreyfus hat gesagt…

Stimmt schon. Der Wunsch war Vater meines Gedankens an Lammert. Natürlich will Merkel keine Kritik, also auch keinen Lammert.
Andererseits: sollte Wulff wirklich zurücktreten, wer würde dann noch in Frage kommen?
Jockel Gauck würde mit Kritik sicher auch nicht geizen (und sollte er auch nicht)!