Freitag, 4. Mai 2012

Der Celebrity-Kult von sueddeutsche.de und Frank Nienhuysens kaum erträgliches Geheul

Die Sueddeutsche Zeitung, und ihr Online-Auftritt sueddeutsche.de, haben ein Problem. Sie sind die Gala und Bunte der Politik.
Ich weiß nicht, wann diese Entwicklung genau angefangen hat, ich bin zu jung, um das beurteilen zu können. Doch sie ist mehr als offensichtlich. Der Celebrity-Kult bar jeden politischen Inhalts hat ekelhafte Züge angenommen, und man fragt sich, ob die Leser wirklich eine solch niveaulose Anbiederung goutieren.

Ein Beispiel. Vorher wollte ich mich informieren. Das heißt für mich, dass ich von einer Online-Zeitung, die auf Information spezialisiert ist, erwarte, dass die Informationen nach Relevanz geordnet abrufbar sind, die wichtigste Meldung zuoberst, die zweitwichtigste drunter, undsofort.

Das war dann bei sueddeutsche.de, Stand 18:36 Uhr, zu sehen:



Timoschenko und die Samariter von der Charité. Ist das wichtig?

Ein ganzer Timoschenko-Block wird hier präsentiert, inklusive dem weichgewaschensten Luschen-Kommentar von Frank Nienhuysen, den ich seit langem gelesen habe. Nienhuysen, der bereits im Februar ganz mutig die Wahl Putins in Russland kritisch hinterfragte, genau wie 99% seiner Kollegen im Kommentariat der großen Zeitungen, und die dabei vergessen, die eigenen Leute der EUdSSR-Kommission kritisch zu hinterfragen. Aber das nur am Rande.

Sueddeutsche.de scheint also konsequent und schamlos nach dem Celebrity-Prinzip zu verfahren. In diesem Fall also die ukrainische Ölmafiosa, deren Popularitätswerte in der Ukraine nicht besser sind als die des ach so bösen Janukowitsch, eine Tatsache, die man hier in letzter Zeit allzu gern unter den Tisch fallen lässt. Es würde ja auch nicht ins schön zurecht gelegte Bild passen: Die hübsche, allseits beliebte Volksheldin und das Biest Janukowitsch.

So gefällt sich sueddeutsche.de in der Rolle, westliche, liberale Werte hochzuhalten und Timoschenkos lächerlichen Hungerstreik zu dramatisieren, während der Berliner Charité-Arzt zum heldenhaften Retter mutiert. Wie gesagt: Inhalte ständen da nur im Weg.

Nienhuysens erwähnter Kommentar ist eine hässliche Ausgeburt von fiesem Fifty-Fifty-Journalismus, ein Pseudo-Versuch, sich am Rande der Celebrity-Huldigung doch noch ansatzweise mit Substanz auseinanderzusetzen, dafür mißbraucht er dann das  Dauerthema
"Sinn von Boykotten von Großereignissen". Ein bißchen Lukaschenko ans Bein pinkeln, ein bißchen Boykottaufrufe auf Sinnhaftigkeit abklopfen, ein bißchen diese Meinung da, ein wenig zurückrudern dort: Frank Nienhuysen hat die Mainstream-Journalistenlehre mit Bravour bestanden und es geschafft, in acht Absätzen so gut wie keine Position zu beziehen, die nicht schon im nächsten Absatz wieder relativiert werden würde.

Der Leser verlässt angewidert von so viel Oberflächlichkeit die Seite und fragt sich, warum er nicht schon vorher d-radio.de aufgesucht hat, eine seriöse Seite mit seriösen, relevanten Nachrichten, auf der er selten enttäuscht wird.




Keine Kommentare: