Donnerstag, 31. Mai 2012

Der Westen hat in Syrien nichts verloren

Lächerlich der Versuch Francois Hollandes, jetzt doch irgendwie Militärschläge gegen das Assad-Regime ins Spiel zu bringen. Hält er die Franzosen für so dumm? Mit welchem Mandat will er denn eingreifen?

Nur wenn Russland seine Haltung ändert, könnte man etwas machen. Doch Putin bleibt (zurecht) bei seiner Position. Er weiß: der Westen hat in Syrien genau so viel verloren wie in Afghanistan und im Irak: nichts.

Niemand kann Interesse daran haben, Bundeswehrsoldaten wie in Afghanistan auf unbestimmte Zeit in einem arabischen Land zu stationieren, dabei nicht wissend, ob die Rebellen, die man momentan unterstützt, überhaupt der Unterstützung wert sind.

Schon länger macht sich bei mir außerdem der fade Beigeschmack breit, der beim Gedanken entsteht, dass Assad vielleicht doch nicht ganz Unrecht hat mit seiner mantrahaft wiederholten Aussage, die Rebellen seien nichts als Terroristen. Wissen wir es besser? Kennen wir die Aufständischen?

Schon vor einem Jahr war ich skeptisch: 1 Mio. Menschen in Kairo waren beeindruckend, doch nie und immer repräsentativ für 80 Mio. Ägypter. Bei den Wahlen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen einem Hardliner-Moslem und einem Parteisoldaten Mubaraks. 

Es ist ganz einfach: der Westen hat in der arabischen Welt nichts zu suchen. Die Freiheit des deutschen Staates wird weder am Hindukusch noch in Syrien verteidigt, die des amerikanischen Staats nicht in Mesopotamien. Der ISAF-Einsatz in Afghanistan ist wie jeder deutsche Militäreinsatz der letzten 200 Jahre, sieht man vielleicht einmal von den Befreiungskriegen gegen Napoleon ab, so unnötig wie ein Kropf, idiotisch und beklemmend. Deutsche Soldaten kehren mit PTBS und amputierten Gliedern zurück, der Krieg wird totgeschwiegen, weil es keine Gründe dafür gibt, und die Linkspartei ist die einzige Partei im Bundestag, die sich gegen diesen grauenhaften Irrtum ausspricht. Alle anderen verstecken sich hinter der Worthülse "Bündnistreue", einem Begriff, der jedem denkenden Menschen "physische Schmerzen" (Wulff) bereiten muss.

 

 

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