Freitag, 4. Mai 2012

Sacré-Coeur, Innenansicht - das Grauen von Paris

Zum Glück bin ich kein Katholik mehr.

Sonst müsste ich mich ja richtig aufregen. Gestern war ich in Sacré-Coeur in Paris, auf dem Montmartre, eine der bekanntesten römisch-katholischen Wallfahrtskirchen weltweit. Und eine der schönsten. Von außen.

Hat man sich erstmal durch die wahnwitzig schmutzigen, verkommenen und lauten Pariser Straßen und Gassen hochgekämpft, vorbei an aufdringlichen Kongolesen, die billigen Touristenramsch anbieten, bieten sich zwei schöne Blicke: zum einen der auf die Kirche selbst, zum anderen der auf die Stadt. 

Um den Tagespunkt zu komplettieren geht man dann eben noch rein in die Basilika, vorbei an der professionellen, vermutlich von einer gut gehenden Bettlermafia "angestellten" Bettlerin in Sinti-und-Roma-Kostüm. Es ist ja sogar kostenlos!

Sollte es aber lieber nicht sein. Die Kirche ist so vollgestellt mit allerlei Ramsch - zuerst dachte ich, es findet ein kleiner Flohmarkt statt. Aber nein, das ist die ramschige "alles wird ausgeschlachtet"-Mentalität der französischen Katholiken - oder der Stadt Paris? Fotos von Johannes Paul II., Teelichter, Kerzen zum Anzünden für 2€, gar ein in einen Seitenflügel eingelassener Souvenirshop ersticken jede Stimmung sofort im Keim, die etwas mit Besinnung oder Andacht gemein haben könnte.

Das "Highlight" allerdings befindet sich in Ausgangsnähe: 3 Automaten leuchten da fidel vor sich hin, eine Mischung aus Fotofix, den selbstauslösenden Passfoto-Automaten, die man an jedem mittelgroßen deutschen Bahnhof vorfindet, und den in S-Bahnhöfen verbreiteten Snack-Automaten, an denen man sich mit Kitkat oder Capri-Sonne eindecken kann. Ich bin mir nicht sicher, was genau diese bezweckten, aber ich gehe wohl kein größeres Risiko ein mit der Annahme, dass man als Tourist ein paar Euronen reinsteckt und ein schäbiges, kitischiges Souvenir erhält. Ich ging angeekelt Richtung Ausgang.

Warum man in der Kirche nicht fotografieren darf, war dann natürlich auch klar. Die Bilder des verschandelten Inneren sollen wohl nicht öffentlich zirkulieren. Warum das Essen nicht gestattet ist, wundert mich aber. Wenn schon Shops und Automaten ihren Platz finden, warum dann nicht gleich ein Crêpes-Stand? 

Wie gesagt: zum Glück bin ich kein Katholik mehr.

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