Freitag, 25. Mai 2012

Stefan Niggemeier - der mit dem Moral-Monopol

Es ist schon ziemlich amüsant, sich auf dem Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier zu tummeln. Nicht mal wegen der Posts des Gastgebers selbst, eher wegen der Kommentare der Leser. Niggemeiers Blog könnte man als Jahrmarkt der Eitelkeiten bezeichnen - oder, etwas weniger schmeichelhaft, als Sandkasten.

In diesem Sankasten gibt es ein großes, dickes Kind, das die Richtung vorgibt. Dieses Kind ist Niggemeier selbst. Dann gibt es noch ein paar kleinere, schmächtige Kinder, die ihn und seine Postulate entweder ganz toll und wichtig finden, oder die sich nicht trauen, etwas gegen den Platzhirsch zu sagen, und ihm deshalb aus Angst beipflichten. Allen Kommentaren ist jedoch eines gemeinsam: sie sind äußerst moralingesäuert.

Traut sich einmal einer, gegen den Strom zu schwimmen, finden sich stante pede mehrere Niggemeier-Lemminge, die den Hausherren vehement verteidigen, ohne dass dieser selbst einen Finger rühren müsste. So habe Niggemeier das gemeint, nicht anders. Wie könne man das falsch verstehen? Wie dumm und ungebildet müsse man sein? Lächerlich! Dissens mit dem Keyboard-Moralisten aus Niedersachsen kommt einer Todsünde gleich. Das alles natürlich unter der Prämisse des transparenten, offenen Blogs, auf dem jeder kommentieren kann und darf. Niggemeiers Standgericht ist die neue Kleinbürgerlichkeit im Internetzeitalter.

Selbstgerecht und anmaßend im Ton sind auch Niggemeiers neueste Texte über den European Song Contest in Baku. Als bekennender Schlagerfan befindet sich Niggemeier selbst in Aserbaidschan und berichtet - wie es sich scheinbar gehört als Verteidiger der "Menschenrechte" - über angebliche Verfehlungen des Regimes der ehemaligen Sowjetrepublik.

Typisch hierbei ist aber wiederum, dass der Text, der die größten Wellen schlug, keiner über das Regime und dessen Verfehlungen selbst ist, sondern einer über die angeblichen Verfehlungen des taz-Journalisten Jan Feddersen, der Niggemeiers Meinung nach zu flapsig über die Menschenrechtsverfehlungen des Regimes berichtet hatte. Auch mit diesem Artikel machte der Hausherr unmißverständlich klar: das Monopol auf moralische Bewertungen habe ich. Gnadenlos wurde Feddersen, dessen Texte ich übrigens nicht kenne und der mir auch ziemlich egal ist, auch in den Kommentaren dem Erdboden gleichgemacht (wenn auch von einer paar wenigen verteidigt). 

Der Text über Feddersens angebliche Verfehlungen in seiner ganzen herablassenden, selbstgerechten Art bestätigt jedoch nur eine Vermutung, die ich über Niggemeiers Blog schon lange hatte. Es geht ihm natürlich nicht die Spur um "Menschenrechte". Diese Thematik ist ihm willkommene Vorlage, geeignetes Alibi um seine Unfehlbarkeitsshow abzuziehen. Warum, wenn ihm wirklich etwas an den Zuständen in Aserbaidschan läge, würde er sich denn so ausführlich mit einem Journalistenkollegen auseinandersetzen und eine unglückliche Formulierung so maßlos und absichtlich fehlinterpretieren? 

Wie gesagt: all das ist kleinbürgerlicher, spießiger Kindergarten. Nichts von dem hat Relevanz. Das Regime in Baku war vor dem ESC undemokratisch und wird es lange danach bleiben. Wenn jemand daran etwas ändert, sind es zuerst die Aserbaidschaner selbst, zuletzt jedoch westliche Journalisten. Diese bewirken genau das Gegenteil von dem, was sie vorgeben, erreichen zu wollen (in den meisten Fällen suchen sie sowieso nur Publicity für sich selbst). Zuallerletzt verändern deutsche Medienjournalisten und ESC-Fans wie Niggemeier etwas an den Verhältnissen in Aserbaidschan, die es als essentiell betrachten, sich über "Fehler" von deutschen Journalistenkollegen zu echauffieren und damit einfach nur in der eigenen Marinade braten.

Aber Hauptsache, mal über "Menschenrechte" geredet und sich aufs hohe Ross gesetzt. Igitt.



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schön, dass man die Anonymität des Netzes nutzen kann, um andere Menschen zu beleidigen. Das will ich nicht machen, denn ihre Kommentare sprechen für sich und ich will sie nicht aufwerten.

Anonym hat gesagt…

"Selbstgerecht und anmaßend im Ton..."

Das ist Ihr Beitrag über Anja Heyde und Mitri Sirin auch. Das werden Sie ihm also wohl kaum vorwerfen können ;-)