Montag, 2. Juli 2012

Motzki Sammer und Bayern München: es wächst zusammen, was zusammen gehört

Je älter Uli Hoeneß wird, desto ungeduldiger, verrückter und - genialer scheinen seine Personalentscheidungen zu werden. Nach dem im Nachhinein völlig verunglückten Experiment der Verpflichtung Jürgen Klinsmanns im Jahr 2008 und der von Vielen belächelten Zurückholung "Don" Jupp Heynckes' vor einem Jahr gelingt dem Ulmer Wurstproduzenten mit der Entlassung von Christian Nerlinger und der Verpflichtung von Matthias Sammer nun ein Geniestreich, mit dem eigentlich niemand gerechnet hatte.

Sammer ist ein Genie, Sammer ist ein Querdenker (hier mal ausnahmsweise keine Phrase), Sammer ist Gott. Sammer ist Motzki, Sammer ist Firehead, Sammer ist ein Winner. Eigentlich wie Olli Kahn, doch Sammer besitzt nicht Kahns Phlegma, nicht seine Behäbigkeit. Sammer steht immer unter Strom, Sammer ist eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Sammer wird den FC Bayern zu neuen, glorreichen Ufern führen.

Schön wäre es zumindest. Sammer könnte dafür sorgen, dass beim FC Bayern unter seiner Ägide eine Jugend herangezüchtet wird, die es in sich hat, eine barcaeske, spielsüchtige Technikertruppe, eingeschworen aufs Kollektiv und den unbedingten Erfolg, dabei charakterstark und mit ungebrochenem Willen.

Für mich zeigt, obwohl es gerade aufgrund der letzten Saison seltsam klingen mag, die Leistungskurve des FC Bayern seit dem Jahr 2007 sowieso insgesamt tendenziell nach oben. Es ist ein bißchen wie mit der Nationalmannschaft: die großen Titel fehlen, doch die Tendenz stimmt. Denn jeder Bayern-Fan wird sich mit Grausen an die mageren Jahre 2001-2010 erinnern, als in der Champions League regelmäßig spätestens im Viertelfinale Endstation war und schon das Siegel "letzte acht in Europa" ein Kompliment darstellte. 

Mit dem legendären Griff aufs "Festgeldkonto" 2007 und der Verpflichtung von Luca Toni und Franck Ribery (von der die Bayern bis dato profitieren) begann eine neue Ära, deren bisherige Höhepunkte die CL-Finaleinzüge 2010 und 2012 waren. Gut, es gab auch Irrungen und Wirrungen, wie die angesprochene Verpflichtung Klinsmanns. Die Ära van Gaal hingegen werte ich als vollen Erfolg. 

Nun also Sammer. Bei Sammer sehe ich nur zwei Szenarien, wie sein Engagement beim FC Bayern gedeihen wird: entweder kurz und heftig, endend mit einem großen Knall, einem endgültigen Zwist mit den Krösen des Vorstandes. Oder aber in einer grandiosen Ära, in der sich Sammer ein Denkmal baut. Dazwischen gibt es nichts; weder Sammers noch Hoeneß' Persönlichkeit lassen einen Mittelweg zu. Beide sind stur, dickköpfig, erfolgsversessen. Beide wollen den hunderprozentigen Erfolg.

Sammer passt zum FC Bayern.  

Sammer ist der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Er wird eine neue Ära beim FC Bayern einleiten, eine Philosophie verankern, die den FCB zu neuen, glorreichen Ufern führt. Erfolgsbesessen, detailverliebt, starrköpfig, kreativ, leidenschaftlich, intellektuell - Sammer ist wie Klopp, nur ohne dessen Proletenhaftigkeit.
Sammer hat Substanz - während Löw sich mit Nivea eincremt und Klopp breit grinsend Altherrenwitze im TV reißt, tüftelt Sammer im Kämmerchen revolutionäre Spielzüge und sichtet auf einem brasilianischen Drittliga-Acker elfjährige, hypertalentierte Bayern-Superstars von übermorgen. 


Sammer ist die neue Kraft, die stets das Gute will und stets das Bessere schafft.

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