Dienstag, 27. November 2012

27.11.2012: Ein Jahr Volksabstimmung über Stuttgart21

Ein Jahr Volksabstimmung über Stuttgart21. 

Vor einem Jahr kam die kalte Dusche für die Wahnwitzigen, für den schreienden Mob. All die jahrelang aufgebaute Selbstgerechtigkeit zerplatzte wie eine Seifenblase. Die Maske der moralischen Überlegenheit wurde dem Protestpöbel ausgerechnet vom demokratischen Prinzip heruntergerissen, einem Prinzip, das die Protestbewegung doch eigentlich immer für sich reklamiert und den Regierenden und der Bahn (zum Teil zu Recht) abgesprochen hatte.

Kalt traf es das Wutvolk; mit keinem Erdrutschergebnis, aber doch klar genug sprachen sich die wahlberechtigten Württemberger für den Bau des neuen Hauptbahnhofs aus. Wohin mit der Wut? Wie sollte man schon angehen gegen die nackten Zahlen? Dem Wahn der Montagsdemos war damit beigekommen. Endlich konnte man sein Auto auch nach 15 Uhr in die Innenstadt bewegen, ohne stundenlang im Demo-Stau zu stehen.

Doch nicht alles hat sich verändert. Wie Landstreicher ziehen immer noch ab und an unverbesserliche Anti-Demokraten durch den Hauptbahnhof, vor allem Montags natürlich, anmaßend und selbstgerecht wie eh und je. Gelbe Aufkleber zieren ihre dreckigen Hüte, ihre großen, aufgerissenen Augen signalisieren, dass sie den Kampf nicht aufgegeben haben. Es ist die Verrücktheit der Verzweifelten. Den Protest wollen sie nicht aufgeben. Ihr neues Hobby haben sie dafür viel zu lieb gewonnen in den letzten Jahren. Mit ihnen wird weiter zu rechnen sein, in ein, zwei, vielleicht noch in zehn Jahren.

Der Schloßgarten ist steril geworden. Bäume wurden gefällt, die Wiese ist nicht zugänglich, sie ist umzäunt. Das triste Bild wird vom regnerischen Novemberwetter noch unterstrichen. Es steigen keine dicken Rauchwolken mehr auf wie in den Tagen, als sich ungewaschene Rastafaris in halblegalen Zeltstädten am Rande des Platzes breit machten und die grüne Oase Stuttgarts wie eine Zigeunersiedlung erscheinen ließen. Die Nüchternheit des Schloßgartens steht für die Nüchternheit, die glücklicherweise in der Stadt eingekehrt ist. Aus dem gefährlich aufgeblasenen Ballon des Wutbürgerprotests wurde sanft die Luft gelassen.



(c)2012










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