Mittwoch, 21. November 2012

ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod": Warum denn das schon wieder?

Es ist November, und es ist kalt. Die Sonne zeigt sich nur, wenn sie gerade Lust hat, und oft ist das in dieser Jahreszeit nicht. Die Menschen schauen mißmutig, stapfen im Stechschritt von Haustür zu U-Bahn, husten und schneuzen in ihre Taschentücher.

Ist es da nicht toll, dass wir uns wenigstens am "Lagerfeuer des 21.Jahrhunderts" entspannen können, und uns die fehlende Wärme beim Fernsehen abholen können? Und wo könnte uns das besser gelingen als bei der ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" mit den Schwerpunkten "wie wir umgehen mit dem Tod", "wie wir sterben wollen" sowie "was am Ende bleibt"? Verspricht dieses Programm nicht eine Woche lang gute Laune nonstop?

Ganz nach altem Sowjetstrickmuster verordnen die ARD-Intendanten einen knallharten Ein-Wochen-Plan mit Sterben und Tod: alle müssen spuren. Ob Jauch oder Beckmann, "Morgenmagazin" oder Anne Will - aus dem Jenseitsdiktat gibt es zumindest für diese sieben Tage kein Entkommen. 

Das wäre ja auch nochmal schöner. Schließlich muss das "Tabu-Thema" Tod endlich mal enttabuisiert werden. So zumindest sieht das die ARD. Wie sie dabei darauf kommt, dass Tod und Sterben Tabuthemen seien, ist mir jedoch ein Rätsel. Seit ich denken kann, flimmern bedrückende Palliativ-Endzeitreportagen über die Mattscheiben öffentlich-rechtlicher Regionalprogramme, und das Thema Sterbehilfe allein wurde in den letzten Jahren so oft durchgekaut, dass ich mit dem Zählen irgendwann gar nicht mehr nachgekommen bin.

Die ARD-Sowjets bleiben aber hartnäckig. November ist Depression, und November ist Tod, da gibt es keine Diskussion.


Es ist ja auch nicht so, dass man dem 5-köpfigen Talkshow-Team um Jauch, Beckmann, Maischberger, Plasberg und Will in der Vergangenheit vorgeworfen hätte, sie würden sich thematisch, in der Gästeauswahl und so ganz allgemein im Design der Sendung zu sehr ähneln. Hilfreich ist es angesichts dessen auch sicherlich, die Sendungen thematisch einfach vollständig gleichzuschalten.   

So freuen wir uns auf eine Woche voller schwarzer Anzüge und Krawatten, voller Urnen und Bestattungsunternehmer. Eine Woche voller Palliativstationen und beklemmenden Stimmen aus dem Off; eine Woche voller Auftritte von Margot Käßmann, die ihre ganze in langen Jahren einstudierte Demut zur Geltung bringen kann und "den Menschen" dabei noch Hoffnung schenkt.
  
Ach, war es schön, als der Tod noch ein Tabuthema war. Eine Privatsache. Als man nicht belästigt wurde von rührseligen, aufdringlichen Stories von Kinderhospizen und geläuterten Pastorinnen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zumindest für diese Woche. 



  







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