Montag, 26. November 2012

Idiotisches vom "Medienexperten" Joe Groebel

Der Tatort war schlecht. Das finde ich. Auch Bild Online sieht das so. Es war kein Krimi, es war langweiliger Klamauk, mit ein paar netten Landschaftsbildern und weichgespülten Banjo-Klängen angereichert. Das reicht nicht, das war eigentlich sogar ziemlich mies. Sowieso, wenn der Tatort aus Münster kommt, eigentlich ein Garant für solide, gute Krimis, und es dann auch noch ein Jubiläumstatort ist.

Man muss nicht lange analysieren, warum der Tatort ein Reinfall war. Das Drehbuch war scheiße. Es war dünn, und es war abstrus. Bild Online jedoch hat sich entschlossen, nicht nur die eigene Meinung gelten zu lassen, sondern einen Experten zu Wort kommen zu lassen. Und wen fragt man, wenn man was zum Thema "Medien" wissen will? Klar: den "Medienexperten", wahlweise "Medienpsychologen" Jo Gröbel.

Gröbel sieht man auch des öfteren bei RTL, oder SAT.1, oder anderen Medien mit akuten Niveauengpässen. Auch auf roten Teppichen ist Gröbel öfters unterwegs, bei Filmpremieren oder Empfängen. Immer im feinen Zwirn, immer gut gelaunt. Das mag bei manchem Stirnrunzeln hervorrufen. Sollte, so könnte man sich fragen, ein Medienexperte nicht eine gewisse Distanz zu seinem Untersuchungsobjekt wahren? 

Liest oder sieht man Interviews mit Gröbel, erschrickt man allenthalben ob der Belanglosigkeit seiner Aussagen. Gröbel sagt immer das, was man sowieso schon we, oder was die jeweilige Frage impliziert. Aber sehen wir uns doch einfach mal an, welches wertvolle Expertenwissen er heute mit Bild Online geteilt hat:

Ob das Fernsehen ausgedient habe, will Bild Online gleich zu Anfang ziemlich revolutionär wissen. Gröbel:

„Die Quoten sind natürlich immer nur Prozentanteile und sagen nichts über die absolute Zahl an Zuschauern aus. Allerdings kann man bei der jüngeren Generation auf jeden Fall feststellen, dass sie massiv auf Online-Angebote zurückgreifen. Die Nutzer können sich aussuchen, was sie wann sehen wollen.“

Eigentlich ist das schon ein Highlight. Quoten sind nur Prozentanteile? Wirklich? Herr Dr.Gröbel scheint Bescheid zu wissen. Die "jüngere Generation" greift auf Online-Angebote zurück? Gröbel, du alter Frühaufsteher! Das müssen brandaktuelle Ivy-League-Studien sein, die Du da zitierts! Ich hatte davon jedenfalls noch nichts gehört!

Mal im Ernst: müsste ein echter Medienexperte nicht die absoluten Zuschauerzahlen kennen, wenn er diese - richtigerweise - für relevanter hält als die Einschaltquoten (denn diese sind, wie wir ja von Dr.Gröbel wissen, "nur Prozentzahlen")? Gröbel kennt sie jedenfalls nicht. Wie aber will er dann überhaupt beurteilen, wie es um das Fernsehen 2012 steht?

Ob die aktuellen TV-Formate überholt seien, will Bild Online wissen. Gröbel:

"Bei den Formaten am Samstagabend lässt sich auf jeden Fall ein Abnutzungseffekt   feststellen. Die Zuschauer sind nach der sechsten Staffel (Supertalent), nach acht Jahren (Turmspringen) irgendwann damit durch, die Abläufe der Show und die Moderatoren sind bekannt."

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Gröbel sich seine Antworten in der Sekunde aus dem Anus zieht, in der er sie gibt. Gleichzeitig sozusagen. Da ist kein Hintergrundwissen, keine Empirie. Da ist nur Leere. Es ist sogar zu vermuten, dass Bild Online Gröbels Hauptlektüre ist, denn die Oberflächlichkeit seiner Antworten ist eigentlich schon skandalös.

Waren die "Abläufe" von "Wetten, dass...?", "Verstehen Sie Spaß", oder, um mal eine ganz andere Erfolgssendung zu nennen, "Britt", nicht auch schon jahrelang bekannt, als die Quoten noch hervorragend waren? Es liegt daher ja auf der Hand, dass es eben nicht an den bekannten Abläufen und Moderatoren liegt, sondern andere Gründe hat. Würde es an der Eingespieltheit der Abläufe liegen, hätten besagte Erfolgssendungen schon Mitte der Neunziger Jahre quotenmäßig einbrechen müssen. Also wieder Humbug von Gröbel.

Sein Dilemma scheint auch zu sein: er weiß ja gar nicht, was er eigentlich sagen will. Denn weil er keine absoluten Zuschauerzahlen kennt (siehe Frage 1), kann er natürlich auch gar nicht wissen, ob der Samstagabend bedroht ist. Denn um das zu wissen, bräuchte er eben absolute Zahlen. Blöd gelaufen, Jo Gröbel! So stochert er im Nebel.

Was müsse sich im TV ändern, will Bild Online zuletzt wissen, damit es auch für junge Zuseher attraktiv bleibe? Gröbel:

 „Die Sender müssen neuen, jungen Moderatoren eine Chance geben, nicht immer auf altbewährte zurückgreifen. 'Joko und Klaas' allein reichen da nicht.“

Ach, Gröbel. Das kann schon sein, dass dann mehr junge Zuschauer fern sehen (ich bezweifle es). Die Alten schalten dann aber weg. Die wollen Joko und Klaas nämlich bestimmt nicht sehen. Anstatt also die zu vergraulen, die sowieso vor der Glotze sitzen, die Rentner (ein Millionenpublikum), sollte das TV rein marktstrategisch eher die jungen Zuschauer abschreiben und warten, bis sie älter werden und die TV-Gewohnheiten ihrer Eltern übernehmen. Ist nur so eine Idee. 

Zum Schluss noch eine Frage, die ich mir selbst stelle: was muss eigentlich passieren, damit Jo Gröbel nicht mehr als Medienexperte wahr- bzw. ernst genommen wird? Wieviel idiotische, oberflächliche oder falsche Antworten sind ihm zuzugestehen? Antwort: man muss ihm nur einmal zugehört, seine Antworten nur ein einziges mal gelesen haben, um das nie wieder zu tun.   











 






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