Sonntag, 11. November 2012

Stefan Raabs "Absolute Mehrheit": Verstörend

"01379-3636-05"

"SMS an 40400"

Wenn ich Jan van Aken gut finde, kann ich anrufen oder eine SMS senden. Kostenpflichtig. Am Ende gibt es eine Liste mit den 5 Kandidaten von "Absolute Mehrheit", Stefan Raabs Versuch einer politischen Talkshow.
Raab versucht, provokante Fragen zu stellen. Er unterbricht die Gäste permanent, niemand kann einen Gedanken zu Ende bringen. Alles ist auf Lacher programmiert. Raab kratzt sich den Handrücken mit den Moderationskarten, er ist sichtlich nervös. Kein Wunder. Die Show ist konfus. Er steht auf, schon wieder: "Wir wollen ja noch andere Themen diskutieren heute abend."
Peter Limbourg steht an einem Pult vor der Zuschauertribüne. Er brabbelt zusammenhangloses Zeug. Wieder wird die Rangliste mit den Prozentzahlen präsentiert. Frau Delius ist jetzt an Position drei, die vorher van Aken innehatte. Er ist jetzt auf Platz 2 vorgerückt. Es führt Wolfgang Kubicki, das Großmaul der FDP und die größte Schande seiner Partei. Es passt zur Sendung, dass Kubicki führt. 
Oppermann (SPD) ist vierter, Michael Fuchs Letzter. Er schaut etwas traurig, als das Ergebnis verkündet wird. Er tut mir leid. Der Kampf der Geltungssüchtigen ist für ihn beendet. Er ist "raus".
Jetzt wird die Energiewende debattiert. Der Einspielfilm ist verstörend schlecht, soll ironisch sein, ist hauptsächlich verwirrend. Alles wird lächerlich gemacht, wie man es von Raab-Sendungen kennt. "Ein sehr komplexes Thema", meint der Mann mit den vielen Zähnen. Er ist in die Runde zurückgekehrt.
Fuchs versucht es mit einer ernsthaften Aussage zum Thema. Raab unterbricht. Fuchs will mit Zahlen argumentieren, das passt Raab nicht, wieder fuchtelt er nervös dazwischen, leitet zu Kubicki über. Dieser grinst süffisant. Es kommt ein halbwegs vernünftiges Gespräch zustande - für etwa eineinhalb Minuten. Dann prescht Raab dazwischen, mit einem schlechten Witz. Raab kratzt sich die Backen. Die armen Moderationskarten.
Van Aken hat jetzt seinen Auftritt. Er redet zum Publikum gewandt, setzt zum Rundumschlag aus, gegen Eon und andere Energieriesen. Er bekommt Applaus - voraussehbar.
Verena Delius findet, Stromverschwendung sei noch gesellschaftsfähig. Sie apelliert an die Eigenverantwortung der Wähler. Applaus. Raab springt auf, dackelt schon wieder zu Limbourg am Pult, der nächste Trend steht an. Es ist wie bei einem Live-Event bei Sport1.
Delius ist Dritte. Die anderen Plätze werden erstmal nicht verraten. Die Telefonnummern werden eingeblendet, es geht in die Werbung. Vorher aber der vorläufige Tiefpunkt der Sendung: man kann ein Auto gewinnen. Das Thema "Internet und Facebook" wird angekündigt, "bleiben Sie dran", sagt Raab.
Ich bleibe nicht dran. Ich habe genug gesehen. Ich sehne mich nach Günter Jauch. Nicht, dass seine Sendung irgendwie gut wäre. Aber es gibt kein Gewinnspiel, keine Rangliste, keinen Peter Limbourg. Es gibt Gäste, die sich - meistens - zivilisiert unterhalten.
Bei Raab gibt es das nicht. Es geht um Effekte, um Meinung, nicht um Fakten, nicht um Zusammenhänge. Es gibt gar kein Konzept, nichts jedenfalls, was den Namen "Konzept" verdient hat. 
Kubicki wird gewinnen, das spricht Bände. Er kann sich verkaufen. Wollen die Zuschauer wirklich für dumm verkauft werden?     

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