Donnerstag, 31. Mai 2012

Der Westen hat in Syrien nichts verloren

Lächerlich der Versuch Francois Hollandes, jetzt doch irgendwie Militärschläge gegen das Assad-Regime ins Spiel zu bringen. Hält er die Franzosen für so dumm? Mit welchem Mandat will er denn eingreifen?

Nur wenn Russland seine Haltung ändert, könnte man etwas machen. Doch Putin bleibt (zurecht) bei seiner Position. Er weiß: der Westen hat in Syrien genau so viel verloren wie in Afghanistan und im Irak: nichts.

Niemand kann Interesse daran haben, Bundeswehrsoldaten wie in Afghanistan auf unbestimmte Zeit in einem arabischen Land zu stationieren, dabei nicht wissend, ob die Rebellen, die man momentan unterstützt, überhaupt der Unterstützung wert sind.

Schon länger macht sich bei mir außerdem der fade Beigeschmack breit, der beim Gedanken entsteht, dass Assad vielleicht doch nicht ganz Unrecht hat mit seiner mantrahaft wiederholten Aussage, die Rebellen seien nichts als Terroristen. Wissen wir es besser? Kennen wir die Aufständischen?

Schon vor einem Jahr war ich skeptisch: 1 Mio. Menschen in Kairo waren beeindruckend, doch nie und immer repräsentativ für 80 Mio. Ägypter. Bei den Wahlen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen einem Hardliner-Moslem und einem Parteisoldaten Mubaraks. 

Es ist ganz einfach: der Westen hat in der arabischen Welt nichts zu suchen. Die Freiheit des deutschen Staates wird weder am Hindukusch noch in Syrien verteidigt, die des amerikanischen Staats nicht in Mesopotamien. Der ISAF-Einsatz in Afghanistan ist wie jeder deutsche Militäreinsatz der letzten 200 Jahre, sieht man vielleicht einmal von den Befreiungskriegen gegen Napoleon ab, so unnötig wie ein Kropf, idiotisch und beklemmend. Deutsche Soldaten kehren mit PTBS und amputierten Gliedern zurück, der Krieg wird totgeschwiegen, weil es keine Gründe dafür gibt, und die Linkspartei ist die einzige Partei im Bundestag, die sich gegen diesen grauenhaften Irrtum ausspricht. Alle anderen verstecken sich hinter der Worthülse "Bündnistreue", einem Begriff, der jedem denkenden Menschen "physische Schmerzen" (Wulff) bereiten muss.

 

 

Freitag, 25. Mai 2012

Stefan Niggemeier - der mit dem Moral-Monopol

Es ist schon ziemlich amüsant, sich auf dem Blog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier zu tummeln. Nicht mal wegen der Posts des Gastgebers selbst, eher wegen der Kommentare der Leser. Niggemeiers Blog könnte man als Jahrmarkt der Eitelkeiten bezeichnen - oder, etwas weniger schmeichelhaft, als Sandkasten.

In diesem Sankasten gibt es ein großes, dickes Kind, das die Richtung vorgibt. Dieses Kind ist Niggemeier selbst. Dann gibt es noch ein paar kleinere, schmächtige Kinder, die ihn und seine Postulate entweder ganz toll und wichtig finden, oder die sich nicht trauen, etwas gegen den Platzhirsch zu sagen, und ihm deshalb aus Angst beipflichten. Allen Kommentaren ist jedoch eines gemeinsam: sie sind äußerst moralingesäuert.

Traut sich einmal einer, gegen den Strom zu schwimmen, finden sich stante pede mehrere Niggemeier-Lemminge, die den Hausherren vehement verteidigen, ohne dass dieser selbst einen Finger rühren müsste. So habe Niggemeier das gemeint, nicht anders. Wie könne man das falsch verstehen? Wie dumm und ungebildet müsse man sein? Lächerlich! Dissens mit dem Keyboard-Moralisten aus Niedersachsen kommt einer Todsünde gleich. Das alles natürlich unter der Prämisse des transparenten, offenen Blogs, auf dem jeder kommentieren kann und darf. Niggemeiers Standgericht ist die neue Kleinbürgerlichkeit im Internetzeitalter.

Selbstgerecht und anmaßend im Ton sind auch Niggemeiers neueste Texte über den European Song Contest in Baku. Als bekennender Schlagerfan befindet sich Niggemeier selbst in Aserbaidschan und berichtet - wie es sich scheinbar gehört als Verteidiger der "Menschenrechte" - über angebliche Verfehlungen des Regimes der ehemaligen Sowjetrepublik.

Typisch hierbei ist aber wiederum, dass der Text, der die größten Wellen schlug, keiner über das Regime und dessen Verfehlungen selbst ist, sondern einer über die angeblichen Verfehlungen des taz-Journalisten Jan Feddersen, der Niggemeiers Meinung nach zu flapsig über die Menschenrechtsverfehlungen des Regimes berichtet hatte. Auch mit diesem Artikel machte der Hausherr unmißverständlich klar: das Monopol auf moralische Bewertungen habe ich. Gnadenlos wurde Feddersen, dessen Texte ich übrigens nicht kenne und der mir auch ziemlich egal ist, auch in den Kommentaren dem Erdboden gleichgemacht (wenn auch von einer paar wenigen verteidigt). 

Der Text über Feddersens angebliche Verfehlungen in seiner ganzen herablassenden, selbstgerechten Art bestätigt jedoch nur eine Vermutung, die ich über Niggemeiers Blog schon lange hatte. Es geht ihm natürlich nicht die Spur um "Menschenrechte". Diese Thematik ist ihm willkommene Vorlage, geeignetes Alibi um seine Unfehlbarkeitsshow abzuziehen. Warum, wenn ihm wirklich etwas an den Zuständen in Aserbaidschan läge, würde er sich denn so ausführlich mit einem Journalistenkollegen auseinandersetzen und eine unglückliche Formulierung so maßlos und absichtlich fehlinterpretieren? 

Wie gesagt: all das ist kleinbürgerlicher, spießiger Kindergarten. Nichts von dem hat Relevanz. Das Regime in Baku war vor dem ESC undemokratisch und wird es lange danach bleiben. Wenn jemand daran etwas ändert, sind es zuerst die Aserbaidschaner selbst, zuletzt jedoch westliche Journalisten. Diese bewirken genau das Gegenteil von dem, was sie vorgeben, erreichen zu wollen (in den meisten Fällen suchen sie sowieso nur Publicity für sich selbst). Zuallerletzt verändern deutsche Medienjournalisten und ESC-Fans wie Niggemeier etwas an den Verhältnissen in Aserbaidschan, die es als essentiell betrachten, sich über "Fehler" von deutschen Journalistenkollegen zu echauffieren und damit einfach nur in der eigenen Marinade braten.

Aber Hauptsache, mal über "Menschenrechte" geredet und sich aufs hohe Ross gesetzt. Igitt.



Dienstag, 22. Mai 2012

Felicitas Hoppes fiktive Autobiografie - geht's noch ein bißchen weniger kokett?

"Die Hoppe". Wenn ich das schon höre. Klingt wie "der Loddar".

Mit der Büchner-Preisträgerin (!) Felicitas Hoppe musste ich mich letzte Woche aus praktischen Gründen beschäftigen, da ich ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter brauchte. Da die Hoppe gerade als frisch gebackene Büchner-Preisträgerin in aller Munde war, stöberte ich also ein bißchen nach ihren (offenbar kaum gelesenen) Büchern, die mich thematisch aber mal so was von überhaupt nicht ansprachen.

Vielleicht ist ja aber die Autorin sympathisch, dachte ich, und suchte nach Interviews, aus denen man ja vielleicht auch Rückschlüsse auf ihre Art zu schreiben ziehen könnte. Ich wurde fündig. Mit Denis Scheck unterhielt sich die Frau aus der Rattenfängerstadt Hameln unlängst. Die ungekürzte DLF-Version ist genauso im Internet abrufbar wie die kurze für die Sendung Druckfrisch.

Mein Eindruck: Hoppe ist eingebildet. Mal ehrlich: eine Autobiografie mit 51? Von einer Autorin, die, als sie das Buch schrieb, noch nicht einmal wusste, dass sie den Büchnerpreis erhält? 

Ja, ja, ich weiß: es ist keine wirkliche Autobiografie. Das macht die Sache ja sogar noch schlimmer: Hoppe erzählt in dem ganz bescheiden betitelten Buch Hoppe davon, wie ihr Leben hätte verlaufen können, wenn...Das kann man originell finden. Oder, wie in meinem Fall, eitel und kokett. Und etwas langweilig. Da gibt es im Interview mit Denis Scheck diese eine Stelle, die Frau Hoppe mir leider so unsympathisch gemacht hat wie nichts anderes. Hoppe spielt nämlich im Buch mit der Vorstellung, eine bekannte Musikerin zu sein. Und schiebt dann nach, dass sie sich das übrigens tatsächlich hätte vorstellen können.

Ach ja, Frau Hoppe? Sie sind also musikalisch hochbegabt? Oder doch nicht? Die nachgeschobene Relativierung, sie hätte nicht genug Talent gehabt, 99% Transpiration reichten nicht, wenn das 1% Inspiration fehlte, wirkt nach der ersten Bekräftigung auch nicht mehr ganz glaubhaft. Frau Hoppe denkt wohl buchstäblich in den höchsten Tönen von sich.

Vielleicht wäre sie als Musikerin tatsächlich besser gewesen als als Schriftstellerin, das kann ich nicht beurteilen. Ihr Gespräch mit Scheck und die thematische Auswahl ihrer Schriften, allen voran ihr Werk über sich selbst, Hoppe, jedoch versprühen eine etwas unangenehme Mischung aus selbstverliebter, blutleerer Verspieltheit.

Deshalb entschied ich mich beim Geschenkkauf doch lieber für Mörike. Von dem gibt's zum Glück keine Interviews mehr; sonst hätte ich mir das auch nochmal überlegen müssen. 

Mittwoch, 16. Mai 2012

Kleines Stück über Anja Heyde und Mitri Sirin

Eigentlich wollte ich keine Artikel über das Morgenmagazin mehr schreiben, doch besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen, und das Tandem der Berufsjugendlichen namens Anja Heyde und Mitri Sirin lässt mir keine andere Wahl.

Was machen die beiden? Sie grinsen unaufhörlich, rutschen hibbelig auf ihrer Couch herum, versprechen sich permanent, reißen Witze, wo keine Witze hingehören. 

Anja Heyde springt die Naivität aus dem Gesicht. Dummdreist trifft es wohl noch besser. Ihre penetrante und aufdringliche gute Laune paart sich mit schockierenden Wissenslücken, der Unfähigkeit, wenigstens fehlerfrei vom Teleprompter abzulesen und einer zum Schämen große Inkompetenz in Interviews. Sie eine Fehlbesetzung zu nennen wäre das größte Kompliment, was man ihr machen könnte. Anja Heyde ist eine Fehlprogrammierung, ein lebender Trojaner, ein Eigentor mit Kopf und Rumpf, ein Zug, der nicht verspätet ist, weil er niemals in Betrieb gehen sollte.

Der Deutsch-Syrer Sirin steht ihr in nichts nach. Vor Monaten noch braver Nachrichtensprecher, hat der Quotenmann jetzt seine große Chance am Schopf gepackt, endlich mal der Star vor der Kamera zu sein, der er vermutlich immer schon sein wollte. Seine Eitelkeit ist durch die Mattscheibe hindurch greifbar, Interviews und Themen moderiert er mit lapidarem Witz, seien sie auch noch so ernst. Sirin benimmt sich wie ein Kind in Disneyland. Er findet alles toll und witzig. Seine Hauptaufgabe vergisst er dabei, doch das scheint ihm egal zu sein. Sirin begreift sich als morgendlichen Dressman im TV; wenn man ihn als "Journalist" bezeichnet kann man auch Ratko Mladic einen Pragmatiker nennen.

Im Gespräch mit Filmexperte Peter Twiehaus über einen neuen Film über Bob Marley sagte Sirin, er dachte eigentlich, er wisse bereits alles über Bob Marley. Glücklicherweise machte Twiehaus nicht den Fehler, nachzuhaken und zu fragen, was Sirin denn über Bob Marley gewusst habe. Kiffer, Rastafari, No Woman, no cry? Es wäre vermutlich unangenehm für ihn geworden, für den Zuschauer ohnehin.

Es geht weiter bergab. 

Montag, 7. Mai 2012

Krugman begrüsst Hollande

Wie zu erwarten war, begrüsst Paul Krugman in seiner neuesten Kolumne die Wahl Francois Hollandes zum französischen Staatspräsidenten sowie die deutliche Abfuhr für die griechischen Parteien, die für die von Brüssel aufgezwungenen Sparmaßnahmen stehen. 
Auch auf den hier bereits behandelten "Economist"-Artikel, in dem versucht wird, dem eigentlich völlig harmlos erscheinenden Hollande ans Bein zu pinkeln und ihn als "Gefahr Europas" darzustellen, geht Krugman kurz ein.

Sein Mantra, auch im aktuellen Beitrag bekräftigt: die Sparanstrengungen seien genau das falsche Mittel gegen die Krise; sie haben in den letzten zwei Jahren keine Früchte getragen; mehr Stimuli müssten her, und, wie gesagt, die Wahl Hollandes sei eine gute Sache, denn so bestehe die Chance, dass dem verfehlten Merkel'schen Spardiktat effektiv entgegengewirkt wird.

"What is true is that Mr. Hollande’s victory means the end of “Merkozy,” the Franco-German axis that has enforced the austerity regime of the past two years. This would be a “dangerous” development if that strategy were working, or even had a reasonable chance of working. But it isn’t and doesn’t; it’s time to move on. Europe’s voters, it turns out, are wiser than the Continent’s best and brightest."

Krugman zieht auch recht offen die Option in Betracht, den Euro aufzulösen, auch wenn dadurch das europäische Projekt in Gefahr geriete. Das Argument ist alt: um Griechenland und andere gefährdete Staaten wettbewerbsfähig zu machen, müssten diese billiger werden - was nur durch Abwertung ihrer Währung ginge. Der Euro macht das allerdings unmöglich.

Krugmans Mantra bleibt also bestehen: 
"So spending cuts in a depressed economy just make the depression deeper."
Wenn Schäuble, Merkel und Barroso das verstanden haben, ist es aber vielleicht leider schon zu spät.

Link:















Samstag, 5. Mai 2012

Der "Economist" pinkelt Hollande ans Bein - wie berechenbar!

Der ekelhafte Artikel, den man im Economist online lesen kann, bestätigt mich im Gefühl, dass Francois Hollande, sollte er morgen zum französischen Staatspräsidenten gewählt werden, der richtige Mann am richtigen Ort wäre.
Die völlig idiotische Sparpolitik Schäubles und Merkels in Deutschland, die den Griechen von der EUdSSR-Kommission auferlegten Spardiktate, die zur Verarmung weiter Teile der griechischen Bevölkerung führten, kurz: die in der Krise völlig verfehlte Sparpolitik, größtenteils aus Berlin diktiert, führten ja doch zur Verschlimmerung der Krise überhaupt.

Hollande dagegen setzt nicht auf diesen verfehlten Radikalsparkurs, sondern auf Wachstum. Da er sein ABC der Ökonomie gelernt hat, weiß er, das Wachstum durch Investitionen entsteht und in einer Rezession vom Staat stimuliert werden muss. Er scheint zudem zu wissen, dass man in Boomzeiten spart und Haushalte konsolidiert, während man in Krisenzeiten die öffentlichen Ausgaben erhöht oder zumindest deren Niveau beibehält. Und Hollande hat noch etwas verstanden: die Reichen bleiben auch in der Krise reich, der Mittelstand aber nicht. Deshalb will er den Spitzensteuersatz auf 75% anheben, ein Schritt, zu dem man ihm nur gratulieren kann. Umverteilung führt nämlich sehr wohl zu mehr Konsum und dadurch zur Stimulierung der Binnenwirtschaft, während die ungerechte Verteilung auf einige Wenige dazu führt, dass die Wohlhabenden auf ihrem Geld sitzen bleiben, es nicht investieren und so die Allgemeinheit nichts davon hat.

Hollandes Programm ist weitaus geeigneter, Frankreich und damit Europa aus der Krise zu führen als das Sarkozys. Dieser hatte ja dummerweise immer wieder das Deutschland des Hosenanzugs als Vorbild herbeizitiert, was zumindest in Wirtschaftsfragen ja nun wirklich daneben ist, zum Glück sehen die Franzosen dies scheinbar ähnlich. 

Dass die elitären Economist-Inzüchtler vom Magdalen-College alles und alle als dangerous und flawed abkanzeln, was nicht ihrem heiligen Tryptichon aus Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung entspricht, ist so vorhersehbar wie langweilig und, wie gesagt, eine Bestätigung der Bedeutung Hollandes im derzeitigen Wahlkampf. Denn das die politische Umsetzung dieser drei heiligen Werte die Weltwirtschaft in die Lage gebracht hat, in der sie sich heute befindet (Stichwort Housing Bubble 2007), bezweifelt schon lange niemand mehr.

Die "rheinischen Frohnaturen" vom 1.FC Köln steigen ab - wunderbar!

Ach, wie herrlich! Köln ist abgestiegen! Ich hasse Köln, und ich hasse den 1.FC Köln. Und ich mag es nicht, dass es immer heißt, "Traditionsvereine" sollten in der Bundesliga verbleiben.
Haben Greuther Fürth und Hoffenheim etwa keine Tradition? 

Mein am zweitmeisten verhasster Verein, der FCK, die roten Teufel, sind ebenfalls runtergegangen. Zu schön um wahr zu sein. Zurück zu Köln: es muss der schlechtgeführteste Verein im deutschen Profifußball sein. Finke als Sportdirektor zu holen, Toni Schumacher im Präsidium, horrende Summen für den seit Jahren überbewerteten Podolski zu zahlen (der sich jetzt natürlich wieder verpisst): die Liste der Versäumnisse ist lang. Den Ausschreitungen heute nach zu urteilen, hat dieser Klub auch die Fans, die er verdient. Man kann nur hoffen, dass die Bundesliga lange vom 1.FC Köln und seinen clownesken Protagonisten verschont bleibt. Irgendwo habe ich heute gelesen, der Club wolle die Trikotnummer 10, Podolskis Nummer also, sperren lassen. Wie peinlich. Der künstlich erzeugte Personenkult um den sabbernden Nationalspieler hat also seinen vorläufigen, skurrilen Höhepunkt gefunden.

Hertha sollte auch absteigen. Die Mannschaft ist schlecht, der Klub noch schlechter geführt. Es ist von Vorstand bis in die Fankurve ein Zweitligaklub, der immer zu hoch gesteckte, völlig unrealistische Ambitionen hegte und sich nun zu recht auf einem Relegationsplatz wiederfindet. Die Bundesliga braucht keinen Hauptstadtklub mit Leichtathletikstadion. Möge der Zweitligadritte den Herthanern nächste Woche den Dolchstoß verleihen.

Über Gladbachs Erfolg freue ich mich, weil ich Lucien Favre und seine aufgeräumte, bescheidene, rationale Art mag und ihn für einen begnadeten Trainer halte. Obwohl man auch mit Bedauern konstatieren muss, dass durch den Verlust der wichtigsten Leistungsträger die Champions League-Teilnahme vermutlich ein Desaster werden wird, sollten sich die Gladbacher tatsächlich qualifizieren.

Einen begnadeten Trainer verliert jetzt der FC Augsburg mit Jos Luhukay, der aber den Schwaben zunächst noch den Klassenerhalt bescherte. 

Dortmund ist ein verdienter Meister. Nächstes Jahr sollte aber auch in der Königsklasse eine standesgemäße Leistung erfolgen. Ein Totalausfall wie dieses Jahr schadet dem deutschen Fußball.

 

Freitag, 4. Mai 2012

Frankreich sucht den Monarchen

Jürgen Ritte ist Direktor des Insituts der Etudes Franco-Allemandes an der Sorbonne und hat DRadio Kultur ein interessantes Interview zur französischen Präsidentschaftswahl gegeben: 

"Und wobei in der Tat aber auch mit zu berücksichtigen ist, dass der starke Mann oder wie gesagt der Monarch in der Tradition stark verankert ist. Ein ehemals linker Revolutionär und Philosoph wie Régis Debray, der einmal zusammen mit Che Guevara gekämpft hat und in kolumbianischen Gefängnissen saß, hat vor Kurzem verkündet, man dürfe nicht an dieser Form der Präsidentschaft rühren, das sei sozusagen Zeichen der französischen Identität, die aus einer Monarchie hervorgegangen sei. Also Sie sehen, der Konsens ist relativ breit."

Der Celebrity-Kult von sueddeutsche.de und Frank Nienhuysens kaum erträgliches Geheul

Die Sueddeutsche Zeitung, und ihr Online-Auftritt sueddeutsche.de, haben ein Problem. Sie sind die Gala und Bunte der Politik.
Ich weiß nicht, wann diese Entwicklung genau angefangen hat, ich bin zu jung, um das beurteilen zu können. Doch sie ist mehr als offensichtlich. Der Celebrity-Kult bar jeden politischen Inhalts hat ekelhafte Züge angenommen, und man fragt sich, ob die Leser wirklich eine solch niveaulose Anbiederung goutieren.

Ein Beispiel. Vorher wollte ich mich informieren. Das heißt für mich, dass ich von einer Online-Zeitung, die auf Information spezialisiert ist, erwarte, dass die Informationen nach Relevanz geordnet abrufbar sind, die wichtigste Meldung zuoberst, die zweitwichtigste drunter, undsofort.

Das war dann bei sueddeutsche.de, Stand 18:36 Uhr, zu sehen:



Timoschenko und die Samariter von der Charité. Ist das wichtig?

Ein ganzer Timoschenko-Block wird hier präsentiert, inklusive dem weichgewaschensten Luschen-Kommentar von Frank Nienhuysen, den ich seit langem gelesen habe. Nienhuysen, der bereits im Februar ganz mutig die Wahl Putins in Russland kritisch hinterfragte, genau wie 99% seiner Kollegen im Kommentariat der großen Zeitungen, und die dabei vergessen, die eigenen Leute der EUdSSR-Kommission kritisch zu hinterfragen. Aber das nur am Rande.

Sueddeutsche.de scheint also konsequent und schamlos nach dem Celebrity-Prinzip zu verfahren. In diesem Fall also die ukrainische Ölmafiosa, deren Popularitätswerte in der Ukraine nicht besser sind als die des ach so bösen Janukowitsch, eine Tatsache, die man hier in letzter Zeit allzu gern unter den Tisch fallen lässt. Es würde ja auch nicht ins schön zurecht gelegte Bild passen: Die hübsche, allseits beliebte Volksheldin und das Biest Janukowitsch.

So gefällt sich sueddeutsche.de in der Rolle, westliche, liberale Werte hochzuhalten und Timoschenkos lächerlichen Hungerstreik zu dramatisieren, während der Berliner Charité-Arzt zum heldenhaften Retter mutiert. Wie gesagt: Inhalte ständen da nur im Weg.

Nienhuysens erwähnter Kommentar ist eine hässliche Ausgeburt von fiesem Fifty-Fifty-Journalismus, ein Pseudo-Versuch, sich am Rande der Celebrity-Huldigung doch noch ansatzweise mit Substanz auseinanderzusetzen, dafür mißbraucht er dann das  Dauerthema
"Sinn von Boykotten von Großereignissen". Ein bißchen Lukaschenko ans Bein pinkeln, ein bißchen Boykottaufrufe auf Sinnhaftigkeit abklopfen, ein bißchen diese Meinung da, ein wenig zurückrudern dort: Frank Nienhuysen hat die Mainstream-Journalistenlehre mit Bravour bestanden und es geschafft, in acht Absätzen so gut wie keine Position zu beziehen, die nicht schon im nächsten Absatz wieder relativiert werden würde.

Der Leser verlässt angewidert von so viel Oberflächlichkeit die Seite und fragt sich, warum er nicht schon vorher d-radio.de aufgesucht hat, eine seriöse Seite mit seriösen, relevanten Nachrichten, auf der er selten enttäuscht wird.




Sacré-Coeur, Innenansicht - das Grauen von Paris

Zum Glück bin ich kein Katholik mehr.

Sonst müsste ich mich ja richtig aufregen. Gestern war ich in Sacré-Coeur in Paris, auf dem Montmartre, eine der bekanntesten römisch-katholischen Wallfahrtskirchen weltweit. Und eine der schönsten. Von außen.

Hat man sich erstmal durch die wahnwitzig schmutzigen, verkommenen und lauten Pariser Straßen und Gassen hochgekämpft, vorbei an aufdringlichen Kongolesen, die billigen Touristenramsch anbieten, bieten sich zwei schöne Blicke: zum einen der auf die Kirche selbst, zum anderen der auf die Stadt. 

Um den Tagespunkt zu komplettieren geht man dann eben noch rein in die Basilika, vorbei an der professionellen, vermutlich von einer gut gehenden Bettlermafia "angestellten" Bettlerin in Sinti-und-Roma-Kostüm. Es ist ja sogar kostenlos!

Sollte es aber lieber nicht sein. Die Kirche ist so vollgestellt mit allerlei Ramsch - zuerst dachte ich, es findet ein kleiner Flohmarkt statt. Aber nein, das ist die ramschige "alles wird ausgeschlachtet"-Mentalität der französischen Katholiken - oder der Stadt Paris? Fotos von Johannes Paul II., Teelichter, Kerzen zum Anzünden für 2€, gar ein in einen Seitenflügel eingelassener Souvenirshop ersticken jede Stimmung sofort im Keim, die etwas mit Besinnung oder Andacht gemein haben könnte.

Das "Highlight" allerdings befindet sich in Ausgangsnähe: 3 Automaten leuchten da fidel vor sich hin, eine Mischung aus Fotofix, den selbstauslösenden Passfoto-Automaten, die man an jedem mittelgroßen deutschen Bahnhof vorfindet, und den in S-Bahnhöfen verbreiteten Snack-Automaten, an denen man sich mit Kitkat oder Capri-Sonne eindecken kann. Ich bin mir nicht sicher, was genau diese bezweckten, aber ich gehe wohl kein größeres Risiko ein mit der Annahme, dass man als Tourist ein paar Euronen reinsteckt und ein schäbiges, kitischiges Souvenir erhält. Ich ging angeekelt Richtung Ausgang.

Warum man in der Kirche nicht fotografieren darf, war dann natürlich auch klar. Die Bilder des verschandelten Inneren sollen wohl nicht öffentlich zirkulieren. Warum das Essen nicht gestattet ist, wundert mich aber. Wenn schon Shops und Automaten ihren Platz finden, warum dann nicht gleich ein Crêpes-Stand? 

Wie gesagt: zum Glück bin ich kein Katholik mehr.