Freitag, 29. Juni 2012

Jogi muss jetzt gehen

Deutschland hat mal wieder gegen Italien verloren. Und zwar ziemlich deutlich. 
Man kann über die Gründe lange philosophieren: Aufstellung, Taktik, Einstellung der Spieler, Abgezocktheit oder deren Mangel. Am Ende muss man zum Schluss kommen, dass Italien die klar bessere Mannschaft war.
Was ich nicht mehr hören kann: "Die Mannschaft ist noch jung und kann viel lernen" oder Allgemeinplätze dieser Art. Diese Mannschaft war 2006 auch schon jung. Sie ist schon viel zu lange jung, und vielleicht ist genau das das Problem.
Niemand will zurück zur Dino-Mannschaft der WM 1998 unter Bundes-Berti, die ja eigentlich noch die 1990er-Mannschaft war und sich längst überlebt hatte. Aber wie wäre es mit einer intelligenten Mischung, wie sie rein zufällig z.B. Italien hat?
Die beiden spielentscheidenden Akteure gestern, Mario Balotelli und Andrea Pirlo, liegen 13 Jahre auseinander. Die Erfahrung und Abgezocktheit des einen und die ungestüme Energie des anderen erwiesen sich als durchschlagskräftiger als Jogis Kinder.

Nichts gegen unsere deutschen Nachwuchskräfte: Götze, Reus, Schürrle und Co. mögen ja hochtalentiert sein, kein Zweifel.
Doch es bringt doch herzlich wenig, eine Mannschaft permanent zu verjüngen. Gestern stand kein einziger Deutscher auf dem Platz, der das 30.Lebensjahr vollendet hat! Das wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Lahm und Schweinsteiger müssen da schon als die "alten Hasen" gelten, vom unterirdischen Podolski ganz zu schweigen. "Alte Hasen" sind die drei jedoch auch nur deshalb, weil sie schon als extrem junge Spieler Nationalspieler wurden, natürlich mangels talentierter Alternativen.
Die Mannschaft ist zu jung, und sie neigt zur Selbstüberschätzung. Dies wiederum führe ich nicht zuletzt auf den Trainer zurück: er sei sich ganz sicher, dass man Italien schlage, posaunte der badische Krächzer mit den taillierten Hemden und dem stets gut eingecremten Gesicht noch am Spieltag in die Mikrofone. 
Woher, so fragt man sich, kam diese Sicherheit? Von der Niederlage gegen Italien 2006, der gegen Spanien 2008 oder 2010?
Deutschland ist leider kein Topteam bei näherem Hinsehen. Diesen Stollenschuh muss sich Löw jetzt endgültig anziehen. Es war sein drittes großes Turnier als Cheftrainer, dreimal ist er gescheitert. Das ist für deutsche Ansprüche mindestens einmal zuviel.
1996, unter Vogts, gewann die Nationalmannschaft zuletzt einen Titel, die EM in England. Die Zeit ist überreif für einen deutschen Triumph. Es sieht aber langsam ganz danach aus, dass für große Triumphe Joachim Löw nicht der richtige Mann ist.
 

Mittwoch, 27. Juni 2012

Peter Hitchens' Pladoyer FÜR die Todesstrafe


"Not all killing is murder."
Dieser Satz ist nicht von Peter Hitchens, der in diesem Video in einer Debatte der BBC einmal mehr als einziger eine rationale Begründung für die Richtigkeit der Todesstrafe ins Feld führt (dabei aber leider von seinen hysterischen Opponenten ein ums andere mal unterbrochen wird). Der Satz ist aber so richtig und entscheidend, dass alle Gegner der Todesstrafe erst einmal gründlich über ihn nachdenken sollten, bevor sie ihr altbekanntes Argument anführen, der Staat dürfe seine Bürger nicht umbringen. Das tut er auch nicht - zumindest nicht in Rechtsstaaten.

Der Staat habe nicht das Recht, über Leben und Tod eines Menschen zu entscheiden, heißt es ebenso oft aus dieser Ecke. Ich frage mich dabei immer: ist das ein Plädoyer für die Anarchie? Jedem Gegner der Todesstrafe sollte doch klar sein, dass der Staat, genauer gesagt die Justiz, in jedem einzelnen Urteil, sei es auch noch so ein Kavaliersdelikt, über das Leben der Bürger entscheidet. Ein zu einer Freiheitsstrafe verurteilter Straftäter kann sein Leben nicht mehr souverän gestalten - zumindest für die Zeit der erhaltenen Strafe nicht.

"Set your heart on fire and your brain on ice". Ein kühl argumentierender Konservativer, der mit dem Herzen dabei ist. Schade, dass es in Deutschland kein Pendant zu Peter Hitchens gibt, schade, dass sich bei uns kapitalismusgeile Nichtsnutze wie Jan Fleischhauer "konservativ" nennen dürfen und damit eine ganze Geisteshaltung in Verruf bringen. Nochmal schade und noch viel schlimmer, dass es Menschen gibt, die seine Bücher kaufen.




Samstag, 23. Juni 2012

Kurt Kister: gern auch mal über Gottschalk schreiben

Immer mal wieder, als ich die Süddeutsche Zeitung las, fragte ich mich, was Kurt Kister eigentlich so macht. Immerhin wird er seit geraumer Zeit im Impressum als Chefredakteur aufgeführt. Ich habe allerdings nie einen Artikel von ihm gelesen.
Das fand ich seltsam. Die Süddeutsche scheint im Politikressort ja sowieso nur über einen einzigen Autoren, Heribert Prantl, zu verfügen, was der Zeitung gar nicht so gut zu Gesicht steht, denn dadurch wird alles so fahrig, tendenziös und auch ein bißchen billig.

Seit heute weiß ich aber, dass auch Kurt Kister schreibt. Leider ist das kein Grund zur Beruhigung, ganz im Gegenteil.

Kurt Kister hat einen Artikel geschrieben, der Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen als Hauptfiguren hat. Inhaltlich will ich diesen Artikel nicht bewerten, weil er mich nicht interessiert.

Interessant finde ich, was der Chefredakteur einer großen überregionalen Tageszeitung kommentierenswert findet, mit was er sich auseinandersetzt. 

Sonntag, 10. Juni 2012

Patrick Welter und das hartnäckige neoliberale Dogma der FAZ

Dass Heike Göbel eine unverbesserliche neoliberale Dogmatikerin ist, die bei Begriffen wie "einfaches Steuersystem", "Deregulierung", "Privatisierung" oder aber "Wettbewerbsfähigkeit" ein feuchtes Höschen bekommt, ist ja hinlänglich bekannt.
Nach der Lektüre der Samstagsausgaber der FAZ ist mir ein weiterer Dogmatiker aufgefallen, der sich scheinbar nahtlos in die Reihe der notorischen Kollegen Göbel, Hank, Steltzner und Appel einreihen will: Patrick Welter.
In einer seltsam kruden Kolumne auf S.11 (FAZ vom 9.6.2012) lässt sich der Washington-Korrespondent über die angeblich keynesianisch geprägte Wirtschaftspolitik Obamas aus - natürlich mit negativem Unterton. Dabei ist mir vor allen Dingen die folgende Passage als besonders abwegig ins Auge gestochen:

" Dramatischer aber steuern die Vereinigten Staaten auf eine hausgemachte Krise am Jahresende zu. Nach geltender Gesetzeslage werden dann die Steuersenkungen gestrichen, die vor einem Jahrzehnt Präsident George W. Bush durchgesetzt hatte. Zugleich entfallen die Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge um 2 Prozentpunkte, steuerliche Erleichterungen für Investitionen und erweiterte Hilfszahlungen für Arbeitslose. Ferner drücken von 2013 an die ersten Steuererhöhungen für die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama [...] und es greifen automatische Kürzungen der Staatsausgaben. [...] "

Leider erläutert Welter im Folgenden nur unzureichend, warum die oben genannten Fakten eine dramatische Situation nach sich ziehen. Logisch ist es jedenfalls nicht. Die genannten Steuersenkungen von George W. Bush beziehen sich lediglich auf Millionäre, auf die oberen 2% der US-Bevölkerung. Was soll daran schlecht sein, diese wieder rückgängig zu machen? 

Sollte es nicht US-Staatsräson sein, Schulden abzubauen oder zumindest ein klaffendes Defizit zu verringern? Und wie könnte man das besser machen als durch höhere Steuern bei Bürgern, denen es sowieso nicht wehtut, die vermutlich nicht mal merken, wenn sie ein paar Dollar mehr an den Fiskus überweisen?

Oder sitzt Welter der alten FAZ-Mär auf, Millionäre seien automatisch auch Investoren und würden durch höhere Steuern "verschreckt"? 

Das Entfallen einer Absenkung von Sozialversicherungsbeiträgen und Hilfszahlungen von Arbeitslosen ist tatsächlich zu bedauern, macht den Kohl der Wirtschaft aber auch nicht fett. Interessanter wäre dann schon eher die Frage, was Welter eigentlich mit "steuerliche Erleichterungen für Investitionen" meint, die angeblich bald entfallen? Darauf geht er schlicht nicht ein. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass Welter hier ganz besonders trickreich einfach noch mal die bereits oben erwähnten Millionärssteuern beklagt.

Zur Gesundheitsreform: natürlich müssen Steuern erhöht werden, um diese zu finanzieren. Doch Welter vergisst hierbei zu erwähnen, dass den US-Bürgern in toto trotzdem mehr Geld zum Ausgeben in der Tasche bleibt, schließlich mussten sie sich vorher vollkommen überteuerte private Krankenversicherungen andrehen lassen, die sie nun nicht mehr in diesem Ausmaß brauchen. Diesen Deal würden die meisten mit Handkuss den verheerenden prä-Obamacare-Verhältnissen vorziehen. Doch da Welter scheinbar Privatisierung ein heiliger Gral ist (welch Wunder!), lässt er dies schlicht unerwähnt. Das Schlüsselwort "Steuererhöhung" sorgt im FAZ-Dogma ja schon per se für Ekelgefühle. Was zählen da noch zuwiderlaufenden Fakten...

Der "Bikini-Effekt" treibt in den Kolumnen des FAZ-Wirtschaftsteils wirklich ungeahnte Blüten: das Weggelassene ist hier tatsächlich weitaus spannender als das Geschriebene. 
Es ist aber doch erstaunlich, mit welch heißem Eifer man bei der Frankfurter Allgemeinen an längst veralteten neoliberalen Dogmen festhält, und zwar kollektiv! Ist es eine Order der Herausgeber? Wer hat das sagen? Die Kolumnen lesen sich wie Milton Friedmans oder Ayn Rands Pamphlete aus den unschuldigen 70er Jahren, als man noch an die unsichtbare Hand Adam Smiths und die Allmacht eines vollkommen freien Markts glaubte. Haben die Redakteure der FAZ die letzten 4 Jahre verschlafen? Hat es keine Finanzkrise gegeben? Hat man noch nie von antizyklischen Staatsausgaben gehört? 

Wenn schon der Economist der Kanzlerin zu keynesianischen Wachstumsinvestitionen rät, weiß man eigentlich, was die Stunde geschlagen hat. Dass sich der Economist dabei aus ganz anderen Gründen irrt, steht auf einem anderen Blatt. Doch bei der FAZ muss man sich schon fragen, inwieweit volkswirtschaftliches Grundwissen überhaupt wahrgenommen wird, und ob man außer der Option Ignoranz vielleicht noch andere Möglichkeiten sieht, mit realen Gegebenheiten umzugehen.
 
 

Sonntag, 3. Juni 2012

Obsttag - Fazit

Der Obsttag ist überstanden - anders kann ich es ehrlicherweise nicht sagen. Immerhin haben wir beide durchgehalten ohne Cheatmeal zwischendurch - obwohl ich mehr als einmal versucht war, mir eine handvoll Nüsse, ein Stück Brot oder auch nur einen Schluck Milch im Vorbeigehen zu gönnen.

Der Drang nach kurzkettigen Weißmehlkohlehydraten war schon am Vormittag bei einem Ausflug in die Stadt überwältigend. Obst sättigt einfach nicht, oder wenn es sättigt, dann auf ganz andere Art wie normale Lebensmittel sättigen. Morgens hatte ich ich diverse Bananen, Mus aus Apfelmark und Mango, Pfirsiche, Nektarinen. Eigentlich reichhaltig, dachte ich, und eigentlich war ich auch satt - dachte ich.

Wie gesagt: bereits nach 1, 1 1/2 Stunden unterwegs verlangte mein Körper nach all dem Schund, der eben in der Stuttgarter Innenstadt so dargeboten wird: fettreich belegte Weißmehlbrötchen, Pizzaschnitten, Bratwurst. Sogar eine schlichte Butterbrezel kam mir zwischenzeitlich wie das wohlschmeckenste Mahl vor. Bei all der Fantasiererei musste ich schon achtgeben, nicht auf die Königstraße zu sabbern.

Allerdings: natürlich hätte dieser Appetit auch nach einem Standardfrühstück einsetzen können (etwa 2 Toastbrote mit Honig und Ei). In dieser Heftigkeit wäre er aber wohl nicht gekommen. Eine weitergehende Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang stelle, ist, ob der Körper sich einfach umstellt, d.h. morgens Kohlenhydrate gewohnt ist und deshalb danach verlangt, oder ob tatsächlich ein Mangel bestand und der deshalb so nervig nach Nahrung bettelte. Doch das weiß ich leider nicht.

Mittags dann, aus der Stadt heimgekehrt, ein Mittagessen, das zu den morgendlichen Bananen, Pfirsichen, Nektarinen und verschiedenen Mussorten noch um Erdbeeren erweitert wurde. Beim Obstessen hat man das Gefühl, man stopfe sich endlos viel Zeug in den Mund, man fresse wie ein Bekloppter, und trotzdem wird man nicht satt. Das ist insofern logisch, als dass Obst ja zu einem Großteil aus Wasser besteht. Trotzdem kommt man sich leicht bescheuert vor: hatte ich nicht gerade 3 Bananen, 5 Nektarinen und Unmengen an Apfelmark-Mango-Mus? Und bin immer noch nicht richtig satt?

Abends vor dem Laufen gehen nochmal eine Nektarine - der Körper macht noch mit, fühlt sich aber ein wenig anders an. Einerseits fühle ich mich wach und fit, andererseits ungewohnt leicht. Und eben auch wieder ein bißchen hungrig.

Die halbe Stunde Joggen macht mir erstaunlich wenig - kein Unterschied zu Tagen mit normaler Nahrung. Eine Stunde nach dem Joggen kommt gewöhnlich der Hunger. Wir überbrücken mit Nektarinen und Côtes du Rhone und schwelgen in wilden Fantasien von Pizza, Maultaschen und - in meinem Fall - Fleischbergen. Genug davon - wer sich quält, ist selbst schuld. 

Ein Abendspaziergang nach dem Duschen - alles wie gewohnt. Die manchmal aufflackernden Fantasien nach Essensgelagen und Weißmehl sind in Vergessenheit geraten, und es zeichnet sich ab, dass der Obsttag tatsächlich durchgezogen werden kann. Langsam komme ich mir blöd vor. Was ist schon ein einziger Tag? 
Nach dem Spaziergang fallen wir ziemlich müde ins Bett.

Nächster Morgen: der Obsttag ist geschafft! Zwei Überraschungen zeigen sich auf der (relativ ungenauen) Waage: Ich habe nicht abgenommen, mein Gewicht stagniert. Mein Körperfettanteil jedoch befindet sich mit 14,9% auf einem neuen Rekordtief. Dies führe ich natürlich direkt auf den Obsttag zurück - warum auch nicht? Obst hat ja kein Fett. Ich habe damit einen kompletten Tag auf Fett verzichtet. 

Warum hat sich mein Gesamtgewicht nicht verändert? Das kann ich mir nicht erklären. Aber das ist auch nicht weiter tragisch.

Euphorisch über das vollbrachte Experiment beschließen wir, nächste Woche noch einen Obsttag einzulegen, wahlweise einen Gemüsetag. Sich einen Tag zu quälen ist machbar. Vor allem wenn man sich vor Augen führt, das die Qual eigentlich nur eingebildet ist.
 




 

Samstag, 2. Juni 2012

Obsttag - Prognose

Mit meiner Freundin zusammen begehe ich heute einen "Obsttag". Es wird nur Obst gegessen. Keine Nüsse, kein Brot. Kein Käse, keine Süßigkeiten. Nur Obst.

Die Frage wird sein: wenn man genügend Obst ist (in Massen, nicht in Maßen), kommt dann im Laufe des Tages trotzdem der Hunger auf Weißmehl, Salziges, auf kurzkettige Kohlenhydrate? Und wenn ja, wann?

Meine Prognose: Der Heißhunger wird sich in Grenzen halten. Erstens ist mein Körper sowieso mittlerweile etwas von Weißmehlprodukten "entkoppelt", zumindest im Vergleich zu vor ein paar Monaten. In letzter Zeit esse ich ab und an wieder mittags eine Pizza oder ein paar Nudeln, aber morgens und abends höchstens Vollkorn- oder Eiweißbrot.

Zweitens glaube ich, dass man schon zwei oder drei Tage ausschließlich Obst essen müsste, damit der Körper Heißhunger auf Salz und Fettiges erzeugt. Die Ernährung durch Obst ist zwar relativ einseitig, andererseits aber auch sehr gesund. Schließlich stecken in den Früchten nicht nur Vitamine, Ballaststoffe etc., sondern eben auch Kohlenhydrate und (zwischen 8 und 10g pro 100g) Proteine. Wenn man sich also Fette ab und an doch durch Nüsse zuführt, könnte ich mir vorstellen, dass man den Hunger auf Weißmehlnahrung sogar über Wochen in Schach halten oder völlig eliminieren kann. Aber das sind natürlich alles nur Spekulationen. 

Ich bin gespannt.

Freitag, 1. Juni 2012

30 Bananen am Tag - die Raw Vegan Diet von Harvey Johnstone

Ich dachte bis vor nicht allzu langer Zeit, man schränke sich als Vegetarier ein. Tut man nicht. Man kann immer noch auf 80-90% aller Nahrungsmittel zurückgreifen.

Dann dachte ich, ich könnte nicht auf Eier und Milchprodukte verzichten. Milch trinke ich nur noch extrem selten (nur im Kaffee und wenn es Haferflocken gibt), Eier mache ich noch öfter. Trotzdem ist es mittlerweile locker vorstellbar, auch davon loszukommen. Eigentlich hängen sie mir zum Hals raus.

Dass man als Veganer aber immer noch enorm reichhaltig isst, wurde mir klar, als ich auf den Australier und Health-Guru Harvey Johnstone stieß, der sich hauptsächlich von Bananen ernährt (30 am Tag). Man nennt dies eine raw vegan diet.
Johnstone ist Mitte 30 und topfit. Es ist eine extreme Form der Ernährung und deshalb faszinierend:

 

Jan Fleischhauer - degoutant

Wie bei so vielen Menschen, die mir aus tiefstem Herzen zuwider sind, würde ich eigentlich gerne verfahren wie Karl Valentin und sagen: Der ist mir so egal, den ignorier' ich nicht mal.
Doch das kann ich nicht. Deshalb muss ich über Jan Fleischhauer schreiben.

Jeder faule Hartz-IV-Bezieher ist nützlicher für die Gesellschaft als Jan Fleischhauer, der schmierige Gockel und SpiegelOnline-Kolumnist, der sich selbst als konservativ bezeichnet, aber wahrlich kein Konservativer ist. Fleischhauer ist mit seiner polemischen Hetze auf Minderheiten schädlich für die Gesellschaft als Ganzes. Faule Menschen, die vom Staat leben, haben vielleicht keinen ökonomischen Nutzen, aber zumindest schaden sie der Gesellschaft auch nicht per se.

Fleischhauer ist nicht einmal ein Linkenhasser. Um als Linkenhasser durchzugehen, müsste man zuerst einmal eine ordentliche Definition von links liefern, was Fleischhauer aber meines Wissens nie gemacht hat, es wäre ihm wohl nicht der Mühe wert gewesen; außerdem hätte eine inhaltliche Auseinandersetzung mit linken Positionen vermutlich auch seiner billigen Polemik im Weg gestanden.

Fleischhauer kennt die Positionen seiner Gegner also nicht oder er will sie gar nicht kennenlernen. Was er tut (und dies leider ziemlich erfolgreich) ist, seine eigenen paranoiden Projektionen des linken Milieus ins Lächerliche zu ziehen und bloßzustellen. Wie gesagt: seine Projektionen. Die da lauten: Hartz-IV-Bezieher sind alle faul, Immigration ist gefährlich, Reiche sind gut, Kapitalismus sowieso. 

Ich will hier klarstellen: Fleischhauer ist kein Konservativer, wie der Untertitel seines letzten Buches Unter Linken suggeriert: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Er wohnt in Berlin, schreibt für das Schmierblatt Der Spiegel, kommt aus einem eher linken Milieu und hat einen ganz und gar nicht konservativen Beruf: Journalist. Er ist kein bibeltreuer Schleifmaschinenfabrikant aus dem oberen Allgäu, kein Winzer aus dem Remseck. Er ist ein Schmierfink der Großstadtjournaille, ein Gernegroß des Kommentariats der Hauptstadt, ein Opportunist, der den Zeitgeist erkannt hat und schamlos auf den rechts-neokonservativen Zug aufspringt, der seit Jahren von dem intellektuellen Fliegengewicht und Auschwitz-Paranoiker Henryk M.Broder und seit kürzerem auch Thilo Sarrazin gefahren wird.

Da Fleischhauer nichts schäbig genug ist, setzte er sich zur Vermarktung seines neuen Buches, einer Sammlung seiner vollkommen öden Kolumnen namens Der schwarze Kanal, ins Fernsehstudio von Sat.1, um dort in gewohnt herablassender Manier über Hartz-IV-Bezieher herzuziehen. Auch ein Lowblow gegen Rumänen und Bulgaren war dem Mann mit der schwächlichen, spitz zulaufenden Physiognomie nicht zu billig:


Wie nichtswissend Fleischhauer auf ökonomischem Terrain ist, kann man wunderbar ab 3:30 sehen. Hier versucht der Kolumnist tatsächlich einmal sachlich gegen Hartz-IV-Bezieher zu argumentieren, was dann natürlich in die Hose geht. Fleischhauers Argument: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem statistischen Rekordtief, die Zahlen der Hartz-IV-Empfänger sind jedoch nicht rückläufig:

"Und das ist ja eigenartig, weil man ja eigentlich annehmen müsste, dass wenn sich die Arbeitslosigkeit halbiert (seit der Wiedervereinigung, Anm.d.Autors) , dass eben auch die Leute, die Hartz IV bekommen deutlich weniger werden. Und das ist eben nicht der Fall."
Es ist schon erstaunlich, mit wieviel Ignoranz man noch eine Kolumne beim Spiegel bekommt. Andererseits ist es ja der Spiegel, also was erwarte ich? Ist Fleischhauer entgangen, dass seit den Hartz-IV-Reformen die Anzahl von prekär Beschäftigten enorm angestiegen ist? Dass Leiharbeit an der Tagesordnung ist? Dass die Reallöhne lange schon nicht mehr gestiegen sind? Dass viele Menschen nicht mehr von ihrem Einkommen leben können, und deshalb mit Hartz IV aufstocken müssen? Aufstocker - dieses Wort ist bereits in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen - es ist praktisch unmöglich, dass Fleischhauer dies nicht mitbekommen haben könnte.

Deshalb ist es eigentlich auch müßig, darauf hinzuweisen - Fleischhauer weiß es ja selbst. Da er aber ein ignoranter Dogmatiker ist, kann er diese Tatsache natürlich nicht zur Kenntnis nehmen, denn sie würde ja seine gesamte Argumentation zunichte machen (Hartz-IV-Bezieher sind faul). Die Realität passt da einfach nicht rein.

Kaum zu glauben, doch eine Minute später (ab 4:30) schafft es Fleischhauer, sein eigenes wohlfeiles Argument noch einmal zu unterbieten. Er erzählt davon, wie er mit einem Kollegen in ein typisches Hartz-IV-Milieu nach Mettmann gefahren sei und von seinen lehrreichen Stunden mit einem Kinderzahnarzt. Wenn man, so Fleischhauer, den Kindern in die Münder schaue, sehe man viele verrottete Zähne und stelle fest, dass viele Eltern ihren Kindern nicht einmal den korrekten Gebrauch einer Zahnbürste hätten beibringen können. 

Zunächst ist die Vorstellung ziemlich bizarr, wie der schnöselige Fleischhauer mit Jackett, runder Brille und zurückgegelten Haaren nach Mettmann fährt und in die Münder von Kindern von Hartz-IV-Beziehern schaut. Was soll das? Und wie ergebnisoffen war diese Reise wohl? Quizfrage: würde Jan Fleischhauer wohl erwähnen, wenn er dort Beobachtungen gemacht hätte, die seiner ressentimentgeladenen, vorgefertigten Meinung über dieses Milieu zuwidergelaufen wären? Ich glaube, die Antwort auf diese Frage zu kennen.

Zweitens: was will der Kolumnist dem Zuschauer damit sagen? Soll den Eltern Hartz IV gekürzt werden? Und wenn ja: was hat das mit dem Zustand der Zähne der Kinder zu tun? Glaubt er, die Eltern würden sich mit weniger Geld vom Staat besser um die Zahnpflege ihrer Nachkommen kümmern? Diese Argumentation ist nicht einmal idiotisch. Es ist gar keine Argumentation. Es ist einfach nur billiges Bashing von Menschen, denen es - aus welchen Gründen auch immer - schlechter geht als dem schnöseligen Ex-Linken.

Zum Ende hin noch ein Tiefschlag gegen Rumänen und Bulgaren: da Deutschland ein reiches Land sei, wäre es für jemanden aus einem Dorf in der "Nähe von Budapest"(sic!) natürlich attraktiver, in Deutschland Hartz IV zu beziehen, als zu arbeiten, denn der Hartz-IV-Satz in Deutschland sei noch um ein Vielfaches höher als der Verdienst diesen Ländern.
Typisch für Rechte hier die  Angstmache vor Immigranten. Dabei ist Fleischhauer wohl nicht geläufig, dass Ungarn seit 2004, Rumänien und Bulgarien seit 2007 Mitglieder der EU sind und eine Massenimmigration nicht stattgefunden hat. Warum sollte sich dies 5 Jahre nach Beitritt bitteschön ändern?

Erbärmlich auch hier seine ökonomische Ignoranz: Ein Rumäne wäre mit Hartz IV in Deutschland genauso arm wie in seinem Heimatland, da die Lebenshaltungskosten natürlich viel höher sind als in Rumänien. Peinlich auch, dass er von Rumänien und Bulgarien faselte, dann aber von einem imaginären Dorf bei Budapest, was ja, wie alle außer ihm wissen, die Hauptstadt Ungarns ist.

Jan Fleischhauer könnte einem leidtun, wenn er nicht eine so große Plattform für seine unsachliche, ausländer- und minderheitenfeindliche Hetze hätte, die jeder ökonomischen, soziologischen oder irgendeiner anderen auch nur annähernd wissenschaftlich gearteten Grundlage entbehrt.








 





Anja Heyde, continued: es wird immer schlimmer

Sie habe, grinste Anja Heyde vor einigen Minuten zu ihrem Kollegen Jobatey treudoof hinüber, sich heute morgen beim Schreiben (sic!) gefragt, was sie ihren Interviewpartner Dietmar Bartsch wohl fragen solle.
Dabei sei ihr, Heyde, dann aufgefallen, dass sie etwas mit der Linken gemein habe, nämlich, so die überforderte Sächsin weiter, Chaos. Auf ihrem Schreibtisch herrsche so viel Chaos, das könne man sich gar nicht vorstellen.

Doch. Das kann man sich vorstellen, und genau das ist das Problem Heydes. Sie müsste nämlich nicht erst mit einer chaotischen, inkompetenten Seite kokettieren. Diese Seite ist jedem halbwegs denkfähigen Fernsehzuschauer nur allzu schmerzlich bewusst. 

Doch auch das versteht der unbedarfte, unreflektierte Lockenkopf leider nicht. Koketterie ist ein Privileg, das sich nur (wenn überhaupt) jemand erlauben kann, der Kritik erhaben ist, sei es aus Erfahrung, Charisma oder eben unantastbarer Kompetenz auf dem jeweiligen Feld.

Wenn solch eine Person dann mit "Chaos" kokettiert, der auf seinem Schreibtisch herrsche, kann die Koketterie authentisch sein, weil man sich eben, ganz menschlich, auch mal "Fehler" erlaubt. 

Bei einer radikal überforderten Morgenmagazin-Moderatorin allerdings handelt es sich dabei um eine adäquate Selbstbeschreibung und kommt als Bumerang zurück. Man kann dann nicht mehr sagen: wie sympathisch, dass Anja Heyde so locker und selbstironisch über ihre Schwächen redet, obwohl sie so professionell ist. 

Die mangelnde Professionalität ist Anja Heydes Kernkompetenz, ihr Markenzeichen. Wenn sie ihr Schreibtischchaos erwähnt, kommt keine Sympathie auf. Es entsteht höchstens ein beklemmendes Gefühl und man fragt sich, warum sie nicht einfach mal aufräumt?