Samstag, 18. August 2012

Der Fall Pussy Riot: Wie verzweifelt darf das Sommerloch gestopft werden?

Ach je: die Armen Frauen von Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Straflager. Skandalös ist das! Über die Medien erfuhr ich im Laufe der Woche ja so einiges über die russische Punkband mit dem seltsamen Namen. Neu war mir zum Beispiel, dass es in Russland überhaupt Punkbands gibt, ganz zu schweigen von weiblichen. So viel Progressivität hätte man den Russen gar nicht zugetraut, und so viel Toleranz. Warum hatte Putin diese heidnische Unzucht nicht schon viel früher verboten? Dann wäre es auch nie zum "religiösen Hass" gekommen, den die drei Pussies von Pussy Riot in der ominösen Kirche ausübten.

Leider nicht ganz so neu war die Idiotie der deutschen Medien, anzunehmen, dass es den Otto-Normalbürger auch nur ansatzweise juckt, wer in Russland wieder mal wegen welcher Lappalie ins Straflager geschickt wird. Selbst halbwegs kultivierte Radiosender wie der Deutschlandfunk oder SWR2 kamen nicht umhin, ihre Nachrichten halbstündlich mit der erwarteten Urteilsverkündung im "Pussy-Riot-Verfahren" oder wahlweise im "Fall Pussy Riot" aufzumachen. Der Krieg in Syrien und andere - wichtigere - Themen wurden zwangsläufig in den Hintergrund gedrängt. Wenn sich also seriöse Nachrichtenmedien vom Hype um eine dämliche russische Punkband anstecken lassen, ist ja auch klar, dass es in weniger seriösen, bildlastigen Internetmedien wie sueddeutsche.de oder bild.de nur so von Fotos und Berichten der drei Natalia Nadeschdowas wimmelte. Darauf muss man dann natürlich auch nicht weiter eingehen.

Aber wie groß ist der Skandal eigentlich? Russland ist eine Dikatur. Jeder weiß es ja sowieso. Wenn man in einer Diktatur etwas tut, was dem Diktator, also Herrn Putin, nicht gefällt, muss man davon ausgehen, in ein Gefängnis oder ein Straflager zu kommen. Wenn man als Punkband in einer Kirche dazu aufruft, gegen jenselben Diktator vorzugehen, muss man sich über 2 Jahre Straflager eigentlich noch freuen und sich wundern, warum Putin sich überhaupt um einen Strafprozess bemüht und die Sache nicht Politkowskaja-esk mit ein paar Kugeln erledigt.

Es ist Sommerloch, und ständig nur über den Kessel von Aleppo oder das 341.Hilfspaket für Griechenland zu berichten, fällt den meisten Journalisten offenbar schwer. Da kamen die drei Russinnen gerade recht. Anderen Ländern Nachhilfeunterricht zum Thema Menschenrechte zu erteilen ist ja sowieso ein Lieblingshobby der Berliner Hauptstadtelite, es lenkt eben auch so schön von den eigenen Problemen ab.

Der Fall Pussy Riot ist trotzdem von vorne bis hinten bekloppt. Nicht mal die Tatsache, dass noch nie in der Geschichte deutsche Nachrichtensprecher das Wort Pussy so oft in den Mund genommen haben, kann mich angesichts der Idiotie dieses künstlich erzeugten Nachrichtenfabrikats erheitern. Pussy Riot sind drei Idioten, und die Medien, die diesen Fall kolportierten sind noch größere. Menschenrechte gibt es weder in der Ukraine, in Weißrussland noch in Rußland. Und auch nicht in China. Da kann der Bundestag noch so viele Ausschüsse mit Volker Beck als Vorsitzenden beauftragen. Dadurch wird die Menschenrechtslage in besagten Schurkenstaaten nicht besser, vermutlich sogar noch schlimmer.

Das einzig Gute: das Urteil ist gesprochen. Ich hoffe nur, es wird keine Exklusivinterviews aus Sibirien geben, denn sollten diese geführt werden, kann ich mir schon denken, womit sämtliche deutsche Medien ihre Nachrichten eröffnen...














 

Mittwoch, 1. August 2012

Vegetarier Peter Altmaier - habe ich etwas verpasst?

Isst Peter Altmaier eigentlich Fleisch?

In all den Porträts, die ich vom neuen Umweltminister bis jetzt zu sehen oder zu hören bekam, habe ich zumindest nichts Gegenteiliges vernommen. Nicht Inhalte wie etwa "Altmaier ist Veganer, da er sich der verheerenden Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Umwelt bewusst ist" oder "Altmaier, der sich des grotesken Widerspruchs bewusst ist, einerseits eine Energiewende voranzutreiben und Entwicklungsländer dazu anzuhalten, ihre CO2-Emissionen zu senken, andererseits aber Rindfleisch zu essen und damit eine Lebensart zu wählen, die den weltweiten Methanausstoß in ungeahnte Höhen treibt, ist seit geraumer Zeit Vegetarier." Nein, solche wünschenswerten Äußerungen seitens oder über Altmaier habe ich leider gar nicht vernommen.

Das liegt vermutlich an der Tatsache, dass sich Altmaier omnivorisch ernährt und damit nichts im Umweltministerium zu suchen hat, zumindest dann nicht, wenn der Saarländer noch einen minimalen Anspruch anmeldet, glaubwürdig zu sein. In gleichem Maße ist Ilse Aigner mit sofortiger Wirkung als Verbraucherministerin zu entlassen. Sie kriecht bei jeder Gelegenheit der Milchlobby ins Hinterteil und fördert damit ein vollkommen unethisches und widernatürliches Verhalten, dass einerseits aus der Tatsache besteht, dass erwachsene Menschen Flüssigkeit aus dem Euter eines anderen Säugetieres konsumieren, was einmalig in der Geschichte der Evolution ist, und andererseits aus der Tatsache, dass Rinder mit minderwertigem Kraftfutter vollgestopft, mit Hormonen gespritzt und zur Produktionseinheit degradiert werden.

Kennt Peter Altmaier den Zusammenhang zwischen rülpsenden Kühen und globaler Erwärmung? Glaubt er an das Konzept der globalen Erwärmung?

Wenn ja: warum isst er weiterhin Fleisch?

Wenn nein: warum ist er Umweltminister? Doch nicht etwa, weil er ein skrupelloser Berufspolitiker ist, der jedes Amt bekleiden würde?

Was ich von Peter Altmaier weiß: dass er twittert. Das ist aussagekräftiger als man annehmen könnte. Denn wenn die meistzitierte Fähigkeit, das herausstechendste Merkmal eines Spitzenpolitikers ist, wie er etwas macht, statt was er inhaltlich macht, ist das Armutszeugnis komplett, die Bankrotterklärung unterschrieben.