Montag, 22. Oktober 2012

Oh je, Sven Lorig,

"Moderator" beim ARD morgenmagazin!

Barack Obama ist seit 3 Jahren und 11 Monaten gewählt, seit 3 Jahren und 9 Monaten im Amt. 

Knapp 4 Jahre hattest Du also Zeit, seinen Namen richtig aussprechen zu lernen. Der Streit um die Gesundheitsreform, die verlorenen Midterm Elections, die Tötung bin Ladens: Anlässe gab es genug. Ist ja nicht so, dass man wenig über die USA berichtet hätte im "MoMa" in den letzten vier Jahren.

Du hättest CNN schauen können als Anhörungsunterricht, oder einfach genauer hinhören, wenn Amerikaner über ihren Präsidenten sprechen.

Sogar deutschen Kollegen, die es richtig machen, hättest Du Gehör schenken können und aus Deinem eigenen Fehler lernen.

Das hast Du aber nicht gemacht, Sven Lorig. Für dich ist es immer noch der Barrack. Oder, an schlechten Tagen, der Bärrräck Obama. Der Bärräck. 

So wie der Börek. Wie ein türkisches Gebäck mit Fleischfüllung, so klingt der amerikanische Präsident aus deinem Mund, Sven Lorig.

Das hat er nicht verdient.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Lieber Roman Deininger ("SZ"),

Anlässlich der Stichwahl zum Stuttgarter Oberbürgermeister an diesem Sonntag hat dich die "SZ" ja scheinbar nach Stuttgart geschickt.

Dort hast Du dich umgehört (hast Du's wirklich?), wolltest ein atmosphärisch dichtes Bild der Schwaben malen, wie sie ticken, wie sie denken, wie sie sind.
Heraus kam dann folgende Einleitung:
"Was koscht's und isch's was Rechts?", das sind die Richtschnüre, mit denen die Schwaben die Welt vermessen. Sie gelten als fleißig und konservativ - und genau deshalb wählen die Stuttgarter wahrscheinlich an diesem Sonntag einen Grünen zum OB."
Wirklich, Herr Deininger? Sind das die "Richtschnüre, mit denen die Schwaben die Welt vermessen"?

Und außerdem: weil sie als fleißig und konservativ gelten, wählen die Stuttgarter an diesem Sonntag einen Grünen zum OB? 

Nun ist mir nicht ganz klar, warum die "Süddeutsche Zeitung" einen Korrespondenten nach Stuttgart schickt (oder ihn dort fest installiert hat?), wenn sein Informationsbeitrag darin besteht, antike Vorurteile über die "Ethnie" der Schwaben wiederzukäuen. Gibt man hierfür beim "Süddeutschen Verlag" tatsächlich Geld aus? Und ich dachte immer, Printmedien und v.a. Tageszeitungen seien sowieso in der (Finanz-)krise? Da habe ich mich wohl geirrt.
Ehrlich, Deininger: du kommst ins moderne, junge, weltoffene Stuttgart (gut, nicht nur) und schusterst dann diese Einleitung zusammen?

Vielleicht bist Du, Deininger, ja auch schon über 80, und Dein Schwabenbild hast Du in den Nachkriegsjahren zusammengezimmert, als Filbinger und Co. noch schalteten und walteten und noch keine Neger Menschen mit Migrationshintergrund die Königsstraße säumten.
Doch vielleicht, Herr Deininger, liegt es ja auch daran: für ihren Bericht für die "SZ" sprachen sie nicht etwa mit repräsentativen Normalbürgern, und wenn, dann haben sie es uns verschwiegen.

Nein, sie gingen zu den "Rotariern": was auch immer die "Rotarier" sind, sie sind auf jedenfall, wie Sie selbst in ihrem Artikel konzidieren, so ziemlich das konservativste, was man landauf, landab finden kann. Zweitens rufen Sie bei einem Schwaben in Berlin an, Thomas Eigenthaler von der deutschen Steuergewerkschaft, der auch noch so dämlich ist, Ihnen alle Schwaben-Klischees, die sie sich erhofft haben, zu bestätigen:
"Thomas Eigenthaler sagt, es gebe zwei Richtschnüre, mit denen seine Landsleute die Welt vermessen: 'Was koscht's? Und: Isch was Rechts?'"
Haha, diese Schwaben! Stimmt's, Herr Deininger? Ihr für Stereotype zuständiges Hirnareal muss bei diesem Satz Luftsprünge gemacht haben! 

Ist es nicht toll, Herr Deininger, wenn man als Journalist in eine deutsche Landeshauptstadt reist, einen Rucksack voller Vorurteile dabei hat, dann genau zwei (!) Quellen für die Stimmung für die Definition des Charakters eines Volkes zitiert, die dann auch noch rein zufällig - ups - ziemlich konservativ (schwäbisch eben!) sind, und dann - oh Wunder - zu der "Erkenntnis" kommt, dass Schwaben ja tatsächlich bodenständig, brav und geizig sind?

Ist das nicht wahrer investigativer Journalismus, sich die große Mühe zu machen, seine eigenen Vorurteile mit zwei Quellen zu bestätigen? Toll gemacht, Deininger!

Ja, ich weiß: eigentlich ging es in dem Artikel ja nicht nur darum, wer und was Schwaben sind. Eigentlich wolltest Du erklären, warum Schwaben plötzlich grün sind, und wie die grünen Schwaben ja eigentlich die wahren Konservativen sind. Rabarber, Rabarber.

Ein Tipp für die Zukunft: bleibe ein, zwei Tage länger in der Stadt. Sprich auch mal mit Menschen unter fünfzig (vielleicht sogar mit Studenten?). Besuche das Lehenviertel, das Heusteigviertel, nicht den Rotarierklub. Das ist Dir zu mühsam? Du hast Angst, deine Vorurteile könnten ins Wanken kommen? Tut mir leid. Ich dachte, das sei eine Aufgabe im (guten) Journalismus. Bei der "Süddeutschen Zeitung" scheint das nicht zu gelten.



Samstag, 20. Oktober 2012

Stephan Urbach, der blauhaarige Gegner der Meinungsfreiheit

Stephan Urbach, ist 32, Mitglied der Piratenpartei und hat seine Haare blau gefärbt. Außerdem mag er Nazis nicht. Logisch. Menschen mit blauen Haaren und Nazis, das verträgt sich meistens schlecht.
Da es in linksliberalen Milieus derzeit en vogue ist, die Piratenpartei gut zu finden, hat man Stephan Urbach, dem Mann mit den blauen Haaren, ein Forum gegeben. Er durfte eine Gastartikel schreiben, und in diesem Gastartikel etwas einfordern, was man als Linker eben so einfordert oder was man einfordert, wenn man bei Linken gut ankommen will:

"Ich möchte, dass alle Plattformen Nazi-Propaganda löschen"

Die Etude zu seinen kruden Ausführungen bildet dann folgender Satz:

"Machen wir uns nichts vor - Twitter ist nicht nur toll und schön. Es tummeln sich dort allerlei Menschen, die gar merkwürdige Ansichten vertreten: Atomkraftbefürworter, Maskulisten, Evolutionsleugner, Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und Nazis. Sie alle haben gemein, dass sie gerne und oft ihre teilweise kruden Thesen und Meinungen ins Internet posaunen. Es ist alles dabei, auch in Deutschland strafrechtlich relevante Inhalte."
Das hat er tatsächlich so geschrieben, der Mann mit den blauen Haaren. Und die Online-Redaktion der Süddeutschen Zeitung hat es wohl gefallen. Zumindest haben sie es veröffentlicht. Da muss man erst mal schlucken.
Und dabei meine ich nicht mal nur die offensichtliche Dämlichkeit des ersten Satzes, in dem Urbach feststellt, Twitter sei nicht nur "toll und schön". 

Man muss ja auch kein Studium der Neueren Geschichte absolviert haben, um festzustellen, dass es in weiten Teilen der Bevölkerung bis zum 11.3.2011 noch eine völlig vertretbare Meinung gab, die da lautete, dass Atomkraft gut und richtig sei. Auch heute gibt es noch Menschen, die das richtig finden. Viele haben angefangen zu zweifeln nach Fukushima, offensichtlich auch die Regierung (die wahren Motive seien mal dahingestellt).

Nun ist es ja so, dass man als Demokrat Unterschiede in der Sache klarmacht und die Positionen des anderen angreift, auf sachlicher Ebene. Wenn man zum Beispiel gegen Atomkraft ist, argumentiert man, was die Vorteile von erneuerbaren Energien sind und was die Nachteile von AKWs. Jeder halbwegs informierte Bürger hat sich mittlerweile ja eine Meinung gebildet, sollte man annehmen. Konsens ist aber auch in einer Demokratie, dass man die Meinungen seiner politischen Gegner wenn nicht akzeptiert, dann zumindest toleriert. Tut man das nicht, ist man eigentlich kein Demokrat, da Demokratie auf Meinungsvielfalt und - logischerweise - auf Meinungsverschiedenheit basiert.

Stephan Urbach ist kein Demokrat. Das hat er zwar nicht explizit gesagt. Es ergibt sich jedoch als logische Folgerung aus dem ersten Absatz seines ganz und gar widerwärtigen Pamphlets auf sueddeutsche.de

Stephan Urbach, der Mann mit den blauen Haaren und dem schwarzen T-Shirt, findet, dass Atomkraftbefürworter und Nazis in die selbe Kategorie gehören. Menschen, die nicht seine Meinung vertreten, und Menschen, die für den industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden verantwortlich zeichnen, hält ein "Politiker" mit blauen Haaren für gleichwertig.

Und sueddeutsche.de hat es veröffentlicht. 

Ich will nicht weiter auf den "Artikel" eingehen, in dem sich Urbach dazu versteigt zu fordern, Tweets von Nazis löschen zu lassen. Auch an dieser Forderung zeigt sich freilich seine verquere Haltung zu Meinungsfreiheit: wer nicht denkt wie ich (links), dem soll der Mund verboten werden.
Der Artikel ist es nicht wert, ihn weiter zu kommentieren. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und sie gilt nun mal auch für Nazis. Das muss man dulden.

Ist es nicht ironisch? Ein Artikel gegen Nazis, das ist doch eigentlich wie ein Elfmeter ohne Torwart. Man kann nichts mehr falsch machen. Stephan Urbach hat das geschafft. Er hat es tatsächlich vollbracht, sich selbst zu diskreditieren und die Nazi-Geschichte verblassen zu lassen. Allein für diese Leistung muss ich ihm dann aber doch einen gewissen Respekt zollen.

 





Liebe Anja Heyde,


ich muss Dich leider Gottes ein weiteres Mal korrigieren. Auf der Webseite des ZDF-Morgenmagazins wirst Du folgendermaßen zitiert:

"Die Frühschiene des ZDF-Morgenmagazins zu moderieren ist für mich eine große Herausforderung", sagt Anja Heyde, "denn keine andere Sendung in der deutschen Fernsehlandschaft schafft um diese Zeit den Spagat zwischen seriöser Information und lockerer Unterhaltung auf so hohem Niveau."

Nun, ich kann nicht für die Vergangenheit des Morgenmagazins reden, weil ich früher entweder länger geschlafen oder morgens einfach nicht fern gesehen habe. Vielleicht war das Niveau ja tatsächlich mal besser.

In den letzten Jahren allerdings, liebe Frau Heyde, kann man mit Sicherheit nicht mehr von hohem Niveau sprechen, noch weniger aber von seriöser Information. Das liegt übrigens, Du hast es Dir schon denken können, zu einem beträchtlichen Anteil an Deiner Person.

Über "lockere Unterhaltung" kann man sich gepflegt streiten. Zählt man den zuverlässigen Mangel an Fingerspitzengefühl, also das Verlachen von Anmoderationen, das Witze machen auf Kosten von Arbeitnehmern (um kurz vor sieben: "Ich mach jetzt Feierabend") oder permanente Mittelstufen-Blödeleien mit dem Moderationspartner zu "lockere Unterhaltung", kann man Dir, Heyde, diesen Punkt durchaus konzidieren.
Einen Spagat allerdings gibt es hier nicht. Hat es auch nie gegeben. Denn alles, was ich von Dir sehe, sind Blödeleien. 

Und mal ganz ehrlich: KollegInnen wie Dunja Hayali, denen man wirklich, ohne zu viel guten Willen, unterstellen könnte, dass sie an seriösem Journalismus interessiert sind, leiden doch an Deinen Zappeleien noch viel mehr als der gequälte Fernsehzuschauer. Denn ich kann ja wenigstens den Kanal wechseln. Wenn aber bis um 7 Uhr, wenn die seriöse Journalistin Hayali übernimmt, schon Tausende von Zuschauern weggezappt haben, weil sie Dich einfach nicht mehr ertragen konnten, ist das natürlich ganz schön bitter.

Vielleicht solltest Du dir darüber auch mal Gedanken machen, wenn Du das nächste mal deine Privatangelegenheiten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausbreitest, dich an Mitri Sirin kuschelst und gackerst wie eine Elfjährige.

Mit freundlichen Grüßen,

ein Leidender.
 



 

Dienstag, 16. Oktober 2012

Oliver Bierhoff, hochbezahlter Nichtsnutz

Ich habe diese Frage schon einmal im Blog formuliert. Ich muss sie nochmal stellen: 
Was macht Oliver Bierhoff eigentlich?

Ich weiß, was er im Moment macht: er sitzt auf der Haupttribüne, VIP-Bereich, des Berliner Olympiastadions und "frozzelt" mit Uwe Seeler. Er scheint Spaß zu haben. Das hätte ich auch, wenn ich ein jährliches Millionensalär dafür einstreichen würde, ein paar Hotels in europäischen Städten zu buchen und lose die WM 2014 zu planen (man muß ja schließlich Flug nach und Busfahrer in Brasilien buchen, sollte man sich qualifizieren).

Bierhoffs Anzug jedenfalls sitzt adrett, ist wohl maßgeschneidert. Einen Chaffeur hat er bestimmt auch, dann kann er sich mit Uns Uwe ja später noch ein Glas Sekt gönnen, oder zwei, oder drei. Oder er salbadert leere Phrasen ins ARD-Mikrofon, z.B.: "Das Team hat toll gearbeitet", oder "Jogi sieht Reus auf einem guten Weg".

Ich hätte einen ganz pragmatischen Vorschlag: Könnte man sein Amt und ihn selbst nicht einfach über Nacht abschaffen?

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Jürgen Domian will seine Milch trinken und findet Veganer "verschwurbelt, idealistisch" und "fundamentalistisch"

In Jürgen Domians nächtlicher Talksendung "Domian", die eigentlich eine Radiosendung ist, aber auch im WDR Fernsehen übertragen wird, ging es gestern ums Thema "Fleisch".

Nach zwei hochinteressanten Gesprächen mit einem Mann, der kannibalistische Fantasien hat und gerne mal den Fuß einer Frau verspeisen würde und einem fructoseintoleranten Anrufer, der sich fast ausschließlich von Fleisch ernährt, sprach Domian mit Marius, einem Veganer.

Da Domian bereits in einer früheren Sendung mit einem Veganer gesprochen hatte und sich dabei als absoluter Ignorant erwiesen hatte (in diesem Thema zumindest), will ich hier kurz meine Kritik äußern.

Nachdem der Anrufer Marius erläutert, weshalb er Vegetarier geworden ist, geht er dann darauf ein, wie es zum nächsten Schritt kam und er Veganer wurde. Hier wird Domian ganz besonders aufmerksam. Denn Vegetarier sein könne er ja noch einigermaßen verstehen. Offenbar versteht er jedoch nicht, warum jemand ganz auf Tierprodukte verzichten will. Schon in besagtem Gespräch mit einem anderen Veganer hob Domian immer wieder auf diese Frage ab und zitierte dabei immer wieder eine imaginäre artgerecht gehaltene Bio-Henne, die ein Ei am Tag legt und der nichts zu leide getan wird. Warum, so Domian damals, sollte man nicht ein Ei von dieser netten Henne essen dürfen? Doch später dazu mehr.

Veganer sein, so Domian weiter zu Marius, dem Anrufer von gestern, sei ja schon "sehr krass, schon fast fundamentalistisch." Marius fühle sich dabei nicht sehr krass, versichert dieser. Warum auch? Schließlich ist Veganismus nur die konsequente gedankliche und praktische Fortsetzung des Vegetarismus. Nicht aber für Jürgen Domian. Warum dürfe er nicht die Milch von einer "tollen" Kuh auf dem Bio-Bauernhof trinken, jammert der Talkmaster und irrt sich im Folgenden mit der Aussage, Kühe müssten gemolken werden, was nicht stimmt. Domian scheint tatsächlich zu denken, die Euter der Kühe würden platzen, wenn man sie nicht melkt. Domian glaubt also, man tue den Kühen etwas Gutes, wenn man sie melkt. Er scheint dabei überhaupt nicht überlegt zu haben, warum Kühe überhaupt Milch produzieren - nämlich um ihre Kälbchen zu ernähren. Diese würden jedoch, so der vegane Anrufer Marius, kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt, um ihrerseits zu Milchkühen herangezüchtet zu werden; die Milch der Mutter, die diese eigentlich für die Kälbchen produziert, wird also auf einem pervertierten Umweg dem Menschen zugeführt, der - als einziges Säugetier weltweit - die Muttermilch eines anderen Säugetiers säuft. 

Diesen Zusammenhang illustriert der vegane Anrufer Marius gerade brilliant, als ihm Domian dazwischenfunkt. Domian ist es sichtlich zu viel geworden. Er ist nicht mehr auf der Höhe der Fakten, wurde vom kompetenten Anrufer eines besseren belehrt und hat jetzt keine Lust mehr. Will er sich seine morgendliche Milch nicht schlechtreden lassen, oder schmeckt ihm sein Bio-Steak zu gut? Auf jeden Fall unterbricht er den Veganer in seinem Redefluss: er respektiere seine Einstellung, so Domian, doch es sei ihm jetzt doch etwas zu "verschwurbelt-idealistisch". An erster Stelle, so Domian weiter, stehe immer die ordentliche Behandlung der Tiere (was insofern keinen Sinn macht, da der Anrufer ja gerade aufgezeigt hat, warum Kühe nicht ordentlich behandelt werden). Wenn sie diese Behandlung erfahren, dürften Tiere auch Nutztiere sein, und, jetzt wird es Zeit für das Totschlag-Argument, das Domian moralisch endgültig diskreditiert: der Mensch habe immer schon Fleisch gegessen, "gefressen manchmal auch". Für Domian ist das Gespräch gedanklich abgeschlossen. Marius' vernünftige Einwände gegen Domians "Menschen-haben-immer-schon"-Argument (Menschen hatten auch immer schon Homosexuelle diskriminiert, Herr Domian, bis es eben Mutige gab, die dies nicht mehr akzeptieren wollten) verpuffen beim Gummersbacher Seelentröster ohne Wirkung.

Der Mensch, so Domian ganz hilflos weiter, sei von Natur aus Fleischfresser. Doch ist der Mensch nicht von "Natur" aus Raubtier, Frauen-Vergewaltiger, sabbernder, sexgesteuerter Höhlenmensch? Solche Aussagen stimmen mich immer sehr nachdenklich. Was heißt es, wenn man sagt, Menschen seien von Natur aus egoistisch, gierig, eigensinnig? Natürlich sind Egoismus, Gier und Eigensinn Teile eines jeden Menschen. Doch jeder Mensch ist auch irgendwie sozial, hat schon mit anderen geteilt und an andere gedacht. Eine Pauschalaussage nach dem Motto "Menschen sind immer x,y,z" ist also vollkommen inhaltsleer, weil sie die Komplexität eines Sachverhalts so minimiert, dass sie keinen Wert mehr hat. Menschen haben übrigens nicht immer schon Fleisch gegessen. Über viele Millionen Jahre hatten sie nämlich gar nicht das Rüstzeug dafür (sprich Speere und andere Jagdwerkzeuge) und ernährten sich von Nüssen, Früchten und Gräsern.

"Also, Marius, du bist ein bißchen weit weg von mir (sic!), aber mir sind tausend Veganer tausend mal lieber als tausend Fleischesser, die sich aus der Massentierhaltung ernähren", schließt Jürgen Domian seine intellektuell-moralische Bankrotterklärung schiedlich-friedlich ab. Innerlich hatte er bereits lange vorher abgeschlossen. 



 

Montag, 8. Oktober 2012

V.Ferres glaubt an Gott

V.Ferres glaubt an Gott. Seit sie ihm Koma lag. Sagt sie C.Hoffmann von Bild online gesagt.

Was sie so sicher mache, dass es ihn, Gott, gebe, fragt C.Hoffmann von Bild Online nach. Daraufhin öffnet sich der Mund von V.Ferres,  und heraus kommt das:

"Das war vor 13 Jahren. Ich lag mit einem Tropenvirus mehrere Tage im Koma. Es war nicht sicher, ob ich zurückkommen würde. Ich hatte Nahtod-Erfahrungen. Es war Licht da und warm. Ich war irgendwo zwischen dem Hier und dem Jenseits. Da habe ich Gott gespürt. Danach musste ich alles von Neuem lernen. Sprechen, gehen ...“

Zurückgekommen ist sie, V.Ferres, ja, wie wir wissen. Warum aber glaubt sie an Gott, wenn der doch zum einen (allmächtig, wie er ist) für ihre Erkrankung an einem Tropenvirus verantwortlich zeichnet als auch für ihre daraus folgende Unfähigkeit, zu sprechen und zu gehen als auch für den aus dieser Unfähigkeit resultierenden, mühsamen Genesungsprozess?

Oder meint die Ferres, sie glaube an die Existenz Gottes? Leider ist die Antwort von V. Ferres hier etwas undifferenziert. Möglich ist ja schließlich auch, dass sie zwar (wegen ihrer Nahtoderfahrungen) "spürt", dass es Gott gibt (?), dass sie aber gleichzeitig sich von ihm abwendet, da dieser ja gemein zu ihr war und sie mit einer gefährlichen Tropenkrankheit und Sprech- und Gehproblemen ausstattete. V.Ferres scheint aber nur ihre Genesung auf Gott zu schieben und dafür dankbar zu sein. Die Krankheit bringt sie, V.Ferres, gar nicht mit ihm in Verbindung. Kann es denn sein, dass sie vergessen hat, dass Gott allmächtig ist?

Ob sie je sauer auf Gott gewesen sei, will C.Hoffmann wissen. Darauf die künftige Milliardärsgattin:
„Nein, aber oft frage ich mich: Ist das wirklich gerecht? Meine Mutter starb vor zwölf Jahren an den Folgen eines schweren Schlaganfalls mit nur 66 Jahren. Ihr Tod ist bis heute mein schlimmster Verlust."

Ist das gerecht, dass Gott der einen eine Tropenkrankheit verpasst, sie wieder ins Leben zurücklässt, während er der anderen das Geschenk eines Schlaganfalls zukommen lässt, der dann halt tödlich ist? V.Ferres scheint es für gerecht zu halten. Schließlich glaubt sie ja an Gott. Sonst müsste sie sagen, nein, sie könne nicht an einen Gott glauben, der kleinen Kindern Leukämie "beschert" und Schwerverbrecher über 100 Jahre alt werden lässt. Sie müsste sagen: "Dass meine Mutter an einem Schlaganfall stirbt und ich mit einer Tropenkrankheit davonkomme, das ist willkür. Willkür ist nicht gerecht. Deshalb glaube ich nicht an Gott. Auch wenn es ihn gibt."

Doch diesen Gedanken bringt V.Ferres nicht zu Ende. Kann sie ihn nicht konsequent zu Ende denken? Oder hört es sich einfach besser an, an Gott zu glauben? Zumal wenn man in einem neuen ZDF-Rentnerfilm die Pastorin Lena Fauch spielt, wie V.Ferres.

Was sie tröste, will C.Hoffmann von V.Ferres in Erfahrung bringen. Ohne Gott hätte sie den Verlust ihrer Mutter nicht verarbeiten können, entgegnet V.Ferres, ohne dabei die Frage zu beantworten. Ohne Gott, der, setzt man seine Existenz und Allmächtigkeit voraus (was Gläubige tun), den Tod ihrer Mutter veranlasst oder zumindest geduldet hat, könne sie denselben Tod nicht verarbeiten, so V.Ferres.  

Sie sei, so V.Ferres, aus der katholischen Kirche aus- und wieder eingetreten. Über ihre Motive für den Austritt lässt V.Ferres uns im Dunkeln. Ob sie wegen des Todes ihrer Mutter wieder eingetreten sei, interessiert sich C.Hoffmann von Bild Online. Ja, entgegnet V.Ferres. Der Glaube lehre uns, so V.Ferres weiter, dass der Tod nicht das Ende von allem sei. Das, so V.Ferres, sei ein tröstlicher Gedanke.