Sonntag, 27. Januar 2013

Adieu, Tatort - auf Krimis ohne Spannung will ich in Zukunft verzichten

Gerade eben sah ich den Film "Die purpurnen Flüsse" aus dem Jahr 2000.

Eigentlich ist heute "Tatort"-Tag, doch wir brechen die Tradition. Der "Tatort" ist nur noch enttäuschend, und er wird auch nicht besser.

Nachdem ich "Die purpurnen Flüsse" gesehen habe, ist mir klar, warum. Es ist fast schmerzhaft einfach: der Film ist verdammt spannend. Das ist der "Tatort" meistens nicht.

"Die purpurnen Flüsse" ist ein Film auf Grundlage eines Romans. Vieles im Film wirkt konstruiert, man muss den Plot nach Ende des Films nochmal nachlesen, um alles zu verstehen. Vieles reißt der Film auch nur an. Er opfert eine auserzählte, konsistente Geschichte einer actionreichen Handlung, und diese Gleichung geht auf. 

Im Tatort wird alles auserzählt. Ich erinnere mich, wie Edgar Selge im Tatort Berlin neulich einen Entführer spielte und recht schnell gefasst wurde, allerdings das Versteck des entführten Kindes nicht verriet. 90 quälende Minuten saß er im Verhör. Es passierte nichts. Ist es typisch deutscher Film, dass zu wenig gehandelt wird? 

Oder der letzte Münsteraner "Tatort": Klamauk mit Ziegen. Künstliche Befruchtung. Der "Tatort" nimmt sich selbst nicht ernst. Oder zu ernst. Dazwischen gibt es nichts. Entweder sozialkritische Moralkeule oder belanglose Blödelei. Einen spannenden Krimi aber, das habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ach, doch, es gab eine Ausnahme: Als Lars Eidinger einen psychopathischen Paketboten spielte, das muss im September gewesen sein, oder noch früher? Eigentlich sollte ja noch Teil 2 folgen. Auch typisch "Tatort" und typisch "ARD": eine Fortsetzung wird nicht in der darauffolgenden Woche gezeigt, sondern...ja, wann eigentlich? Nächstes Jahr? Wenn alle ganz sicher vergessen haben, was eigentlich genau fortgesetzt wird?

Auch die Säulen von früher bröckeln. Der Münchner "Tatort" war immer ein Fels in der Brandung - jetzt ist er nur noch fad. Stuttgart war ja schon immer blöd. Börne und Thiel in Münster waren manchmal lustig, jetzt sind sie lächerlich. Und Borowski? Der ist Lotterie - mal genial, immer öfter aber schauderhaft schlecht und langweilig.

Dann gibt es die "Tatorte", die man sowieso boykottiert. Zum Beispiel Inga Lührsen, die politisch korrekte Flüchtlingshelferin, deren schlechte Laune nicht sympathisch-schrullig ist wie etwa die von Inspektor Columbo, sondern beim Zuschauer nur Magenweh auslöst. Oder Furtwängler. Ganz zu schweigen vom neuen Dortmunder Kommissar, für den Ähnliches gilt wie für Lührsen. Er sollte erst eine Psychotherapie absolvieren bevor er im Polizeidienst weitermacht. Er soll den kauzigen, markanten Charakterkopf darstellen - das Problem ist leider, dass er wirkt wie ein traumatisierter, drogenabhängiger Sinto.

Das ist generell eine Schwachstelle der Kommissare des "Tatort": man erkennt die Absicht des Drehbuchautors und des Regisseure, hier einen schwierigen, neurotischen Typen mit Ecken und Kanten oder einem handfesten Alkoholproblem (Krol) zu zeichnen, der aber trotz alledem das Herz am rechten Fleck hat und "ein guter Typ" ist. Paradebeispiel meiner Meinung nach für diesen Typus ist der Kölner Freddy Schenk. Nun ist es vielleicht so, dass dieses Konzept bei machem Zuschauer aufgeht. Bei mir nicht. Es geht nach hinten los. Freddy Schenk ist einer, dem ich im wahren Leben aus dem Weg gehen würde. Er ist ein cholerischer Rechthaber, ein intoleranter, hemdsärmeliger Blödmann.

All das jedoch wäre noch verkraftbar. Es ist wichtig, aber nicht essentiell, sich mit dem Kommissar identifizieren zu können. Das Hauptproblem bleibt der Spannungsbogen, der in den letzten 10, 15 "Tatort"-Folgen nicht mehr existierte. Er wird nicht mal mehr gespannt, der Bogen. Er bleibt schlaff, von Anfang an. Verkopft, verquast ist der "Tatort", alle 20 Folgen mal ein gutes Stück wie anno dazumal der grandiose "Weil sie böse sind" aus Frankfurt mit einem irreal guten Milan Peschel und einem grandiosen Matthias Schweighöfer reichen da eben nicht.

Deshalb: Adieu, "Tatort", bienvenue, iTunes. Der Sonntagabend gehört von nun an Filmen, die wirklich spannend sind.  

    

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