Mittwoch, 9. Januar 2013

Hannes Rockenbauchs beklemmender Versuch, Hindenburg vergessen zu machen

Rockenbauch, wer sonst?

Paul von Hindenburg, geboren 1847, mit 11 auf eine preußische Kadettenschule geschickt. Mit 23, im Jahr 1870, nimmt er an jeder einzelnen Schlacht im deutsch-französischen Krieg teil und ist Zeuge der Kaiserkrönung Wilhelms I. im Spiegelsaal von Versailles 1871. Hindenburg steht an der Wiege des Deutschen Reichs, das prägt ihn ein Leben lang. Pflichtgefühl, militärischer Gehorsam, Aufopferung, Vaterlandsliebe, Disziplin - diese Werte waren zu Zeiten Paul von Hindenburgs, zu Zeiten Preußens und der Anfänge des Deutschen Reiches, als Krieg noch als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln galt und es keinen süßeren Tod gab als den auf dem Schlachtfeld fürs Vaterland, lebendig und allgegenwärtig.

All das wurde ganz hervorragend dokumentiert gestern im Film "Hindenburg", der um 20.15 Uhr auf Arte lief. Christoph Weinert zeichnet darin ein differenziertes Porträt einer der großen, aber umstrittenen Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Hindenburg, der die sechzig schon weit überschritten hatte, als er durch den Sieg über die Russen in der Schlacht von Tannenberg zum Volkshelden der Weimarer Republik avancierte, war einer der ersten Medienstars der Politik. Mit Ludendorff zusammen stand er von 1916 an an der Spitze einer Militärdiktatur, die Kaiser Wilhelm II. restlos marginalisierte.

Hindenburg war ein komplexer Mann. Er machte in seiner Rolle als zweiter Reichspräsident nach Ebert Hitler 1933 zum Reichskanzler und glaubte, unter Hitler würde die nationale Einheit wiederhergestellt, die für Hindenburg als jemanden, der die Geburt des Deutschen Reiches miterlebt hatte, immer an erster Stelle stand.

Wir und Hannes Rockenbauch wissen es nun besser. Wir wissen, dass sich Hindenburg in Hitler getäuscht hat. Ich weiß aber auch, dass das 1933/34 gar nicht so klar war. Hitler war 1933 noch nicht der, der er 1939 war, und wenn, dann zeigte er es nicht. Das geht auch aus der Tatsache hervor, dass Hitler bis zum Tag von Hindenburgs Begräbnis im Sommer 1934 in seiner Gegenwart nie NSDAP-Parteiuniform trug, sondern immer zivil gekleidet auftrat. 

Wer jetzt wie Hannes Rockenbauch so tut (er tut es schon seit über zwei Jahren), als hätte Hindenburg all das, was später kam, wissen müssen oder wissen können, zeigt, dass er nichts verstanden hat. Rockenbauch nämlich (und der Stuttgarter Gemeinderat) fanden nämlich schon 2010, es sei eine gute Idee, den gegenüber des Hauptbahnhofs befindlichen Hindenburgbau, der bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts errichtet wurde, seines Namens zu berauben.

Begründung? Hindenburg habe Hitler "den Weg geebnet". Das ist technisch ja nicht mal zu bestreiten. Hindenburg hat Hitler den Weg geebnet. Hindenburg war Reichspräsident und es war eine seiner Aufgaben, einen Reichskanzler zu ernennen. Wie ich oben bereits geschrieben habe, sah Hindenburg in Hitler jemanden, der die nationale Einheit und Ordnung in einer zerrissenen Republik, in der Straßenschlachten an der Tagesordnung waren, wiederherstellen konnte. Hindenburgs Ziele waren durchaus nachvollziehbar zu dieser Zeit, sie waren ganz und gar preußisch. 

Hindenburg konnte nicht wissen, was danach kam. Es ist deshalb das eine, historischen Personen wie ihm kritisch gegenüberzustehen. Das andere ist es, völlig vermessen heutige Maßstäbe an diese historischen Personen anzulegen. Von Hindenburg zu verlangen, er hätte Hitlers Verbrechen voraussehen müssen, ist eine Art von Geschichtsignoranz, die zum Heulen ist. Sind Rockenbauch und seine Verbündeten im Gemeinderat wirklich so ignorant und so unfähig in geschichtlichem Kontext zu denken, dass sie eine historische Person vergessen machen wollen?

"Who controls the past controls the future", heißt es in "1984" von George Orwell. Rockenbauch und seine linksprogressiven Mitstreiter scheinen das leider nur allzu gut verstanden zu haben. Sie machen sich die Geisteshaltung des "Big Brother" zu eigen, wenn sie denken, es wäre sinnvoll, den Hindenburgbau umzubenennen und ihn nach irgendeinem Pazifisten oder einem Bürgerrechtler zu benennen. Warum denn überhaupt? Ist es nicht wichtig, zur eigenen Geschichte zu stehen? Ist es nicht gerade dann, wenn die eigene Geschichte zwiespältig, komplex und zweifelhaft ist, noch viel wichtiger, die Namen der Vertreter dieser Geschichte eben nicht auszuradieren?

Rockenbauch und Konsorten halten es für besser, dass man sich nicht an diese schwierigen, preußischen, militärisch geprägten Zeiten erinnert. Das ist grundfalsch. Ihre Geschichtsklitterung ist beängstigend. Der Hindenburgbau ist fast hundert Jahre alt, sein Namensgeber über 150. Falsch verstandene politische Korrektheit führt nun im Jahr 2010 also dazu, dass der Stadtrat die Erinnerung an den alten Feldmarschall gänzlich auslöschen will. Dies freilich zeigt uns nicht nur, was er denkt, sondern vor allem wie.



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Rockenburg oder Hindenbauch?

"Wir müssen den Kopf, den Verstand, aber auch die Herzen der Herzileins der S21-Befürworter für unseren Widerstand gewinnen."
Bravo und Tusch!
Eine Unachtsamkeit, ein Versehen ?
Etwa Hindenburg ?
Nein!
Ist das der Prolog aus dem internen Bekehrungstraktätlein einer veritablen Sekte, oder vielleicht doch exemplarisch für eine Geisteshaltung?
Aber woher denn, das ist doch nur Originalton Rockenbauch.
Fein, aber allemal ein kommunikativer Totalschaden auf höchster missionarischer Ebene.
Wer ist nun aber Hindenbauch, wo liegt die Rockenburg?
Will das überhaupt einer wissen?
Denkste!
Was sagt uns hier die Etymologie?
Was ist ein Bauch?
Was sind Rocken?
"Der Rocken (Spinnrocken, Kunkel, Dieße) ist ein meist stabförmiges Gerät,
an dem beim Spinnen die noch unversponnenen Fasern befestigt werden."
Aha.
"Bei einer stehenden Welle ist der Bauch der Ort maximaler Amplitude (im Gegensatz zu den Knoten)."
Soso.
Was ist also nun ein Rockenbauch?
Etwa ein suebisches Nationalgericht, Rocken, weichgekocht im Schweinebauch vom schottischen Albküken verspeist Sonntags im Restaurant am Fernsehturm ?
Zumindest erklärte es die in der Folge metaphysischen Blähungen.
Oder gar rhythmisch kastagnierende Rocken im Bauche der grünen Mandoline beim Schmettern des Bahnhofsklagelieds ?
Wir wissen es leider nicht.
Zu denken gibt mir nur, dass beim Spinnen am Rocken wohl nur grobe und rohe Fasern, seltener Vorgarn verzwirbelt und verschwurbelt werden und das Ganze
dann bei stehender Welle mit maximaler Amplitude versehen wird.
Donnerlüttchen, mein lieber Roggenbauch.

PB