Sonntag, 24. Februar 2013

Anlässlich der Oscars: Anmerkungen zu "Argo", "Lincoln" und "Django Unchained"

Ich will mich anlässlich der heutigen Verleihung der Oscars kurz zu drei Filmen äußern, die heute Nacht in der einen oder anderen Kategorie für die wichtigsten Filmpreise der Welt nominert sind: "Argo", "Lincoln", und "Django Unchained".

Argo: Kino wie es sein soll

Zunächst finde ich, dass "Argo" unbedingt den Oscar für den besten Film des Jahres erhalten sollte. Der Film ist unglaublich spannend, unprätentiös, ohne versteckte politische Botschaft und braucht nicht, wie leider so viele andere Filme, zwei Stunden um in die Gänge zu kommen. "Argo" erzählt die Geschichte der Befreiung einer handvoll amerikanischer Geiseln, die sich im Zuge der iranischen Revolution und der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran versteckt hielten.

Spielbergs Lincoln ist so patriotisch wie blutleer

Leider ist "Lincoln" all das nicht. Lincoln verzettelt sich, ist politisch schrecklich korrekt (Peter Hitchens hat in seinem Blog unlängst hervorragend ausgeführt, was Abraham Lincoln wirklich von Schwarzen hielt), rührselig, Feelgood-Kino à la Spielberg. Es ist mir unerklärlich, wie die Kritik so ignorant sein und dieses Machwerk in den Himmel loben konnte. Daniel Day-Lewis mag ein talentierter Schauspieler sein, der Abraham Lincoln gut verkörpert. Wie realistisch er den berühmtesten aller amerikanischen Präsidenten verkörpert, kann keiner sagen. Wenn Lincoln aber wirklich so war, wie Day-Lewis ihn spielt, dann war er ein langweiliger, langsamer, verzagter Mann mit einem Altherrenhumor, der Rainer Brüderle oder Manfred Lütz wie spritzige Stand-Up-Comedians erscheinen lässt.

Wenn Day-Lewis einen verzagten Langweiler spielt

"Lincoln" ist ein effektives Schlafmittel. Die historischen Debatten wirken gestelzt, das ganze Ambiente des Films steif, steril und verstaubt. Es gibt im Übrigen keine Szenen aus dem Bürgerkrieg. Alles spielt sich in oder ums Weiße Haus ab, und Spielberg konzentriert die gesamte dramaturgische Energie auf die Verabschiedung des 13.Verfassungszusatzes, der die Abschaffung der Sklaverei festlegt. Das mag seinen Sinn haben. Nach 2 1/2 Stunden jedoch ertappt man sich dabei, wie man vor sich hinmurmelt: "Verabschiede doch endlich diesen Scheißartikel und lass mich heim."

Tarantino stößt an die Grenzen seiner Kreativität

Auch "Django Unchained" ist leider, von Christoph Waltz' wieder einmal kaum zu übertreffenden Darbietung, eine einzige Enttäuschung. Ein schlechtes, weil wirres Drehbuch, eine müde Leistung von Jamie Foxx als "Django" (verzieht keine Miene), ein auf drei Stunden aufgeblähter Murks, dessen Gewaltorgien bei Tarantino leider obligatorisch sind. Der Film macht keinen Sinn, und deshalb macht er keinen Spass. Wie gesagt: Waltz hätte seinen Oscar trotzdem verdient, er ist der einzige Lichtblick in drei Stunden voller Idiotie. 

 

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