Freitag, 1. Februar 2013

Bar Refaeli und die Schleimspur von Till Dahl und der deutschen "GQ"

Bar Refaeli ist eine Heilige, zumindest laut der deutschen GQ vom Dezember letzten Jahres (2012).

Diese Ausgabe beinhaltet eine Fotostrecke des israelischen Models sowie einen kurzen Text dazu. Gerade eben bei der Klolektüre hab ich es entdeckt. Und war angewidert. Nicht von Refaeli. Sie ist halt ein Model, sieht gut aus. Sondern vom Begleittext. Wer heute nämlich noch daran zweifelt, ob wir in einer Gesellschaft leben, die Celebrities über die Maßen anhimmelt und ihnen und dem gesamten um sie entfachten Kult nicht kritisch gegenübersteht, der sollte einfach den erwähnten, von Till Dahl verbrochenen Text lesen. Oder dieses Blog.

"Supermodel ist sie schon. Doch nun entthront sie im Fernsehen auch noch die ewige Modelmacherin Heidi Klum. Bar Refaeli ist unsere Gentlewoman des Jahres", mäandert es gleich zu Beginn aus Dahls Stammhirn hinaus aufs glänzend bedruckte Papier. Man ahnt natürlich schon ganz ganz Böses, wenn ein "Artikel" so anfängt. Nun gut, die "GQ"-Redaktion hat also Refaeli einen Titel verliehen, weil sie Model ist und eine TV-Show hat. So weit, so hohl.

"Wunderbar", kräht es neben dem ersten Bild, "unseren Fototermin auf einem alten Landsitz bei London absolvierte Frau Refaeli mit höchster Disziplin. Hier und da juchzte sie sogar vor Freude." Ob diese Freude wohl von Dauer wäre, wenn "Frau Refaeli" Kenntnis von der rahmigen Schleimspur hätte, die "Herr Dahl" neben ihren Fotos hinterlässt? Denn ein internationales Topmodel für Disziplin zu loben - nein, ehrlich, das ist so fad und abgestanden wie ein Anmachspruch von Reiner Brüderle. Ob Herr Dahl auch einen Kraftfahrer dafür loben würde, dass dieser das Lenkrad immer ganz gerade hält? 

"Zugegeben", sprüht der "GQ"-Redakteur weiter vor kreativem Wortwitz, "wir sind nicht die Ersten, die Bar einen Preis verleihen." Selbsterkenntnis ist der erste Schritt, mag man meinen. 
"Nach ihrem vielversprechenden Karrierebeginn bekam Bar rasch Verträge mit internationalen Topmarken", weiß Dahl hochkompetent zu berichten und fügt hinzu: "Vor allem natürlich von Victoria's Secret". Natürlich. Was sonst. Im Foto hat sie ja auch Strapse an, und bei Victoria's Secret landen ja nur besonders heiße Bräute, gell, Herr Dahl?

"Selbst wenn sie divenhafte Schreianfälle bekäme - wir würden Bar trotzdem lieben", prangt es auf der nächsten Seite des Hefts, wo Refaeli sich bemüht lasziv an einer Wand abstützt. Warum eigentlich, liebe "GQ"? Warum würdet ihr diese Frau lieben, wenn sie sich hysterisch aufführt? Weil ihr so schwanzgesteuert seid? Weil ihr so geil seid, so celebrityversklavt, dass ihr euch alles gefallen ließet, so lange eine Frau nur gut aussieht? Oder habt ihr da ein Geheimnis, das ich nicht kenne?

Vielleicht liegt es ja doch an Refaelis Charakterstärke, von der ich auf der nächsten Doppelseite erfahre: "Den Tipp eines rechten israelischen Politikers, sich lieber einen 'netten jüdischen Jungen' zu suchen, ignorierte sie und verbrachte fünf Jahre mit Leonardo di Caprio." Mein Gott. Eine schöne Frau, und auch noch so tough, so kämpferisch, so willensstark! Da schreibt ihr ein böser Politiker - natürlich ein "Rechter"- vor, mit wem sie anzubandeln hat (was in einer Demokratie ja auch einer Zwangsheirat gleichkommt). Doch nicht mit Bar Refaeli! Sie hat ihren eigenen Kopf. Sie will nicht dem Klischee entsprechen, dass Models immer nur mit "netten jüdischen Jungen" in die Kiste steigen, nein. Sie macht's mal ganz anders, und nimmt sich einen Hollywoodstar. Dieses Model hat wirklich Format!

Und so schwadroniert Dahl weiter, unerträglich lang, unverschämt blöd, immer aber schön auf Anbiederungskurs. Es ist fast zu schlimm, überhaupt noch etwas zu zitieren. Einer aber muss noch raus:
"Das Schlimmste, was man über Bar Refaeli sagen kann: Sie war nicht immer perfekt. Zumindest behauptet sie das. In ihren Teeniejahren soll etwas mit ihren Zähnen nicht in Ordnung gewesen sein, sie habe sogar eine Zahnspange getragen. Wenn das stimmt, war sie beim besten Kieferorthopäden der Welt. Denn wenn Bar lächelt, und das tut sie oft, sind ihre Zähne aufgereiht wie auf einer Perlenkette und strahlen so radiumweiß, dass man die Augen schließen muss. Die schönsten Buchten des Mittelmeers neiden Bar das Blau ihrer Augen und die Strände ihre sanft gebräunte Gesichtshaut, auf der jede Sommersprosse so perfekt sitzt, als habe sie Leonardo da Vinci persönlich aufgemalt. Und um ihren Körper zu beschreiben, müsste man eigentlich ein paar neue Wörter erfinden. Aber, ach, was soll's, man sieht es ja hier auf den Bildern von ihr."
Die Hoffung um Till Dahl ist also noch nicht gänzlich verloren. In den letzten beiden Sätzen nämlich kommt er glücklicherweise zu einer überfälligen Selbsterkenntnis: er kann nicht schreiben. Wörter erfinden müsste man nämlich nicht. Man könnte auch einfach die deutsche Sprache in ihrer Fülle nutzen, um das zu tun - wenn man sie denn beherrschte. Schließlich sieht der Schmierfink vom Playboy für Arme dann aber ein, worauf es eigentlich ankommt: die Bilder. Und worauf man eigentlich gerne verzichtet hätte: seinen "Text".

Denn wie runtergekommen, wie würdelos muss jemand sein, der einen anderen Menschen so anhimmelt, so vergöttert? Und für welche Klientel meint er zu schreiben? Für sabbernde, picklige Halbstarke? Wie niveaulos muss ein Blatt sein, dass solche Texte druckt? Und was sind bitteschön "perfekt sitzende Sommersprossen"?

Jesus Christus, "GQ"! Druck doch einfach Bilder von einer schönen Frau, und verschone uns mit deinen "Texten". Diese verquaste Schleimerei, dieses pseudo-feingeistige Getue ist doch alles Idiotie! Und wenn ihr's macht, dann macht es wenigstens gut!

Da lobe ich mir doch die "InTouch" als Klolektüre: schlechte Fotos, schlechte Texte und haltlose Unterstellungen ohne Unterlass - das ist Klatsch in seiner ehrlichen, rauhen Reinform! Bei der "InTouch" meint man nicht, man wäre die Außenstelle des FAZ-Feuilletons. Man arbeitet sich ehrlich an zu dicken, zellulosegeplagten Promiärschen oder dem verschollenen dritten Ochsenknecht-Bruder, Prince-Tyler-Lance-Orlando Ochsenknecht, ab, aber versteigt sich nicht dazu, Mittelmeerbuchten mit den Augen israelischer Magermodels zu vergleichen. Igitt!

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