Sonntag, 10. Februar 2013

Berufsjugendliche und spätpubertierende Alkoholiker aufgepasst: "Californication" ist zurück!

Der alkoholkranke, berufsjugendliche Gossenschriftsteller Hank Moody alias David Duchovny ist zurück. Die sechste Staffel von "Californication" ist in den USA angelaufen. Wer die Serie mag, darf sich freuen: es hat sich nichts verändert!

Wer, wie ich, bereits in der letzten Staffel zunehmend beklagenswert fand, dass sich die Story weitestgehend im Kreis dreht und die Geschichte des dauerbetrunkenen Schwerenöters Moody eigentlich nach (spätestens) drei Staffeln auserzählt war, wird ebenfalls bestätigt.

Denn Hank Moody ist ganz der alte: sexistisch, rücksichtslos, ab und an witzig, vor allem aber immer anzüglich und betrunken. Ein fünfzigjähriger Zellhaufen, der schreiben kann, sein Talent aber in Scotch und Gin Tonic ertränkt und seine Familie und Freunde hängen lässt.

Diese aber geben Hank wundersamerweise nicht auf. Zugegeben: das können sie natürlich auch nicht, denn die gesamte Serie basiert ja darauf, dass Hank sich jede Unverschämtheit, jede Taktlosigkeit und jeden Rausch erlaubt, ohne dabei wirkliche Konsequenzen in Kauf zu nehmen. So vergeben sowohl seine (natürlich) hübsche Frau Karen als auch seine schwierige Teenager-Tochter Becca dem Charles Bukowski für Arme jede Sünde: das ständige Fremdgehen, die Trunksucht und alles, was damit zusammenhängt und daraus folgt.

So beginnt die sechste Staffel also in gewohnter Unordnung: eines von unzähligen Groupies des Schreiberlings erträgt nicht, dass es von ihm abgewiesen wird, und versucht Hank daraufhin mit einem Cocktail aus Alkohol und Schlaftabletten umzubringen. Doch der Plan geht nicht auf: sie selbst endet im Koma, während Hanks Konstitution sich als erstaunlich robust erweist und er nach ein paar Tagen zu sich kommt. Nachdem klar ist, dass seine Ex-Geliebte wohl nie mehr zu sich kommt, scheint es zunächst, als mache sich der Trinker mit der losen Zunge tatsächlich tiefe, ernsthafte Gedanken - doch weit gefehlt.

Weiter geht es im Takt: die Ohrfeigen verflossener Frauen fliegen, die Scotches rutschen über die Bar, Moody pöbelt und vögelt: Eingefleischte "Californication-Fans" kommen hier ganz auf ihre Kosten, Feministinnen eher weniger.

Denn wohin man sieht, überall wird Moody in seinem Verhalten bestätigt: von seinem besten Freund Charlie, wie immer eindimensional und amateurhaft gegeben von Evan Handler (dessen Verkörperung von Lloyd Blankfein im Film "Too Big To Fail" eine der schlechtesten Darbietungen war, die ich wohl jemals gesehen habe), von seiner weichen, schutzbedürftigen Tochter Rebecca, die ihren Vater nicht verlieren will, von seiner immer treudoof lächelnden Frau Karen, und von Charlies Ex-Frau Marcy, die eigentlich auch Pamela heißen könnte, da sie von Pamela Adlon gespielt wird, die, genau wie Handler, nur eine Rolle kann: Pamela Adlon.

Die gerade genannten also, Hank Moodys Umfeld, intervenieren zusammen beim frivolen Frauentyp und verlangen, er solle doch eine Entziehungskur machen, um wieder der "functional alcoholic" zu werden, den man von früher kenne.

So halbherzig diese "Intervention" ist, so halbherzig ist auch der Versuch des Drehbuchautors Tom Kapinos, zum x-ten Mal eine Besserung (sprich: Ausnüchterung) Moodys anzudeuten. Dass diese nicht eintreten wird, zeigt sich schon im Preview auf die zweite Episode, in der Moody - oh, Überraschung - mit attraktiven Rehab-Genossinnen ins Bett steigt.

Wer also Anfang zwanzig ist und sich die Illusion erhalten möchte, er könne endlos viele Frauen haben, jeden Tag Whiskey trinken und dabei nebenher noch Erfolgsromane schreiben oder sonstwie reich werden, für den ist "Californication" genau das Richtige.

All die, denen das Konzept nach ein paar amüsanten Staffeln dann doch einen Tick zu unterkomplex ist, sollten sich lieber mit "Homeland" beschäftigen. Nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Schauspieler spielen dort nämlich in einer ganz anderen Preisklasse.


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