Montag, 25. Februar 2013

Italia brutta: das hässliche Gesicht einer europäischen Bananenrepublik

Und da fragen sich manche noch ernsthaft, wo die Skepsis gegenüber der EU herkommt? 

Was ist los in Italien?

Italien ist eine Bananenrepublik. Das ist nicht wirklich neu; doch nie war es so augenscheinlich wie heute. Das sich abzeichnende Wahlergebnis der Wahlen zum italienischen Unterhaus und zum Senat lässt nordeuropäische Wähler mit offenen Mündern und großen Augen zurück.

Ein sexbesessener Mittsiebziger, der das Land 17 Jahre lang in den Dreck zog, kommt wieder, aller Vorraussicht nach, auf weit über 25% der Stimmen. Silvio Berlusconi ist wieder zurück. Der Mann, der seine Amtszeit laut dem tschechischen Politiker Schwarzenberg "verfickte", hat ein Comeback geschafft, das er wohl nur selbst für möglich gehalten hat. Es ist wahrscheinlich, dass er an der neuen Regierung beteiligt wird, denn Bersani und sein Mitte-Links-Bündnis haben einen nur knappen Vorsprung.

Komiker und Psychopathen: Warum sind Italiens Wähler so dumm?

Berlusconi jedoch ist nicht das einzige Phänomen, das in gefestigten Demokratien ungläubiges Kopfschütteln erzeugen sollte. Auch dass Beppe Grillo, seineszeichens Komiker, wohl auch deutlich über 20% der Stimmen auf seine Partei "Cinque Estelle" vereinigen konnte, lässt die Frage offen, mit welcher Einstellung italienische Wähler eigentlich zur Wahl gehen.

Eine Bananenrepublik und ihr Einfluss auf Europa

Lebten wir 1970 oder 1980, zu Zeiten gefestigter Nationalstaaten und lange vor den Verirrungen der Währungsunion, könnte uns dies alles egal sein. Man könnte über die Italiener lachen. Sollen sie doch machen, was sie wollen, könnte man sagen, schließlich sind sie ein souveränes Volk. 

Doch so einfach ist es leider nicht mehr. Denn Helmut Kohl, Francois Mitterand und eine endlose Reihe von größenwahnsinnigen Politikern vor ihnen brachten nun einmal ein Projekt ins Rollen, dessen Entwicklung gespenstisch schnell voranschreitet und früher oder später in einem europäischen Superstaat münden wird. In solch einem Superstaat aber werden achtzig Millionen Deutsche eine gleichwertige Stimme haben wie die 50 Millionen Italiener, die sich gestern und heute an den Wahlurnen blamiert haben. Nord- und Westeuropäer kann es also nicht egal sein, was sich in Italien zusammenbraut.

Die Alternativen waren da

Dabei hätte man mit Monti und Bersani doch zwei einigermaßen vernünftige Männer wählen können; es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gegeben hätte.

Heute wird auch sichtbar, dass eben Berlusconi nicht der allein schuldige ist. "The man who screwed a whole country" ("The Economist") wurde eben immer wieder demokratisch gewählt. Auch in diesem Jahr, nach all den Skandalen, dem wirtschaftlichen Niedergang, der Offenlegung der perversen Persönlichkeit dieses wahren Komikers, hat das italienische Volk immer noch nicht genug vom Soziopathen aus der Lombardei.

Wer will eine politische Union mit diesem Land?

Wenn es also jemals ein schlagendes Argument gegen eine politische Vereinigung Europas gegeben hat, dann heute. Niemals kann es im deutschen Interesse liegen, eine politische Union einzugehen mit einem Staat, dessen Volk wieder und wieder seinen Untergang, seinen Weg in die Korruption bewusst gewählt hat und damit nach und nach sein eigenes Grab schaufelt.

Es ist ja auch nicht so, dass dies alles sich am Rande der EU, im Land eines Beitrittskandidaten, abspielt. Wir reden nicht über Makedonien oder Albanien, nicht über die Türkei (was ist die Türkei für ein mustergültiger Staat im Vergleich zu Italien) und nicht über Serbien. Nein, wir reden über ein Gründungsmitglied der Europäischen Union. Das ist das Schreckliche an dieser Geschichte.

Verachtung und Mitleid

Man kann nur Verachtung empfinden für Berlusconi und die, die ihn gewählt haben. Ihnen scheint nichts an ihrem Land zu liegen; es müssen Kleptokraten sein, Günstlinge oder schlicht Idioten. Leid müssen einem die tun, die Bersani und Monti gewählt haben und sich nun dem Horror gegenübersehen, sich wieder mit einem verschwunden geglaubten, psychopathischen Monstrum auseinandersetzen zu müssen; vermutlich wieder über viele Jahre hinweg.

          

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