Sonntag, 14. April 2013

Günter Jauch: pomadig wie Haarwachs aus dem Afro Shop oder: Totalbankrott des politischen TV

Dass Günter Jauch nicht der allerhellste ist, ist ja kein großes Geheimnis. Er ist langsam, träge, phlegmatisch. Wenn er etwas nicht versteht (was sehr oft der Fall ist), schaut er verloren an die Decke des "Gasometers", zieht seine Lippen eng zusammen und legt die Stirn in Falten. Dann geht er zur nächsten Frage über. Seit 1 1/2 Jahren spielt sich diese Tragödie jetzt schon ab.

Typisch für die verheerende Inhaltslosigkeit seiner Talkrunde ist die heutige Sendung. Es geht um Personen, genauer um Merkel oder Steinbrück. Es geht wieder mal nicht um politische Inhalte. Es geht darum, wer die besseren Chancen hat, wer besser "ankommt" und wer die bessere Werbeagentur auf seiner Seite hat. Es ist so erbärmlich.

Dabei mangelt es ja nicht unbedingt an Themen. Gerade heute hat sich die "AfD" gegründet, die eine hochrelevante Problematik aufgreift und bei der Bundestagswahl realistische Chancen auf ein zweistelliges Ergebnis hat. Was ist die AfD? Wer steht dahinter? Was kritisieren die Mitglieder am Euro und der EU? All das wären natürlich interessante Fragen. Aber Günter Jauch interessiert sich nicht für Themen oder interessante Fragen. Sein geschlossenes Weltbild spiegelt sich in Fragen wie: "Was sind die Stärken von Angela Merkel, Herr Blome?"

Blome, natürlich. Auch er sitzt in der Runde. Mit widerwärtig geklebtem Seitenscheitel stolpert er von einem mißglückten Halbsatz zum anderen, reiht bastardisierte Floskeln an hochidiotische Allgemeinplätze. Schlimmer sind nur noch der vollkommen unerträgliche Wowereit und der fette Altmaier, die prototypisch für die bourgouise Dekadenz einer vom Rest der Republik völlig losgelösten Berliner Politikerelite stehen. 

Es ist jetzt 22.02 Uhr, und die letzten fünfzehn Minuten waren so träge und pomadig wie Haarwachs aus dem Afro-Shop. Quo vadis, ARD? Quo vadis, politisches TV?

Es ist ein großes Elend.     

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Fein,

dass sich unser hoch geschätzter Kollege Jauch,
wieder mal mutig auf den beschwerlichen Weg
in eine ihm noch immer nicht recht geheure, unbekannte und erschreckende Welt - die Dünnpfiff-Werkstatt der ARD, das Talk-Show-Gasometer, gemacht hat.

Hier sind die Anforderungen ans intuitive Kommunikationsverhalten gewaltig.
Nackensteife, monothematisch agierende, Zeigefinger wackelnde Moderatoren und Gäste sind zu Übungszwecken immer herzlich willkommen und erwünscht und rigides, besserwisserisches Verhalten wird ein ums andere Mal mit jauchnettdoofen Kommentaren belohnt.

Heraus aus dem angenehmen und sicheren Hafen von "Wer wird Millionär", dem gähnend langweiligen RTL-Reproduktivitätsuraltschinken, den sauertöpfischen Standardkommentaren, dem vertumbt-quietschlustigen Milieu der ewigen Quizgeisterfahrerei, der strunzdummprofessoralen Beschränktheit, dem geliebten Studiomuff und der göttlichen Schlaumeierei, und ab, mitten ins ach so böse ARD-Gasometer.
Wie jämmerlich muss ihm wohl jedes Mal zumute sein, wenn quicklebendige Gäste spätabends noch ein Jota journalistischer Eloquenz abfordern und er, so hat es den Anschein, mit aller Einfachheit und Arglosigkeit seines Gemüts, das zerschlissene Moderatorenfähnlein in den bebenden Händen, mit gen Himmel verdrehten Augen, sang- und klanglos untergeht ?

Wie zartfühlend und rücksichtsvoll haben wir erwartungsvollen Zuschauer immer wieder gute Miene zum bösen Spiel machen müssen, wenn die, als feurige Streitrösser angekündigten Investigativ-Talk-Shows, als abgehalfterte Klappermähren aus der Berliner Verbalabdeckerei ins Gasometer gestolpert kamen und im Laufe des Abends gar jämmerlich verendeten.
All dies hätte selbst bei stabileren Charakteren, als dem unseres verehrten Sprachmeisters, böse Spuren hinterlassen müssen und soll auch künftig, bei der Bewertung eventuell doch noch zu erwartender Talkshowsternstunden, strafmildernd berücksichtigt werden.

So wohlfeil findet sich weiterhin für unsere bewunderungswürdigen Eliten - seien es unsere geschätzten Freunde aus Wirtschaft und Politik, Enthüllungsjournalisten, Freunde von Freunden von Bekannten ehemaliger Staatsoberhäupter, liebe Menschen bekannt durch Funk, Film, Fernsehen und fröhliche Sangeskunst, vielleicht in Bälde eine sprechende Quoten-Essiggurke vom Münchner Viktualienmarkt - immer ein warmes und trockenes Plätzchen im Gasometer; hingekuschelt an die nährenden Brüste der öffentlich-rechtlichen Tante ARD und all das unter den schützenden Fittichen der großen und gütigen Kaltmamsell Germania mit dem frischen Himbeermund.