Dienstag, 23. April 2013

Vertane Chance: Die F.A.Z. lässt Alard von Kittlitz auf die "AfD" los und erntet spröden, blutleeren Langeweile-Journalismus voll biederer Klischees

Wenn Alard von Kittlitz sich als Gesicht einer neuen Generation von Journalisten durchsetzt, wird mir angst und bange. Der Redakteur in der politischen Redaktion der F.A.Z. ist, wie ich, Jahrgang 1982 und wird wohl noch lange sein Unwesen treiben. Was von Kittlitz seit einigen Tagen über die AfD schreibt ist jedenfalls fad, farblos und blutleer. In mehreren Artikeln hat sich der Jungspund mit der neuen Partei "auseinandergesetzt". Sein Ergebnis: die AfD sei überbewertet, werde auf höchstens 2% der Wählerstimmen kommen bei der Bundestagswahl, ist ein Sammelsurium seltsamer, reaktionärer Köpfe. Und das von einem Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen"!


Würde das Ines Pohl von der "taz" schreiben, könnte ich diese Art des Journalismus wenigstens politisch nachvollziehen. Kleinreden, lächerlich machen, bagatellisieren: vor allem die vor Desinteresse strotzende Lustlosigkeit der Artikel von Kittlitz' sind dieser ehrwürdigen Zeitung unwürdig. Es ist wünschenswert, dass jemand sachlich abwägt und zu einem eigenen Urteil kommt. Eine so oberflächliche Betrachtung eines höchst relevanten Phänomens in der deutschen Parteienlandschaft jedoch ist mehr als verblüffend. Die wegwerfende, überhebliche, glattgebügelte Meinung von von Kittlitz wirft die Frage auf, inwiefern er überhaupt Interesse an politischen Themen hat. Denn ungeachtet seines für eine konservative Zeitung fragwürdigen Urteils über diese Partei ist der lapidare, desinteressierte und kenntnisarme Stil dieses Redakteurs von ungekannter Jämmerlichkeit.

Wer hat von Kittlitz zu verantworten? Günther Bannas sicher nicht. Dafür sind seine Stücke zu profund. Ein so oberflächliches Leichtgewicht hätte der verantwortliche Redakteur für Politik doch sicher nicht eingestellt. Oder doch? Ist am Ende Berthold Kohler der Drathzieher dieses fatalen Fauxpas? Kohler aber ist doch als reaktionär einzustufen. Er kann nicht schreiben, kann aber ob seines rigiden Konservatismus dennoch als Seele der F.A.Z. bezeichnet werden, im Gegensatz zum wirren, paranoiden Schirrmacher, der ja selbst mit der Orthografie seine Probleme hat. Die F.A.Z. jedenfalls, man merkt das auch an den Leserkommentaren zu von Kittlitz' kümmerlichen "Artikeln", ist dabei, ihren Ruf als seriöses konservatives Blatt zu verspielen. Die Mischung aus glattgebügelter, alternativloser Mainstreammeinung, wie sie auf erschreckende Art von von Kittlitz repräsentiert wird, ist eigentlich eine typische Domäne der "Süddeutschen" und der beste Grund, diese von Dampfplauderer Prantl unterwanderte Schmierengazette nicht in die Hand zu nehmen. Sollte sich der Trend jedoch fortsetzen und von Kittlitz eine dominierende Rolle in der politischen Redaktion zugesprochen bekommen, muss man sich als kritisch denkender Leser umorientieren.

Eine andere Möglichkeit wäre die folgende: Alard von Kittlitz befasst sich ernsthaft und ohne Vorurteile mit der AfD und ihren Inhalten, lernt etwas über den Euro und die eklatanten Fehler der Blockparteien und erkennt, dass das Phänomen AfD eines ist, was viele Menschen bewegt und nicht mit der Attitüde elitärer Überlegenheit abgetan werden kann.

   

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