Freitag, 28. Juni 2013

Gedanken zur "Tagesschau"

Die Tagesschau verkommt ja in diesen Tagen zur Seifenoper mit hohem Unterhaltungswert. Der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Schlagabtausch zwischen Nachtreter Marc Bator ("Ich durfte keine Abschiedsworte an die Zuschauer richten") und Jan Hofer ("Bator lügt") sind ein herrliches, niveauloses Stück Schmierentheater, über das ich mich jeden Tag genüsslich amüsiere. Aber es gibt ja auch eine Debatte, die den Hintergrund für das lächerliche Duell der beiden bildet. Es geht um die Frage: Ist das Format "Tagesschau" veraltet oder nicht?

Ich meine: Nein. Der "Tagesschau" wird vorgeworfen, sie sei veraltet, unterkühlt, unzeitgemäß, steril und verwende eine antiquierte Sprache. Ein Sprachwissenschaftler will gar kraft Untersuchung herausgefunden haben, dass zu viele Worte innerhalb zu kurzer Zeit gesprochen werden und der Zuseher dadurch überfordert werde. Seltsam: Nun gibt es die "Tagesschau" schon seit vielen Jahrzehnten, und plötzlich soll der Zuschauer überfordert sein? Könnte es sein, dass dies am Zuschauer liegt, und nicht an der "Tagesschau" und deren Taktung?

Der Vorwurf, etwas sei "antiquiert" und "unzeitgemäß" ist meistens ein Kompliment. Immer, wenn man versucht, etwas dem Zeitgeist anzupassen, werde ich sehr skeptisch. Wie soll die "Tagesschau" denn bitte aussehen? Wie das "heute journal": Wo sich einer mit schiefem Kopf daran versucht, uns die Weltlage zu "erklären" (Kleber), oder eine mit ironisch verdrehten Augen einen Standpunkt einnimmt (Slomka)? Welche geisteskranken Blüten das Infotainment treiben kann, kann man jeden Morgen beim "Morgenmagazin" beobachten, wo die dressierten Affen mit eingebauter Gute-Laune-Batterie (Sirin, Heyde, Gesthuysen, Lorig u.a.) Nachrichten so aufgesetzt fröhlich vorkrähen, dass einem vor Ekel beinahe die Haferflocken wieder aus dem Mund fallen. Was interessiert mich die private Meinung eines TV-Journalisten vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Ich will informiert, nicht vom Nanny-Fernsehen mit mediokren Meinungen belästigt werden. 

Genau das selbe gilt für den Vorwurf, die "Tagesschau" sei steril und unterkühlt: Gut so! Genau das müssen Nachrichten sein. Nachrichten sind in erster Linie furztrockene Fakten, Daten, Zahlen. Nachrichten sind nicht emotional, zumindest sollten sie das nicht sein. Die "Tagesschau" repräsentiert eine kühle, sachliche Informationsvermittlung jenseits der verschwitzten Formate der Privatsender, die leider überhand nehmen, den Zuseher "abholen" und gleichzeitig eine heimelige Wohnzimmeratmosphäre erzeugen wollen.

Jetzt zu Bator: Was will er eigentlich? Er musste doch wissen, wie die "Tagesschau" ist. Schlussworte? Was bildet Bator sich ein? Niemanden interessieren die Schlussworte eines Nachrichtenvorlesers. Die Selbstüberschätzung des milchgesichtigen Bubikopfs ist an dieser Stelle maßlos. Dachte sich Bator wirklich, er würde die Tagesschau revolutionieren, erneuern, modernisieren? All jene Selbstdarsteller, die die "Tagesschau" nur als Karrieresprungbrett benutzen (Rakers z.B.) sind mir ohnehin suspekt. Willi Wieben oder Jo Brauner müssen die Hände überm Gesicht zusammenschlagen wenn sie sehen, wie ihre Nachfolger sich aufführen.









 

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Du sprichst mir aus der Seele!