Mittwoch, 26. Juni 2013

Supreme Court * Wladimir Putin * Das Elend der Demokratie

Ohne mich näher mit dem Urteil des amerikanischen Verfassungsgerichts zum Thema "Homo-Ehe" befasst zu haben oder befassen zu wollen: Ich kann nur sagen, dass jedes Urteil zu begrüßen ist, dass Homosexuelle rechtlich gleichstellt. Erstens ist es widerwärtig, niederträchtig und unverständlich, dass sie so lange darum kämpfen mussten, gesellschaftlich überhaupt anerkannt zu werden (der Prozess kann noch lange nicht als abgeschlossen bezeichnet werden). Zweitens ist die schiere Idiotie der Argumente der Kritiker haarsträubend. Vom "Schutz der Familie", der angeblich durch Schwulen-Ehe nicht mehr gewährleistet werden könne, über religiöse Begründungen hanebüchener Leere, bis hin zu ganz offener Ablehnung eines angeblichen homosexuellen "Lifestyles": Als heterosexueller Mann muss man sich teilweise für seine Artgenossen und ihre Pseudo-Argumente schämen. Ich habe noch kein einziges vernünftiges, rationales Argument gehört, dass gegen eine Ehe zwischen Homosexuellen sprechen würde.

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Wladimir Putin wird mir immer sympathischer. Während Barack Obama immer mehr offenbart, wie überfordert er als amerikanischer Präsident ist, bewahrt Putin die Weltgemeischaft mit seiner souveränen Haltung in der Syrienfrage vor einer Katastrophe. Hätte der ehemalige KGB-Spion klein bei gegeben und grünes Licht zur Bewaffnung der "Rebellen" und zum Sturz Assads gegeben, gäbe es in Syrien innerhalb weniger Monate eine Regierung obskurster Religionsfanatik, schlimmer als die der Muslimbrüder in Ägypten. Assads säkularer Staat war eigentlich immer ein recht sicherer Pol im Pulverfass Nahost, und dass sich die europäische und amerikanische Öffentlichkeit so schnell von ihm abgewendet hat, zeugt von einer völlig orientierungslosen, opportunistischen Unsicherheit und Kompasslosigkeit, die sich immer auf die Seite der ach so sympathischen "Rebellen" und der angeblichen "Demokraten" stellen will. Wie freiheitsliebend diese Terroristen wirklich sind, sollte auch dem blauäugigsten Naivling spätestens klar geworden sein, als das Video des Rebellen im Internet auftauchte, der in das Herz eines Assad-Soldaten biss. Putin jedenfalls hat den Respekt verdient: Er spielt gerne den Buhmann, um nicht - wie die Amerikaner - sehenden Auges in eine weitere Katastrophe der Levante zu rennen.

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Demokratie ist ein tradiertes Konzept. Es ist jetzt Juni, und Wahljahr. Das heißt, das elende Ritual leerer Wahlversprechen, dreister Behauptungen und kleinkarierter Zänkereien geht bald in ihre Hochphase. Die Zeit der Lügen ist angebrochen. Parteien müssen lügen, um gewählt zu werden. Inhaltlich unterscheiden sie sich nicht, sondern schwimmen in einer sozialdemokratischen Suppe voller Staatsschulden, Korruption und unkreativer Ideenlosigkeit. Mediokritäten à la Kampeter, Kauder oder - der allerschlimmste - Schäuble prägen das triste Bild einer Bundesrepublik, die nicht inspiriert, weil sie eine Diktatur der Massen, des Hoi Polloi ist, und deshalb nie die mühelose Eleganz und den Esprit eines hohenzollerischen Kaiserreichs ausstrahlen kann, das von 1870 bis 1914 Deutschland zu großem Glanz, wirtschaftlicher Blüte und kulturellen Höchstleistungen verhalf. Ein solcher Geist kann aber nur in einem Kaiserreich entstehen, oder wenigstens einem Königreich, aber ganz sicher nicht in der abstoßenden Mittelmäßigkeit einer Berliner Republik voller bourgeoiser, bohèmehafter, metropolitanischer Trendisten, die im Saft ihrer eigenen politischen Kaste braten und insgesamt völlig prinzipienlos sind.  

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Der letzte Abschnitt ist das Reaktionärste (im Positiven Sinn), was ich seit langem gelesen habe. Großes Kompliment, sehr fein formuliert!