Samstag, 25. Mai 2013

Reiziger und Rangnick im Sportstudio: What the hell?

Was ist nur aus dem "Sportstudio" geworden?

Früher mal Pflichttermin am späten Samstagabend und Kult. Mittlerweile ein Nischenprogramm mit steifen Moderatoren und roboterhaftem Studiopublikum.

Was zum Teufel hat sich das ZDF aber heute, am Abend des Champions-League-Finals dabei gedacht, Michael Reiziger und Ralf Rangnick ins Sportstudio einzuladen? Nichts gegen Reiziger persönlich, er scheint ein sympathischer Mann zu sein. Aber er kann kein deutsch, und an solch einem Abend einen Simultandolmetscher zu bemühen, macht nun mal wirklich jegliche Emotion kaputt. Und der Unterhaltungswert eines Ralf Rangnick ist ja bekanntermaßen auch relativ eingeschränkt. Der bemühte und überforderte Moderator Sven Voss tut sein Übriges: das Sportstudio heute Abend ist ein Desaster. 

Peinlicher Höhepunkt: Eine Live-Schalte zu Jogi Löw nach Miami, der Jupp Heynckes zum Titelgewinn gratulieren sollte. Ein unerträgliches, weil unmoderiertes Gestammel war die Folge. Eine peinliche, zweiminütige Gesprächsatrappe, die ins Nirgendwo führte. 

So kann man einem fantastischen Fußballabend jede Dynamik rauben. Gratulation, ZDF! Vom hitzig überladenen Wembley ins sterile Mainzer Studio: ein epochaler Griff ins Klo!

Montag, 20. Mai 2013

Verschwörung gegen "Cascada" oder Quittung für groteske Wuchtbrumme mit ADHS?

Alle fragen sich, warum "Cascada" beim ESC in Malmö "nur" 18 Punkte zugeschrieben bekam. Die wildesten Verschwörungstheorien machen die Runde, und auf bild.de wird spekuliert, in wie weit Angela Merkels Politik wohl etwas mit dem erbärmlichen Resultat zu tun hat. Werde Deutschland etwa für "Muttis" Politik bestraft? Wird hier ein Rachefeldzug geführt, dessen Schlachtfeld die virtuelle Punktevergabe beim größten europäischen Gesangswettbewerb darstellt?

Meine Antwort: könnte sein! Wäre ich Grieche, würde ich meine politischen Ressentiments vielleicht auch beim Telefon-Voting ausleben. Warum eigentlich nicht? Schließlich sind Merkel und Schäuble nun man dafür verantwortlich, dass alte und sozial schwache Griechen hungern, dass die Massenarbeitslosigkeit bei Jugendlichen keine Aussicht auf Linderung hat und dass Deutschland als eisiger Hegemon bar jeder sozialen Ader wahrgenommen wird. Dasselbe gilt für Spanien, Frankreich, Italien, Portugal. Nur eurokratische Ideologen oder deutschtümelnde Chauvinisten sind in diesem Jahr noch anderer Ansicht, sprich: Unverbesserliche.

Ich glaube trotzdem nicht, dass eine paneuropäische Verschwörung hinter "Cascadas" Abschneiden steckt. Natalie Horler wirkt wie eine unsympathische, prollige Wuchtbrumme. Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine "Stimmungskanone" und "Rampensau" wie Horler in Mallorca gut ankommt. Mittelgebildete, trinkfeste Ruhrpöttler, für die lautes "Paaaaaaaartyyyyy"-Rufen und Eimertrinken der Inbegriff der sinnvollen Abendgestaltung sind, finden "Cascada" sicher ganz toll. Ihr seltsam verzerrtes Gesicht, ihre mannsweibhaftes, energisches Auf- und Abspringen, ihr insgesamt völlig überzogenes und hohles Gebaren ist nun mal ein typisch germanisches, man könnte auch sagen: barbarisches, und nur hier findet es seine Fans. Auf einer baurigen Festzeltveranstaltung auf der Schwäbischen Alb, einer Riesenhalle im Ruhrgetto zwischen Essen und Bottrop oder einem Festival in der brandenburgischen Einöde gibt es sicherlich nicht wenige "Camp David" tragende Hartz IV-Anwärter, die in "Cascada" eine gelungene Mischung aus schlechtem Grölgesang und Pamela Anderson für Arme sehen. Aber eben auch nur da.

Mich wundert aus diesem Grund eher, warum die blonde Hüpfdole überhaupt 18 Mitleidspunkte auf sich vereinigen konnte. Wie kann man erwarten, dass beim gleichen Wettbewerb, den vor drei Jahren eine unbekümmerte, schlicht gekleidete Schülerin namens Lena gewann, drei Jahre später das genaue Gegenteil einen Erfolg verbuchen könnte: ein kühl berechneter "Act" namens "Cascada", unsympathisch, laut und schwer, sehr deutsch, mit einem Song, der so viel Charakter und Originalität hat wie Käseaufschnitt von "ja"?     

Lucke gegen Snower oder: Luzide Logik gegen Marionette eurokratischer Ideologie

Wie eine eigentlich gut gemeinte Idee sehr schlecht umgesetzt werden kann, ist derzeit bei faz.net zu beobachten, wo ein Gespräch zwischen AfD-Gründer Bernd Lucke und Dennis Snower, Präsident des Weltwirtschaftsinstitutes in Kiel, als Audio-Stream sowie - in gekürzter Version - zum Nachlesen abrufbar sind. Es geht natürlich um die Zukunft des Euro. Ich habe mir die Zeit und Geduld genommen, mir die deutlich ausführlichere Audio-Version zu Gemüte zu führen, die insgesamt zwei Stunden lang ist. Eine Stunde davon hörte ich mir an, danach konnte ich nicht mehr. Grund für mein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Gespräch war die pomadige, zähe, eigentlich nur Staatsbeamten eigene Beharrlichkeit Snowers, mit der er seine nichtigen Argumente in die Länge, Breite und Tiefe zog; irgendwie schaffte er es, aus kleinen Punkten und deutlichen Fragen einen unschön anzusehenden, diffusen Brei anzurühren, bei dem man nach fünf Minuten bereits die eingangs gestellte Frage wieder vergessen hatte.

Lucke war erfrischend wie immer: in klaren, präzisen, druckreifen Sätzen sezierte er das amalgamverseuchte Potpourri Snowers und breitete seine eigenen, schlüssigen Thesen und Lösungsansätze aus; dabei immer klar stellend, dass die AfD keineswegs unbedingt die D-Mark wieder einzuführen gedenkt, sondern dies nur als letzte Möglichkeit ansieht. Luckes luzide Ausführungen konnten den durch Snower mit einer dicken Staubschicht bedeckten Schlagabtausch leider aber nicht vollends befreien. Grund für den Leerlauf im Gespräch war sicherlich auch die viel zu passive Gesprächsmoderation der Herren Hank und von Petersdorff seitens der F.A.Z. Hank war bemüht, besonders intelligent klingende Fragen zu stellen, wohl in der Absicht, sich vor Wirtschaftsprofessor Lucke zu profilieren, oder anders: sich vor ihm keine Blöße zu geben. Von Petersdorff stellte hin und wieder wenigstens ein paar Fragen, die der Klärung von Begrifflichkeiten dienen sollten. Trotzdem versäumten es die beiden, dem Gespräch Geschwindigkeit zu verleihen. Vor allem die tranige Behäbigkeit Snowers hätte man dringend unterbinden müssen.

Unterm Strich kann man festhalten, dass sich Dennis Snower als Marionette der eurokratischen Elite offenbarte, der die gescheiterte Europolitik - hie und da leicht abgeändert - gerne weiter treiben will. Er findet den Euro gut, das stellte er gleich zu Beginn klar, als er behauptete, er würde den Euro wieder einführen. Das Ausbluten der europäischen Peripherie ignoriert er mit dieser Einstellung genau so imposant wie das dramatische Anwachsen der Deutschenfeindlichkeit in Europa, die Gefahr einer Transferunion (die de facto bereits besteht), das Problem der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Länder der Peripherie bzw. aller Länder außer Deutschland sowie eine Vielzahl an Problemen, die zusätzlich mit dem Euro verbunden sind. 

Aber an diesem Gespräch wird klar, wie stark der Zeitgeist ist und die Lügen, die mit ihm verbunden sind. Eine dieser Lügen, die die Eliten der EUdSSR über die Jahre hinweg ganz bewusst und überaus erfolgreich verbreitet haben, ist die Synthese von Europa und Euro. Es ist eine erschreckende Tatsache, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung den Euro mit der Existenz Europas gleichsetzt. Das ist aber natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Viele kleine, subtile Lügen ideologischer Propaganda sind bereits ins allgemeine Denken übergegangen und prägen die Grundüberzeugungen der Deutschen und der Europäer. Für Euro-Skeptiker sind die Zeiten also eigentlich so schlecht wie noch nie. Lucke und die AfD allerdings sind Leuchttürme, die ein Fünkchen Hoffnung verbreiten: man muss hoffen, dass ihre Botschaft so viele Wähler wie möglich erreicht.

Freitag, 10. Mai 2013

Muttis Truppenbesuch in Afghanistan: Was soll der Blödsinn?

Den sauertöpfischen Gesichtsausdruck können sich "Mutti" Merkel und Thomas de Maizère meinetwegen gern sparen. Ihr heutiger Besuch in Afghanistan taugt für ein paar nette, symbolische Fotos und soll signalisieren, dass die Soldaten nicht vergessen werden. 

Wenn das mal nicht gelogen ist. Wie oft denkt "Mutti" wohl an die Bundeswehr? Einmal, zweimal, dreimal im Jahr? Der Afghanistankrieg ist der erbärmlichste Einsatz, den man sich vorstellen kann. 53 Soldaten sind bislang gefallen. Wofür? Für Infrastrukturmaßnahmen, die - wie jeder wissen muss - ein paar Monate nach Abzug der ISAF-Truppen wieder rückgängig gemacht werden, oder für Mädchenschulen, die in spätestens einem Jahr nach Abzug wieder umfunktioniert werden? 

Es ist eigentlich unbegreiflich, dass die Linke die einzige Partei ist, die diesen völlig hirnverbrannten, von den USA initiierten "Einsatz" als das benennt, was er ist: eine tödliche Farce.

 

Montag, 6. Mai 2013

Olli Dittrichs "Frühstücksfernsehen"

Heute um 23.40 Uhr läuft im Ersten Olli Dittrichs Persiflage auf das Elend der Morgenmagazine und die Blüten, die diese treiben. Leider muss ich sie morgen in der Mediathek ansehen, denn in der ARD zeigt man originelle Formate ja nie vor 11.

Ich bin schon gespannt darauf, was Dittrich daraus macht. Es sickerte ja bereits durch, dass er sich in seiner Rolle als Moderator Sören Lorenz nennt, was unschwer eine Persiflage auf Sven Lorig ist. Besonders freue ich mich auf die Darstellung der sinnbefreiten Außenreporter, die auch eine Rolle in der Sendung einnehmen soll. Und inbrünstig hoffe ich auch, dass Anja Heyde thematisiert wird, die das Grauen dieses Formats wie kaum eine andere Person verkörpert und mit ihrer selbstverliebten Koketterie jeden Morgen tausende Zuschauer auf die Palme bringt.

Unabhängig von der Qualität der Sendung jedenfalls ist es löblich, dass sich jemand überhaupt einmal des skurrilen Phänomens "Morgenmagazin" bzw. "Frühstücksfernsehen" annimmt und satirisch verarbeitet.

 

Precht und die Schule: Vielleicht liegt er ja richtig!

Da der Fernsehphilosoph Richard David Precht ja derzeit mit seiner idée fixe durch die Talkshows tingelt, man solle in der Schule die Noten abschaffen, Lehrer sollten in Teams unterrichten und alles sollte sozialer werden, will auch ich jetzt meinen völlig unqualifizierten Meinungshut in den Ring werfen.

Ich gebe Precht recht. Noten sind idiotisch. Meistens treffen sie nämlich gar nicht zu. Das liegt daran, dass sie von inkompetenten, faulen Lehrern vergeben werden, die ihr Hausfrauenstudium aus Mangel an anderweitigen Talenten auf Lehramt absolvierten und keine Antennen für Talent haben, sei es musisches, naturwissenschaftliches, soziales oder sportliches Talent. In ihrem muffigen, drögen Tageseinerlei spulen sie ihre erbärmliche Leier herab und brauen ein seltsames Notengemisch zusammen, was keiner versteht, sie selbst inbegriffen.

Die Schulbildung sollte mit der Grundschule aufhören bzw. freiwillig sein. Die Jahre nach der Grundschule, also ab dem 10.Lebensjahr, werden nämlich momentan vor allem auf zwei Arten verbracht. Die erste Gruppe hat keine Lust mehr, raucht und trinkt. Sie lernt nichts mehr, weil sie nicht will oder weil sie nicht kann. Die zweite Gruppe ist lernwillig und dem Leben und seinen Rätseln gegenüber aufgeschlossen. Die Kreativität und der lernwillige Impetus dieser Gruppe jedoch wird durch das fantasielose, dröge Korsett des Stundeplans aufgerieben und zersetzt. Die kreative Energie wird aus den Schülern gesaugt, es wird ihnen statt eines wohlschmeckenden, frei gewählten Menüs der Haute Cuisine eine mit Lebertran versetzte Kartoffelsuppe vorgesetzt. Die Köche dieser übel schmeckenden Suppe sind die vorher erwähnten, talentlosen und desillusionierten Lehrkörper, die mit allem überfordert sind, in ihrem eigenen Saft braten und weder Visionen noch Elan besitzen. Sie taumeln dem Burnout entgegen und haben weder die Kraft noch den Willen, Schüler zu fördern und Begabungen zu entdecken.

Die "Schule" genannte, ganztägige Legehennenbatterie, die wir aus Frankreich kennen, kann aber auch nicht das Ziel sein. Diese völlig durchstrukturierten Strafanstalten oder die boarding schools in Großbritannien sind der faule Humus, der verkorkste Persönlichkeiten hervorbringt, deren einzige Motivation aus Angst besteht. Was in Deutschland benötigt wird, ist mehr Walldorf, mehr Montessori, weniger Bewertung und weniger Angst vor Fehlern. Hier hat Precht völlig recht. Wenn wir in Deutschland wieder ein Land der Dichter und Denker werden wollen, brauchen wir Kreativität, Querschläger, Ermunterung von alternativen Lebens- und Bildungswegen. Die Gleichmacherei aus anderen europäischen Ländern oder die maschinell verarbeitete Schulindustrie können keine Vorbilder sein. Denn man sieht ja, welche Ideenwelten solche Beispiele hervorbringen. Sie sind leer, ohne eigene Vorstellung, dressierte Affen, die geführt werden müssen, weil sie keinen inneren Kompass und keinen eigenen Willen haben.

In Deutschland brauchen wir vor allem fähige Lehrer. Ich würde lieber einen talentierten Jongleur als Lehrer einstellen als einen weiteren Kordjacken tragenden, angestaubten Erdkundelehrer, der mit Fahrradhelm auf dem Kopf zur Schule fährt und sein Butterbrot in Tupperware mitbringt. Diese dröge Sorte des Beamten verkörpert das ganze Elend, das zur verstockten Verklemmung des gesamten deutschen Schulwesens geführt hat.

Keine Noten, vier Jahre Schule, finito! Danach Autodidaktik. Das wäre meine Idee.

Sonntag, 5. Mai 2013

Der dümmste Krieg bundesdeutscher Geschichte fordert ein weiteres Opfer

Struck, Jung, zu Guttenberg, de Maizière - unter der Ägide dieser 4 Parteisoldaten sind seit 2002 in einem völlig hirnrissigen Kriegseinsatz 52 deutsche Soldaten gestorben. Gestern kam einer hinzu. Von Aufständischen wurde er im Norden des Landes erschossen.

Jedes Mal, wenn ich solche Meldungen lese, werden mir zwei Dinge klar. Erstens: ja, richtig. Die Bundesrepublik Deutschland ist an einem Krieg in Afghanistan beteiligt, einem tausende Kilometer entfernten Bergland in Asien. Warum berichtet die Öffentlichkeit nur so wenig und so selten davon und wenn, dann nur im Zusammenhang mit Opfern, die die Bundeswehr zu beklagen hat ? Könnte es, und damit komme ich zu Punkt 2, damit zusammenhängen, dass es sich um den absurdesten, idiotischsten und sinnlosesten Militäreinsatz eines deutschen Staates seit 1939 handelt?

Dass die Scham bei der Regierung über diesen Krieg, dessen verkorkster Verlauf der Peinlichkeit des Kriegseintritts in nichts nachsteht, sehr ausgeprägt ist, kann nicht bezweifelt werden. Jeder weiß, dass es ein monumentaler Fehler war, in Afghanistan mitzumischen. Man versteckt sich dann allzu leicht hinter liederlichen Phrasen und Floskeln: man sei der NATO verpflichtet, der ISAF, den amerikanischen Verbündeten und so weiter. Mit diesen Kürzeln hat man schöne Ausreden immer parat. Genau wie mit der EU. Bündnispflicht, Verträge, Verpflichtungen unseren "Freunden" gegenüber. Am Arsch! Ist die Bundesrepublik ein souveräner Staat oder nicht?

Schröder wurde ja 2002/03 zu recht dafür gelobt, nicht wie der Pudel Blair dem Analphabeten Bush in das verheerende Missverständnis namens Irak gefolgt zu sein. Afghanistan aber, der viel langwierigere und mindestens genau so idiotische Fauxpas, der ist ihm anzukreiden. Und "Mutti" Merkel muss sich den stinkenden Schuh anziehen, keinen Schlussstrich gezogen zu haben unter diesen Irrtum, der bislang 53 sinnlose Opfer allein auf deutscher Seite gefordert hat. Ganz zu schweigen von den tausenden Opfern in der afghanischen Zivilbevölkerung, die heute alle noch am Leben wären, wenn die amerikanische Regierung intelligenter und die diversen Bundesregierungen selbstbewusster gewesen wären.

Was sagt eigentlich die AfD zum Krieg in Afghanistan? Sollte sie keine klare Position beziehen, wird sie einige Wähler verlieren und womöglich sogar in die Hände der Linkspartei treiben, die sich als einzige Fraktion im Bundestag wiederholt und energisch gegen diesen idiotischen Krieg ausgesprochen hat.

Freitag, 3. Mai 2013

Margot Käßmann nervt

"Ich wünsche mir, dass Christinnen und Christen [...] Nervensägen sind. Wenn es um Recht geht, um Menschenwürde, um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung."

An Vernunft und Rationalität kann man schon noch glauben. Die Tatsache allerdings, dass die Esoterikerin Margot Käßmann tausende Menschen in epileptische Jubelorgasmen versetzt - auch wenn es nur auf einem Kirchentag ist - kann nur beunruhigen. Anekdoten aus den Evangelien missbraucht sie schäbig als Schablonen und Folien, auf denen sie doch recht unverblümt ihre liederlichen, vollkommen unausgereiften und auf einem erschreckenden Mangel an Fachwissen basierenden Meinungen zu Politik und Gesellschaft herauskräht. Gipfel der hippokritischen Vergackeierei alles Denkenden ist aber ihre selbstbeschleimende Impertinenz, mit der sie sich kokett eine nötige "Nervensäge" nennt.

Eine Nervensäge ist die Ampelmissachterin Käßmann natürlich durchaus. Allerdings nicht in der semantischen Verquastheit ihres schmierig verblähten Duktus, sondern im ganz originären, eigentlichen Wortsinn. Käßmann nervt, und das nicht zu knapp. Im Esoterik-Orchester der Ignoranten um Markus Lanz, unserem Tanzbären-Präsidenten zum Anfassen, Gauck, und des fahrenden Vorzeigeopfers Samuel Koch spielt Käßmann erste Geige. Ihr Geldbeutel dürfte angeschwollen sein, genau wie ihre Brust. Beide nähren sich aus erbärmlichem Halbwissen, quacksalberischem Scharlatanismus und einer halbseidenen Chuzpe, die gewöhnlich nur Organisatoren von Kaffeefahrten zu eigen ist. Es steht zu hoffen, dass die kurzhaarige Jeanne d'Arc für Arme die Öffentlichkeit nicht viel länger mit dem fauligen Atem ihrer muffigen Softness und ihrer unerträglich verständnisvollen Rhabarberei vollhaucht. 

Mittwoch, 1. Mai 2013

Herr Hoeneß wälzt sich / Der erbärmliche Sinkflug des "Zeit"-Niveaus

"Ich schlafe sehr schlecht, ich schwitze sehr viel in der Nacht, was ich eigentlich gar nicht kenne. Ich wälze mich und wälze mich. Und dann wälze ich mich nochmal."

Armer Ulrich Hoeneß. Da hinterzieht man jahrelang Steuern, redet vom hohen Roß herab und verhält sich hintenrum asozial, zockt mit Millionen vor lauter Überdruß: und dann geht es einem schlecht! 

Ist es nicht interessant, dass es dem rotbackigen Bayern jetzt schlecht geht, nachdem alles öffentlich geworden ist? Nicht also die Tat bereitet ihm Bauchschmerzen. Sondern die Tatsache, dass man ihn dabei erwischt hat. Was sagt das über den hemdsärmeligen Freund schäbiger Politatrappen (Seehofer) aus?

Das Zitat übrigens ist aus der "Zeit", die eines in ferner Vergangenheit liegenden Tages einmal eine seriöse Wochenzeitung war, die sich mit Politik, Gesellschaft und Kultur befasste. Das ist lange her. Heute gibt es von Guttenberg- und Hoeneß-Interviews, Haustiere mit Tablet-PCs im Mund und selbstgerechtes Braten im eigenen Saft. Aber Hauptsache, man lichtet ab und zu Helmut Schmidt mit Zigarette im Mund ab und verleiht sich so das schale Image des schweren, gesetzten Traditionsblattes.