Sonntag, 30. Juni 2013

Die grenzenlose Spionage des netten Herrn Obama



Freitag, 28. Juni 2013

Gedanken zur "Tagesschau"

Die Tagesschau verkommt ja in diesen Tagen zur Seifenoper mit hohem Unterhaltungswert. Der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Schlagabtausch zwischen Nachtreter Marc Bator ("Ich durfte keine Abschiedsworte an die Zuschauer richten") und Jan Hofer ("Bator lügt") sind ein herrliches, niveauloses Stück Schmierentheater, über das ich mich jeden Tag genüsslich amüsiere. Aber es gibt ja auch eine Debatte, die den Hintergrund für das lächerliche Duell der beiden bildet. Es geht um die Frage: Ist das Format "Tagesschau" veraltet oder nicht?

Ich meine: Nein. Der "Tagesschau" wird vorgeworfen, sie sei veraltet, unterkühlt, unzeitgemäß, steril und verwende eine antiquierte Sprache. Ein Sprachwissenschaftler will gar kraft Untersuchung herausgefunden haben, dass zu viele Worte innerhalb zu kurzer Zeit gesprochen werden und der Zuseher dadurch überfordert werde. Seltsam: Nun gibt es die "Tagesschau" schon seit vielen Jahrzehnten, und plötzlich soll der Zuschauer überfordert sein? Könnte es sein, dass dies am Zuschauer liegt, und nicht an der "Tagesschau" und deren Taktung?

Der Vorwurf, etwas sei "antiquiert" und "unzeitgemäß" ist meistens ein Kompliment. Immer, wenn man versucht, etwas dem Zeitgeist anzupassen, werde ich sehr skeptisch. Wie soll die "Tagesschau" denn bitte aussehen? Wie das "heute journal": Wo sich einer mit schiefem Kopf daran versucht, uns die Weltlage zu "erklären" (Kleber), oder eine mit ironisch verdrehten Augen einen Standpunkt einnimmt (Slomka)? Welche geisteskranken Blüten das Infotainment treiben kann, kann man jeden Morgen beim "Morgenmagazin" beobachten, wo die dressierten Affen mit eingebauter Gute-Laune-Batterie (Sirin, Heyde, Gesthuysen, Lorig u.a.) Nachrichten so aufgesetzt fröhlich vorkrähen, dass einem vor Ekel beinahe die Haferflocken wieder aus dem Mund fallen. Was interessiert mich die private Meinung eines TV-Journalisten vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Ich will informiert, nicht vom Nanny-Fernsehen mit mediokren Meinungen belästigt werden. 

Genau das selbe gilt für den Vorwurf, die "Tagesschau" sei steril und unterkühlt: Gut so! Genau das müssen Nachrichten sein. Nachrichten sind in erster Linie furztrockene Fakten, Daten, Zahlen. Nachrichten sind nicht emotional, zumindest sollten sie das nicht sein. Die "Tagesschau" repräsentiert eine kühle, sachliche Informationsvermittlung jenseits der verschwitzten Formate der Privatsender, die leider überhand nehmen, den Zuseher "abholen" und gleichzeitig eine heimelige Wohnzimmeratmosphäre erzeugen wollen.

Jetzt zu Bator: Was will er eigentlich? Er musste doch wissen, wie die "Tagesschau" ist. Schlussworte? Was bildet Bator sich ein? Niemanden interessieren die Schlussworte eines Nachrichtenvorlesers. Die Selbstüberschätzung des milchgesichtigen Bubikopfs ist an dieser Stelle maßlos. Dachte sich Bator wirklich, er würde die Tagesschau revolutionieren, erneuern, modernisieren? All jene Selbstdarsteller, die die "Tagesschau" nur als Karrieresprungbrett benutzen (Rakers z.B.) sind mir ohnehin suspekt. Willi Wieben oder Jo Brauner müssen die Hände überm Gesicht zusammenschlagen wenn sie sehen, wie ihre Nachfolger sich aufführen.









 

Mittwoch, 26. Juni 2013

Supreme Court * Wladimir Putin * Das Elend der Demokratie

Ohne mich näher mit dem Urteil des amerikanischen Verfassungsgerichts zum Thema "Homo-Ehe" befasst zu haben oder befassen zu wollen: Ich kann nur sagen, dass jedes Urteil zu begrüßen ist, dass Homosexuelle rechtlich gleichstellt. Erstens ist es widerwärtig, niederträchtig und unverständlich, dass sie so lange darum kämpfen mussten, gesellschaftlich überhaupt anerkannt zu werden (der Prozess kann noch lange nicht als abgeschlossen bezeichnet werden). Zweitens ist die schiere Idiotie der Argumente der Kritiker haarsträubend. Vom "Schutz der Familie", der angeblich durch Schwulen-Ehe nicht mehr gewährleistet werden könne, über religiöse Begründungen hanebüchener Leere, bis hin zu ganz offener Ablehnung eines angeblichen homosexuellen "Lifestyles": Als heterosexueller Mann muss man sich teilweise für seine Artgenossen und ihre Pseudo-Argumente schämen. Ich habe noch kein einziges vernünftiges, rationales Argument gehört, dass gegen eine Ehe zwischen Homosexuellen sprechen würde.

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Wladimir Putin wird mir immer sympathischer. Während Barack Obama immer mehr offenbart, wie überfordert er als amerikanischer Präsident ist, bewahrt Putin die Weltgemeischaft mit seiner souveränen Haltung in der Syrienfrage vor einer Katastrophe. Hätte der ehemalige KGB-Spion klein bei gegeben und grünes Licht zur Bewaffnung der "Rebellen" und zum Sturz Assads gegeben, gäbe es in Syrien innerhalb weniger Monate eine Regierung obskurster Religionsfanatik, schlimmer als die der Muslimbrüder in Ägypten. Assads säkularer Staat war eigentlich immer ein recht sicherer Pol im Pulverfass Nahost, und dass sich die europäische und amerikanische Öffentlichkeit so schnell von ihm abgewendet hat, zeugt von einer völlig orientierungslosen, opportunistischen Unsicherheit und Kompasslosigkeit, die sich immer auf die Seite der ach so sympathischen "Rebellen" und der angeblichen "Demokraten" stellen will. Wie freiheitsliebend diese Terroristen wirklich sind, sollte auch dem blauäugigsten Naivling spätestens klar geworden sein, als das Video des Rebellen im Internet auftauchte, der in das Herz eines Assad-Soldaten biss. Putin jedenfalls hat den Respekt verdient: Er spielt gerne den Buhmann, um nicht - wie die Amerikaner - sehenden Auges in eine weitere Katastrophe der Levante zu rennen.

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Demokratie ist ein tradiertes Konzept. Es ist jetzt Juni, und Wahljahr. Das heißt, das elende Ritual leerer Wahlversprechen, dreister Behauptungen und kleinkarierter Zänkereien geht bald in ihre Hochphase. Die Zeit der Lügen ist angebrochen. Parteien müssen lügen, um gewählt zu werden. Inhaltlich unterscheiden sie sich nicht, sondern schwimmen in einer sozialdemokratischen Suppe voller Staatsschulden, Korruption und unkreativer Ideenlosigkeit. Mediokritäten à la Kampeter, Kauder oder - der allerschlimmste - Schäuble prägen das triste Bild einer Bundesrepublik, die nicht inspiriert, weil sie eine Diktatur der Massen, des Hoi Polloi ist, und deshalb nie die mühelose Eleganz und den Esprit eines hohenzollerischen Kaiserreichs ausstrahlen kann, das von 1870 bis 1914 Deutschland zu großem Glanz, wirtschaftlicher Blüte und kulturellen Höchstleistungen verhalf. Ein solcher Geist kann aber nur in einem Kaiserreich entstehen, oder wenigstens einem Königreich, aber ganz sicher nicht in der abstoßenden Mittelmäßigkeit einer Berliner Republik voller bourgeoiser, bohèmehafter, metropolitanischer Trendisten, die im Saft ihrer eigenen politischen Kaste braten und insgesamt völlig prinzipienlos sind.  

Mittwoch, 12. Juni 2013

Präsenile Betzflucht. Mehr bleibt einem nicht mehr nach dem Shitstorm bei Robert Betz

[Der folgende Artikel ist ein anonymer Gastbeitrag]

Zensur auf Communityseiten wie facebook ist ein Thema, das juristisch alsbald diskutiert werden muss. Ja, ich sage MUSS. Denn über das Instrumentarium, das solche Seiten ursprünglich für kommerzielle 'fanpages' bieten, tuen sich inzwischen völlig neue Möglichkeiten für Ideologen jeder Couleur auf, um spirituell-radikal indoktrinierte Meinungen an den Mann zu bringen, zu leiten, mit Kalkül zu filtern und nach Belieben neu zu positionieren.
So geschehen bei Robert Betz, einem in der Esoterikszene inzwischen bekannten Gesicht. Innerhalb einer Woche brauten sich die Wolken über dem Haupt des armen Mannes schnell zum bedrohlichen Shitstorm zusammen. Was war geschehen? In einem folgenreichen Posting des esoterischen Psychologen, in welchem er den Anschauungen seines „Mediums“ Andrea Schirnack Öffentlichkeit gibt, werden die Opfer der Flutkatastrophe 2013 in einer karmischen Kausalitätsfolge selber für die Geschehnisse verantwortlich macht. Dies, und die immer wiederkehrende Diskussion bei Betz, ob Vergewaltigungsopfer nicht etwa selber schuld an ihrem Unglück seien, löste einen ersten Sturm des Protestes auf der Betz-facebook-Fanseite aus. Ich selber wurde dort aufgrund eines kritischen Kommentars gesperrt. In wenigen Zeilen hatte ich angemahnt, dass es sich bei der Verbreitung von solcherlei Ideen um die Kolportation von unmoralischen und vor allem unsozialem Verhalten handle. Meine Anfrage per E-Mail an die Robet-Betz-Redaktion, warum man solch radikalem Gedankengut Schützenhilfe leiste, bleibt bis dato unbeantwortet.
Aufgrund dieser Tatsache wurde ich hellwach und begann, das Vorgehen genauer zu beobachten. Bis heute bin ich nicht sicher, was der Motor von Robert Betz ist. Dennoch stelle ich glasklar fest, dass der Mann mit Kalkül, mit der strategischen Hilfe eines ca. 30köpfigen Redaktionsteams und einer Menge (!) Geld stramme Zensur betreibt. Es ist aus dem Ruinenwerk der bestehen bleibenden Kommentare klar herauslesbar, dass anders denkenden Kommentatoren mittendrin schwuppdiwupp einfach der Hahn abgedreht wird.
In Folge der aufgestachelten Emotionslage rund um's Hochwasser bekamen auch mehrere meiner facebook-Freunde Notiz von den Äußerungen bei Betz und mischten sich ein. Sie begannen, ebenfalls bei Betz zu kommentieren. Das Ergebnis nach einer knappen Woche: Ich kenne inzwischen ca. 20 facebook-User, die gesperrt wurden. Allesamt helle Köpfe, die sich einer gediegenen Sprache und zusammenhängender Logik interdisziplinär zu bedienen wissen. Parallel wurde ich per persönlicher Nachricht von etlichen Leuten angeschrieben, die mich warnten und darauf hin wiesen, dass es merkwürdig um Betz' Therapeuteneigenschaften stünde und dass da etwa nicht ganz koscher sei.
Das Letzte bleibt dahin gestellt. Wir formierten uns jedenfalls zur Gruppe und erhöhten die Gangart: Dafür bekamen wir bei etlichen Bloggern (wie auch hier, danke!!), die die Tragweite des Geschehens zu ermessen imstande waren, die Möglichkeit, Artikel über die Geschehnisse bei Robert Betz zu verfassen. Die Verweislinks kopierten diejenigen von uns, die noch nicht in den Kommentarfunktionen gesperrt waren, auf der facebook-Seite direkt unter die Postings von Betz. Unser Erfolg zur Zeit: Robert Betz sah sich am 12. Juni mitten am Tag gezwungen, eine Stellungnahme zur Zensur auf seiner Seite abzugeben. Noch nie da gewesen! Das wahrlich Perfide an der Sache: Als Marketingprofi weiß Robert Betz, wie er seinen Aktionen ein hübsches Kleidchen anziehen und Fans auf seine Seite ziehen kann. Indem er also mit schmollender Tonart einen beleidigenden Kommentar als Beispiel für seine Zensurkritierien anführte, flogen ihm die Herzen in vorher ungekanntem Ausmaß zu.
Der Mann weiß, was er tut. Sein manipulatives Kalkül ist aufgegangen. Erst mal. Inzwischen schlüpfen aber schon Gesperrte durch die Zensur: Sie werden von anderen facebook-Nutzern huckepack genommen, die noch kommentieren können und die deren Stellungnahmen posten. Oder sie gebären sich selber mit einem frischen facebook-Account wieder. Lustig? Hm... Ich stelle mir nach wie vor die Frage, was die Intention von Robert Betz ist und bekomme spontan demokratische Blinddarmdurchbrüche, wenn jemand humanistisch motivierte Kritik systematisch löscht und im Gegenzug dafür Multiplikatoren von äußerst bedenklichem Format ein Forum bietet. Für heute werde ich jedoch erst mal die präsenile Betzflucht antreten und mir ein wenig Ruhe vor diesen geistig und menschlich verrohten Menschen verordnen. In der Hoffnung, dass das gestern Geschehene in manchen Köpfen nachreift.

Dienstag, 11. Juni 2013

Robert Betz revisited

Robert Betz: Der bebauchte Troisdorfer, eine hemdsärmelige, halbseidene Mixtur aus kühl kalkulierendem Betriebswirt und Möchtegern-Guru einer kritische Stimmen rigide zensierenden, sektenartigen Gemeinschaft, die sich Herzen zusendet, von Liebe faselt und Flutopfer diffamiert; zu dieser Unperson, diesem befremdlichen Bestseller-Schamanen mit zweifelhaften Motiven, der sich seine Luftschlösser in Seminaren teuer bezahlen lässt, haben sich hier im Blog in den vergangenen Tagen einige kritische Stimmen geäußert. Alle Artikel im Überblick:

"Willst Du normal sein oder gehirngewaschen"? (Gastbeitrag)

"Irgendwie trotzdem - danke, Robert Betz!" (Gastbeitrag)

"Vom Bebbe und den Herzerln. Zu Robert Betz und seinem Umgang mit Hochwasseropfern" (Gastbeitrag)

"Wie Robert Betz und Andrea Schirnack Flutopfer verhöhnen" (T.Baur)

"Robert Betz auf der SPIEGEL-Bestsellerliste: Ein Armutszeugnis" (T.Baur)

"Live aus dem Esoterik-Ghetto: Robert Betz' 'Wahre Liebe lässt frei'" (T.Baur)







„Willst Du normal oder gehirngewaschen sein?“ Propaganda und Zensur bei Robert Betz & Co.

[Der folgende Artikel ist ein anonymer Gastbeitrag]

Derzeit ist ein Mann namens Robert Betz im Internet omnipräsent. Er ist in diversen Frauenzeitschriften und auf der Spiegel-Bestsellerliste zu finden und siedelt dort auf Platz zwei zwischen den Werken „Schantall, tu ma die Oma winken“ und „Isch geh Schulhof“. Da wirkt der Titel seines Buches „Willst du normal oder glücklich sein?“ eigentlich geradezu erhellend.

Im Netz ist viel über den „Lebensberater“ Robert Betz und sein Wirken zu lesen - und zwar immer mehr Negatives. Nicht nur in den Rezensionen seiner Bücher bei Amazon (http://www.amazon.de/product-reviews/3453701690/ref=cm_cr_pr_top_link_1?ie=UTF8&filterBy=addOneStar&showViewpoints=0; http://www.meinebuecher.net/2011/02/robert-betz/),
sondern auch in Foren (z.B. http://www.atheisten.org/forum/viewtopic.php?f=22&t=8847), auf seiner Facebookfanpage, in Gruppen und Blogs finden sich zunehmend kritische Stimmen, einige auch in diesem Blog (z.B. „Vom Beppe und den Herzerln“ etc.). Die Kritik bezieht sich neuerdings vor allem auf einen der letzten Einträge auf der Betz’schen Facebookseite zum Thema Hochwasser 2013, bei dem eine gewisse Andrea Schirnack mit ihren von Betz veröffentlichten „Worten aus der geistigen Welt“ eine Flutwelle der Entrüstung ausgelöst hat.

Es scheint, als ob dieser milde dreinblickende, haarlose ältere Herr mit dem leichten Bauchansatz, der an eine Mischung aus Gerd Rubenbauer und Austin Powers’ Dr. Evil erinnert, nun das zweifelhafte Vergnügen hat, als stellvertretender Sündenbock für sämtliche Scharlatane seiner Zunft zu fungieren. Ein shitstorm beginnt über einen Menschen hinweg zu fegen, der offensichtlich so vielen Verzweifelten, verzweifelt Suchenden oder anderen Verirrten und Verwirrten geholfen hat. Ein Mensch, der doch so viel Gutes will.

Will er?

Zunächst für diejenigen, denen dieser Herr immer noch nicht geläufig ist, eine kleine Zusammenfassung:

Robert Betz (Diplompsychologe, spät berufen) versteht sich als spiritueller Lehrer. In zahlreichen Büchern, Seminaren, Vorträgen verbreitet er seine Weisheiten für einen nicht geringen Unkostenbeitrag. Als cleverer Geschäftsmann nutzt er selbstverständlich auch Soziale Medien wie Facebook, YouTube und Twitter, um uns seine „Botschaften“ zukommen zu lassen. Er möchte uns daran „erinnern“, dass wir „von Natur aus göttliche Wesen voller Liebe sind“ und uns „unterstützen, Frieden, Freiheit, Freude und Gesundheit, kurzum ganzheitliches Lebensglück, zu erschaffen und aus unseren ‚alten Schuhen’ auszusteigen“ (https://www.facebook.com/betz.robert/info).

Das erfreut viele geneigte Leser, die diese frohen Botschaften ausgiebig 'liken' und mit Herzchen dekorieren. Denn wer hört nicht gerne, dass er „göttlich“ ist (oder wahlweise auserwählt ist, besondere Fähigkeiten hat)? Insbesondere die vom Schicksal und den Männern gebeutelte Damenwelt hat nichts gegen „neue Schuhe“ einzuwenden, so der Eindruck aus der Vielzahl der weiblichen Facebookommentatoren.

Soweit, so (un)gut.

Beim Lesen seiner täglichen „Botschaften“ auf Facebook stolpert man über nicht unbeträchtliches, teils unverständliches Geschwurbel (https://www.facebook.com/betz.robert?fref=ts).
Ich persönlich vermisse dort die didaktische Reduktion. Bislang war ich außerdem der Meinung, dass sich ein GUTER Lehrer dadurch auszeichnet, dass er auch die schwierigsten Sachverhalte einfach und verständlich erklären kann. Doch NEIN! Aus den Kommentaren unter seinen täglich erscheinenden Texten lernt man, dass es nicht an der mangelhaften Textkohärenz und der fehlenden, immanenten Logik liegt, dass die Betz'schen Texte bis zu einem gewissen Grad unverständlich bleiben, sondern dass man geistig noch nicht so weit oder generell noch nicht bereit sei, die frohe Botschaft verstehen zu wollen.

Um nun die Frohbotschaft für potentiell Willige verständlich zu machen, stehen die Betz’schen Jünger beim Prozess der erfolgreichen Gehirnspülung parat und helfen bei der Exegese der Eso-Phrasen. Sie erklären, was der Meister mit seinen Ergüssen gemeint haben könnte. Ganz einig sind sie sich dabei aber leider nicht. Und da ein „gemeint haben könnte“ kategorisch auszuschließen ist, da ja die „ultimative Wahrheit“ verkündet wird, wird auf der Betz’schen Facebook-Seite ausgiebig diskutiert und diskriminiert. Was auch alles im Sinne, bzw. Geiste des Erfinders ist und zunächst kein Problem darstellt.

Schwierig tun sich die Betz-Freunde allerdings dann, wenn Personen mit anderen oder gar kritischen Meinungen sich zu äußern wagen. Dann fällt auf, dass Kommentare von Leuten, die – zwar wenig hilfreich, aber manchmal verständlich - ihrem Ärger mit wüsten Beschimpfungen freien Lauf lassen, als Exempel für die Unzulänglichkeit der Gegenseite stehen gelassen werden. Freilich ist es legitim, den Gegner sich selbst diskreditieren zu lassen - und auch sehr wirksam.
Eliminiert jedoch werden Kommentare die offensichtlich zu weit gehen und deren Intention der Logik des spirituellen Konstruktes gefährlich werden. Beiträge, die in ihrer Rationalität und ihrer Klarheit keinen Interpretationsspielaum mehr für 'persönliche Wahrnehmung' lassen, sondern die ganz klar Widersprüche benennen; Kommentare, die widersprechen und die sinnlosen Inhalte mit wenigen Worten entzaubern. Zusätzlich werden deren Urheber für weitere Äußerungen gesperrt (Begründung: „spam“). All das ist problematisch, denn dann findet Zensur statt. Zensur ist per Definitionem

„ein restriktives Verfahren (...), um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte (...) Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden. Oftmals wenden insbesondere totalitäre Staaten Zensur an. (...) Sie dient dem Ziel, das Geistesleben in religiöser, sittlicher oder politischer Hinsicht zu kontrollieren. Diese Kontrolle wird begründet, man wolle oder müsse zur Eigendefensive unfähige oder unwillige Gesellschaftsgruppen vor der schädlichen Wirkung solcher Inhalte zu schützen.“
(http://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_(Informationskontrolle)#cite_note-1)

Dies geschieht wohl immer dann, wenn die 'gewünschte' Meinung offensichtlich nicht neben einer kontroversen Stand hält. Wo Gegenargumente zu mächtig werden.

Diese Vorgehensweise ist reproduzierbar zu beobachten in einer Szene, die mit einfacher Lebens- und Gesundheitsberatung beginnt (z.B. Robert Betz), vermeintlich moralische Ziele vertritt (z.B. „Ärzte gegen Tierversuche“) und über Weltverschwörungstheorien letztendlich bei (rechts)radikalem und menschenverachtendem Gedankengut endet (Kopp-Verlag).

Andere Gedanken, anders Denkende zu eliminieren, wer hat so etwas nötig, fragt man sich? Vor allem im Umfeld solch banaler Themen?

Der Zugang zu modernen Medien und insbesondere dem Internet ermöglicht es uns, uns zu informieren, uns auszutauschen und unsere Meinung kund zu tun. Es DARF jedoch - um was für einen Schwachsinn es sich auch immer handeln mag – NICHT ZENSIERT werden. Wo auch immer Zensur von Meinungen stattfindet, dort sollte man wachsam werden!

Natürlich verschafft man Bob Betz & Co mit derartigen 'Rezensionen', mit dem Teilen und Verbreiten der geistigen Absonderungen zusätzlich Aufmerksamkeit.
Über so manch verquastes Geschwurbel mag man sich belustigen. Das Ende der Lustigkeit ist aber definitiv erreicht, wenn Personen und/oder Organisationen Theorien und Weltanschauungen verbreiten (sehr gerne zu ihrem pekuniärem Vorteil) und dafür auch noch von einer breiten Masse belobigt werden, gegenteilige Meinungen aber gelöscht und Kritiker 'schreibtot' gemacht werden. Hier irgendwelche größer angelegten Intentionen unterstellen zu wollen, ist (noch) nicht gerechtfertigt. Es ist allerdings schon zum jetzigen Zeitpunkt eine Vorgehensweise herauszulesen der man durchaus Kalkül unterstellen könnte.

Es geht darum aufzuzeigen, dass das Ganze langsam aber sicher sehr ungute Ausmaße annimmt. Zum einen durch die offensichtlich riesige Maschinerie mit der versucht wird, auf wahrlich unethische Weise mit Heilsversprechen Profit zu machen, zum anderen das zunehmend despotische und sektoid anmutende Auftreten von Leuten aus diesen „Kreisen“. Das Weiterverbreiten mag insofern helfen, dass sich möglicherweise/hoffentlich mehr Leute darüber Gedanken machen. Der Satz „Denk mal darüber nach <3“ ist nicht umsonst eine der Lieblingsphrasen missionierender Erleuchteter!

Also. Lasst Euch nicht denk-, mund- und schreibtot machen.

Widersprecht! Wieder und wieder!

Ende,

NAMASTE!

<3


P.S.: Weitere „Strukturen“ und „Vorgehensweisen“, die stutzig machen sollten sind in diesem weiterführenden Video zu finden:

http://www.youtube.com/watch?v=EJfm71I0OyU

Montag, 10. Juni 2013

Steffen Kampeter

Viele sagen, Steffen Kampeter sei ein Prolet. Manche behaupten gar, dem CDU-Mann, der in regelmäßigen Abständen TV-Studios öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten aufsucht, um dort in ungehobelter Penetranz andere Gesprächsteilnehmer bei deren Ausführungen zu stören, gehe es gar nicht um politische Inhalte, sondern lediglich um propagandistische Phrasendrescherei, ums Streuen von Halbwahrheiten zum Zwecke der Diskreditierung der Opposition. Ganz böse Stimmen unterstellen dem korpulenten Mindener mit der modischen Mönchsfrisur gar, er verfüge gar nicht erst über die geistigen Kapazitäten, um solch psychotaktisch doch recht heikle Manöver anzuzetteln und durchzuführen. Wieder andere führen an, Kampeter, seineszeichens parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium der Finanzen, sei lediglich ein weiterer Ausweis der Politik "Teflon-Muttis": Die talentierten, vielversprechenden, wenigstens semi-geistreichen Nachwuchshoffnungen der angeblich konservativen Partei werden weggelobt, abgesägt, in die Wirtschaft abgeschoben. Übrig bleibt ein Wurmfortsatz schlimmster Mediokrität, eine anämische, untereinander kaum unterscheidbare Masse anonymer Sesselfurzer. Kampeter, so die Kritiker, sei nur einer dieser vielen Soldaten, die den Marsch mitgehen, den Mutti bläst, und sich insgeheim darüber ins Fäustchen lachen, dass sie trotz der erstaunlichen Minderbemitteltheit ihres Geistes und der verschwitzten, abstoßenden Anmaßung ihrer kleinbürgerlichen Beschränktheit eine doch ganz ansehnliche Position innerhalb dieser altehrwürdigen Volkspartei ergattern konnten.

Aber das kann man natürlich auch ganz anders sehen.

Irgendwie trotzdem - Danke,Robert Betz!

                                   Emoji
[Beim folgeden Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag]

Eigentlich komme ich als aufrichtig Suchende zu Robert Betz, mit einem Problem,dass ich als groß empfinde und der Empfehlung einer flüchtigen Bekannten.
 

Auf YouTube höre ich mir einige Vorträge an, ein Teil von mir sagt erstmal: "Interessant", der andere sagt sofort: "Irgendetwas stört mich". Ist es die Rhetorik, die Stimme, der Inhalt ?
Es ist noch nicht greifbar.
 

Ich entscheide mich, es erstmal gut zu finden, u.a., weil es so simple Lösungen anbietet. Man nimmt "negative Gefühle" "bejahend an" und transformiert sie in etwas Schönes, Positives...
 

Das gefällt mir!
 

Dann finde ich, es wäre eine gute Idee, die Transformation durch das Lesen auf der entsprechenden Facebook-Seite noch zu vertiefen. Zuallererst fallen mir die unglaublich vielen verwendeten Smilies und Herzchen auf, weswegen ich auf den "Gefällt-mir"-Angaben die statistische Altersverteilung der Fans nachsehe und erstaunt bin, da im (oberen)Mittelfeld zu liegen. Nun denn!
 

Mit der Einstellung "I want to believe!" lese ich fleissig mit, stelle Fragen, kommentiere, verteile "Likes" und Herzchen.
Aber nach und nach nagt der Zweifel...


Zum einen irritiert mich die Vorstellung, dass es mir also schlecht geht,weil ich das unbewusst so entschieden habe - bestimmt schon in meiner Kindheit!In der Betzschen Logik erschafft sich nämlich jeder seine Lebenswirklichkeit selbst - also auch sein Elend,seine Krankheit,seine Armut,u.s.w.


Also sollte ich wohl auch niemandem mehr helfen,weil derjenige seinen negativen Zustand (unbewusst!) genau so haben wollte,damit seine Seele etwas lernt?Dem würde ich nicht im Weg stehen wollen...


Die zweite Erkenntnis ist,dass anscheinend alle Menschen eine furchtbare Kindheit hatten,in der ihnen negative Glaubensmuster und Überzeugungen eingeimpft wurden.Von Betz wird dieses Empfinden verstärkt (oder erst ausgelöst?)durch Formulierungen wie."die meisten von uns",oder"wir alle".


Das "Innere Kind"ist omnipräsent. Als eine Frau allerdings kommentiert: "Da freut sich meine Kleine :) ", denke ich zuerst naiv, sie würde über ihre Tochter schreiben...


Um Ostern rum dann noch grössere Verwirrung, weil plötzlich Jesus, Buddha (Wiedergeburtsglaube), Engel, Gott/Göttin, Lady Gaia (Mutter Erde?)und P´taah einen bunten esoterischen Reigen tanzen. Nur zum besseren Verständnis - P´taah ist ein Wesen, dass sich noch nie inkarniert hat, sich aber via Maria-Strahl über Frau Andrea Schirnack als Channeling-Medium gerne auch zu körperlichen Themen wie Ernährung und Sexualität äussert. Oder auch zu Überschwemmungen,bzw. "Sinn-Sint-Fluten".


Meine Kommentare werden kritischer und der Gegenwind stärker.Erstaunlich,wie aggressiv die Herzchenverteiler werden können,wenn ein Schaf in den Stimmbruch kommt und falsch blökt.Das geht bis zu bitterbösen Mails im Facebook-Postfach.Ich bin eindeutig kein Grinseschaf mehr!


Mir fallen mysteriöse Lücken in Gesprächsverläufen auf,Personen fehlen - wird hier "von oben" gelöscht?!
Ich will das testen und antworte auf die übliche Frage "Warum liest du denn überhauptnoch mit,wenn du das alles so blöd findest?" "Weil ich einfach fassungslos bin,dass Menschen so bereitwillig anderen das Denken überlassen!"Nichts passiert!


Ich mache weiter und vermute irgendwann nicht nur,sondern weiss (durch entsprechende PN`s),dass gesperrt wird - und zwar nicht wegen Beleidigungen,sondern sachlichen Meinungsäusserungen!Weiter fällt auf,dass die täglichen "Botschaften" sich in unregelmässigen Abständen wiederholen, es aber trotzdem jedesmal eine Offenbarung zu sein scheint.
Am 25.05.2013 schliesslich lautet das Thema (mal wieder!) "Schenke der weiblichen Seite deines Lebens wieder Raum".Ich empfinde den Inhalt als Herabwürdigung meiner weiblichen Seite,äussere das auch und bin innerhalb von 10 Minuten gesperrt!Geht doch!


Mein persönliches Fazit lautet wie folgt:

Man könnte es als eine weitere psychologisch-religiös-esoterische Theorie einfach ignorieren,wenn wenn es nicht (konsequent zuende gedacht) zu einer wirklich egoistischen,gleichgültigen und abstossenden Haltung gegenüber anderen Menschen und ihren Lebensumständen führen würde.
 

Das Wort "Schuld" wird zwar ausdrücklich nicht benutzt,aber es durch das Wort "Eigenverantwortung" oder die Worte "eigene Schöpfung" zu ersetzen,macht es nicht sozialer.
 

Das "Chanelling" zum Thema Hochwasser wurde ja bereits von anderen erwähnt und spricht für sich!
Zum Abschluss noch ein Kommentarausschnitt zu der Botschaft vom 07.06.2013 :
(Namen von mir verfremdet...)

XY:"würde herrn betz eine reise in den kongo empfehlen..dort soll er den geschändeten frauen verhungernden kindern und gefolterten männern erzählen,dass  sie sich diese "lebenswirklichkeit"selbst erschaffen haben..als kleines beispiel.." 


E.E."XY,warum müssen diese Kinder und Frauen für dich weiterhin Opfer bleiben,warum willst du das?Warum wollen das so viele?Diese Einstellung hilft den Menschen nicht,sondern verschlimmert und fixiert ihr Leid!Für jeden "Geschändeten" ist nur dies die Lösung,diese Haltung,dieses Bewusstsein von dem Robert Betz hier schreibt.Sie als arme Opfer weiterhin zu sehen,ist respekt- und achtungslos.Du siehst ihre Seelengrösse und ihre Schöpferkraft nicht.Schade!" Ja, schade!
 

Mein eingangs erwähntes "Problem" hat sich durch die Erfahrungen der letzten Wochen so derartig relativiert,dass ich es nichtmal mehr als solches bezeichnen kann.Dafür (und nur dafür) sage ich: "Danke,Robert !" Emoji

Sonntag, 9. Juni 2013

Vom Bebbe und den Herzerln. Zu Robert Betz und seinem Umgang mit Hochwasseropfern

[Beim folgenden Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag]

„Ja spinnt der Bebbe?“ Das sagt meine Mutter immer, wenn sie mit wilden und haarsträubenden Dingen konfrontiert wird und schüttelt dazu leicht irritiert den Kopf. Mit dem Ausspruch taggt sie geistlosen Schmarrn stilsicher als nutzlos, unbrauchbar, nicht eines weiteren Gedankens wert und legt ihn damit vernünftigerweise ad acta.

Sie stammt allerdings auch noch aus einer Generation, in der es normal ist, seinen Kopf zum Denken zu benutzen und sich den Luxus einer unbestechlichen Meinung zu leisten. PLUS - sie ist nicht auf facebook aktiv und genießt damit den weiteren Vorteil, die innere Befindlichkeit ihres „Networks“ nicht ständig im Vorbeigehen einatmen zu müssen. So schick haben wir's heute leider nicht mehr. Man hört, sieht und liest mit, was den facebook-Freunden gefällt, wo sie laut zu überlegen und neuerdings zu herzerln beginnen. Insbesondere eine Klientel geht dabei ooooordentlich auf die Ketten - Robert-Betz-Anhänger, die das Verteilen von virtuellen Herzen quasi als Gangausdruck für sich gepachtet haben, um damit den unerhörtesten, in wachsendem Maße sogar diskriminierenden Sachverhalten ihre Zustimmung auszudrücken.

Robert Betz ist Psychologe und Marketingexperte und kann sich mit seinen geistigen Ergüssen inzwischen ein „neue(s), wunderschöne(s) Büro im zentral gelegenen Arnulfpark“ leisten, das (er) „in Kürze bereits auf 1.200 qm erweiter(t), damit sich jeder dort wohl fühlt und einen angenehmen Arbeitsplatz genießt“ (Robert Betz Webseite, 9. Juni 2013). Und das im scheißteuren München. Wenn er nicht in München zugegen ist, weilt er auf Lesbos, um dort Seminare abzuhalten. Täglich postet er auf facebook und auf seinem persönlichen Blog schnurrige Ergüsse, die sich im Umfeld einer privilegierten, gesunden und vor allem seicht-spirituell-interessierten Szene schnell und viral verbreiten und Robert Betz viel Zustimmung und eine fesche Reichweite im Internet verschaffen. Auch in der „Für Sie“ hat er eine Kolumne und dringt damit langsam in die Printbereiche der Boulevardpresse vor. Seine saugfähigen, provokant formulierten Inhalte, wie das immer wiederkehrende Wort „Transformation“ oder „Transformationszeit“ („Transformations-Therapie® ist übrigens die eingetragene Marke von Robert-Betz) sind irgendwie alles in Einem: Leicht verdaulich, drohend, trivial, bevormundend, sie wiederholen in ihren Antworten die ontologischen Fragestellungen, tänzeln deshalb im Kreis und bieten durch diesen Kunstgriff schier unendlichen Raum für die Projektionen von Doofen, Ängstlichen, Traurigen und Unreflektierten. Und sie lösen eine therapeutische Begehrlichkeit aus, die Anklang findet:

Die wenigsten Menschen wissen, wozu sie leben bzw. was sie leben wollen. Sie haben den Sinn ihres Lebens noch nicht gefunden und leben folglich ein sinn-loses, unerfülltes Leben ohne Begeisterung.“ (facebook-fanpage, 3. Juni 2013)

Wer selbst nicht glücklich ist, lehrt seine Mitmenschen das Unglücklich-Sein. (...) Ganz gleich, was du sagst oder tust: Wenn es nicht mit deinem SEIN, mit dem, was du ausstrahlst, überein stimmt, glaubt dir das niemand und es hat keinen Wert. “ (facebook-fanpage, 30. Mai 2013)

Tu all das mit der Liebe deines Herzens, sie ist das wichtigste Gewürz. Und du hast genug davon, denn Liebe ist das, was DU BIST.“ (facebook-fanpage, 31. Mai 2013)

Auf die nach Schema konzipierte Ansammlung von rhetorischen Plattitüden und reichlich weit gefassten Provokationen, die jeden Morgen so gegen sechs Uhr von Robert Betz rausgeschossen wird, fliegen auf der facebook-fanpage dann traditionell Herzchen, Sternchen und Liebesbekundungen für einen langsam in die Jahre kommenden Glatzkopf, dem man eine gewisse undistanzierte Nähe zu demokratisch nicht ganz koscheren, antroposophischen Rudolf-Steiner-Inhalten nachsagt (http://instantkatz.blogsport.de/2011/01/16/erster-eintrag/). Grenzenlos devot nimmt im Betzschen Sitzkreis eine Herde von Hohlo-Schäfchen Platz, die es liebt, von ihrem Therapeuten gehörig moralisch geschoren und finanziell gemolken zu werden. Allerspätestens jetzt würde meine Mutter wieder mal sagen: „Ja spinnt der Bebbe?“ und sich Wichtigerem zuwenden.

Aber ich kann das leider nicht. Denn es geht ja noch alles viel weiter. Meine Geschichte mit Robert Betz spielt im Juni 2013, Hochwasserkatastrophenalarm im Osten und Süden Deutschlands, viele Menschen haben alles verloren, haben unsägliche Ängste durchlitten und stehen vor dem materiellen Aus. Zu dem Zeitpunkt stellte ich auf der Robert-Betz-Fanpage einem Kommentar, der den Hochwasseropfern selbst die Schuld an ihrem Unglück zuspricht, ein klares NEIN entgegen. Hier der betreffende Post von einer Brigitta Preuschoff und mein Reply:

"Hochwasser! Jeder ist genau an dem Ort, wo er jetzt sein wollte. Und das muss mir keiner glauben. Wir suchen uns ALLES vorher aus. <3" (Klar, mit Herzerl!)

Mein Kommentar:

"@Brigitta Preuschoff: Und Du traust Dich auch noch, Deinen Dünkel fett zu äußern. Du bist eine Kolporteurin der sozialen und moralischen Ungerechtigkeit! Passiv, von Dir überzeugt und unfassbar destruktiv."

In Folge dessen wurde ich auf der Robert-Betz-Fanpage in meinen Kommentarfunktionen gesperrt. Am folgenden Tag, das Hochwasser war in Südbayern auf seinem Zenith angelangt, wurde ein Text zur Erklärung des Phänomens 'Flutkatatstrophe' gepostet. Dieser Text entstand, so legt es Robert Betz nahe - und ich hoffe, dass ich das jetzt mit meinen Worten auch adäquat wiedergeben kann - indem dem Medium, also der Frau Schirnack aus Aschau im Chiemgau, mittels des „Maria-Strahl(s)“ allerlei Weisheiten und Erkenntnisse aus der so genannten „Geistigen Welt“ (Robert Betz) ins Hirn gepieselt, äh geblasen werden und sie diese dann aufschreibt und unter anderem an die Robert-Betz-Fangemeinde weiter gibt. Also so oder ähnlich muss das wohl ablaufen, denn semantisch und syntaktisch sieht man dem Text an, dass er eher eine Mitschrift, ein Diktat ist. Es könnte allerdings auch sein, dass jemand versucht, den Text vorsätzlich wie ein Diktat aussehen zu lassen, um damit zu verfestigen, dass es die geschwätzige „Geistige Welt“ des Robert Betz wirklich gibt.

Weiter geht's (im Folgenden alles direkte oder indirekte Zitate aus einem Text, der am 4. Juni 2013 auf facebook gepostet wurde). In der oben begonnenen Logik ist für eine „Information“, die von höheren Wesen diktiert wurde, selbstredend auch nicht derjenige verantwortlich zu machen, der diesen ins Reine überträgt und verbreitet. Dieser elegante Trick legitimiert Robert Betz folgerichtig dazu, die pietätlosesten Dinge zu kolportieren. Zum Beispiel, dass die Niederschläge und die dadurch verursachten extremen Überschwemmungen „in die, das Bewusstsein des Menschen verändernde Transformationszeit pass(t)en“ und als ein „sinnvoller Vorgang“ verstanden werden könnten. „Wenn Wasser in Häuser kommt, dann ist das im Kern 'richtig', es kommen Gefühle ins Haus“, lautet die Kernaussage des Textes. Da wirke ein „Ordnungsprinzip“, „ähnlich, als wenn ihr in die Küche kommt und seht, da muss der Tisch abgewischt werden und ihr tut das dann.“ Der Text von Andrea Schirnack erklärt: dass „die Natur das (getan habe), was sie immer tut: sie dient dem Menschen. So wie sie Kartoffeln zum Essen und Bäume für Schatten gibt, so füllt sie hier (bei der Überschwemmung 2013, Anm. d. Verf.) feinstofflich auf. Die Natur schiebt das nach, was fehlt.“ Diese und vergleichbare Katastrophen nennt die gute Frau „Sinn-Sint-Fluten“ und erklärt, dass all das kausal deshalb geschehe, weil „die Liebe“ nicht ausreichend transportiert worden sei und weil „Kampf, Wut, Schweigen, Verbitterung, das Verstummen und Nicht-Leben von Gefühlen in vielen Familien herrscht…“.

Nach den Erklärungen zu den Gründen für die Flut kommt natürlich auch die Handlungsanweisung, um solche Naturkatastrophen in Zukunft zu verhindern. Nämlich, indem sie die Robert-Betz-Anhänger dazu aufruft, „wieder das zu übernehmen, was die Natur nun übernommen hat: Ordnung zu machen in der eigenen Familie, Frieden zu schließen in dieser Zeit, sich die Themen anzuschauen, jeder für sich und dann andere mitzunehmen (sic!, Anm. d. Verf.), zu lehren, zu heilen.

Äh. Ja.

Lässt einen diese geballte Ansammlung von Idiotie schon erschrecken, dann geben die Kommentare der Ultra-Robert-Betz-Jünger einem empathischen, sensiblen Menschen wahrlich den Rest. Diese scheuen sich nämlich nicht, dem Verbreiter dieser Schmierage mit reichlich Herzerln ihre untertänige Aufwartung zu machen. Gleichzeitig driften manche Exegeten des Textes derartig ins Unsoziale ab, dass man Angst bekommt.

Ilona Violetta danke-schön <3 14:37
Manon Neuer spricht mir aus der Seele! 14:06
Mona Mradula Koetz Sehr stimmig für mich vielen Dank<3 14:11
Viktoria Seitz Jeder der stirbt, hat es selbst so entschieden (auf der Seelenebene natürlich) ausserdem ist der physische Tod "nur" ein Übergang in die nächste Ebene der Seelentwicklung. 14:16
GiBi Zi Diese Wasser-Katastrophen, habe ich schon vor Jahren gechannelt bekommen... Das was gerade passiert hat seine Bedeutung, so wie alles im Leben seinen Sinn hat. Dass die Channels nicht immer leicht zu verstehen sind, macht vielleicht den ein oder anderen Sorge oder Angst, ich möchte mich da sehr vorsichtig ausdrücken. 14:28
Nicole Muddemann geniale Erklärung! könnte ein Teil der neuen Bibel sein 14:57

Genial?? Empörend! An diesem Tag begann folgerichtig auch ein Sturm des Protestes gegen das Pamphlet und solche Kommentare. Für viele der Leute, die sich ebenso deutlich, wie ich, gegen solche Ideologien geäußert hatten, war allerdings schon wenigen Kommentaren Schluss auf der Fanpage: Gesperrt, mundtot gemacht. Man erkennt dies an den zusammenhanglosen Antworten, die an @personX gerichtet sind, personX gibt es aber im Thread gar nicht mehr. Die Robert-Betz-Redaktion zensiert also fein säuberlich die Leute, die diesem gehirngewaschenen Haufen von Ideologie und Diskriminierung nicht einfach Platz machen wollen, sondern derlei Gedankengut für gefährlich und ächtenswert halten.

Trotzdem bleibt der Protest winzig. Leute! Der Typ ist aktuell auf Platz 2 der Spiegel-Bestseller-Listen. In manchen Foren wird Robert Betz mittlerweile sogar eine Nähe zu Scientology unterstellt (http://www.wer-weiss-was.de/theme52/article6722029.html). Jeder, der etwas auf sein Hirn und seinen Anstand hält, sollte bei Robert Betz auf facebook kommentieren und zusätzlich mithelfen, der „Für Sie-Redaktion“ bewusst zu machen, wem sie da zu einem Mega-Forum verhilft. Hier erhalten Leute ein Sprachrohr, die sich in ihrer erschreckenden Diskriminierungshaltung ungehindert verbreiten wollen. Unserer Demokratie wird eine Watschn verpasst. Fremde Meinungen sind unerwünscht und werden von einem 30köpfigen Team gezielt minimiert und zensiert. Und dahinter sitzt ein Mann, der mit „spirituellem“ Kalkül Millionen verdient. Ja, spinnt der Bebbe!? Auf geht's!!

Wie Robert Betz und Andrea Schirnack Flutopfer verhöhnen

Ich habe in diesem Blog ja bereits ausgeführt, warum ich den Esoteriker Robert Betz für einen gefährlichen Scharlatan halte und wie er sich darauf versteht, aus der bedrückten Seelenlage verzweifelter Menschen Geld zu machen. In kruden, unzusammenhängenden Sätzen, die jeder inneren Kohärenz und Logik entbehren, schustert Betz Machwerke wie "Wahre Liebe lässt frei" zusammen, ein groteskes Potpourri aus Religiosität, New Age, Motivation und Meditation, das so niveaulos und albern ist, dass konventionelle Motivationstrainer wie Anthony Robbins oder Brian Tracy neben Betz wie philosophische Schwergewichte von größter geistiger Tiefe wirken. Betz hält Vorträge und Seminare, publiziert Bücher und ist mittlerweile im "Mainstream" der Gesellschaft angekommen - mit dem Buch "Willst Du normal sein oder glücklich" steht der rheinische Geschäftsmann momentan auf Rang 2 der Spiegel-Bestsellerliste, Kategorie Sachbuch (Taschenbuch).

In seinem Facebook-Eintrag vom 4.Juni stößt Betz nun in neue, ganz und gar pathologische Dimensionen vor, indem er einer weiteren Esoterikerin namens Andrea Schirnack seine Plattform überlässt. Frau Schirnack lässt es sich hier nicht nehmen, die Opfer der Flutkatastrophe zu verhöhnen, die dieser Tage Deutschland in Atem hält. Tenor: Es ist gut und richtig, was passiert! 



"Wie der Mensch wohnt, das stellt ihn dar. Wenn Wasser in Häuser kommt, dann ist das im Kern „richtig“, es kommen Gefühle ins Haus. Der Mensch besteht aus Wasser [ca. 70 % des menschlichen Körpers], er geht in sein Heim. Diese vermehrten Sintfluten sind auch Teil der laufenden Transformationszeit. Eine solche Zeit stellt ein stark wirkendes Ordnungsprinzip dar. So ähnlich, als wenn ihr in die Küche kommt und seht, da muss der Tisch abgewischt werden und ihr tut das dann. Zeit in der Erde verwaltet Grundgesetze, Transformationszeit „rückt“ Grundgesetze an ihren Platz, in ihre Form „zurück“."

Wie wenn man in die Küche kommt und einen Tisch abwischt, so kommt also - Schirnack zufolge - das Wasser in die Häuser der Menschen. Das Wasser will einfach mal "richtig durchwischen", Ordnung machen, "säubern". Wenn man einer so verquasten Philosophie anhängt wie Betz und Schirnack dies offensichtlich tun, nach der alles "gut und richtig" ist, was passiert, dann muss man wohl auch konsequenterweise diesen ganz beträchtlichen Müll absondern. Denn wenn alles gut und richtig ist, was passiert, schließt das natürlich auch Naturkatastrophen ein, Überschwemmungen eben auch.

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie religiöse Apparatschiks oder Esoteriker derartige Katastrophen zum Anlass nehmen, um ihre spinnerten Theorien zu verbreiten. Jerry Falwell, ein US-amerikanischer Fernsehprediger, sagte nach dem 11.September, Schwule und Aktivisten von Bürgerrechtsbewegungen trügen eine Mitschuld an den Anschlägen, da sie durch ihren dekadenten Lebenswandel Gottes Zorn auf sich zögen. Außerdem sei der rosa Teletubby schwul, und auch hierfür habe der HERR kein Verständnis. Lustig? Ja, aber auch beängstigend.

Betz, Schirnack und Falwell sind in ein und derselben Kategorie; lediglich die Ausprägungen ihres geistigen Durchfalls sind verschieden. Wenn aber alles gut ist, was passiert, ist konsequenterweise alles Böse gut, was passiert. Wenn in Fukushima ein Atomreaktor explodiert, Juden in Vernichtungslagern umkommen, Bosnier in Srebrenica oder Tutsi in Ruanda massakriert werden, wenn Josef Fritzl in Amstetten über Jahrzehnte seine Tochter und seine Enkel, die gleichzeitig seine Kinder sind, foltert, ist das alles Ausdruck einer Transformationszeit, all das ist der Logik Schirnacks (respektive: Betz') zufolge lediglich ein Reinigungsprozess, ein schmutziger Küchentisch, der geputzt werden muss.

Welche Ausmaße das mentale Limbo angenommen haben muss, in dem sich Andrea Schirnack befindet, zeigt der letzte Abschnitt ihres kruden Pamphlets, das Robert Betz goutiert haben muss, da es schließlich auf seiner Facebook-Seite gepostet wurde:

"Weshalb es diese Länder getroffen hat und nicht den Norden, die Küsten. Die Energielage oder die Menschen sind hier nicht besser oder schlechter. Was hier wirkt, ist der Korpus „Erde“ und der Korpus eines Landes, auch hier gibt es Struktur-Zusammenhänge. Ein bestimmtes (Bundes)-Land steht für einen Teil des „Körpers Deutschland“. Meer und Seen in ihrer Regel sind nicht in der Weise relevant für oben beschriebene Transformation, wie Flüsse. Meer und Seen sind Informationsträger, erhaltende Becken des Nehmens und des Gebens als Welle und Strand.
Flüsse und Grundwasser, so wie ihr es jetzt erlebt, spiegeln den Menschen und den Fluss seines Lebens, also die jetzt zu transformierende Gestalt.
Gott zum Gruße, aus dem Maria-Strahl.
Übermittelt durch Andrea Schirnack, Aschau"
Kann man so etwas ansatzweise verstehen? Der "Korpus Erde" wirkt? Es gibt "Strukturzusammenhänge"? Meere und Seen seien nicht relevant. Sie sind Informationsträger? Warum? Warum, Frau Schirnack, sind nicht Donau und Rhein "Informationsträger", aber Seen und Meere? Gibt es dafür eine logische Begründung, oder haben Sie diese Information gerade unter Ihrem Fingernagel gefunden? "Flüsse und Grundwasser, so wie ihr es jetzt erlebt, spiegeln den Menschen und den Fluss seines Lebens, also die jetzt zu transformierende Gestalt." Welche Seelenpein muss man aushalten, um solche Sätze in eine Tastatur einzugeben? Wie tief muss man gesunken sein, wie wenig Selbstwert muss man besitzen, um diesen ausgemachten Schwachsinn abzusondern? Und, im Falle von Robert Betz: Was muss ein Mensch durchlitten haben, der seinen Verstand so komplett den Hasen gegeben hat?

Eine spannende Frage bei tüchtigen Geschäftsmännern wie Betz ist für mich immer: Glauben sie wirklich dran, oder ist es der reine Zynismus? Oder ist es am Ende beides? Hat Betz nur eine Nische erkannt (er kommt aus der Wirtschaft) und diese kaltschnäuzig und zielstrebig ausgenutzt, indem er sich ein paar Karen-Armstrong-Bücher im Schnelldurchlauf angeeignet und seine eigenen Theorien ersponnen hat? Oder ist er ein Überzeugter, ein Konvertit, dessen Fanatismus sich den Anstrich seriöser Lebenshilfe gibt und sich in hellblau glänzende Kent-Hemden hüllt? Genau so schlecht aber wie Betz' schimmernde Hemden seinen Ranzen verdecken können, der Zeugnis von den sprudelnden Einnahmen aus dem halbseidenen Geschäft im Esoterik-Zirkus ablegt, kann sein im tiefen Tenor vorgetragener Murks über die Tatsache hinwegtäuschen, dass er ein niederträchtiges Geschäft mit Verzweifelten macht, dass seine Thesen von einer ungekannten Idiotie sind und dass er und Schirnack wohlwissend Opfer der Flutkatastrophe diffamieren, indem sie ihnen einreden, es wäre gut und sinnvoll, dass ihr Hab und Gut verloren, sie selbst hoch verschuldet, und ihre Existenz vernichtet ist. 


















Armin Petras kommt als neuer Intendant ins "beschauliche" Stuttgart

Da in der kommenden Theaterspielzeit (2013/14) mit Armin Petras ein neuer Intendant ans Schauspiel in Stuttgart kommt, habe ich mir zwei Interviews mit ihm zu Gemüte geführt. Eines im Deutschlandradio Kultur:
  
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/buehne/2136802/

Das andere auf der Online-Präsenz der Stuttgarter Zeitung:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-mit-armin-petras-glueck-heisst-sich-zu-verausgaben.8fcb8259-6610-4d30-91b6-d056fdb3f6ca.html

Ich bin gespannt auf diesen neuen Impulsgeber. Petras ist gebürtiger Sauerländer und kommt aus Berlin nach Stuttgart, wo er zuletzt Intendant des Maxim-Gorki-Theaters war. Manche Berliner sehen auf Schwaben und Stuttgarter herab - beziehungsweise: Schwaben sind ihnen suspekt. Nicht so Petras. Sehr angenehm fiel mir gleich zu Beginn des Interviews im Deutschlandradio zum Beispiel auf, wie er den Versuch eines moderaten Stuttgart-Bashings durch die Moderatorin Susanne Burkhard gekonnt parierte. Ob ihm der Wechsel vom "lebendigen" Berlin ins "beschauliche" Stuttgart denn Bauchschmerzen bereite, wollte sie wissen. Denn, so legte die scheinbar doch recht ignorante Radiofrau nach, es fehlten doch die sozialen Reibungspunkte im Vergleich zu Berlin. Ach, wirklich, Frau Burkhard? In welcher Blase leben sie denn gleich? Die Frage nämlich, welche deutsche Stadt im letzten halben Jahrzehnt die politisch und sozial aufgeladenste und mit großem Abstand interessanteste war, kann eigentlich für einen aufgeklärten Bürger nur eine rhetorische sein. Für Susanne Burkhard persönlich will ich aber die Antwort noch einmal ganz klar geben: Stuttgart! Und nicht das langweilige, unschöne Berlin, ständig pleite, und angeblich so unglaublich "pulsierend". Das einzige was in Berlin meiner Meinung nach mittlerweile noch pulsiert, sind Ü60-Schwaben in Pension, die mal so richtig was erleben wollen, nur um dann in pseudo-verruchten Kneipen auf anderen Ü60-Schwaben zu treffen, die auf der Suche nach dem großen Rentenabenteur dann doch nur ihresgleichen vorfinden. 

Aber zurück zum Thema: Schon die Überschrift des Interviews im Deutschlandradio "Vom wilden ins Beschauliche" ist typisch für die kleinkarierte Unwissenheit und völlig klischeebehaftete Wahrnehmung einer der interessantesten Städte Deutschlands. Armin Petras jedenfalls konterte meisterhaft und entlarvte Burkhards in journalistische Rhetorik gekleidete Frage als das, was sie tatsächlich war: Ein nervtötendes Vorurteil. 

Beunruhigend wiederum finde ich die Äußerung Petras' in der Stuttgarter Zeitung zum Stück "Das Spiel ist aus" von Sartre, das er lobte. Ich war letzten März (2012) im Schauspiel. Vielleicht war es ein Fehler, das Stück Sartres vorher zu lesen, und vielleicht wäre ich ohne diese Lektüre zufriedener aus dem Theater gegangen. Keine der Personen, am wenigsten aber Eve und Pierre, sind hier nur ansatzweise getroffen. Die Inszenierung enthielt zwar einige vielversprechende schauspielerische Ansätze, war insgesamt jedoch eine ziemlich herbe Enttäuschung. Vor allem Till Wonka, dessen Talent unbestritten ist, enttäuschte als Pierre, den er zum triebgesteuerten Zappelphilipp degradierte und nicht als den kühlen Plotter gab, der er in Sartres Stück ganz zweifelsfrei ist. Das Ganze war also alles in allem ein großes Kasperltheater und Sartres nicht würdig, aber sei's drum. 

Petras startet mit 32 Inszenierungen und will viel "experimentieren". Das kann gut sein, muss es aber nicht. Die Spannung steigt deshalb umso mehr.





Freitag, 7. Juni 2013

Putins Scheidung ist ein satirischer Leckerbissen

Wie Wladimir Putin hier zusammen mit seiner Frau vor die Kameras tritt und sein Eheaus verkündet: Das ist mit das Seltsamste, Groteskeste Schauspiel, das ich seit langem gesehen habe. "Ja, es ist wahr, wir lassen uns scheiden. Wir sehen uns kaum", sagt der ehemalige KGB-Spion verlegen lächelnd, während Ludmilla bedröppelt daneben steht und die Sätze ihres Noch-Mannes abnickt. Kein Humorist der Welt könnte die tragische Komik darstellen, die dieses absurde Theater ausmacht. 


Friedrich gibt den Hardliner: Zum Totlachen / Rumänen und Bulgaren willkommene Prügelknaben für konservative Trantüten

Ich habe übers Radio vernommen, dass Hans-Jürgen Friedrich, oder wie auch immer unser überforderter Innenminister heißt, härter gegen "Armutszuwanderung aus Bulgarien und Rumänien" vorgehen wolle. Wow, Hans-Jochen! Du bist aber ein harter Hund! Greifst richtig durch! Zero Tolerance, wie Giuliani in New York oder so. Gegen Bulgaren und Rumänen wettern, ist das nicht sowieso ein bayrisches Hobby? Ach nein, entschuldigung, stimmt nicht. Auch in Nordrhein-Westfalen kennt man sich ja damit aus. Rüttgers, der lispelnde Ex-Vorsteher dieses Millionenmolochs und eine selten unbegabte Mediokrität, verstand es auch immer ganz virtuos, auf Minderheiten herumzuhacken, einmal waren's die Inder, dann die Rumänen. Wollen unschöne Apparatschiks aus dem konservativen Lager ihre Popularitätswerte aufpolieren und am rechten Rand fischen, darf's auch gern mal ein schimmliger Seitenhieb auf ein Südvolk an der europäischen Peripherie sein. Schade nur, dass unser Innenminister mit der Pudelfrisur nicht den Hardliner gibt, wenn's um wirklich wichtige Dinge geht, wie den NSU oder "linksautonome" Terroristen. Die CDU besteht mittlerweile aus einem bemitleidenswerten Haufen von Analphabeten und Nichtskönnern, deren Durschnittlichkeit frappierend ist und nur noch von ihrer Inkompetenz auf jedem ihnen zugeteilten Fachgebiet überboten wird. Natürlich aber ist sie trotz allem das kleinere Übel im Vergleich zum eurokratischen, egalisierenden Sozialismus von Rotgrün, der mir angst und bange macht. 

Gleichgeschlechtliche Partnerschaft / Der überaus mediokre Volker Kauder

Das Bundesverfassungsgericht hat eine gute Entscheidung getroffen, und gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Ehe steuerrechtlich gleichgestellt. Das ist konsequent, logisch und ganz und gar zu begrüßen. Der geistig unbewegliche Einfaltspinsel Volker Kauder, der in seinem leeren Parteisoldatendasein ein schlagender Beweis für die völlige Überholtheit der parlamentarischen Demokratie und ihrer kurzsichtigen Beschränktheit ist, findet das - natürlich - nicht gut und warnt vor einer "Politisierung" des Bundesverfassungsgerichts. Ach Jesus, Kauder. Nur in dieser vollkommen funktionsunfähigen Parteiendemokratie ist es möglich, dass sich eine fleischgewordene Mediokrität, wie sie Kauder darstellt, einen nicht unwesentlichen Posten innerhalb der bedeutendsten deutschen Volkspartei erklüngeln konnte. Die Person Volker Kauder ist schon deswegen ein ganz und gar untypisches Konondrum, weil sie ihre offenkundige charakterschwache Inhaltsleere nicht durch rhetorisches Geschick und phrasenschwangere Worthülsendrescherei zu verbergen versteht, sondern ein Gestammel an den Tag legt, das erstaunlich ist und mich panisch nach einer wohlerzogenen kulturellen Elite nach britischem Vorbild schreien lässt.

Die Gleichstellung jedenfalls ist gut. Die Argumente dagegen, die alle den "Schutz der Familie" als schäbiges Alibi zum Fundament hatten, habe ich schon immer als lächerlich und überholt angesehen. Keiner Familie schadet es, wenn nebenan ein lesbisches oder schwules Pärchen wohnt, oder dieses ebenso steuerlich begünstigt wird. Schwule und Lesben hat es immer gegeben; sie sollten natürlich die gleichen Rechte besitzen wie alle anderen. Außerdem lässt sich die Güte einer Gesellschaft immer noch am aussagekräftigsten daran messen, wie sie Minderheiten behandelt, mit ihnen umgeht und über sie denkt. In Deutschland sind wir in dieser Hinsicht relativ weit, aber sicherlich nicht weit genug. Das zeigt sich zum Beispiel in den Kommentarspalten bei faz.net, wo völlig reaktionäre Homophobiker ihr Unwesen treiben und sich als Anwälte einer antiquierten, angestaubten und muffigen Sozialordnung aufspielen.

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Dienstag, 4. Juni 2013

Robert Betz auf der SPIEGEL-Bestsellerliste: Ein Armutszeugnis

Was sagt es über ein Land aus, wenn das Buch eines halbseidenen Geschäftemachers, eines Scharlatans wie Robert Betz Position 2 der Spiegel-Bestsellerliste erklimmt? Da ich ja, wie hier im Blog bereits zu Beginn des Jahres berichtet, bereits in den zweifelhaften "Genuss" eines Betz-Buches gekommen bin, da mir eines geschenkt wurde, weiß ich, wovon ich rede. Betz' Bücher sind stilistisch eine Katastrophe, inhaltlich gelinde gesagt inkohärent und jeder Logik entbehrend und strotzen vor hanebüchenen, abenteuerlichen Behauptungen. So zum Beispiel will der haarlose Rheinländer seinen Lesern klarmachen, dass sie durch ihre negativen Gedanken selbst für körperliche Gebrechen, Krebsrerkrankungen etwa, verantwortlich sind. Wer kauft einen solchen Unsinn? Offenbar viele deutsche Leser, die sich in einer so bemitleidenswert verzweifelten Lebenslage befinden müssen, dass sie Bücher eines spätdiplomierten Nichtswissers kaufen, dessen schmieriges Nicht-Charisma, unverblümte Hochstapelei und widerliches Potpourri aus Self-Help und Dale Carnegie nur noch von seinen völlig überteuerten Seminaren übertroffen wird, die er unter anderem auf der griechischen Insel Lesbos abhält.

Die katholische Kirche, so heißt es jedenfalls immerfort, hat in Deutschland einen schweren Stand. Wenn die Alternative zum Beichtstuhl und zur Messe in aalglatten Geschäftsmännern wie Betz besteht, muss man allerdings hoffen, dass in naher Zukunft ein katholisches Revival einsetzt, das die unerträglichen Zumutungen der Selbsthilfeliteratur so überflüssig macht wie einen Kropf.