Dienstag, 30. Juli 2013

Bradley Manning, Lammert, Ashton

Die Verurteilung von Bradley Manning ist so traurig wie sie erwartbar war. Ein Idealist wird verknackt. Ob unser aller Lieblingspräsident, der tolle erste schwarze Präsident (seufz, stöhn) politischen Druck ausgeübt hat, weiß ich nicht. Trotzdem steht dieser Fall symbolisch für seine Präsidentschaft. Drohnenkriege, Erschießungen ohne Gerichtsverfahren (Bin Laden), Strategielosigkeit und Unentschlossenheit auf praktisch jedem Gebiet lassen den Beobachter ernüchtert zurück. Obama fehlt es an Durchsetzungskraft, an strategischem Geschick, und leider auch an Idealismus. Man muss sich eingestehen, dass selbst der semi-senile, drittklassige Schauspielerpräsident Ronald Reagan ("Bedtime For Bonzo") mehr Visionen hatte als der hawaiianische Melancholiker, der mittlerweile zu nicht viel mehr taugt als zu einer traurigen Marionette von AIPAC, Wall Street und dem republikanisch dominierten Kongress mit seiner Ansammlung von minderbemittelten Evolutionsverweigerern, Waffennarren und Pick-Up-Fahrern.

+++

Ist Norbert Lammerts Dissertation ein Plagiat? Das Sommerloch hat uns alle eingeholt. Who cares? Politiker sind fadenscheinige Schauspieler, deren Dissertationen nichts als Codes sind, Statussymbole auf dem Jahrmarkt der elitären Eitelkeiten. Lammert mit seiner gravitätischen, völlig gespielten, pseudo-profunden Diktion und seinem pietistischen Impetus ist sowieso der größte Schaumschläger. Als Bundestagspräsident hat er ohnehin so viel Einfluss auf die wichtigen Entscheidungen wie der Gemischtwarenhändler im Hinterhof nebenan. Es gibt nur einen Unterschied zwischen den beiden: Mein Gemischtwarenhändler hat nicht promoviert, und deshalb ist er kein Betrüger. Wie - wahrscheinlich - Lammert.

+++

Nimmt Catherine Ashton sich selbst ernst? Wenn ja, muss sie die einzige Person auf Erden sein, die dies tut. Das Schmunzeln auf dem Gesicht von Azizi, dem Oberkommandeur des ägyptischen Militärs und somit dem de-facto-Diktator Ägyptens, sagte mehr als tausend Worte, als er der beschalten, fahlgesichtigen Britin heute gegenüber saß. Die Farce namens "Außenbeauftragte der EU" ist  beschämend, unnötig und überflüssig. Sogar Guido Westerwelle würde in der Arabischen Welt ernster genommen werden als die anämische Ashton, obwohl auch jener auf dem internationalen Parkett als vollständige Lachnummer gilt. Was wollte Ashton in Ägypten? Was will die EU in Ägypten? Was will die EU überhaupt? Niemand weiß es. Das bürokratische Supermonster frisst Europa in einem langsamen, quallenhaftigen Putsch von innen auf, und niemand scheint es zu bemerken; und die, die doch Notiz nehmen, zucken mit den Schultern. Wann wird Deutschland wieder souverän?

Montag, 22. Juli 2013

Glenn Beck prophezeit die neue Weltordnung: Ein Stück TV-Geschichte, das zum Heulen schön ist


In diesem Clip, in dem sich etwas abspielt, das man eigentlich als nichts anderes als eines der größten satirischen Kunstwerke der Fernsehgeschichte bezeichnen kann, erklärt Glenn Beck, einer der hypnotischsten, talentiertesten, irrsinnigsten und pathologischsten Fernsehmacher der USA, die neue Weltordnung (aus seiner Sicht).
Nazi-Einfluss (roter Punkt), Erste-Welt-Gaunerstaat, kommunistisch (orangener Punkt), Moslembrüderstaat (grün), freier Staat (blau), sowie Dritte-Welt-Dienerstaat (gelb). Alles wird nun wild durcheinandergewirbelt, und nur Israel bleibt als einzig freier Staat in Becks wirrem, kruden Weltbild stehen. Das alles ist, man muss es eigentlich ja gar nicht erst erwähnen, Entertainment der allerhöchsten Klasse.
Besonders schön finde ich natürlich auch, dass Beck sich nicht dazu herablässt, irgend etwas zu begründen. Warum auch? Die Welt ist, das hat er blendend und luzid erkannt, ein großes, irrationales Haifischbecken, in dem sich idiosynkratische Großmächte ihr Stück vom Kuchen sichern. Hier gibt es keine Logik, keine Ratio und keine überbewertete, hintersinnige Sinnhaftigkeit. Alles ist idiotisch, und alles geht wild durcheinander.
Meine Lieblingspassagen: 
"If you're down in Venezuela, it's a nightmare"; "There's no way of escaping in Mexico"; "the only free state I really believe will be free is Israel"; "Muslim influence is going to spread all across Spain"; "I hope you like Chinese food, James Cameron, because I think you are going to have a lot of it"; "you might even have some Nazi influence in the United States"; "Russia is going to sweep in and the people of Europe are going to beg for the thugocracy of Russia"; "I can't decide yet who gets the United Kingdom, but there is going to be a sharing of an awful lot of stuff"; "The counterbalance to Islam in Europe will be the Nazis, they'll kill each other, and I think Russia will come in and take that"; "China will use Islam as the real enforcers that will then help us or whoever is in power"; "we are unfortunately in the end going to be a third world state"; 
und meine absolute Lieblingspassage:
"we will resemble a little more Mexico than America. What does that mean for Canada? I don't know. What does that mean for the rest of the world? You tell me. Because do you see the people in Greenland gathering a massive army to fight this back? [...]"


Diese zehn Minuten sind ein solches Meisterwerk dummdreister, perfider TV-Unterhaltung, wie sie nur ein amerikanischer Privatkanal aufführen kann. Ein so feuchtwirres Geheule, ein so souverän idiotisches Sonderschulgesabbel, das im Duktus größter Überzeugung und im Tonfall apokalyptischer Nachdenklichkeit vorgetragen wird, ist eigentlich unbezahlbar. Danke, Glenn Beck, dass du dein Gehirn über Jahrzehnte mit "Dr.Jack Daniels" kuriert hast, um uns diese Sternstunden, dieses fantastische Theater kühl kalkulierter Kasperhaftigkeit und pseudo-politischer Präzisionsanalyse zu hinterlassen. 

In Amerika gibt es Menschen, die dieses Programm ansehen, und es NICHT als Satire auffassen! Das ist uns Europäern nicht verständlich, wir können versuchen es zu begreifen, doch wir werden immer scheitern. Unser distanziert-ironisches Verhältnis zu allem, unsere bürgerliche Reserviertheit schützt uns vor den urwüchsigen Blüten, die diese Form der spektakulären, entrückten Unterhaltung bereithält. Dieses Programm muss man als Gläubiger betrachten, es ist ein Gospel der Apokalypse, ein feierlicher Abgesang auf den letzten Funken Rationalität, der noch im Oberstübchen eines Redneck-Hillbillies aus Kentucky schlummern könnte.

Ich will mehr davon!

Donnerstag, 18. Juli 2013

In Brüssel nichts Neues: Die totalitäre Krake sorgt für weitere skurrile Episoden

Zwei Meldungen machen betroffen und zeigen an, in welchem Zustand der europäische Kontinent sich 2013 Jahre nach Niederkunft des Heilands befindet: In einem Zustand der Erbärmlichkeit, man könnte auch sagen: In einer großen, stinkenden Mülltonne.

Die erste erschreckende, bestürzende Meldung ist, dass die EU keine Hilfsgelder mehr in von Israel besetzte Gebiete im Westjordanland fließen lassen will. Es flossen jemals Hilfsgelder in den semi-faschistoiden Staat Israel? Mir fiel der Löffel aus dem Mund, als ich die Nachricht las. Man ist vieles von der EU gewohnt. Diese Frechheit hat aber eine ganz neue, eigene Dimension. Vermutlich unterstützt das bürokratische, kalte, anonyme Monster in Belgien auch die USA? Wer weiß. Schließlich ist Israel ein florierender Staat. Wenn das anämische Monstrum in Brüssel schon reiche, kapitalistische Staaten in Nahost alimentiert, ist der Schritt wohl nicht mehr weit zur Unterstützung Saudi-Arabiens, dem Jemen oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die EU ist eine totalitäre Realität, die ihre Kraken leise, langsam aber fest und bestimmt um die Gliedstaaten der EU legt, um diese in einem widerwärtigen, quallenhaftigen Prozess langsam aufzulösen. Die völlige Lahmlegung und Abschaffung nationaler Souveränität erfolgt - wie in totalitären Systemen üblich - langsam, scheibchenweise und intransparent. 

Zweitens: Wolfgang Schäuble rollt durch Griechenland und bescheinigt dem freiheitsliebenden Südstaat "Fortschritte". Beklemmend und bedrückend muss einen die Tatsache stimmen, dass ein deutscher Finanzminister diese Macht in Griechenland, der Wiege europäischer Kultur und Zivilisation, ausüben kann. So weit hat uns - na wer wohl? - die EU und in diesem Falle insbesondere der Jahrtausendirrtum namens Euro gebracht. Deutschland hat die Macht in Europa, obwohl es diese nie wollte. Unter der liederlichen Prämisse der gemeinsamen Währungszone ist ein germanisches Riesenreich entstanden, das dem Hitlers bestürzend ähnelt, sich aber nicht mit Panzern, Haubitzen und Erschießungskommandos den Weg nach Osten bahnt, sondern mit eisernem Sparwillen, nebulösen Konstrukten wie der "Troika" und einer zögerlichen Salami-Taktik der Bundeskanzlerin, die sich keine großen Schritte zutraut und der Katastrophe so ihren Lauf lässt.

Der Linkstotalitarismus, der totale Staat, wie ihn die EU verkörpert, die grenzenlose Bevormundung hunderter Millionen von Bürgern, die ganz und gar ideologisierte Politik der Vorschriften, An- und Verordnungen, der Kommissare, Maßgaben und Räten, der Sitzungen und Gipfel, der blutleeren charakterlosen Bürokraten ist das Schicksal Europas am Anfang des 21.Jahrhunderts. Wenn es die europäischen Staaten nicht schaffen, in der nächsten Zeit ihr Schicksal wieder in die eigene Hand zu nehmen, Volkssouveränität zurückzuerobern, die Ketten der bürokratischen Maschinerie abzuwerfen und ihre eigenen Währungen wieder einzuführen, wird ein "reinigendes Gewitter" jedoch nicht die Folge sein, sondern ein Dritter Europäischer Weltkrieg aller peripheren Mächte gegen Deutschland. Das klingt momentan verrückt: In zehn Jahren aber, wenn Spanien, Griechenland und Italien wirtschaftlich verblutet sind, können solche Horrorszenarien sich innerhalb kürzester Zeit in akute Realität verwandeln. Ich habe daran kein Interesse.



Freitag, 5. Juli 2013

Militärcoup in Ägypten, Demokratie und Monarchie; die kognitive Dissonanz der Medien

Es ist schon bemerkenswert, wie deutsche und internationale Medien auf den Militärputsch reagieren, der in Ägypten stattgefunden hat. In Ägypten regiert jetzt wieder das Militär, mitsamt einer von ihm eingesetzten Präsidentenmarionette. Der demokratisch gewählte Präsident Mursi wurde gefangen genommen. Ist das nicht toll? Ist das nicht schön, dass mal wieder alles über den Haufen geworfen wird? 

Die Medien in Deutschland scheint das nicht zu stören. Ansonsten wird ja immer schön die Demokratie hoch gehalten, unser ach so überlegenes, ach so tolles System, dem wir ja so viel verdanken: eine blühende Parteienlandschaft, eine so gleich wie die andere. Mediokre Parteisoldaten, einer blutleerer und anämischer als der andere. Eine kompromissverkrüppelte Entscheidungslosigkeit, Jahr für Jahr. All das aber, so suggerieren uns die linksliberal- bis rechtskonservativen Einheitsmedien Tag für Tag, sind tolle Werte, die man am besten in die Welt exportieren sollte. Zwar führt man noch keinen Krieg in Mesopotamien wie die Amis, doch wäre es nicht schön, wenn der Nahe Osten oder Zentralasien nicht auch von unseren demokratischen Werten profitieren würde? Seltsam: Wenn Ägypter dann aber mal ganz demokratisch einen Präsidenten wählen, ist es uns auch wieder nicht recht. Kaum raufen sich ein paar Millionen Bürger zusammen und tun ihren Ärger kund, wollen wir den demokratisch gewählten Präsidenten gestürzt sehen und freuen uns, wenn dies dann tatsächlich auch geschieht. Warum ist das so?

Weil uns seine Nase nicht passt. Weil er Mohammedaner ist, und insgeheim ist uns das suspekt und macht uns beklommen. Ja, der Westen will schon demokratische Verhältnisse. Aber bitte mit dem richtigen Ergebnis! Es sollte schon eine westliche Marionette sein, bitte schön, etwa wie Mubarak oder Gaddafi. Solange sie am "Westen" orientiert sind, ist alles schon okay. Es gibt keinen Aufschrei darüber, dass Mohammad Mursi vom Militär gestürzt wurde. Das finde ich seltsam. Ich verteidige den bärtigen Radikalinski mit Sicherheit nicht, dafür ist er mir mit seiner stockkonservativen Paläo-Scharia-Geschichte viel zu verbohrt. Wer aber die Demokratie hoch hält, der sollte sich heute und in diesen Tagen für die Reaktion sämtlicher Medien schämen, die sich mal wieder vollkommen opportun verhalten und diejenigen hochjubeln, die die Macht haben. Demokratie aber ist ein Prinzip. Wer gewählt ist, hat die Macht. Es kann doch nicht sein, dass jemand vom Militär gestürzt wird, weil Menschen - nachvollziehbarerweise - gegen ihn auf die Straße gehen. Wo kämen wir hin, wenn das die Regel werden würde?

Ich halte von der Demokratie nicht übermäßig viel. Ich bin der Überzeugung, dass zu Zeiten der Belle Epoque, also im Wilhelminischen Zeitalter, die Menschen glücklicher waren als heute. Man stellt viel zu schnell eine Dichotomie her, nach der Diktatur, Gleichschaltung und Totalitarismus (also ein ganz und gar linker Staat) die Alternative zur Demokratie darstellen, was zwar hinsichtlich der deutschen Geschichte verständlich ist; trotzdem ist es aber falsch. Die Alternative zur Demokratie, also zur Diktatur des allenfalls semi-informierten Pöbels, ist keineswegs nur die Diktatur, sondern beispielsweise eine Monarchie, die auf den Fundamenten eines Rechtsstaates ruht, wie eben zu Zeiten Wilhelms II. Hier hatte man ein Parlament, einen starken Ministerpräsident (obwohl Caprivi und Bethmann Hollweg mit Bismarck natürlich nicht zu vergleichen sind), und einen über allem thronenden Hohenzollern, der den Weg vorgab. Die Zeit war weniger medioker, sie war ehrenvoller und klar hierarchisiert. 

Wie gesagt: Als jemand, der die Schwachstellen einer demokratischen Ordnung (mediokre Politiker, Sucht nach Wählerstimmen und dementsprechende Ausrichtung der Politik danach) klar sieht, kann ich es nur begrüßen, was in Ägypten vor sich geht, beziehungsweise es mit gleichgültiger Indifferenz betrachten. Wie aber Medien, die sich für gewöhnlich als Sturmgeschütze der Demokratie gerieren, nun plötzlich ganz und gar enthusiastisch-verklärt einen Militärcoup beklatschen, den sie unter anderen Umständen routiniert und entsetzt verurteilt hätten, ist schon ein ganz verheerendes und erhellendes Beispiel für das Phänomen der kognitiven Dissonanz. Tja: Es scheint eben doch schwerer zu sein als man denkt, konsequent zu seinen Prinzipien zu stehen.

Ich wünsche den Ägyptern, dass sie einen Präsidenten bekommen, gewählt oder nicht gewählt, der einen laizistischen Staat wiederherstellt oder etabliert, Religionsfreiheit gewährt, und das Land zu längst vergessener Blüte führt. Einer, der sich nicht zur Marionette von Obama und Kerry machen lässt, genau so wenig wie zu einer der Saudis oder der Iraner. Das ist unwahrscheinlich, aber nicht ganz unmöglich: Deshalb sollte man darauf hoffen.




Donnerstag, 4. Juli 2013

MGMTs Oracular Spectacular: Ein sprühender Spielkasten, eine Welt entrückter Nostalgie, Musik verstörender Schönheit

Ich denke nicht, dass man zu weit geht, wenn man "Oracular Spectacular", das vor 5 Jahren erschienene Erstlingswerk der Band "MGMT" in eine Reihe mit legendären Klassikern wie dem "White Album" der Beatles, "The Dark Side of The Moon" von Pink Floyd, oder aber "Are You Experienced" von der Jimi Hendrix Experience stellt. Das Album ist einfach in jeder Hinsicht erstaunlich, elegisch, experimentell und im besten Sinne psychotisch.

Die beinahe schwindelerregende Meliodiösität, die völlig ausufernde Wechselhaftigkeit der Rhythmen, die nostalgische Grundstimmung sowie die visionäre Strahlkraft dieses melancholischen Diamanten sind zum Heulen schön, zum Lachen traurig und bescheren nach kurzem Hören eine Gänsehaut wie nur wenige andere. Die Musik der New Yorker hat noch eine weitere Qualität, die nur ganz wenige musikalische Werke aufweisen, und die sie deshalb von der Masse des mittelmäßigem Einerleis abhebt: Sie ist gleichzeitig spielerisch leicht und von einer jungen, coolen und abgezockten Lockerheit geprägt; gleichzeitig aber schreit das Album eine seltsame Mischung aus Verzweiflung und Melancholie in die Welt, die ganz intim und nah ist, zwar immer lakonisch und unaufgesetzt, aber immer einen Gefühlskern berührt und den Hörer gefangen nimmt.


Die Grundstimmung bei MGMT: Nostalgische Verklärung. Es wird einer Kindheit nachgetrauert, die es wohl nie gegeben hat, und wenn, dann nur in der eigenen Fantasie. Mütter und Väter werden vermisst, eine gute alte Zeit der Harmonie und Unkompliziertheit wird heraufbeschworen. "Pieces of what we used to call home" heißt es im beklemmenden "Pieces of What", einer dieser Songs, der durch seine beinahe unangenehme Direktheit und seine überfallartige Brillianz tiefe Wunden auf der Hörerseele zurücklässt, und gleichzeitig süchtig macht und immer wieder gehört werden muss: Denn er ist traurig und schön - eine Kombination, die gefährlich ist, vor allem dann, wenn sie in der Intensität auftritt, die die Musik von MGMT ausmacht. 

"Time To Pretend" ist die Hymne der Band, genau so wie "Kids", zwei Songs, die eigentlich nicht mehr zitiert werden müssen, aber dann eben doch, weil sie so einzigartig sind. "Electric Feel" besticht durch eine surreale Leichtigkeit, "Weekend Wars" oder "The Handshake" sind elektrisierende, fein ausgearbeitete Kunststücke, deren Melodien so entrückt wie schön sind. 

Es gibt noch einen Reiz bei MGMT: Man kann in einem Club stehen, betrunken, und fröhlich grinsen, wenn "Time to Pretend" gespielt wird. Man kann aber auch in sich gehen, traurig oder nachdenklich sein, und "Pieces of What" hören. Und wieder. Und immer wieder, bis es einem zum Hals raushängt - also nie. 

Musik ist eine universale Sprache: Diese abgedroschene Hippie-Phrase erfährt bei MGMT einen anderen Twist. Die Sprache von MGMT ist universal, aber auch janusköpfig und zwitterhaft in ihrer Emotion. Sie ist kaum greifbar oder einzuordnen. Sie ist depressiv und nostalgisch, bunt und schillernd, ekstatisch entrückt und psychedelisch glitzernd. "Oracular Spectacular" ist ein bunter Spielkasten, eine Fundgrube. Sie nimmt uns an die Hand und in die Zeitmaschine, und führt uns in Zeiten, die wir nie wirklich erlebt haben, aber die wir alle kennen: In eine glückliche Kindheit voller netter Menschen, Spielkameraden, ewig blauem Himmel und unendlich rot glühender Sonne. Eine Welt der Nostalgie, die ein verführerisches Gift ist, auf dass man sich von Zeit zu Zeit gerne einlässt. Die Zeit, in die uns MGMT entführt, kennt jeder: Sie ist wie aus einem kollektiven Gedächtnis entsprungen. Was will uns die Musik sagen? Gibt es eine tiefere Botschaft, ein zu entschlüsselndes Leitmotiv?

Eigentlich ist es egal. Eine archaische Seite berührt dieser Bastard aus Rock und Elektro so oder so: Sie bedarf keiner weiteren Analyse. Sie ist was sie ist, steht für sich und genügt sich selbst. Sie ist das, was gute Musik sein muss.




When the world has turned
Paralyzed and wrong
Cold blooded claws
Never offered anything at all
Past the point of love
Shattered and untied
Waiting to pick up the pieces
That make it all alright

But pieces of what
Pieces of what
Pieces of what
Doesn't matter any more

Moonlight on my floor
Shining through the roof
They got the city surrounded
As if I needed proof
I forgot my fear
Feelings on the rise
Burying all of the pieces
Falling from the sky

But pieces of what
Pieces of what
Pieces of what
We used to call home
Pieces of what
We used to call home

When I drank your tea
And shallow water still
At the belgian gates
I waited for my meal


Der SWR und sein vorhersehbares Verdikt über Heckler&Koch

SWR1 ist ein guter Radiosender: Neben Rock-Klassikern spielt man Easy Listening aus den Achtzigern, einiges von heute, aber meistens Geschmackvolles, sieht man vom seltsamen Hang zu Joe Cocker und "Pur" einmal ab. Die Nachrichten sind informativ, die Reportagen interessant. Das Programm leidet leider aber an einer Malaise, die so charakteristisch ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Man ist wahnsinnig politisch korrekt und auf pathologische Weise linksliberal oder grün. Heute abend liefen ein paar ganz vorbildlich kritische Berichte über die Firma "Heckler&Koch", den Rüstungskonzern, der in Oberndorf ansässig ist. Ist das denn gut und förderlich, dass man dort Waffen produziert, wurde da rhethorisch in den Raum gefragt? Nein, natürlich nicht, so schrie es geradezu unsubtil aus dem Subtext. Kretschmann wurde befragt, was halte er denn davon, dass Heckler&Koch Waffen produziere? Ja, lieber SWR, was soll er denn davon halten? Die Steuern von "Heckler&Koch" kann Winnie sicher ganz gut gebrauchen in seinem Haushalt. Und sonst? Waffen werden gebraucht, und sie werden produziert. Wenn nicht in Deutschland, dann anderswo. Die schmierige Einstellung, die sich zum Beispiel eben in derlei windelweichen Reportagen ausdrückt, nach dem Motto: "Wir sehen das total kritisch, und sind gegen Waffen!" ist billig und kindisch. Sie sorgt vielleicht beim semikompetenten Hausmütterchen, ausgestattet mit gefährlichem Halbwissen, für ein gutes Gewissen und eine empörte Entrüstung. Alle anderen fragen sich aber, was der SWR mit einer so halbgaren wie nichtssagenden Reportage bezwecken will. Glauben die brav linksliberal geschulten Redakteure tatsächlich, man könne mit einer pseudokritschen Berichterstattung irgend etwas daran ändern, dass es Kriege auf der Welt gibt oder dass Heckler&Koch Waffen produziert? Es hat etwas Verzweifeltes, sich diese vollkommen realitätsferne Berichterstattung anzuhören.

***
(T.B.)