Montag, 20. Januar 2014

Die Bundeswehr auf dem Weg nach Afrika - lernen wir nichts aus Afghanistan?

Es wird allenthalben verlautbart, die EU wolle ihre Tentakel nun auch nach Zentralafrika ausfahren. Deutsche Soldaten sollen, so hört man, auch beteiligt werden. Es scheint fast überflüssig, auf die völlige Idiotie dieser Unternehmung hinzuweisen.

Mehr als zehn Jahre, nachdem zweifelhafte Bündnispflichten die Bundeswehr nach Afghanistan trieb, in einen Krieg, der mindestens so grotesk und peinlich war und immernoch ist wie das Desaster der Amerikaner in Vietnam, wollen mediokre Bürokraten in der belgischen Provinzstadt also wieder junge Soldaten in den Tod schicken, um sich auf schicken Dinnerparties gegenseitig für ihren vorbildlichen Einsatz für die Humanität auf die Schultern zu klopfen. Für jeden angestaubten Brüsseler Spesenritter und jeden aktenfressenden Schreibtischtäter muss es das Highlight des Jahres sein, sich im Bekanntenkreis und in aller Öffentlichkeit als Held aufzuspielen, der in einer unbedeutenden afrikanischen Bananenrepublik für Frieden sorgt und eine weitere Übungseinheit des postkolonialen europäischen Diplomatensports betreibt, der sich "Bevormundung des schwarzen Mannes" nennt.

Niemand in Brüssel und niemand in Berlin kann natürlich auch nur ansatzweise erklären, welche Interessen Deutschland in der zentralafrikanischen Republik hat. Die Bundeswehr ist dazu da, deutsche Landesgrenzen zu verteidigen, nicht mehr und nicht weniger. De facto wird sie leider als amerikanischer Pudel mißbraucht, der treudoof am Bein des Riesentrusts in ein Desaster nach dem anderen dackelt. Zentralafrika jedoch ist eine neue Dimension. Denn während man in Afghanistan noch Terrorismus als Kriegsgrund vorlügen konnte (wobei nach 2 Wochen Krieg klar war, dass bin Laden nach längst in Pakistan untergetaucht ist), handelt es sich in Zentralafrika um einen hausgemachten Konflikt.

Frankreich und sein bemitleidenswerter Präsident spielen sich in Afrika noch immer auf wie Feudalherren, die in ihren Ländereien nach dem Besten sehen. Offiziell wird "Verantwortung" vorgeschützt, in Wirklichkeit kommen Hollande derlei afrikanische Abenteuer gerade recht. Hier kann er sich in heroische Posen werfen und den starken Staatsmann markieren, der forsch und entschlossen einen Konflikt löst und von den Bürgern Zentralafrikas dafür mit Dankbarkeit überschüttet wird. Das lenkt von seinen eigenen privaten Eskapaden ab (so zumindest sein Kalkül) sowie von seiner jämmerlichen Bilanz nach zwei Jahren im Elysée-Palast.

Was kann man von Steinmeier erwarten? Leider nicht viel. Seinen staatstragenden Schröder-Bariton, den er regelmäßig zum summen bringt, um damit anzudeuten, wie schwer er mal wieder mit sich gerungen hat, um dann aber doch einmal mehr einzuknicken und alles zu tun, was Brüssel oder wahlweise Washington von ihm verlangen, kennen wir ja noch allzu gut aus den Jahren 05-09. Zwar kann ich mit Steinmeier insgesamt ein wenig besser leben als mit der "Ich bin in Sorge"-Marionette und Menschenattrappe Westerwelle. Doch auf internationalem Parkett ist Steinmeier sehr beliebt, und genau das ist das Problem. Denn man macht sich beliebt, wenn man das tut, was andere sagen. Wer eigene Interessen souverän und mit aller Härte vertritt, wird zum Buhmann: Schön kann man das bei Wladimir Putin sehen, der zu den absoluten Gewinnern des Jahres 2013 und vielleicht zu den talentiertesten, gewieftesten und gerissensten Machtpolitikern gehört, die die Welt in den letzten 50 Jahren gesehen hat. Übrigens kann man beim netten Herrn Obama genau das Gegenteil konstatieren: Beliebt, aber wirkungslos und schwach.



 

Keine Kommentare: