Montag, 20. Januar 2014

Die Deutsche Bahn - Exklusivtransportmittel für Großverdiener und Yuppies

Am Donnerstag fahre ich nach Berlin. Mit dem Fernbus, für 25 Euro. Ein Preis, den ich in Ordnung finde, nicht sagenhaft günstig, aber sicher fair. Wenn man wenig oder durchschnittlich viel Geld zur Verfügung hat und trotzdem mobil sein muss und will, kann man eben nicht viel mehr als das zahlen. 

Bei der Deutschen Bahn, dem halbstaatlichen Monopolbetrieb, würde mich dieses Reise ohne Bahncard 142 Euro kosten. Richtig, 142 Euro, einfache Fahrt. Weil es so schön ist, schreibe ich noch einmal auf, wieviel die Bahn für beide Wege berechnet (denn gewöhnlicherweise will man ja aus der Stadt, die man besucht, auch wieder heimkehren): 2 x 142 = 284 Euro. 284 Euro für eine Reise in die deutsche Hauptstadt. Nicht nach Nowosibirsk mit der transsibirischen Eisenbahn, und nicht nach New York mit Delta Airlines. 284 Euro, also fast 600 DM, für eine Reise nach Berlin.

Wer zahlt das, außer Managern, Vorständen und Yuppies, Privatiers oder Geschäftleuten, die die Kosten von der Steuer absetzen können, oder solchen, die sie vom Geschäft bezahlt bekommen? Die Bahn stellt sich ihr Klientel aber vermutlich so vor. Normalos unerwünscht. Geringverdiener gibt es nicht im Grube-Universum. Bahn-Fahrer sind immer smarte Key-Account-Manager, die auf hochtrabenden Magistralen von Paris nach Bratislava dampfen, um dort osteuropäischen Betriebsleitern auf die Finger zu klopfen. Auf dem Weg dorthin essen sie Wurst-Tramezzini von Johann Lafer für 24,95€, trinken Kaffee für 7,95€, zum Nachtisch ein Twix für 5 Euro. Dann lesen sie zum Entspannen das Bahnmagazin, wo Pappnasen wie Jörg Pilawa oder Nina Ruge leer vom Cover grinsen und über 8 Seiten im Innenteil so unverhohlen beschleimt werden, dass man sich schmutzig fühlt, wenn man das Magazin zur Seite legt.

Ich will die Bundesbahn zurück. Tranige Beamte im Provinzbahnhof, die mir mißmutig mein Ticket aushändigen und danach an ihrem Butterbrot weiterkauen, das sie temporär in der Tupperdose verstaut hatten. Dann einen Schluck Kaffee aus der Thermoskanne, und danach erstmal ein Nickerchen. Wenigstens war 1992 eine Zugfahrt nach Berlin noch erschwinglich, man zahlte 50 Mark, keine 300. Die Bundesbahn war eine Bahn für alle, für Hausmeister, Angestellte, Teilzeitarbeitende, Arbeitslose und Bauarbeiter, kurz: für das Volk. Heute ist "Die Bahn" eine neoliberale Geldmaschine, hoch effizient und höchst rentabel, alle Kosten zum Kunden outgesourct, das Geschäft brummt, schließlich hat man ein Monopol, die Schienen gehören ja der Bahn. So einfach ist es. Die Volksseele kocht ab und zu, nichts läuft, aber man kann sich darauf verlassen dass es irgendwo schon wieder einen Tsunami gibt oder eine Entführung. Dann ist man aus den Schlagzeilen und kann die Preise klammheimlich erhöhen, der internationale Energiemarkt sei Schuld, Rabarber Rabarber.

Oh wie bin ich froh, dass es Fernbusse gibt.


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