Freitag, 3. Januar 2014

Ronald Pofalla - Sinnbild unserer verkommenen selbsternannten "Elite"

Es ist zwar richtig und angemessen, das große Geschrei um den Wechsel von Ronald Pofalla vom Bundeskanzleramt in den Vorstand der Deutschen Bahn. Wundern kann es allerdings niemanden ernsthaft. Pofalla, in seiner ganzen fürchterlichen Mittelmäßigkeit, verkörpert den Niedergang des deutschen Parlamentarismus exemplarisch und steht in einer trostlosen Reihe mit hölzernen, blutleeren Marionetten à la Steffen Kampeter, Volker Kauder oder Olav Gutting.

Was in diesem Fall von Korruption und Vetternwirtschaft jedoch besonders frappierend ist, ist die offenkundige, völlig unverblümte zeitliche Abfolge der Ereignisse, die deutlich macht, dass Pofalla keinen Anstand und kein Gespür hat. Hatte sich der näselnde Nichtskönner, der im Sommer noch die NSA-Affäre für "beendet" erklärt hatte, als diese noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht hatte, doch im September noch ein Mandat im Bundestag gesichert. Aus privaten Gründen, so wurde verlautbart, würde er aber auf den Posten im Bundeskanzleramt verzichten. Er wolle mehr Zeit für sein Privatleben haben. Das ist seltsam: Denn Pofalla will seine Schäfchen nicht nur mit dem Millionenjob bei der Bahn ins Trockene bringen, sondern, man höre und staune, auch sein Mandat im Parlament behalten. Und damit setzt Pofalla neue Maßstäbe. So dreist hat noch kein Politiker auf die ihm vom Volk übertragene Aufgabe der Repräsentanz gepinkelt.

Ist ein Bundestagsmandat mittlerweile etwas, was man im Nebenjob machen kann? Ist es etwas, was einfach mal so nebenher läuft? Wie kann ein verantwortungsvoller, dem Wohle des deutschen Volkes verpflichteter Volksvertreter ernsthaft auch nur eine Sekunde in Erwägung ziehen, einen Full-Time-Job im Vorstand eines großen deutschen Unternehmens anzunehmen und gleichzeitig seinen Aufgaben als Parlamentarier nachzukommen? Eine solche Herkulesaufgabe kann schon allein aus logistischen Gründen niemand schaffen: Es ist schlicht nicht praktikabel. Schon gar nicht ist es aber von einem windigen, talentlosen Parteisoldaten wie Ronald Pofalla zu bewerkstelligen, dessen schwachmatenhafte Mediokrität ihn ausschließlich in einer Merkel-CDU in hohe Ämter führen konnte.

Gröhe, Pofalla, Friedrich, Gutting, Kampeter, Kauder: Wer nimmt diese Menschen ernst? Diese Witzfiguren, denen nicht nur alles, was Führungspersönlichkeiten eines großen Landes auszeichnen sollte - Mut, Witz, Esprit, Schlagfertigkeit, Toleranz, Ideenreichtum, Querdenkertum - abgeht, sondern die geradewegs alles Gegenteilige - Spießbürgertum, provinzielle Geistesenge, Verschrobenheit, Verzagtheit, Autoritätsgehorsam - verkörpern, werden in vielen Jahrzehnten vermutlich als Personen zitiert, die die Endphase der Bundesrepublik einläuteten. Wenn man sich ansieht, welche Geistesgrößen Deutschland hervorgebracht hat, muss man sich beschämt von der Regierungsbank und vom gesamten Parlament abwenden. Der Bundestag in Berlin ist ein Tummelplatz fetter, eitler Gockel, Profilneurotikern, Lobbyknechten, Spesenrittern, Höflingen, EU-Sklaven, die mit dem aktenfressenden, "subalternen Tretmühlenfleiß des Kanzlisten" (Egon Friedell) Deutschland geflissentlich und gutmenschlich in den Dreck fahren.





















Kommentare:

Anonym hat gesagt…

*aufsteh*: Klatsch, klatsch, klatsch, klatsch. Aber ganz langsam und cool.



(SCHREIB ENDLICH FÜR DIE GROSSEN ZEITUNGEN DER REPUBLIK, TILMAN!!!!)

T.Baur hat gesagt…

:-)
Danke für die Blumen!