Donnerstag, 17. Juli 2014

Biertest #1: “Herrenpils” von Stuttgarter Hofbräu

Im Jahr 1883, so entnehme ich dem rückseitigen Etikett des Herren-Pilses von Stuttgarter Hofbräu, adelte König Karl von Württemberg sein Lieblingsbier, indem er ihm den Status “Königlicher Hoflieferant” verlieh. Ob dies ein lange gereifter Entschluss war? Eine Überzeugung, ein Bauchgefühl? Oder ob die Entscheidung einer Bierlaune im wahrsten Sinn des Wortes entsprang, die der allseits beliebte König nach einer durchzechten Nacht mit seinem amerikanischen Toyboy traf?
Es ist egal. Das Herren-Pils, so viel steht fest, ist edel. Sein mit weißem Papier umhüllter Kronkorken verleiht dem Pils ein reines, puristisches Profil. Das Etikett ist einfach: Der Stuttgarter Gaul richtet sich im Hintergrund auf, oberhalb des in altdeutscher Typografie gehaltenen Schriftzugs prangt stolz, aber bescheiden das alte Württemberger Wappen (“furchtlos und treu”).
Geschmacklich ist das Bier solide. Schön herb, wie ein Pils sein sollte, dabei aber auch schön perlend im Mund und nicht zu trocken. Das Bier lügt dem Trinker nichts in die Tasche, es ist so, wie es ist. Das Herrenpils ist kein Aufschneider, kein Süßholzraspler der Biere. Es überzeugt durch Ehrlichkeit. Es ist, wie das Königreich Württemberg war: solide, arbeitsam und grundehrlich. Württemberg kam zur Monarchie wie die Jungfrau zum Kinde: Durch einen Handstreich Napoleons. Das Herrenpils schmeckt nicht nach Dekadenz, Palast oder Puderquaste. Es schmeckt nach Ackergaul, Draisine und Dieselmotor. Seine brutale Schlichtheit ist überwältigend und macht beklommen.
Natürlich ist das Herrenpils kein Duvel. Mit diesem Vergleich täte man ihm Unrecht. Schließlich würde man Stuttgart auch nicht mit Paris vergleichen. Doch wird es die Konkurrenz schwer haben, ihm in der Kategorie “grundehrliches Pils mit stilvollem Äußeren” das Wasser, bzw. den Gerstensaft zu reichen. Das Herrenpils ist entwaffnend einfach. Es ist ein Bier zum Trinken, nicht zum Schwenken, riechen und “nachschmecken”. Es ist kein Bier für schrullige Biersommerliers. Es ist ein Bier wie du und ich. Es ist ein Herrenpils, und es ist gut.