Donnerstag, 12. Februar 2015

Kruder Konformismus in Vorschuldeutsch: Mourlanes "Resilienz"

Denis Mourlane: Resilienz. Business Village Verlag (2014), 228 Seiten.

Die erste Kritik richtet sich an den Verlag "Business Village", bei dem "Resilienz" veröffentlicht wurde. Offensichtlich beschäftigt dieser Verlag keine Lektoren. Das Buch von Dr.Mourlane wimmelt von Kommafehlern, ist grammatikalisch - gelinde gesagt - holprig und stilistisch eine Zumutung. Schachtelsätze winden sich über mehrere Zeilen, Rechtschreibfehler finden sich auf jeder Seite. Als Leser kann man kaum glauben, das Buch eines promovierten Diplom-Psychologen in der Hand zu halten. Mourlane schreibt leider nicht geistreich und anregend. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Schlampigkeit aber schon.

Kostproben für Mourlanes Stil bieten folgende Sätze:

* S.35: "Der Unterschied ist gewaltig und kann auch ein gravierender sein."
* S.56: "Wie bei keinem anderen Resilienzfaktor ist also beim Optimismus Vorsicht geboten und dies hat zwei Gründe."
* S.92: "...sich bewusst machen, wie wir als Menschen funktionieren, unsere Thinking Styles mal genauer unter die Lupe zu nehmen, und zu schauen, wo uns diese unterstützen..."

Schauderliche Alltagsformulierungen wie "massivst" (sic!) oder "in keinster Weise" finden leider auch Einzug in den Text von Dr. Mourlane, was jedem Leser, dem die deutsche Sprache am Herzen liegt, Bauchschmerzen bereiten muss.

Wenn Mourlane jemanden zitiert heißt es stets, dieser habe sich "eindrucksvoll ausgedrückt" oder aber "er drückte dies wunderbar aus." Anglizismen gibt es wie Sand am Meer. Die Mühe, Konzepte und Ideen der Resilienzforschung zu übersetzen, macht sich Mourlane nicht. Der Leser stolpert also über "Thinking Styles" (Großschreibung von Mourlane übernommen), wird aufgefordert, seinen "Influenceradar" anzuschalten und Probleme - ganz dem Zeitgeist entsprechend - nach dem Prinzip "love it, change it or leave it" anzugehen. Faktische Fehler gibt es leider auch. So wird Barack Obamas Sieg bei den Präsidentschaftswahlen aufs Jahr 2007 datiert (die Wahl war 2008). Das ist nicht wichtig für den Inhalt des Buches, zeigt aber wie schlampig der Autor arbeitet. Mit einem kurzen Faktencheck bei Wikipedia hätte er diesen Fehler vermeiden können.

Problematisch habe ich die nicht ganz subtile Werbung für eine amerikanische Unternehmensberatung empfunden, mit der Mourlane seit Jahren kooperiert. Diese wird im Laufe des Textes mehrfach erwähnt, wobei der Zusammenhang zum Thema Resilienz hier und da etwas konstruiert wirkt.

Ein weiteres Problem sehe ich in der unternehmensfreundlichen Haltung des Autors. Mir drängte sich der Eindruck auf, dass das Buch weniger als populärwissenschaftliches Sachbuch, sonder vielmehr als Leitfaden für ein Business-Seminar konzpiert wurde. Effektiver sein, besser mit Stress umgehen können, funktionieren: Das scheinen mir die Leitfragen des Buches zu sein. Ein sehr enger Blickwinkel.

Inhaltlich ist das Buch enttäuschend. Leser, die wenig Zeit für Bücher haben und sich noch nie mit Psychologie beschäftigt haben, erhalten möglicherweise neue Impulse. Alle anderen nicht. Allgemeinplätze wie die Weisheit, dass nicht die Dinge an sich ausschlaggebend sind, sondern unsere Sicht auf die Dinge, etikettiert Mourlane als neue Erkenntnis und wälzt dies auf mehreren Seiten aus. Der sperrige Begriff "Resilienzfaktor Kausalanalyse" entpuppt sich bei aufmerksamer Lektüre als verklausulierte Beschreibung der Binsenweisheit, dass man zunächst den Grund für schlechte Gefühle herausfinden muss, bevor man sie ändern kann. Menschliche Grundbedürfnisse etikettiert Mourlane als "5needs". Grundbedürfnisse mit Copyright-Zeichen versehen - das kennt man sonst nur von amerikanischen Self-Help-Scharlatanen.

Ich habe das Buch als anbiedernd empfunden. Zum einen beim sogenannten "Durschnittsbürger." Das macht Mourlane durch Beispiele aus der Sportwelt, meist aus dem Fußball. So wird Thomas Müller vom FC Bayern wird als Musterbeispiel eines resilienten Menschen vorgestellt. An anderer Stelle wird Zinedine Zidane zitiert. Ein Abschlusskapitel über den Gott der Business-Community, Steve Jobs, darf auch nicht fehlen.

Zum Schluss will ich noch anmerken, dass mich die überaus positiven Rezensionen bei Amazon zu diesem Buch stutzig machen. Ich finde die Rezensionen hier sehr verlässlich und lese selbst meist die 1- oder 2-Stern-Rezensionen, um einen ausgewogenen Eindruck von einem Buch zu erhalten. Bei diesem Buch war das nicht der Fall. Auf Denis Mourlanes Facebook-Profil habe ich gesehen, dass Dr. Mourlane Fans und Leser, die sein Buch (sei es auch nur mit einem Satz) positiv kommentieren dazu auffordert, eine Rezension bei Amazon zu verfassen.

Ich unterstelle keineswegs, dass die Rezensionen manipuliert sind. Ich erachte dieses Vorgehen eines Diplompsychologen jedoch als - vorsichtig ausgedrückt - zweifelhaft. Als Schwabe würde ich sagen, dass es ein Gschmäckle hat. Es bestätigt nach der Lektüre des Buches aber auch meinen Eindruck von einem sehr geschäftstüchtigen Autor. Eine klare Trennung von populärwissenschaftlichem Dienst am Leser und eigenem Profitstreben würde einen seriöseren Eindruck machen.

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