Mittwoch, 18. Februar 2015

Matthew D.Rose über Griechenland

Matthew D. Rose hat einen erhellenden Beitrag für die Nachdenkseiten geschrieben. Er handelt von der deutschen Hegemonie in Europa, aufkeimendem Nationalismus, Sparpolitik und der Diskrepanz zwischen Selbst- und Außenwahrnehmung in Deutschland: 

"Was gegenwärtig in Griechenland geschieht ist wahrhaftig eine Revolution, auch wenn die Medien diesen Begriff peinlichst vermeiden. In Griechenland fand ein politischer und sozialer Umsturz statt. Die alte politische Kaste wurde aus dem Amt geworfen und die neue griechische Regierung wird von einer Partei mit einem wahren linken Programm geführt – zum ersten Mal in der Geschichte der EU. Die neue Regierung will nun nicht nur gegen die mächtige Klasse der Oligarchen und ihre politischen Handlangern, sondern auch gegen das aufgezwungene Austeritätsprogramm und die neoliberalistischen Kräfte, die das Land bestimmen, vorgehen. Wir beobachten vor allem auch Revolution gegen die deutsche Hegemonie und Deutschlands reaktionäre Politik gegen linke Parteien in Europa. Auch wenn gerne versucht wird, der Troika, der Euro-Gruppe oder kleineren EU-Staaten die Verantwortung in die Schuhe zu schieben, kann es keinen Zweifel daran geben, dass dies ein frontaler Angriff auf Deutschlands Rolle in Europa ist.
Das wird sicherlich viele Deutsche überraschen, die glauben, dass “wir die Guten sind” und überall Demokratie und Gerechtigkeit fördern. Es gibt aber einen wachsenden Groll in vielen EU-Ländern, die unter den Konsequenzen der deutschen Politik der Austerität leiden; eine Politik, die außerhalb Deutschlands als diskreditiert gilt und als pathologische Besessenheit der Deutschen angesehen wird.

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Der Mythos, dass Griechenland von der EU „gerettet“ wurde,  ist genau das: Ein Mythos. Das meiste Geld kam  nie in Athen an, sondern floss an deutsche und französische Banken, deren Existenz durch ihr Griechenland-Abenteuer bedroht war. Sie wurden gerettet. Das einzige, was die Griechen erhielten, waren neue Schulden.        

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Deutschland will diesen Diskurs jedoch nicht führen. Hier werden die Banken zumindest von der Politik mit Ehrfurcht wahrgenommen und die Regierungspolitik wird zum größten Teil durch die Wirtschaft diktiert. Auf der anderen Seite erheben die Deutschen jedoch auch einen sehr hohen moralischen Anspruch an sich selbst und andere. Doch was hat die politische Klasse Deutschlands getan? Assistiert von den Medien, griff sie auf wohlbekannte Hilfsmitteln zurück: Nationalismus und Rassismus. Es ging nicht mehr um gierige, fahrlässige, lügende, korrupte Banken, sondern gierige, fahrlässige, lügende, korrupte Südeuropäer.

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Tragisch ist, wie erfolgreich diese populistische Strategie in allen Klassen der deutschen Gesellschaft ist. Dass Deutschland der große Profiteur dieser Krise ist, will in Deutschland niemand sehen."


 






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