Dienstag, 24. Februar 2015

Olav Gutting, MdB (CDU): Aus dem Alltag eines Parteisoldaten

Olav Gutting ist Mitglied des Bundestages. Er vertritt seit dem Jahr 2002 den Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen. Bei der Bundestagswahl 2005 erzielte er ein für den deutschen Südwesten typisches, traumhaftes Wahlergebnis von 48,7%. 



Das ist Gutting. Das Bild prangt auf seiner Webseite www.olav-gutting.de. Sie sehen: Gutting ist ein Kümmerer. Er nimmt sich der Belange der Bevölkerung an. Ist ganz dicht dran. Hört zu. Ist ganz Ohr. Ob alleinerziehende Mutter oder Rentner mit Anglerweste: Gutting "horcht rein", schaut dem Wahlvolk aufs Maul. Mal ist er offiziell und staatstragend, gerne aber auch volkstümlich. Er passt sich an. Das kann er. Kritiker sagen, Gutting sei ein "Fisch".

Olav Gutting hinterfragt Dinge. Vor drei Tagen, am 21. Februar, stellte er sich und seinen Followern bei Twitter folgende Frage:

Eine Antwort erhielt Gutting bislang nicht. Warum sollte er? Die Frage ist wohl rhetorisch gemeint. Zwischen den Zeilen liest man: Schreddern ist okay. Ganz schön pfiffig, dieser Herr Gutting. Auf Nachfrage würde er bestimmt sagen, er wolle eine "Diskussion in Gang bringen". Einfach mal provozieren, "zum Nachdenken anregen". Sprechblasen produzieren. Gutting ist ein Meister darin. 

Ein Beispiel gefällig?


Grinsend, links, MdB (CDU) Olav Gutting. Süffisant, rechts, Ilcham Alijew, Präsident Aserbaidschans. Das „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) adelte ihn im Jahr 2012 mit dem Titel des "korruptesten Mann des Jahres". Alijew manipulierte Wahlen und setzt Familienmitglieder auf die Chefsessel staatlicher Schlüsselindustrien. US-Diplomaten nennen ihn "Mafia Gangsterboss". 

Gut also, dass es Olav Gutting gibt. Wie er berichtet (siehe Tweet), kam "auch das Thema Menschenrechte beim Gespräch mit Präsident Ilcham Alijew zur Sprache". Das wird Alijew eine Lehre sein. Man kann es sich gut vorstellen: Protzige Riesenvilla in Baku, Marmorböden, goldene Bilderrahmen, Herr Alijew umringt von leichten Mädchen, eine Zigarre paffend: "Jetzt mal über Menschenrechte nachdenken. Herr Gutting hat es ja angeregt".

Um seiner Botschaft Nachdruck zu verleihen, knipste der langhaarige CDU-Mann gleich noch ein Selfie von sich und dem ehrwürdigen Präsidenten. Stimmung: locker, fast ausgelassen. Auch diese Rolle beherrscht der agile Politprofi.



Was macht man nicht alles als heimatverbundener Parteisoldat? Man bindet sich einen "modischen" Schal um, "talkt" bei "Jüttners zuhause",




freut sich über volle Turnhallen und auf Auftritte des Einpeitschers und CDU-Generalsekretärs Peter Tauber,






besucht regionale Unternehmen, tut interessiert, versteht nichts, 

 
und - Achtung, Schlüsselqualifikation - teilt gegen europäische Nachbarn aus, die wieder mal irgendwelche Regeln nicht einhalten. Als hätte Deutschland nie gegen EU-Regeln verstoßen. Als braver Schäuble-Jünger kennt Olav Gutting die CDU-interne Bedeutung der "schwarzen Null" natürlich nur allzu gut. 

Deutschlands Verantwortung in der Eurokrise würde Gutting freilich nicht anerkennen. Hauptsache, der "deutsche Staat" schafft einen "Milliardenüberschuss". Für Gutting scheint nicht nur Elektrolyse "kompliziertes Zeug" zu sein. Auch das Einmaleins der Volkswirtschaftslehre überfordert ihn.  

Ein Seitenhieb gegen unfähige Südeuropäer gehört bei CDU-Mitläufern zum guten Ton. Auch Gutting ist da keine Ausnahme. Natürlich wird er auch das nächste Hilfspaket im Bundestag bewilligen. Der Fraktionszwang will es so, und auf Nachfrage stünde sicher auch der feminine Jurist Gutting mit der locker sitzenden Haarpracht "voll dahinter".  Laut bellen, dann einknicken: Was Markus Söder kann, kann Olav Gutting schon lange.



Ich gebe gerne zu: Der "Fisch" Gutting entgleitet mir. Ich bekomme ihn nicht zu fassen. Er ist glatt, gewandt, auf jedem Parkett bewegt er sich mühelos, als wäre es sein natürliches Habitat. Er verkleidet sich beim Fasching, stimmt bei schwierigen Entscheidungen immer "richtig" ab und "talkt" mit einflussreichen badischen Großbürgern bei Hefeweizen und Kalbsschnitzel. 

Der Mann ist ein Parteisoldat mit Zukunft. 












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