Dienstag, 3. Februar 2015

Patrick Bernau: Merkels fanatischster Groupie

Patrick Bernau ist verliebt in seine Kanzlerin. Das hat er oft bewiesen. Am Samstag schrieb er ihr einen neuen Liebesbrief in der F.A.Z. Darin deutet Bernau die allgemein beklagte Dauertaktik des Aussitzens der Kanzlerin zur strategischen Meisterleistung um: "Erstmal kommen lassen" feiert Bernau sein Idol bereits in der Überschrift.

Worum geht es eigentlich? Es geht um Griechenland. "Griechenland macht sich in halb Europa unbeliebt", tönt Bernau gleich zu Beginn und steckt routiniert das Weltbild der F.A.Z. ab, demzufolge der Grieche zu spuren hat. Wird er ungezogen und sträubt sich durch demokratische Wahlen gegen das Spardiktat, mache er sich, so Bernau, "in halb Europa unbeliebt" - mit halb Europa meint er hier freilich die Redaktion der F.A.Z. 

"(...) Angela Merkel wartet ab. Das ist die richtige Strategie: Griechenland darf sich auch mal mit anderen Ländern zerstreiten", freut sich Lausbub Bernau und kommt ins Schwärmen: "Einfach mal die Position halten, einfach mal nichts tun. Dabei könnte das genau die richtige Antwort sein auf Griechenlands Crash-Kurs." Brav führt der Redakteur ins Feld, was als Ausweis der Unberechenbarkeit der griechischen Regierung gelten soll: Der neue Verteidigungsminister provoziert die Türkei, der neue Außenminister geht auf Schmusekurs mit Russland und Finanzminister Varoufakis kündigt der Troika die Zusammenarbeit auf. "Und was macht Angela Merkel?" schwärmt Bernau in seliger Selbstvergessenheit; "Sie trifft sich am Freitag zum Abendessen mit dem französischen Präsidenten. Am Montag fährt sie erst mal nach Ungarn. Gut so." Der linientreue Musterschüler lobt sein Vorbild. Eine anrührende Szene der Loyalität - eine Meisterleistung des kritischen Journalismus, wie man ihn von Patrick Bernau kennt.

Bernau ist ein gläubiger Mensch. Zumindest politisch. Er glaubt so fest an die heilige Dreifaltigkeit aus freiem Markt, CDU und "schwarzer Null", dass sein Aufstieg in der neoliberalen Pressehierarchie nur noch Formsache ist. Denn jemand, der im Presseclub im Brustton der Überzeugung äußert, Hartz IV sei eine hervorragende Maßnahme gewesen, die Menschen "doch erstmal in Arbeit gebracht" habe, der glaubt nun wirklich alles. Bernau hat den Merkel-Katechismus fein gelernt. Er ist ein braver Mutti-Zögling.

Keine Kommentare: