Dienstag, 10. Februar 2015

Tsipras, die Mogelpackung

Die griechische Linke hat sich diskreditiert. Nachdem sie mit großen Hoffnungen gestartet war, hat sie die Zeit nach ihrem Regierungsantritt dazu genutzt, den Vertrauensvorschuss zu verspielen, den ihr viele europäische Bürger gerne gewährt hatten.

Denn das Europa der sparwütigen preußischen Pickelhauben bräuchte nichts dringender als eine starke Linke. Eine Linke, die dem Wahnsinn des staatlich geförderten Bankenrettungsprogramms ein Ende bereitet. Eine Linke, die Investitionen in die Realwirtschaft massiv fördert. Eine Linke, die sich gegen die häßliche deutsche Fratze wendet, die Europa nach bald 70 Friedensjahren wieder in ihren stiernackigen, dumpfen Dunstkreis zieht.
  
Tsipras und Varoufakis sind keine Repräsentaten einer solchen Linken. Zuerst koalierten sie mit Rechtsradikalen. Dann warfen sie die Troika in einem symbolischen Akt aus dem Land - inhaltlich zwar richtig, doch in seiner überheblichen Theatralik unerträglich. Schließlich forderten sie Reparationszahlungen in Höhe von elf Milliarden Euro vom deutschen Staat - "Besatzungskosten" sozusagen.

Diese Forderung ist besonders verwerflich. Zeigt sie doch, wie wenig es der Regierung um das griechische Volk oder um noch lebende Opfer der Nazis geht. Vielmehr werden diese instrumentalisiert, um Staatsschulden abzubauen und Defizite zu verringern. Mit dieser Forderung beschreitet Tsipras eine neue Ebene der ethischen Verkommenheit, die selbst das äußerst unappetitliche Bündnis mit den Rechtsradikalen von Anel in den Schatten stellt. Die klare Absage, die die Bundesregierung diesen abstrusen Forderungen erteilt hat, ist die einzig richtige Antwort auf diesen Erpressungsversuch auf dem Rücken eines historischen Verbrechens.

Ähnlich schlimm wiegt das laute Schweigen Tsipras', wenn es um die steuerbefreiten griechischen Reeder und Bonzen geht. Die Online-Ausgabe von Focus zeichnet in einem Artikel zu dem Thema ein düsteres Bild von der Verstrickung beider Regierungsparteien in die Machenschaften der griechischen Superreichen. Bedrückender Tenor: Auch Tsipras wird aller Voraussicht nach nichts an der schreienden Ungerechtigkeit ändern. Die griechische Linke reist seit der Wahl mit großen Ankündigungen und markigen Parolen durch Europa. Sie fordert dies, sie propagiert jenes. Varoufakis' Biker-Stiefel sind zum Symbol eines unorthodoxen, anti-elitären Regierungsstils geworden. 

Doch auch der hemdsärmelige Varoufakis scheint eine Mogelpackung zu sein. Warum kein Wort zu den Reedern und den Milliardären? Wechselt der Finanzminister das Schuhwerk, sobald die griechische Elite ihm Audienz gewährt? Er wäre nicht der erste Linke, der seine Straßenschuhe über Nacht gegen ein Paar gut gewichste Budapester eintauscht. In Deutschland kennt man viele dieser Sorte. 

Die griechische Links-Rechts-Regierung ist gescheitert, bevor sie angetreten ist. Sie hat sich in jeder Hinsicht blamiert. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung und darum, den Austritt aus dem Euro möglichst weich zu gestalten. Dem griechischen Volk ist es zu gönnen. Seinen inkompetenten Führern nicht.   







Keine Kommentare: