Mittwoch, 11. Februar 2015

Tsipras: Elitärer Wolf im sozialistischen Schafspelz

Auf der World Socialist Website (wsws.org) veröffentlichte Peter Schwarz vor einigen Tagen einen Artikel, der anschaulich bestätigt, was ich gestern geschrieben habe: Dass Alexis Tsipras und seine Syriza eine Mogelpackung sind. Schwarz titelt treffend: "Syrizas Unterwerfung unter die EU".

Tsipras enttäuscht vor allem die Linke. Es war vorhersehbar, dass die überwiegend konservative deutsche Presse ihn als linkes Schreckgespenst überzeichnen würde, und es überraschte niemanden, als es genau so kam. Dabei ist Tsipras das Gegenteil eines echten Sozialrevolutionärs. Syriza, so Schwarz, spreche für Teile der wohlhabenden Mittelschichten und des Bürgertums, die die enorme Vermögenskonzentration an der Spitze der Gesellschaft ablehnten. In Griechenland sei dabei lediglich ein internationales Phänomen zu beobachten, das dort besonders ausgeprägt sei. 600 Multimillionäre und ein knappes Dutzend Familien beherrschten das Land.

Was will Syriza erreichen? Eine echte Umverteilung zugunsten der sozial Benachteiligten keineswegs, so Schwarz:  "Sie will den Kapitalismus und die Europäische Union in einer Weise reformieren, die den von ihr vertretenen Mittelschichten den Zugang zu den Fleischtöpfen der Macht ebnet und den Reichtum unter den oberen zehn Prozent der Gesellschaft 'gerechter' verteilt. Syriza hat nur an die Unzufriedenheit breiterer Gesellschaftsschichten appelliert, um die erforderlichen Wählerstimmen zu erhalten. An der Macht tritt sie der Arbeiterklasse mit derselben Feindschaft entgegen, wie ihre Vorgängerregierungen."

Schwarz zeigt eine Parallele auf zum Amtsantritt Barack Obamas vor 6 Jahren. Auch der Hawaiianer sicherte sich seinen Wahlerfolg mit dem Versprechen, kostspielige Kriege beenden und für mehr Gerechtigkeit sorgen zu wollen. Sechs Jahre später ist sein Retter-Image restlos verbraucht, seine Wähler desillusioniert. Schnell, wenn auch nicht so schnell wie seine griechischen Pendants, entpuppte sich Obama als bereitwilliger Vollstrecker der routinierten Anweisungen, die ihm Wall Street, Militär und der aufgeblähte Sicherheitsapparat diktierten. Nur die verwässerte Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung könnte Obamas Eintrag in den Geschichtsbüchern aufwerten.

Tsipras führt keinen Totentanz auf. Er schauspielert. Er will in der Eurozone bleiben, aber zu den günstigsten Konditionen für die griechische Oberschicht. Er unterscheidet sich von seinen Vorgängern nur dadurch, dass er lauter redet und keine Krawatten trägt. Alter Wein in neuen Schläuchen. Für das griechische Volk ist das bitter. Es dachte, das Establishment entmachtet zu haben und wählte stattdessen seinen gewieftesten Azubi. 

 

















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