Dienstag, 10. März 2015

Das Gruselkabinett frühreaktionärer Denker. Heute: Florentine Fritzen über Frauen, die Männer niederwalzen

"Frau Fritzen, wir bräuchten dann noch einen Artikel, der sich gegen die Frauenquote richtet. Darf gerne etwas überzogen sein. Sie wissen ja, wie das geht. Wenn Sie das als Frau machen, unterstreicht das natürlich die Glaubwürdigkeit, das muss ich Ihnen ja nicht extra erklären." 

So oder so ähnlich dürfte es in der F.A.Z.-Redaktion neulich geklungen haben, nachdem der deutsche Bundestag auf Initiative von Familienministerin Manuela Schwesig die Frauenquote zu Wege gebracht hatte. Florentine Fritzen ließ sich jedenfalls nicht lumpen und verfasste einen Kommentar, den sie "Die Quotenwalze" nannte.

In ihm unterstellt sie den Frauenquotenbefürwortern, sie verfolgten eine Taktik des "Niederwalzens" - eine Taktik, die sie, so Fritzen, eigentlich immer den Männern vorgeworfen hätten. 

„Wenn ich ein Mann wäre, hätte ich gesagt: Das habe ich alles allein geschafft“ zitiert Fritzen die Familienministerin mit einer flapsigen Aussage, die man eigentlich nur ernst nehmen kann, wenn man gänzlich humorbefreit ist. So wie offenbar Florentine Fritzen: "Weil sie aber eine Frau ist, sagte sie ebendiesen Zickensatz, der alle Männer erst mal pauschal plattmachte. Dann lobte sie ihre Mitstreiterinnen - und natürlich Heiko Maas, aber der hat eben auch viele weibliche Eigenschaften."

Cry me a river, Frau Fritzen! Mit diesem - höchstwahrscheinlich scherzhaft gemeinten - Satz macht Manuela Schwesig "alle Männer erst mal pauschal platt"? Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Wenn das so weitergeht, unterstellen Sie den Frauen noch, sie würden auf dem Arbeitsmarkt systematisch übervorteilt. Aber ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen - vielleicht hat Florentine Fritzen das tatsächlich schon behauptet?

Das Wort "Mitkämpferinnen" löst bei der Redakteurin das blanke Entsetzen aus. Mahnend hebt sie den Zeigefinger: "Wer jetzt meint, sollen sie doch alle ihr Gehabe pflegen, wie sie wollen, irrt. Denn er verkennt, dass sich darin genau das zeigt, was Frauenquotenbefürworter beiderlei Geschlechts „den Männern“ immer vorwerfen: eine Taktik des Niederwalzens. So dass alle, die die Sache anders oder differenzierter sehen, lieber die Klappe halten."

Natürlich, Frau Fritzen. Wenn manche Frauen sich als "Mitkämpferinnen" bezeichnen und auch mal einen männerfeindlichen Spruch absetzen, muss System dahinter stecken. Eine Frauenverschwörung um Manuela Schwesig ist im Anmarsch. Die Machtergreifung steht kurz bevor. Ehrlich? Ist das noch Larmoyanz oder schon Paranoia?

Auch außerhalb des Bundestages, weint Fritzen, gebe es kaum noch Stimmen, die dem "Mainstream" widersprechen wollten. Über allem liege eine Soße: Die Quote sei gut, wer sie hinterfrage, sei dumm oder böse, so resümiert Fritzen die Quotendebatte. 

Korrektur, Frau Fritzen: Quotengegner gibt es viele, sie sind lautstark, nicht zu überhören. Viele von ihnen lesen F.A.Z. Ihre Lieblingsautorin sind vermutlich Sie, Frau Fritzen. Mit der "Soße", die angeblich über allem liegt, meinen Sie höchstwahrscheinlich Meinungen, die von Ihrer abweichen. 

Die wehleidige Argumentation kenne ich noch gut von Thilo Sarrazin. Es ist die "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Attitüde. Sie funktioniert so: Man macht vom Recht gebrauch, etwas Dummes zu sagen. Man erhält Widerworte. Dann beschwert man sich, man würde "mundtot gemacht", als "dumm" oder "böse" bezeichnet. 

Zur Meinungsfreiheit gehört aber auch, sich Meinungen über die eigene Meinung bieten zu lassen. Das müsste selbst Frau Fritzen wissen. Die "Soße", die über allem liegt, ist aus meiner Sicht eher das unsägliche Gerede über eine "Flexi-Quote" oder sonstigen Hokuspokus, der nur darauf abzielt, Unternehmen frei schalten und walten zu lassen. Das läuft jetzt jedoch zum Glück nicht mehr. Die Chance haben die Herren nun mal verpasst.

Frau Fritzen und die konservative F.A.Z.-Redaktion dürfen sich aber freuen. Denn dreißig Prozent Frauenanteil heißt doch nur, dass es noch eine faktische Männerquote von 70% gibt. Machen Sie eine Flasche Champagner auf, Florentine Fritzen! Die deutsche Volkswirtschaft ist für Reaktionäre in den Führungsetagen und ihre Apologeten in konservativen Redaktionsstuben noch immer ein Schlaraffenland.

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