Dienstag, 28. April 2015

Flüchtlingswelle: Wer klagt die USA an?

Schon seltsam, dass niemand über eine der offensichtlichen Hauptursachen der Flüchtlingsproblematik redet: Die jahrzehntelange Kriegspolitik der Amerikaner im Nahen Osten. Die Früchte dieser Saat erntet jetzt Europa - und dessen Politiker sind wie immer zu feige, das Offensichtliche auszusprechen. Sitz, Merkel! Platz, Hollande! Feeiiiin, Renzi! 

Buckelt doch nur alle weiter vor Uncle Sam. Derweil führen die Stars and Stripes ihren Endlos-Krieg fort, ohne jemals die Rechnung dafür zu kassieren. Rekapitulieren wir doch einmal nüchtern. Wie konnte sich der Islamische Staat denn so schnell verbreiten, und vor allem wo?

Erstens: Irak. Ein Failed State. Ursache: USA. Vor dem Einmarsch der GIs im Jahr 2003 sah das anders aus. Zwar regierte mit Saddam Hussein ein Mensch, den man nicht zwingend für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels vorgeschlagen hätte. Trotzdem durfte man von stabilen Verhältnissen sprechen. Die Amerikaner zogen Bilder von nicht vorhandenen Atomwaffen aus dem Zauberhut und ließen Bomben regnen. Der Rest ist Geschichte. Das Elend, das die Iraker heute erleben, geht aufs Konto von Bush und Obama - nicht ausschließlich, aber doch zu einem beträchtlichen Teil.

Next Stop Syrien: Man muss gar nicht so lange zurückdenken, da galt Assad als bester Freund sämtlicher amerikanischer Präsidenten, galt als gemäßigt, als Hort der Stabilität in Nahost. Ein paar rebellierende Facebook-Jugendliche überzeugten Herrn Obama 2011 davon, dass Assad gar nicht so nett sei, wie er immer getan hatte. Assad ließ man fallen, schickte dubiosen Rebellengruppen Waffen und sorgte für mehr Chaos, als Assad jemals hätte anrichten können. Die Verheerungen Syriens sind ebenfalls den USA geschuldet. Gut gemacht, land of the free, home of the brave!

Und wer schickt den Amerikanern jetzt die Rechnung? Natürlich niemand. Steinmeier kuscht vor Kerry, Merkel vor Obama und Hollande sowieso vor allen. Cameron hat Wahlkampf, Renzi kennen die Amerikaner sowieso nicht. Und deutsche Medien ignorieren die Tatsache, dass die Flüchtlingswelle und das damit verbundene Leid von Hunderttausenden auf einen Hauptschuldigen zurückzuführen ist, der noch nicht einmal auf der Anklagebank sitzt.